Ich sehe dich

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Summary

Unverhofft kommt oft, aber diesmal spürte ich, es sollte für immer sein. Denn ich sehe dich, wie kein anderer Mann. Ich sehe dein Lächeln, deine Zweifel, deine Wut und deine verführerische Lust. Seit deinem Einzug wusste ich, dass wir zusammengehören würden, aber das muss ich dir erst noch zeigen. Wenn du mich siehst, wirst du es sofort verstehen. Liebe Leserinnen und Leser, wer einige meiner Werke kennt, weiß, dass es in meinen erfundenen Geschichten sehr brutal zugehen kann. Diese Stalkergeschichte ist keine Ausnahme. Mord, Folter, Vergewaltigung und Stalking sind Hauptbestandteile dieser Geschichte. Wer sich dem nicht stellen möchte, bitte ich es auch nicht zu versuchen.

Genre
Thriller
Author
Binib34r
Status
Complete
Chapters
17
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Jakob - Ich sehe dich zum ersten Mal

Es ist schon fast wieder Sommer. Die Bäume spendeten unseren Vorhof Schatten, so dass man gemütlich dort sitzen konnte. Umgeben von kleinen Blumenbeeten, die allerlei an Insekten anlockten, war hier neben einen leichten Summen auch immer ein süßlicher Duft vorhanden. Hier draußen saß ich immer gerne. Niemand redet mit einem, niemand achtete auf den anderen. Jeder ging seinen Weg. Es war friedlich, entspannend. Ein Ort der Erholung. Aber manchmal wurde diese Stille für mich zu einem unendlichen Schrei in meinem Kopf. Denn ich war ein Jäger.

Aber heute saß ich entspannt und ruhig auf einer Bank, denn meine Beute würde auf mich warten. Ich hatte sie gesehen, gejagt und nun an meinem „Ort der Stille“ gebracht. Deswegen konnte ich heute seelenruhig an diesem Blumenbeet sitzen und den ruhigen Vorhof genießen.

Die drei Wohngebäude mit jeweils zehn Wohnungen teilen sich diesen Vorhof. Aber jedes Haus hat einen eigenen Parkplatz hinter des jeweiligen Hauses inklusive einen kleinen Hinterhofes. Etwas entfernt kann man einen Park erreichen, vielleicht 15 Minuten Fußweg. Die Wohnlage war perfekt. Etwas abgeschlossen, obwohl man doch nah an der Stadtmitte war.

Ich bin kein asozialer Mensch. Nur ich vermied immer gerne Menschenmassen, oder Gespräche, denn das viele Gerede um nichts der anderen Menschen konnte ich kaum ertragen. Sie langweilten mich immer. Das hörte sich hart an, aber es ist die Wahrheit. Also genoss ich hier draußen alleine die Sonne und Ruhe. Bis zu dem Augenblick, wo sich eine fremde Frau zu mir auf die Bank unter der Linde setzte.

In meinem Bauch stieg eine leicht zu unterdrückende Wut auf. Warum hatte sie mich nicht gefragt, ob sie sich setzen dürfte? Warum dachten Menschen immer, es wäre ok sich einfach zu Fremden dazuzusetzen? Aber mein Onkel hatte mir für solche Fälle gute Ratschläge gegeben. Ich sollte einfach aufstehen, lächeln und gehen. Ganz einfach.

Genau das tat ich. Ich stand auf, nickte der fremden Frau zu, ohne sie eines Blickes zu würdigen und ging. Das war es also mit der Sonne. Ich joggte die Treppen zu meiner Wohnung in sechsten Stock hoch, nur um etwas Training zu haben. Mein Körper wollte mehr trainieren, denn es fing in mir an zu kribbeln. Das Trainieren war für mich ein täglicher Ausgleich zum Alltag geworden.

Also zog ich mein Shirt aus und begann im Wohnzimmer mit den Liegestützen. Diese Übung war für mich am effektivsten. Mein Körper war erst zufrieden, als mein Schweiß ununterbrochen auf den Boden tropfte. Erst dann gönnte ich mir eine Pause. Mit einer Flasche Wasser stand ich am Fenster und sah in den Vorhof.

Erstaunt stellte ich fest, dass ein Umzugsunternehmen rückwärts zum mittig stehenden Wohnhaus fuhr. Anscheinend zog mal wieder jemand aus. Ich schüttelte einfach nur darüber den Kopf. Warum war denn kaum einer zufrieden hier? Ich verstand es nicht, sich ständig verändern zu wollen.

Es war ein Irrtum. Es wurden Möbel hineingebracht. Ich sah, wie das Licht in der vierten Etage anging. Die Wohnung mit den Deckenhohen Fenstern war wieder vergeben. Eine Silhouette erschien dort. Vor erstaunen fiel mir fast das Wasser aus der Hand. Eine Frau, die einem Engel glich, stand dort und lächelte mich an. Einfach so lächelte sie zu mir hinauf. Ihr langes blondes Haar fing die Sonne ein und ließ sie erstrahlen. Der entstandene Schimmer glich einem Heiligenschein. Dazu das weiße Kleid. Das perfekte Outfit für einen ersten Auftritt in meinem Vorhof. Ich war verzaubert.

Mein Herz raste vor Freude. Es war selten, dass man jemanden sah und wusste: das Schicksal hatte uns nun zusammengeführt, endlich war das Suchen und Warten zu Ende. Die Stimme in meinem Kopf, die schon seit Jahren stumm war, sprach wieder mit mir. Oder sprach ich nur mit mir selbst? Der Unterschied war doch jetzt auch egal:

Hallo mein Engel. Endlich sehe ich dich, klar und deutlich. Ich sehe, wie du mich anlächelst. Ich werde dir etwas Zeit geben, dich hier einzuleben und dann meine Schöne, werden wir für immer hier glücklich werden, dass verspreche ich dir, denn ich halte immer meine Versprechen. Richte unser Heim ein, errichte ein gemütliches Nest. In der Zeit werde ich dich studieren, werde alles über dich herausfinden, damit ich genau weiß, was dich glücklich macht.

Die Stunden vergingen und ich beobachtete dich ausgiebig. Es war ein Genuss zu sehen, wie du das alles gehandhabt hattest. Nur die Arme eines Anderen, der dich von hinten umarmt, erstaunten mich. Wer war das? Hattest du etwa einen Partner? Das machte mir nichts, denn du würdest dich für mich entscheiden. Dein jetziger Freund ist eine Lusche, das weiß ich jetzt schon, ohne ihn einmal richtig gesehen zu haben.

Als die Sonne unterging, wurde es leider Zeit, mich zu duschen und umzuziehen, denn ich musste los. Ich hatte noch etwas an meinem Ort der Stille zu erledigen. Nur schweren Herzens löste ich mich von dem Fenster und dem gelegentlichen Blicken auf dich.

Aber ich wusste jetzt ja wo du wohnst. Den Rest würde ich auch noch herausfinden. Mit federnden Schritten ging ich zu meinem Auto und die Stunde fahrt verflog einfach. Gut gelaunt kam ich im Wald an und selbst das Jammern deiner Vorgängerin, brachte mich jetzt nicht aus dem Gleichgewicht.

„Meine Gute, deine Zeit ist um, denn ich habe einen engelsgleichen Ersatz für dich gefunden. Du kannst dich freuen“, erklärte ich ihr. Aber anstatt sich zu freuen, rasselte sie mit den gefesselten Händen und gab unverständliche Worte von sich. Aber ich schloss ruhig die Tür. Keine Eile oder Hektik, denn ich hatte alle Zeit der Welt für sie. Für unsere letzte gemeinsame Nacht.

Ab morgen werde ich wieder auf die Jagd gehen, denn ich sehe dich. Ich sehe dich genau.