Gran Gana: Der schwarze Tiger

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Summary

Keine seichte Romantasy. Kein Isekai. Kein klischeehafter Webroman. Gran Gana ist ein Abenteuer-Drama über Mut, Überleben und die Kraft, seinen eigenen Weg zu wählen. Monatelang überlebt Yamina allein in der Wildnis – von Hunger gezeichnet, von Angst getrieben, aber entschlossen, niemanden mehr über ihr Leben bestimmen zu lassen. Als ein geheimnisvoller Mann in schwarzem Mantel sie findet, scheint alles verloren… bis Samana eingreift. Samana – Anführer einer Crew, die mehr sucht als nur Sicherheit – öffnet Yamina die Tür zu einer neuen Welt. In Murg, seinem Dorf, begegnet sie Freundschaft, Vertrauen… und einem Band, das stärker ist, als sie je zulassen wollte. Doch gleichzeitig entdeckt sie Kami-Fuego, eine uralte Kampfkunst, die ihre innere Stärke entfesselt. Als Samana und sein Gefährte Jin den Aufbruch zum vergessenen Kontinent vorbereiten, steht Yamina vor einer Entscheidung: Bleibt sie in Sicherheit zurück – oder wagt sie den Schritt ins Unbekannte, Seite an Seite mit dem Mann, der ihr Herz auf eine gefährliche Weise bewegt? Eine Reise voller Gefahren, Geheimnisse – und einer Liebe, die im Feuer des Abenteuers geprüft wird. Was dich erwartet: 🔸 Eine starke Protagonistin, die ihren eigenen Weg geht 🔸 Survival in der Wildnis & epische Martial-Arts-Duelle 🔸 Freundschaft, Loyalität, Verrat – und leise Romantik 🔸 Der Mythos eines vergessenen Kontinents 🔸 Regelmäßige Updates

Status
Ongoing
Chapters
28
Rating
5.0 1 review
Age Rating
16+

Kapitel 1: Prologue

Yamina stapft durch den dicht bewachsenen Wald. Seit zwei Monden friert es. Der schneidend kalte Wind färbt ihr Gesicht knallrot. Ihr Arm schmerzt noch vom Aufprall – sie entkam nur knapp einem hungrigen Wolf. Eine Schlucht tat sich im richtigen Moment vor ihr auf. Sie sprang, landete jedoch auf dem glatten Boden und verlor sofort das Gleichgewicht.

Sie reibt sich wärmend ihre Hände aneinander.

„Da ist schon der große Felsen!“

Ein paar Schritte dahinter liegt ihre Höhle. Schon die bloße Nähe beruhigt sie ungemein. Erleichtert atmet sie aus.

“Hey! Ich bin Zuha-” Sie hält inne. Außer ein paar Decken, einer Schale und Klamotten ist die Höhle ja doch leer. Sie entzündet ein Feuer und setzt sich erschöpft auf den Boden.

“Hmm, gar nicht mal so schlecht.”

Ihre heutige Ausbeute: ein halber Sack Kastanien, einige Pinienkerne und ein Hase.

“Tut mir leid, kleiner Mann.”

Behutsam häutet sie ihn und schneidet das Fleisch in kleine Stücke. Die Kastanien garen dicht neben dem Feuer. Sie spießt das Fleisch auf ihre selbst geschnitzten Stäbchen. Nach dem Hände waschen begutachtet sie ihren Oberarm – blau-grünlich geschwollen. Sie reibt nur etwas von ihrem letzten Stück Aloe Vera drauf.

Mit vollem Magen kuschelt sie sich in ihre Decke und trinkt unzufrieden kaltes Wasser.

“Warum wollte ich nie lernen, wie man Tontöpfe oder Heilsalben herstellt?”

Was sie jetzt nicht alles für einen warmen Tee geben würde. Wenigstens hatte ihre Mutter ihr gezeigt, wie man aus Agaven und Baumrinde Stoffe macht. Yamina blinzelt einige Tränen weg. Die Erinnerung schmerzt.

“Mama, Papa, Khasar...” Sie zieht die Decke enger um ihren Körper und schlingt die Arme darum.


Als sie schreiend aufwacht, kann sie sich nur an den kleinen, leblosen Körper und das Gesicht des Mistkerls erinnern. Seit vier Sonnenwenden verfolgen sie Albträume. Nicht nur das ekelhafte Gefühl im Unterleib ist wieder zurück – jetzt wird ihr auch noch vom Hasen übel.

„URGH!“

Fleisch hat sie noch nie gut vertragen.

“Wann hab ich das letzte Mal eine Banane oder Dattel gegessen?”

Soll sie nicht doch einfach runter in die Savanne laufen? Sie schüttelt den Kopf. Die meisten Raubtiere sind längst gen Süden gezogen. Wie sollte sie in diesem Zustand überleben? Ganz zu schweigen, was passiert, wenn auch nur ein Stammesmitglied sie sieht. Dann würde Guchu sie wieder in seine Hände bekommen. Ein Schauder läuft ihr über den Rücken bei dem Gedanken. Einen Sommer läuft sie schon vor ihm weg. Kein Zweifel, er würde ihr Leben nach dieser Erniedrigung schlimmer machen als jeden Tag hier draußen.

Sie kramt in ihrer Tasche und zieht vorsichtig eine lange, mit Mustern verzierte Flöte heraus. Ein Lied des einsamen Lebens in der Wildniss und der damit gebrauchten Stärke fließt durch sie hindurch.


Sie pirscht seit Stunden durch den Wald. Ihr Magen knurrt. Die letzten Kastanien und Pinienkerne hielten kaum satt. Abrupt bleibt sie stehen. Ein Eichhörnchen flitzt auf eine Tanne. Sie spannt ihre zierliche Schleuder und hält den Atem an. Plötzlich flattern Kolkraben hinter ihr auf. Das Eichhörnchen flüchtet im Zickzack. Reflexartig schaut sie zurück.

Eine Schweißperle läuft ihr über die Wange. Dort steht ein großgewachsener, schwarz gekleideter Mann. Durch die Kapuze sieht sie kein Gesicht, doch sie spürt die Gefahr. Panik durchströmt sie. Ehe sie es merkt, rennt sie durch die Büsche. Kurz blickt sie zurück – der Mann ist ihr auf den Fersen.

Ihr Herz pocht, als würde es zerspringen. Ein Brombeerstrauch zerkratzt ihre Beine.

„Hey!“

Durch seinen Ruf rutscht sie auf Steinchen aus, knallt mit dem Kopf gegen einen Baum. Gehetzt wischt sie Holzsplitter aus dem Gesicht und rappelt sich auf. Die Schritte kommen näher. Sie hechtet noch ein Stück, doch ihre Kraft schwindet – keine Chance mehr auf Flucht.

Als ihr Arm gepackt wird, schießt ihr Reflex in Aktion. Sie wirbelt den Speer nach vorne, eine blitzschnelle Drehung, die Spitze sucht sein Herz. Er reagiert wie ein Schatten – ein flinker Satz zurück, der Boden knirscht unter seinen Stiefeln, sein Katana zischt aus der Scheide. In ihrem Ohr hämmert das Blut, jede Ader pulsiert.

Der Mann überragt sie um zwei Köpfe, wie ein dunkler Berg, unbeweglich, doch jedes Muskelspiel spricht von tödlicher Präzision. Ihre Beine zittern, als sie in sein erschreckend ruhiges Gesicht blickt. Ein kaltes Lächeln spielt auf seinen Lippen, seine Hand macht eine herabwürdigende Geste.

„Gib auf oder du bist gleich tot! Schon durch deinen lächerlichen Zustand hast du keine Chance.“

Ihre Finger krampfen um den Speergriff, gelb vor Anspannung. Die Waffe ihres Vaters pulsiert wie ein Blitz in ihren Händen.

„Da sterbe ich lieber, als gleich wieder zu ihm zurück zu gehen!“

Sein Blick zuckt überrascht.

“Ihm? Was meinst-”

Sie sticht nach – ein schneller Schlag, dann noch einer, die Spitze zischt nur Zentimeter an ihm vorbei. Er gleitet wie Wasser aus, dreht sich seitlich, und mit einem geschmeidigen Schwung seines Schwertes trifft die Luft, ein zischender Hauch, der ihr Haar streift. Entsetzt tritt sie zurück, stolpert leicht – diese Geschwindigkeit brennt in ihren Augen wie Feuer.

„Uwahh!“

Blut rinnt von ihrer Kehle, tropft auf die Brust. Das Adrenalin jagt durch ihre Adern, trotzdem zittern Hände und Beine. Ein Wimpernschlag, ein Hauch später, und sie wäre enthauptet worden.

„Jin! Hey!“

Ein Schatten stürmt auf sie zu. Panik kriecht durch ihre Glieder, Verzweiflung lähmt fast ihre Beine. Jin pariert ihre schwachen Hiebe mit der Leichtigkeit eines Meisters, jedes Treffen hallt wie ein Trommelschlag durch den Wald.

„Was ist los? Warum kämpfst du?“

Samana bleibt hinter Jin, verwirrt.

„Zuerst dachte ich, sie folgt uns. Als ich sie ausfragen wollte, griff sie mich sofort an.“

Yamina meint wütend. „Ihr seid mir doch gefolgt! Guchu hat euch geschickt! Lügt doch jetzt nicht!“

Samana zeigt seine leeren Hände. „Ich schwöre dir, niemand hat uns geschickt. Komm, Jin, nimm dein Katana runter!“

Jin rührt sich nicht. Samana greift nach seiner Schulter,doch dieser schüttelt ihn genervt ab und steckt das Schwert wieder ein.

Yamina beobachtet unsicher. Samana mustert sie. Stirn und Beine verletzt, Kleidung ramponiert. Er zieht eine kleine Schachtel aus seiner Bauchtasche.

„Tut mir leid! Jin war voreilig. Zum Glück war ich rechtzeitig hier. Das ist eine Paste für deine Wunden.“

Erst jetzt bemerkt sie die Schrammen. Er lächelt sanft – sie senkt nach kurzem Zögern ihre Waffe. Jin beachtet die Szene gar nicht.

„Samana! Komm, lass uns weiter!“

Samana verneint. „Ich komm nach. Geh schon mal vor.“

Jin schüttelt irritiert den Kopf.

„Hmpf, wie du meinst.“

Samana lehnt sich zu ihr. „Er meint es nicht so. Jin ist mein bester Freund.“ Er lacht spielerisch.

Sie nickt und gibt ihm die Schachtel zurück.

„Ich danke dir, Samana.“

„Das ist doch das Mindeste. Irgendwie ist es ja auch meine Schuld. Wie lautet dein Name?“

„Yamina.“

„Lebst du allein hier draußen? Du kommst nicht aus dem Tal oder Cornwall auf der anderen Seite des Gebirges, das wüsste ich.“

Sie nickt stumm. Obwohl sie froh ist, einen freundlich gesinnten Menschen zu treffen, bleibt sie vorsichtig. Ihr Magen knurrt laut.

Samana kichert. „Mal sehen…“

Er nimmt seinen Rucksack, holt zwei Avocados, eine Orange und ein kleines Glas hervor.

„Etwas Honig ist noch drin. Wenn du magst, mach ich dir einen Früchtebrei. Etwas Cashews sollte ich auch noch haben.“

Sie sieht ihn mit großen Augen an.

„Na siehste!“

Er mixt alles in einem großen Tonbecher, fügt ein Pulver hinzu.

„Was ist das?“

„Ah… Carobmehl - und Maca-Mischung. Hier, riech mal!“

„Die Hülsen habe ich seit Ewigkeiten nicht gegessen.“ Sie kostet – genießt. Ihre Anspannung fällt ab.

„Oh wow, schmeckt nach Karamell und trotzdem fruchtig.“ Sie strahlt beim Essen. Eine frische Brise weht durch den Wald.

„Super lecker, aber brrr, die Avos machen richtig kühl, findest du nicht?“

„Hier, nimm das!“ Er reicht ihr ein großes, rot-gemustertes Tuch. Sie starrt ungläubig.

„Wie meinst du das? Für mich?“

Er zwinkert, sein Gesicht dunkel, weich, strahlt Vertrauen aus. Sie kuschelt sich hinein und nimmt ihre Tasche.

„Vielen Dank für alles, Samana. Wirklich. Es war schön.“

Sie steht auf, mit neue Kräfte. Samana legt die Hände zusammen.

„Willst du mitkommen? Murg, unser Dorf, ist nicht weit. Heute Abend sind wir schon dort!“

Sie ist kurz sprachlos, dann schüttelt sie traurig den Kopf.

„Ich meinte es ernst. Ich werde gesucht. Niemand würde mich aufnehmen.“

Er haut leicht gegen den Baum, auf dem er sitzt.

„Schwachsinn! Ich nehme dich auf! Bei uns bist du sicher!“

Unsicher schaut sie in die Gegend.

„Du bist echt süß, aber deine Frau werden… ich weiß nicht…“

Samana kratzt sich am Kopf.

„Häh? Meine Frau werden?“

„Du willst mich aufnehmen als deine Frau, nicht?“

Er lacht kurz.

„Was? Ne, so meinte ich das nicht.“

Sie runzelt die Stirn.

„Als Küchenmagd?“

„Nein! Einfach als Freundin, Teil der Familie.“

Sie ist entgeistert.

„Ist das dein Ernst?“

„Na klar! Sonst würde ich es nicht sagen. Also komm schon!“

Sie lässt die Zeit in der Wildnis noch einmal Revue passieren: Rastlosigkeit, nacktes überleben und ihren Wunsch nach ihrer verlorenen Familie.

„Okay, Samana. Dann hole ich noch meine Sachen aus der Höhle, und dann können wir gehen.“


Yamina dreht sich um. Durch die Äste erhascht sie die untergehende Sonne. Das ferne Meer glitzert durch die Strahlen. Sie ist außer Atem – der lange Aufstieg ist anstrengender als gedacht.

„Meintest du nicht, wir sind spätestens heute Abend da?“

Er macht eine belustigte Geste.

„Ich wusste nicht, dass wir zusammen so langsam sind.“

Sie zieht eine beleidigte Miene.

„Ach, jetzt ist das meine Schuld?“

„Nein… das Leben draußen ist hart. Dass du nicht mithalten kannst, ist logisch.“

Eine Weile herrscht Stille.

„Wollen wir-“

„Psscht!“ Yamina zeigt auf einen großen Igel, der durch einen Sauerampfer-Busch schleicht. Sie greift nach dem Speer, nähert sich behutsam.

Samana packt ihre Hand.

„Wenn du Hunger hast, sag Bescheid!“

„Ich bin nicht so schwach, dass ich nicht mal einen Igel jagen kann.“

Sie will den Arm zurückziehen, er hält sie fest. Sie starrt ihn kalt an.

„Hey!“

„Hat nichts mit dir zu tun! Ich mag nicht, wenn man unnötig tötet.“

Sie sieht seinen ruhiges Gesicht und entspannt sich. Ihr Speer ist besteht aus zwei verschraubbaren Hälften: eine verzierte Klinge und ein langer geriffelter Griff. Sie hängt die Klinge wieder an ihrer Taille fest.

„Samana, benutzt du gar keine Waffe?"

„Nein, nur Kami-Fuego.“

„Was ist das?“

Er holt etwas aus dem Rucksack.

„Wirst du noch erfahren. Hier, iss erst mal ein Brot!“

Hafer- und Kokosmehl, Sonnenblumenkerne, getrocknete Feigen und Pflaumen. Nur gedörrt – es ist schön weich.

Sie meint mit vollem Mund:

„Was für eine Köstlichkeit! Hast du das selbst gemacht?“

„Worauf du Gift nehmen kannst.“

Sie schaut unsicher aufs Brot.

„Gift?“

Er kichert. „Nur eine Redewendung.“

Sie wischt sich Krümel aus dem Gesicht.

„Oh, äh… willst du nicht auch?“

„Ne, kein Hunger. Komm, weiter. Es ist nicht mehr weit.“

Der Mond scheint hell.

„Da hinter dem Hügel ist Murg.“

Sie erkennt das Tal, von Laternen erleuchtet – etwas, das sie selten sieht. Samana läuft voran.

Ihr Herz pocht schneller, Hände schwitzen. Sie stehen vor einem großen Torbogen, geschmückt mit Blättern und Blüten. Das Dorf liegt unter ihnen. Dutzende Natursteinhäuser, Gärten mit großen Bäumen. Ruhig, gemütlich – trotzdem fremd für sie.

Samana zieht den Mantel aus. Unter der Haube: schulterlange schwarz-blonde, verfilzte Locken.

„Ab hier wird es wärmer. Das Tal ist windgeschützt und sonnig.“

Er geht ein paar Schritte, dreht sich um.

„Was ist?“

Yamina zieht das Tuch über den Kopf.

„Ich weiß nicht. Ich kann nichts außer jagen und stricken. Ich bin dir keine Hilfe. Dii Leute wenn sie erfahren, dass du eine wilde Nomadin aufnimmst. Deine Familie, was wird sie wohl sagen?“

Sie will zurück in ihre vertraute Höhle.

Er legt lächelnd das Tuch als Schal um ihren Hals.

„Siehst du das rote Haus? Da lebt mein Opa Rohen. Meine Eltern starben, als ich Kind war. Rohen nahm mich und meine Schwester Ilana auf. Er ist nicht unser leiblicher Opa.“

Er zeigt auf etwas.

„Die zwei braunen Hütten am Hang hab ich gebaut, aus Lehm. Ich brauchte einen ganzen Frühling bis Sommer für die erste.“

Er lacht. Yamina betrachtet die steile Anhöhe. Das rote Haus steht auf einer breiten Plattform. Etliche Bäume, Terrassen, Samanas Hütten auf der höchsten. Der Hügel spitzt nach oben, Nadel- und Laubbäume, Palmen.

„In der linken Hütte kannst du bleiben, so lange du willst. Der Hügel liefert mehr als genug Nahrung, sogar für deinen Appetit.“

„Hey! … Samana, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.“

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