Blutrose - Wenn Liebe stärker ist als jeder Fluch

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Summary

Gabriel ist kein gewöhnlicher Mann – hinter der perfekten Fassade eines erfolgreichen CEOs verbirgt er ein jahrhundertealtes Geheimnis. Ein tödlicher Fluch frisst langsam seine Kraft und sein Leben. Bis Emilia in sein Leben tritt. Sie weiß nichts von Dämonen oder der Welt jenseits der Menschen, doch ein unscheinbares Muttermal in Form einer blutroten Rose macht sie zur Einzigen, die Gabriel retten kann. Je näher sie sich kommen, desto stärker wird nicht nur seine Macht – sondern auch das unsichtbare Band, das sie verbindet.

Genre
Fantasy
Author
Sachiko
Status
Complete
Chapters
46
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 – Ein fast tödlicher erster Eindruck

Der Asphalt glänzte noch feucht vom Sommerregen, der vor einer Stunde die Stadt überzogen hatte. Emilia zog ihren Mantel enger um sich, während sie schnellen Schrittes durch die Tiefgarage eilte. Sie war spät dran. Natürlich. Der Tag hatte schon chaotisch begonnen – verschütteter Kaffee, eine verpasste Bahn, und jetzt auch noch ein Bewerbungsgespräch in einem Teil der Stadt, den sie kaum kannte.

Ihr Handy vibrierte in ihrer Tasche.

Schon wieder Mama.

Sie ignorierte den Anruf. Wenn sie jetzt auch noch telefonierte, würde sie wirklich zu spät kommen. Emilia konzentrierte sich auf das Ziel: Gebäude B, 12. Stock, 10:30 Uhr. Es war 10:24.

Sie bog um eine Ecke, als ein tiefes Motorengeräusch die Stille der Tiefgarage zerschnitt. Eine schwarze Limousine kam aus dem Schatten gerollt, viel zu schnell für die engen Kurven. Ihre Scheinwerfer warfen lange Lichtstreifen über den Boden.

Emilia erstarrte – einen Herzschlag zu spät.

Die Reifen quietschten. Der Wagen kam mit einem abrupten Ruck zum Stehen, so nah, dass sie die Wärme des Motors auf den Beinen spürte. Ihr Atem stockte.

Die Fahrertür öffnete sich lautlos. Ein Mann stieg aus – groß, makellos gekleidet, mit einem Gesicht, das eher auf einem Gemälde als in einer Tiefgarage zu finden sein sollte. Sein Anzug saß perfekt, als sei er auf ihn gegossen worden. Dunkle Augen fixierten sie, scharf wie Klingen, und für einen Augenblick meinte sie, darin einen fremdartigen Schimmer zu sehen.

„Laufen Sie immer so planlos vor Autos?“ Seine Stimme war tief, klar – und trug diesen Tonfall, der mehr Gewohnheit an Autorität als echte Verärgerung verriet.

Emilia schluckte. „Entschuldigung. Ich habe mich in der Garage verlaufen. Ich wollte hier nicht—“

„Offensichtlich.“ Er musterte sie mit einem Blick, der gleichzeitig abschätzend und irritiert wirkte. „Beim nächsten Mal achten Sie darauf, wohin Sie gehen.“

Sie nickte, trat einen Schritt zurück. Normalerweise hätte sie sich angegriffen gefühlt – aber irgendetwas an seiner Haltung ließ sie eher denken, dass er Menschen selten in solcher Nähe ertrug.

„Kommt nicht wieder vor,“ murmelte sie und machte Anstalten, weiterzugehen.

Er nickte knapp, setzte sich wieder in den Wagen und fuhr davon. Der leise Klang der Luxusreifen hallte zwischen den Betonwänden nach.

Der Aufzug im Hauptgebäude war modern, aus Glas und Stahl, mit spiegelnden Türen. Emilia atmete tief durch, versuchte, den Puls zu beruhigen. Noch fünf Minuten bis zum Gespräch. Sie trat hinein, drückte die Taste für den 12. Stock – und im selben Moment schob sich jemand neben sie in die Kabine.

Schwarzer Anzug. Perfekter Sitz. Dieselben dunklen Augen.

Ihr Herz setzte einen Schlag aus. Natürlich. Ausgerechnet er.

Er warf ihr einen flüchtigen Blick zu, als hätte er sie schon wieder vergessen, und tippte eine Karte an ein unscheinbares Panel. Eine versteckte Anzeige sprang auf: Privater Zugang – 40. Stock.

Der Aufzug setzte sich in Bewegung. Sekundenlang herrschte Stille, nur das leise Summen des Motors und das Klicken seiner Manschettenknöpfe war zu hören.

Dann – ein Ruck. Die Lichter flackerten. Der Aufzug stoppte.

Emilia hob die Augenbrauen. „Das… war so nicht im Plan.“

Er drückte mehrere Tasten, probierte das Notrufsystem. Nichts. Dann seufzte er, ein leises, genervtes Geräusch, das perfekt zu seinem makellosen Äußeren passte.

„Fantastisch,“ murmelte er. „Zehn Uhr morgens und schon stecke ich fest.“

Sie lehnte sich an die Wand, verschränkte die Arme. „Ich nehme an, Sie sind nicht der Typ, der Smalltalk schätzt?“

Er sah sie an, als sei das eine völlig absurde Frage. „Ich bevorzuge produktive Gespräche.“

„Okay.“ Sie lächelte leicht. „Dann fangen wir mit etwas Produktivem an: Haben Sie Wasser dabei?“

Seine Augenbraue hob sich unmerklich. „Nein.“

„Schade. Dann bleibt wohl nur Smalltalk.“

Er schien etwas sagen zu wollen, entschied sich dann aber dagegen. Stattdessen betrachtete er sie kurz – fast prüfend – bevor er wieder den Blick abwandte.

„Also…“ Sie schob die Hände in die Manteltaschen. „Ich heiße Emilia.“

„Gabriel.“ Er sprach den Namen ohne Zögern, als sei er an diese Art formaler Vorstellung gewöhnt.

Der Name passte zu ihm – irgendwie zu perfekt. Doch da war auch etwas, das nicht ganz passte, ein feiner Widerspruch, den sie nicht greifen konnte.

„Und was machen Sie beruflich, Gabriel?“ fragte sie, um die Stille zu brechen.

„Ich leite ein Unternehmen.“

„Klingt… groß.“

„Ist es.“

Sie lachte leise. „Sie sind nicht gerade ein Fan von Details, oder?“

Er wirkte, als wolle er wieder etwas erwidern – doch in diesem Moment erwachte der Aufzug ruckartig zum Leben. Der Rest der Fahrt verlief schweigend, bis sich im 12. Stock die Türen öffneten.

„War nett, Sie kennenzulernen,“ sagte sie, als sie hinaustrat.

„War es das?“ Seine Stimme klang neutral, aber in seinen Augen blitzte etwas auf – Neugier, vielleicht.

Dann schlossen sich die Türen wieder, und er verschwand nach oben.

Emilia bekam den Job, für den sie eigentlich gar nicht hier gewesen war. Zwei Tage später rief eine unbekannte Nummer an. Es war Gabriel persönlich.

„Mein Assistent hat gekündigt,“ sagte er, als sei das Grund genug, eine Fremde von der Tiefgarage einzustellen. „Ich habe beschlossen, Ihnen die Position anzubieten.“

„Aber… ich habe keine Erfahrung als persönliche Assistentin.“

„Sie haben im Aufzug bewiesen, dass Sie unter Druck ruhig bleiben können. Das reicht.“

Sie wusste nicht, ob das ernst gemeint war oder nicht. Aber irgendetwas in seiner Stimme ließ keinen Raum für Diskussion.

Und so begann alles.