Bittersüße Wahrheiten

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Summary

Es sollte ein erholsamer Urlaub in einer Berghütte werden. Vier Freunde allein und abgeschottet von der Welt. Der Winter verwandelt den Wald in eine traumhafte Kulisse für einen Heiratsantrag. Nur rechnet Hendrik nicht mit einem unangenehmen Wiedersehen. Das begrabene Geheimnis zu Jaes Verschwinden droht ans Licht zu kommen und die Gefahr, Sandra zu verlieren, zwingt ihn erneut zu handeln. Nur hat Jae sich mit den Jahren gemacht. Aus dem schüchternen Jungen wurde eine ernstzunehmende Bedrohung. Sein alter Kumpel ist kaum wieder zu erkennen. Etwas stimmt nicht mit dem Kerl und ehe sich Hendrik versieht, steckt er in großen Schwierigkeiten. Triggerwarnung Dieses Werk beinhaltet möglicherweise unangenehme Szenen und behandelt schwierige Thematiken. Der Inhalt kann belastend und retraumatisierend wirken. In einigen Kapiteln kommt es zur Gewalt, sowie verbal und auch körperlich. Diskriminierung und Angstzustände sind ebenfalls vertreten. Cover: per KI und Canva erstellt

Status
Complete
Chapters
27
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1- Ankunft

Hendrik

„Hey Leute.“ Hendrik setzt auf Charme, als er in die Kamera blickt. Ein Augenzwinkern und sein schönstes Lächeln, das viele Herzen bereits zum Schmelzen gebracht hat. In der weißen Winter-Wunder-Landschaft kommt bei all dem Schnee sein gutes Aussehen sicherlich gut zur Geltung. Hendrik legt schließlich viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres. Der Kurzhaarschnitt bringt seine markanten Züge perfekt zur Geltung. Sein helles Blond wurde ihm in die Wiege gelegt. Keine Färbung und somit ein seltener Anblick. Eine regelmäßige Bartrasur lässt ihn jünger wirken, fast jugendlich. Auch seine ausdrucksstarken Augen sind besonders. Grau ist selten und Hendrik gehört zu einen der Kandidaten mit der besonderen Augenfarbe. „Heute verschlägt es mich in den oberbayrischen Wald und mit am Start ist die gute, alte Mandy.“

Er schwenkt die Kamera lässig hinüber zu dem Jeep einer erfolgreichen Urbexerin. Ende zwanzig und bildhübsch. Sie konkurriert ganz nah mit seinem Engel Sandra. Das gefärbte Haar in Rubinrot macht sie zum Blickfang und der athletische Körperbau zeigt, dass Mandy nicht auf der faulen Haut liegt. Ihre bernsteinfarbenen Augen strahlen vor Vorfreude. In ihren Händen hält sie bereits die Steuerungskonsole für die Drohne bereit. Hendrik rückt näher heran. Trotz der guten Allwetterkleidung von seinen Sponsoren friert er fürchterlich. Hoffentlich versagt die Technik bei den Temperaturen nicht. Wie gut, dass sie mit einigen Akkus ausgestattet sind.

„Na freust du dich schon?“

Mandys Mundwinkel zucken kurz. Sie lehnt sich lässig an ihr dunkles Fahrzeug, während sie mit der Wahrheit rausrückt. „Ja, auf jeden Fall. Obwohl ich sagen muss, dass ich gern in meinem Dachzelt schlafe. Das hat schon was.“

Hendrik nickt wissend und blickt hinauf zu der genialen Konstruktion auf dem Jeep, die Mandy überall die Möglichkeit auf einem Schlafplatz bietet. Ein Upgrade, das er sich ebenfalls wünscht. Einmal durfte er dort Probeliegen und war sofort überzeugt. Allein der Komfort ist unbezahlbar, aber auch der Sternenhimmel wirkt von dort oben deutlich näher. Hendrik hingegen hat seinen Kofferraum zu einem Schlafplatz umgewandelt. Eine Matratze auf einer Schubladenebene mit viel effizienten Stauraum.

Auf dieses Wochenende fieberte Hendrik ganz besonders hin. Als wäre Mandys Gesellschaft nicht Bereicherung genug, verspricht dieser Ausflug Zeit mit seinem Schatz. Beim Gedanken an Sandra kribbelt sein Bauch ganz aufgeregt, wie seit der ersten Begegnung mit ihr.

„Stimmt, das Dachzelt ist wahrlich bequem. Aber in dieser Folge besuchen wir zur Abwechslung mal keinen Lost Place, sondern machen Urlaub in einer Berghütte.“

Mandy zieht spielerisch einen Schmollmund. Nur ganz kurz, denn sie verkündet freudestrahlend: „Aber für euch machen wir dennoch eine Paranormale Untersuchung.“

Dafür sind Mandy und Hendrik bekannt. Die Freude hält sich dennoch in Grenzen, denn die Location spricht dagegen, dennoch will er den Zuschauern Hoffnung machen.

„Denn wer weiß, was sich an einen unscheinbaren Ort wie diesen alles abgespielt hat. Eine Hütte einsam im Wald. Fern von der Zivilisation. Vielleicht ein Ehekrach, der eskalierte und tragisch geendet hat. Oder vielleicht gibt es hier einen verfluchten Ort? Wer kann das schon sagen.“

Kaum ist die Kamera ausgeschaltet, stößt Mandy ihn erheitert an.

„Echt jetzt? Du glaubst die Ortschaft ist verflucht?“

Hendrik zuckt lässig mit den Schultern. „Wäre doch gut für uns.“

Mandy seufzt und blickt hinauf zu der friedlichen Hütte, als habe sie genauso wenige Erwartungen wie er. Für gewöhnlich halten sich die beiden Freunde an schaurigeren Orten auf. Trostlose Ecken, die in Vergessenheit geraten. Sie lieben die Geschichte dahinter. Es ist der Nervenkitzel und die Abenteuerlust, die Hendrik an Lost Places hinzieht. Als wäre dies nicht genug, sucht er den Kontakt zu Geistern. Das fällt genau in Mandys Gebiet. Sie war es, die ihn die Augen öffnete und seine Meinung zu dem Paranormalen überdenken ließ. Denn zu Beginn plagten ihn viele Zweifel und auch trotz Erfolge mit der Geisterbox und anderen Hilfsmitteln betrachtete er die Erfahrungen mit gemischten Gefühlen. Bis die Erlebnisse immer intensiver und die Dinge unerklärlich wurden.

„Sag mal“, unterbricht Mandy seine Gedanken, „bist du dir sicher mit Sandra?“

Hendrik lächelt verlegen und wischt sich nervös die Schneeflocken aus dem Gesicht. „Natürlich bin ich mir sicher. Sie war und ist die Frau meines Lebens.“

„Nein.“ Mandy schüttelt sich und schnalzt verärgert, als sei sie die Sache falsch angegangen. „Nicht wegen den Antrag, sondern, dass du das auf Kamera festhalten willst?“

Verwundert legt Hendrik den Kopf schief. „Solch ein Moment sollte unbedingt auf Video festgehalten werden.“

„Ja schon. Aber nicht auf YouTube! Oder anderen Plattformen. Zumal du ihre Meinung zu dem Ganzen doch kennst. Ich wette, sie wird stinksauer sein.“ Kumpelhaft klopft sie ihm auf die Schulter. „Ich gönn dir dein Glück. Wirklich. Aber vielleicht überdenkst du das Ganze noch einmal.“

Mandy meint es nur gut. Zu gut. Es klingt jedoch fast, als kenne sie Sandra besser als er und das macht ihn wütend. Wieso sollte er das Ganze noch einmal überdenken? Allein die Atmosphäre und die Kulisse passen perfekt für einen Heiratsantrag. So viel ist sicher. Aber Mandy ist nicht irgendeine Arbeitskollegin. Sie ist eine Freundin der Familie geworden. Sandra hat sie genauso gern wie Hendrik. Hinzu kommt ein Überraschungsgast. Es spielt keine Rolle, wen Sandra eingeladen hat. Wenn sie ihn um ein wenig Vertrauen bittet, dann zögert er nicht. Sandra ist eine gute Seele und Gast X muss ihr wichtig sein und gehört somit zum ereignisreichen Moments. So glaubt er.