Kapitel ~1~ neu
Tief verborgen in den endlosen Wäldern von Dyas Hain, dort, wo der Nebel am Morgen zwischen uralten Bäumen tanzt und nur das Zwitschern der Vögel das Schweigen durchbricht, stand ein mächtiges, schwarzes Schloss.
Hier lebte Fürst Valayar mit seinem treuen Gefolge. Das mächtige Schloss ragte über die Bäume empor und seinen dunklen Steinen trotze der Natur seit Jahrhunderten.
Auch heute erleuchtete das Mondlicht das Schloss als Valayar auf den Schlosshof trat. Seine Männer standen schon an ihren Schlachtrössern und warteten wie jeden Abend auf ihn.
Seine schwarze Rüstung glänzte im Mondlicht, als er zu seinem eigenen Pferd schritt, einen schneeweißen, kräftigen Schimmelhengst, den er Cilantro getauft hatte.
Dessen Zügel übernahm er von einem seiner menschlichen Knechte und stieg auf das große Tier mit einem eleganten Schwung. Sein Langschwert steckte wie immer griffbereit in der Scheide auf seinem Rücken.
Sein geflügelter Helm war genauso dunkel wie seine Rüstung und reich verziert, das Visier ließ nur den Blick frei auf, dass was vor ihm lag. Seine langen, schwarzen Haare fielen offen über seinen Rücken. Hinter sich hörte der Kriegsfürst, weiteres Hufgetrampel.
Seine Männer waren ebenfalls aufgestiegen und hatten zu ihm aufgeschlossen, jedoch drehte er sich nicht zu ihnen herum, ihre Patrouille war reine Routine. Valayar ritt.
Das große Schlosstor öffnete sich vor ihnen und gab den Weg in den Dyas Hain frei von dem das Schloss meilenweit umgeben war. Dieser war so dicht, dass kein Mensch freiwillig eintrat. Sie bezeichneten ihn sogar als verflucht.
Es handelte sich nicht um einen Fluch, sondern um Kreaturen, die sich immer wieder in diesen urigen Wald verirrten und alles lebendige Jagden und fraßen. Valayar tötete diese Kreaturen seit Jahrhunderten, doch sie verschwanden nie.
In der alten Sprache, die die Menschen schon längst vergessen hatten, nannte Dyrads. Heute wurden sie einfach als Dämonen bezeichnet.
Diese Kreaturen waren größer als ein Pferd mit Klauen und Schuppen bewaffnet und blutroten Augen. Der Bestienkopf hatte zusätzlich auch noch monströse Fänge und ein Schweif mit Klingenspitze. Für diese Bestien musste sogar er und seine Männer sich anstrengen.
Auch heute Nacht erlegten sie ein Dyrads, der sehr nah am Rand des Waldes auftauchte. „Bringt ihn zum Schloss,“ wies Valayar seine Männer an und wendete sein Pferd und blickte auf das Dorf am Waldrand hinab. Vor einigen Jahrhunderten als der Wald noch jung war, haben die Menschen noch vom Holzfällen gelebt.
Nun benutzten sie den Boden für Felder. Der Weg, der einmal in den Wald führte, war schon längst verwittert. Damals handelten sie immer mal wieder mit diesem Dorf und einige Menschen waren auch als Dienstboten in sein Schloss gekommen. Inzwischen lebten ihre Nachkommen im Schloss.
Die Menschen hatten Krieg geführt und Valayar hat sich geweigert sich einzumischen, auch wenn der damalige König ihm viel Gold bot. Doch er war von den Gründen noch nicht mal amüsiert gewesen.
Zwei Könige bekriegten sich um die Schätze des anderen und gaben scheinheiligem Grunde an, warum sie gegen den anderen ziehen mussten. Um die seinen hatte er den Weg zum Schloss zerstören lassen.
Ohne diesen verliefen sich die Menschen in dem Wald und der Fluch entstand. Allerdings hatte er so nichts mehr von den Veränderungen im Land direkt mitbekommen. Doch er verfolgte es halbwegs interessiert, um nicht plötzlich in die Probleme der Menschen hineingezogen wurde.
Kilaldan hielt mit seinem Pferd neben ihm an und senkte höflich sein Haupt. „Wir haben alles vorbereitet und sind bereit für den Aufbruch, Fürst Valayar,“ sprach er und folgte dem Blick des Fürsten zu dem Dorf, welches scheinbar größer geworden war.
„Braucht Ihr neue Bedienstete?“ fragte der Krieger und ließ seinen Blick über die Felder schweifen. „Nein,“ sagte Valayar schlicht und wendete sein Pferd, um an seinen Männern vorbeizureiten, die die Bestie für den Transport vorbereitet und sie machten sich auf den Rückweg zur Festung.
Schon auf dem Rückweg hatte sich ein Unwetter angekündigt, gerade rechtzeitig erreichten sie die Festung, wo die Bediensteten in voller Tätigkeit waren, um das Schloss sich gegen den Sturm zu sichern. Das große Tor der Festung wurde knarrend geöffnet und ein paar Stallknechte kamen, um die Pferde zu versorgen.
Valayar nickte seinen Männern anerkennend zu, bevor er sich wieder in seinen Gemächern zurückzog. Sein Butler wartete schon in seinem Gemach.
Val legte sein Schwert an und löste die Riemen seiner Rüstung, bevor sein Butler Harry übernahm. Der Mensch war schon ergraut und nicht mehr der Schnellste, dennoch erledigte er seine Arbeit zu verlässig.
Er könnte sicherlich einen jüngeren Butler nehmen, da Valayar wusste, dass die Menschen auch die nächste Generation ausbildeten, die hier geboren wurden.
„Ist irgendetwas vorgefallen, Harry?“ fragte Val geschäftlich und beobachtete mit seinen eisblauen Augen den Menschen.
„Nein, Sir, alles war ruhig während Eurer Abwesenheit,“ entgegnete der Butler mit einer tiefen Verbeugung.
„Gut, braucht ihr neue Dienstboten?“ sprach Val weiter und ließ sich das mitternachtsblaue Gewand anlegen.
Immerhin lebten die menschlichen Bediensteten nicht mal hundert Jahre, er wusste wohl wie viele Menschen hier lebten. Etwa 40 Menschen, darunter waren aber auch Menschen, die zu alt für die Arbeit waren oder Kinder.
Sie halfen wohl mit, aber hatten im Grunde keine verpflichtenden Aufgaben, dass hatte Valayar vor Generationen beschlossen.
Dennoch wurden sie genauso gut versorgt wie die Bediensteten. „Mein Fürst, mir käme es nie in den Sinn Euch mit solchem Nonsens zu belästigen,“ erwiderte Harry ehrerbietend und Val nahm sein Weinglas.
„Da ich es wissen muss, wenn unsere Bedienstete überarbeitet sind, ist es wichtig für Nachschub zu sorgen,“ sein Ton war kalt und er schlenderte zu seinem Balkon, wo er in den Innenhof schauen konnte. Immer noch war reges Treiben zu vernehmen.
Seine Männer waren sicherlich im Speisesaal und feierten ihren Sieg um die Bestie. Valayar wusste, dass auch seine Männer von den Menschen tragen, die ihn dienten.
Denn sie waren eben alle Vampire. Keine wandelnden Leichen, die beim kleinsten Sonnenlicht im Flammen standen, doch Blut war überlebenswichtig.
Seine Männer konnten sich an den menschlichen Bediensteten bedienen, solang sie sich beherrschten und sie brauchten selbstverständlich die Zustimmung des Menschen. Jene, die sich nicht daranhielten, würden schwer bestraft werden.
„Verzeiht, Sir, für meine...,“ Val winkte ab und ließ seinen Blick über sein Reich schweifen. Im Grunde war es ihm gleich, doch die Bediensteten erleichterten ihr Leben immens.
„Wir könnten Mägde und ein paar kräftige Männer gebrauchen, Sir, unsere Bediensteten sind alle fleißig, doch das Alter zerrt an uns, Sir,“ sagte der Butler und verbeugte sich tief.
Val ging im Kopf durch wie viele aktive Bediensteten sie hatten, leider wurden trotz vielen Annehmlichkeiten nicht mehr so viele Kinder geboren.
Nun sie waren auch kein Vieh, was er verpaaren ließ. Wahrscheinlich waren sie sowieso zu eng verwandt. „Kümmere dich darum ein paar neue Bedienstete einzustellen, Harry,“ übergab er die Aufgabe seinem persönlichen Diener.
„Hole sie aber nicht aus Düsterbruch, sonst werden sie zu neugierig. So wie es jetzt ist, ist es gut,“ entschied Valayar und sein Butler verbeugte sich tief und verließ das Gemach. Val schloss die großen Balkontüren und trank von seinem Wein.
Neue Bediensteten würden sich schnell einleben, außerdem boten sie mehr als sie sich wünschten, konnten. Neben freien Tagen und angemessener Arbeit, hatten sie ihre eigenen Räumlichkeiten im Schloss und ein Bad, Geschlechter getrennt, versteht sich.
Um ihr leibliches Wohl und Bedürfnissen wurde sich auch gekümmert, weshalb sie kein Gehalt bekamen. Welches sie auch nicht benötigen.
Jedenfalls so lang sie hierblieben. Valayar zahlte Bedienstete, die zurück in die Menschenwelt wollten, sehr gut aus, bevor er ihr Gedächtnis löschte und sie weit wegbringen ließ.
Allerdings war es selten vorgekommen, die Menschen waren zufrieden in seinem Schloss. Soweit er wusste. Er trat in sein privates Bad und zog sich aus, bevor er ins Wasser stieg und durch sein schwarzes Haar fuhr.
Sein Äußerstes wirkte immer noch wie Anfang 30, doch in Wirklichkeit sind seit seiner Geburt mehrere Jahrhunderte vergangen. Seine Augen waren eisblau, seine Nase gerade mit schmalen Lippen.
Seine Ohren waren etwas spitz zulaufend. Sein Körperbau war athletisch, auch wenn er eher mittelgroß war, doch seine Erfahrung und seine Autorität glichen es aus.
Gerade bei der Schwertkunst war er ungeschlagen. Valayar streckte sich in seiner Badewanne aus und trank einen weiteren Schluck von seinem Wein, während sein Blick durchs Zimmer wanderte. Die dunklen Zinnen waren seit Jahrhunderten unverändert, auch die dunklen Vorhänge und die Verzierungen hatte er nicht verändert.
Er brauchte keine Veränderungen, solang es funktionierte. Wobei die Wannen waren eine Wohltat, nachdem man die ganze Nacht im Sattel gesessen hatte.
Valayar richtete sich nach einer Weile auf und trocknete sich ab, um das dunkelblaue Gewand wieder anzog. Auch wenn seine Männer feierten, aßen und tranken, musste er sich noch um die Bürokratie kümmern.
Der Fürst blickte auf den Stapel Papiere, die wieder auf wundersamerweise immer wieder auf seinem Schreibtisch landeten. Val setzte sich an seinem Schreibtisch und nahm sich den Stapel vor.
Einige Bitten von seinen Kriegern waren darunter, diese hielten sich weniger zurück wie sein Butler. Der Fürst legte die Bitten zur Seite und verweigerte manche komplett.
Die Verpflegung des Schlosses war gut, allerdings sollte auch noch zusätzliches Vieh geholt werden, wenn sie neue Arbeiter holen würden. Frisches Blut konnten sie alle gebrauchen. Eventuell auch ein paar gute Pferde.
Valayar schrieb den Befehl in Menschensprache auf und würde seinem Butler auch diese Aufgabe überlassen. Draußen stürme es immer stärker und der Regen prasselte gegen die verglasten Fenster und der Wind rüttelte an ihnen.
Es klopfte an seiner Tür und der Valayar erlaubte einzutreten.