Der Flug in mein neues Leben
Kapitel 1:
In dem Moment als ich in St. Louis in meinen Flieger einstieg, ließ ich mein altes Leben, mein altes Ich hinter mir. Ich war bereit von vorne anzufangen. Die Stewardess am Eingang des Fliegers wies mir freundlich meinen Platz zu, nachdem ich ihr mein Ticket gezeigt habe. ,,Danke." Ein dankendes Lächeln huschte über meine Lippen. Zum Glück habe ich einen Fensterplatz gebucht. Ich verstaute mein Handgepäck und begab mich auf meinen Platz.
Da saß ich nun in meinem Flieger nach Miami. Es gab keine Chance mehr umzukehren. In Miami wartete schon eine kleine, aber ziemlich teure Wohnung in Stadtnähe und ca. fünfzehn Minuten zum Strand entfernt, auf mich. Sowie ein Job in einem kleineren Zeitungsverlag der aber auch online sehr aktiv ist. Nach meinem Studium habe ich direkt bei mir in St. Louis, knapp ein Jahr lang für eine Zeitung geschrieben. Online habe ich mich dann in Miami für den Job beworben, sie schienen sogar relativ begeistert von meinen Berichten gewesen zu sein. Meine Berichte gingen hauptsächlich über die neueste Mode und Trends.
Ein Räuspern direkt neben mir riss mich aus meinen Gedanken. Mein Kopf schnellte Richtung Gang. Da stand ein Mann, der mich grimmig anschaute. ,,Ja?" fragte ich verwirrt. ,,Ma´am, nehmen sie ihre Tasche da weg. Mein Platz ist hier!" Er schaute mich immer noch grimmig an mit seinen strahlend blauen Augen. Ohne das ,,Ma´am" würde der Satz noch unfreundlicher klingen. Ohne was zu sagen, nahm ich meine Tasche von seinem Sitz und schaute ihn nur böse an. Das hat mir jetzt natürlich gefehlt, irgend so ein unfreundlicher Idiot der den gesamten Flug nun neben mir sitzt. Knapp drei Stunden musste ich wohl mit dem Mann neben mir verbringen. Als der Flieger startete, steckte ich mir meine Kopfhörer ins Ohr und machte meine Lieblings-Playlist auf Spotify an. Mit Blick zum Fenster genoss ich die Aussicht während des Fluges und versuchte alles um mich herum zu vergessen. Ich war einerseits sehr froh, endlich nach Miami zu ziehen, andererseits würde ich meine Heimat auch vermissen. Mich hielt zwar nicht mehr viel dort, aber die ganzen Erinnerungen und Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe. Familie hatte ich auch nicht mehr wirklich. Meine Mam und mein Stiefvater starben vor vier Jahren nach einem Autounfall. Ich hatte noch einen Stiefbruder, mit dem hatte ich aber keine wirklich gute Beziehung. Vor allem nach dem Tod unserer Eltern wurde der Kontakt zwischen uns immer schlechter. Unsere Eltern haben geheiratet, als wir noch Kinder waren. Sein Vater war für mich wie mein eigener Vater, ich hatte auch keinen anderen. So ging es ihm auch mit meiner Mutter. Da er drei Jahre älter als ich war, hatten wir meist andere Interessen und haben nie eine richtige Beziehung zueinander aufgebaut. Wir haben uns lediglich akzeptiert. Es gab zwar immer wieder Momente, wo wir uns relativ gut verstanden haben, aber die waren immer schnell vorbei. Unsere letzten zusammentreffen hatten kein schönes Ende mehr.
Ich spürte etwas an meinem Arm. Aus meinen Gedanken gerissen drehte ich mich um. Der Mann schaute mich an, er muss mich am Arm angetickt haben. Dahinter sah ich eine Stewardess, die mich wartend anschaute. Sofort zog ich meine Kopfhörer aus meinem Ohr. ,,Ma´am möchten sie etwas zu trinken haben?" frage mich die Stewerdess freundlich. ,,ähhm... Ja haben sie Sekt da?" man musste mir meine Unsicherheit sowas von anmerken. Sie nickte nur und lächelte dabei. ,,Gut, dann nehme ich einen Sekt." Ich lächelte zurück. Sie drückte mir ein sehr volles Glaß Sekt in die Hand. ,,Vielen Dank." Direkt nahm ich einen großen Schluck vom Sekt. Ich musste etwas das Gesicht verziehen, da mir der Sekt zu trocken war. Ich war eher der Typ für süßlichen Sekt. Trotzdem setzte ich das Sektglaß erneut an und nahm wieder einen Schluck. Ich brauchte das einfach grade. Als ich kurz zur Seite schielte, bemerkte ich das der Mann mich wohl die ganze Zeit beobachtet hat. Als ich zu ihm schaute konnte er sich ein lachen nicht verkneifen. ,,Da muss aber jemand durstig sein." sagte er lachend mit einem hauch spott. ,,Ich denke das geht sie nichts an." ich schaute ihn Grimmig an. ,,Oh wieso gleich so unfreundlich?", diese Frage konnte ja wohl schlecht sein Ernst sein. ,,Wie bitte? Sie haben mich doch von Anfang an so pampig angemacht!" Da grinste er nur. Als nichts mehr von ihm kam, widmete ich mich wieder meinem Glaß. Nach jedem Schluck wurde der Sekt genießbarer. Ich schielte ab und zu zu dem Mann, er sah an sich nicht schlecht aus. Seine Haare waren braun und etwas wuschelig was irgendwie süß aussah, nur sein muskulöser Körper bat den Kontrast dazu. Ein leichter drei tage Bart ließ sein Gesicht reifer wirken. Zwar trug er einen Pulli, der war jedoch eng genug um seine Muskeln darunter erahnen zu können. Er schien auch nicht viel älter als ich zu sein. Plötzlich drehte er sich auch zu mir um. Hatte er meinen Blick etwa bemerkt? Blitzartig drehte ich meinen Kopf zur Seite. ,,Zu spät." sagte er aufeinmal. ,,Was zu spät?" ich tat natürlich ganz ahnunglos. ,,Na sie haben sich zu spät weg gedreht. Ich habe ihr angestarre schon bemerkt." er grinste dabei. ,,Pfff wie bitte? Davon träumen sie wohl." hoffendlich bemerkte er mein rotes Gesicht vor Scham nicht. Zur Ablenkung trank ich den rest von meinem Sekt in einem Zug aus. ,,Geben sie es doch schon wenigstens zu. Sie werden doch ganz rot." er grinste die ganze Zeit nur. Er schien die Situation wohl recht amüsant zu finden. Was jetzt, was sagt man in solch einer Situation? ,,Quatsch ich war in Gedanken und habe einfach ins leere gestarrt." ich war einigermaßen zufrieden mit meiner Ausrede. ,,Ah ja genau." sagte er nur und beließ es dann dabei. Als die Stewerdess wieder den Gang entlang lief winkte ich sie zu mir. ,,Entschuldung, kann ich noch einen Sekt haben?" dabei hielt ich ihr das leere Sektglaß hin. Sie nickte und nahm das Glaß entgegen. ,,ich hätte gerne ein Whisky." Kurz darauf brachte sie uns unsere Getränke. ,,Sie scheinen ja immernoch ganz schön durstig zu sein." sagte er. ,,Tja anders hält man es ja auch nicht neben ihnen aus." konterte ich. Innerlich war ich ganz stolz auf meinen Konterspruch und konnte mir ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. Ihm entflog nur ein kurzes lachen.
Ich zückte mein Handy und scrollte etwas bei Instagram rum, um die langeweile im Flugzeug zu vertreiben. Dabei nippte ich immer wieder an meinem Sektglaß bis dieses leer war.
Dann kam auch schon die Landedurchsage. ,,Na endlich." sagte ich leise zu mir selber.
Als der Flieger dann stand, konnten wir endlich aufstehen. Ich nahm meine Handtasche, steckte mein Handy hinein und stand auf. Der Mann ging in den Gang rein in den sich alle drängelten. Ich versuchte mein Handgepäck aus der Ablage zu holen. Da ich mit meinen 1,60m etwas klein war, wurde dies etwas schwierig. Irgendwann schaffte ich es, dass mir die Tasche auf den Kopf und dann auf den Boden fiel. Ich gab ein kurzen Laut von mir. ,,Mensch passen sie doch auf." der Mann stand ja immernoch neben mir im Gang. ,,Entschuldigung." brachte ich nur raus. Dann hätte mir der Idiot ja auch helfen können. Er ging weiter Richtung Ausgang. Ich nahm meine Tasche vom Boden und ging dann auch Richtung Ausgang. Im Flughafen angekommen grinste mir der Mann nur nocheinmal frech zu bevor er dann in der Menge verschwand. Sein Auftreten hatte mich etwas aus der Bahn geworfen.
Als ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte bin ich erstmal zur Gepäckausgabe gegangen um meine zwei Koffer zu suchen. Für einen Umzug hatte ich relativ wenig Gepäck dabei. Das meiste meiner Besitze habe ich in St. Louis noch aussortiert. Bei meinem Neuanfang wollte ich so wenig wie möglich, was mich an mein altes Leben erinnert mitnehmen. Nur meine Lieblingskleidung, Familienbilder, meinen Laptop der für die Arbeit ganz wichtig ist und mein Handy hatte ich mitgenommen. Als ich nach einer gefühlten ewigkeit meine Koffer hatte, musste ich sie mühsam durch den Flughafen schleifen. Auf sämtliche Arten versuchte ich meine Koffer am besten zu transportieren. Schlussendlich zog ich einfach beide jeweils in einer Hand hinter mir her. Wie ich für die anderen Menschen dabei ausgesehen haben muss möchte ich mir garnicht Vorstellen. Endlich draußen angekommen hielt ich direkt ausschau nach einem Taxi. Als ich nur 15 Meter von mir entfernt eins entdeckte, hielt ich direkt drauf zu. Als der Fahrer mich erblickte und merkte wie ich zu ihm ging, machte er schonmal das Fenster runter. Als ich dann vor dem Taxi stand merkte ich nur wie jemand immer naher kam und mich schlussendlich zur Seite drängelte. Ohne zu schauen wer das war rief ich direkt :,, Heee, was soll der scheiß!?". Dannach erst erblickte ich die Person. Da war das freche Grinsen schon wieder. Schneller als ich es mir gewünscht hätte. ,,Sie!" brülle ich ihn nur an. ,,Ich?" fragte er ironisch und Grinste schon wieder so. Dann stieg er einfach in das Taxi ein und sagte irgendetwas zu dem Fahrer. Total Perplex blieb ich stehen ohne etwas zu sagen. Ich kam grade nicht auf die Situation klar. Welch eine Frechheit kann ein Mensch blos besitzten. Da fuhr das Taxi auch schon los. Ich hätte schwören können, dass mir der Fahrer einen entschuldigenden Blick zugeworfen hat. Oder war das nur Einbildung? Das fing hier ja schon super an. Wenn alle in Miami so egoistisch, unsozial und frech sind kann das ja mal was werden hier.
Einglück waren hier am Flughafen immer mehrere Taxis. Als ich dann entlich im nächsten Taxi saß und mein Gepäck verstaut hatte musste ich die Adresse von meiner neuen Wohnung raussuchen bevor ich dem Fahrer sagen konnte wohin es geht.
,, Bitte zur 1550 Brickell Ave." schon startete er den Motor und fuhr los. ,,Sind sie das erste mal in Miami?" fragte der Fahrer. Er wollte wohl etwas smalltalk mit mir führen. ,,Ja ich bin aus St. Louis hergezogen. War aber noch nie hier." antwortete ich kurz. ,,Oh Miami ist eine schöne Stadt, sie werden es hier lieben." Bei der fünfzehn minütigen Fahrt hatte ich etwas Zeit die Aussicht aus dem Auto zu genießen. Dabei konnte ich noch gar nicht realisieren, dass ich nun hier wohnen würde. ,,Schön hier nicht wahr?" Der Fahrer musste bemerkt haben wie ich gespannt aus dem Fenster schaute und alles beobachtete. ,,Oh ja und wie." drückte ich mein Erstaunen aus. Man konnte direkt ein anderes Feeling in Miami wahrnehmen als bei mir in St. Louis. Nach knapp 20 minuten Fahrt hielt der Fahrer an. ,,So Miss wir sind da." ,,Super vielen dank. Was bekommen sie denn?" Er deutete auf das Taxameter ,,35$" sagte er nur knapp. Ich kramte in meiner Handtasche und holte 40$ heraus. ,,Stimmt so." sagte ich nur. ,,Danke." sagte er lächelnd. Dann stieg er aus und half mir noch kurz mit meinem Gepäck. Dankend nickte ich ihm zu.