Jester is not amused (ist nicht begeistert)
An der Höhlendecke hängt Jester, die kleine satanistische Fledermaus mit einem Zahn und beendet die letzte Seite von dem Buch in ihren Krallen.
»Ich finde ja, dass es gut geschrieben ist und der erwartete Humor kommt auch nicht zu kurz«, spricht sie zu sich.
Die ZurDir hat schon einen außergewöhnlichen Vorteil: Jester kann sich aus allen Büchern, die es jemals gegeben hat und noch geschrieben werden, bedienen. Maun, der Besitzer der ZurDir – eine Zeitreisemaschine nur als Netzwerkschrank getarnt –, reist mit ihr durch Raum und Zeit. Das nutzt die kleine Fledermaus gerne aus. Mittlerweile besitzt sie unendlich viele der Meisterwerke alter Epochen. Diese stehen allesamt in der Tempelbibliothek.
Ihr neustes Hobby ist das Lesen von Büchern, die noch nicht einmal existieren, aber über diese Zeit handeln.
Das Werk, das sie gerade zuschlägt, ist von unserem Soerbuddha, der offenbar nicht nur die Tempelgeschichten schreibt, die wir bereits kennen.
Es handelt sich um ein Piratenbuch mit Fietje als Hauptfigur, dem schlechtesten Seeräuber aller Zeiten.
»Das ist überraschend gut geschrieben. Doch warum muss er jegliche Fledermäuse Jester nennen, die darin vorkommen?«
Sie gestikulieren so heftig mit ihren Krallen, die sich an den schwarzen Flügeln befinden, dass sie es versehentlich loslässt. Auf dem Weg zum Höhlenboden nimmt es wieder seine normale Größe an.
Im Tempel herrscht eine besondere Art von Magie. Instant der Tempelwächter hat ihr einen Ring geschmiedet und die Hexe hat diesen verzaubert. Mit diesem Schmuckstück ist sie in der Lage, jeden Gegenstand auf ihre Größe zu schrumpfen.
»Nein«, faucht sie, »das darf er nicht, ohne mich vorher gefragt zu haben!«
Auf dem Weg durch den Keller und der Lobby schimpft sie vor sich hin und landet schließlich im Garten.
Soerbuddha lehnt an seinem Lieblingsbaum und döst.
»Hallo! Sören, wieso schreibst du in jedem Buch eine Fledermaus rein, die den Namen Jester trägt?«, frag sie außer Atem.
»Hallo Jester. Was hab ich gemacht?« Der Mönch schaut sie mit seinen blauen Augen verwirrt an.
»Du hast in deinen Werken überall meinen Namen benutzt.«
»Was? Ich hab doch noch keine Bücher geschrieben«, antwortet er sanft.
»Ach ja, stimmt.« Kleinlaut tippelt sie nervös auf ihren Füßchen herum.
»Liebe Jester, ich verstehe noch nicht, was du von mir möchtest.«
»Manu und ich besorgen uns Bücher. Ich habe deine gelesen, die du noch schreiben wirst. In jedem Buch kommt eine Fledermaus vor und diese heißt Jester.«
»Oh!«
»Oh?«
»Das ist eine gute Idee. Bücher schreiben! Ich glaube, ich schreibe mein erstes Buch und halte all die Geschichten fest, die im Tempel passieren.«
»Was hab ich da nun angestellt?«, fragt sich Jester und kratzt sich an ihren Kopf.
»Das mit der Fledermaus Jester ist auch eine gute Idee. Danke Jester. Ich meditiere jetzt darüber und fang dann an zu schreiben.« Er schließt seine Augen und kehrt in sich.
»Na toll, bin ich jetzt schuld?« Die kleine Fledermaus zuck mit ihren Schultern und macht sich auf den Weg zur Bibliothek, um sich ein anderes Buch zu holen.
Mosdine, Erzählerin und Einhornpflegerin, nimmt einen Schluck Glitzerkaffee aus ihrer Einhorntasse und kommentiert zum Ende der Geschichte mit:
»Maun, habe ich gesagt. Maun, dieses Zeitreisen wird irgendwann Probleme mit sich bringen, habe ich gesagt. Du solltest es sein lassen.
Aber es ist wie es ist. Ich geh jetzt auch mal in die Bibliothek und hol mir ›Henry‹ von RockofBocks. Das ist wenigesten ein Buch, das es schon gibt.«
Sie stellt ihre Tasse ab und verschwindet im Reich der Bücher.








