Stadt der Schatten - Eclipse

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Summary

Kate kehrt traumatisiert von ihrem ersten Auftrag zurück. Nichts fühlt sich sicher an. Nicht einmal sie selbst. Doch ausgerechnet Alec lässt sie nicht los. Er ist brutal, unberechenbar - und der Einzige, der sie versteht. Vielleicht sogar der Einzige, der sie retten kann. Oder der, der sie endgültig bricht. Zwischen Angst und Verlangen lernt Kate die Wahrheit über Valera: Die Schatten sind näher, als sie denkt.

Status
Complete
Chapters
35
Rating
5.0 5 reviews
Age Rating
18+

Ausgeliefert

Seit ich ein Kind war, hatte meine Mutter mir eine Sache immer und immer wieder gesagt.

»Das sind Monster, Kate.«

Ihre Angst vor Vampiren, hatte immer mit uns unter einem Dach gelebt. Wie ein Schatten, der nie wegging.

Angefangen bei den zusätzlichen Schlössern, die sie hatte anbringen lassen, bis hin zu ihrer ständigen Ermahnung, dass ich nachts nicht rausgehen sollte.

Sie hatte mir immer und immer wieder gesagt, dass Vampire böse waren. Sie sich einfach nahmen, was sie wollten. Und dass ihnen Menschen egal waren.

»Sie wollen dein Blut. Deinen Körper. Was mit dir passiert, ist ihnen egal!«

Und in ihrer Angst, hatte sie eine Sache komplett ausgeblendet. Es verdrängt. Mich. Meine wahre Natur.

Als Halbvampir war ich zur Hälfte das, was sie am meisten hasste. Ich war zur Hälfte das Monster, was sie fürchtete.

Und deswegen war ich ein Mensch. Auf dem Papier. In ihren Augen. In allen Augen – außer meinen.

Und dieses winzig kleine Detail, hatte mich jetzt in eine Situation gebracht, die ich trotz des Trainings – trotz all der Vorbereitung – nicht kontrollieren konnte.

Mein Kopf tat weh. Die Luft war stickig und es war dunkel. Selbst, als ich die Augen öffnete, empfing mich Dunkelheit.

Ich wurde durchgeschüttelt. Zitternd sog ich Luft durch die Nase. Ich konnte nur durch die Nase atmen. Mein Mund – zugeklebt.

Ruhig bleiben Kate!

Ich roch Benzin. Hörte das laute Surren eines Motors. Wurde ordentlich durchgeschüttelt.

Ich lag in einem Kofferraum – zusammengekrümmt, Hände und Füße gefesselt. Klebeband über meinem Mund. Kein Laut möglich.

Ruhig bleiben. Atmen. Nicht in Panik verfallen!

Ich wusste, dass ich ruhig bleiben musste. Und ich wusste auch, dass ich keinen Grund zur Panik hatte.

Ich war sicher.

Mein Standort war Victor – meinem Vorgesetzten – bekannt. Er und die anderen Agenten, die an diesem Einsatz mitwirkten, verfolgten die ganze Zeit das GPS-Signal des kleinen Peilsenders, der in meinem Kleid eingearbeitet war.

Sie würden eingreifen, bevor mir etwas passierte. Sobald ich am Ziel war, würden sie sich bereit machen und zugreifen.

Zehn Minuten. Victor sagte, ich sei zehn Minuten auf mich allein gestellt. Aber ich war sicher. Ich war sicher.

Ich versuchte mich auf meine Atmung zu konzentrieren. Auf meinen Körper. Ging meine Möglichkeiten durch.

Doch es fiel mir schwer, mich zu konzentrieren. Die Luft hier war zu stickig. Zu warm. Ich bekam kaum Luft. Mein Kopf tat weh.

Ich zwang mich die Augen offen zu halten. Ich durfte nicht das Bewusstsein verlieren. Ich musste wach bleiben. Wach bleiben.

Der Motor verstummte. Alles war ruhig. Mein Atem ging flach. Zu schnell. Und meine Augen fielen mir immer und immer wieder zu.

Sie brannten unangenehm. Fühlten sich gereizt an. Schwer. Der Benzingeruch biss mir in die Nase. Reizte meine Sinne.

Und ich war müde. So verdammt müde.

Zu müde um zu kämpfen. Zu fliehen. Einfach… müde.

Nur vage bekam ich mit, wie der Kofferraum sich öffnete. Wie kalte Luft meine Haut streifte. Ich blinzelte schwach. Sah nur eine dunkle Gestalt. Zwei dunkle Gestalten.

»Sieht gut aus. Bringt sicher viel ein. Muss der Chef entscheiden.«

Ich wollte mich wehren, als ich aus dem Kofferraum gezogen wurde. Ich wollte es – aber ich konnte nicht.

Ich hatte keine Kontrolle mehr.

Ich schaffte es nur, einen verzweifelten Laut auszustoßen, der durch das Klebeband auf meinem Mund kaum zu hören war.

Ich wurde über eine Schulter geworfen. Alles drehte sich. Mein Körper schaukelte unangenehm hin und her.

Wie eine Puppe, wurde ich einfach getragen. Wie ein lebloses Ding. Eine kalte Hand hielt meine Beine fixiert. Zu fest. Zu grob.

Mein Magen rebellierte. Mir war schlecht. Ich wagte einen schwachen Versuch, mich zu wehren. Zu schwach. Es war nicht viel mehr, als ein kurzes aufbäumen. Zu wenig. Zu spät.

»Ist der Boss hier oben?«

Eine Tür öffnete sich quietschend. Dumpfe Musik. Nah, aber trotzdem weit weg.

»Nee, ist unten. Weißt ja, wie du runter kommst.«

Türquietschen. Helligkeit, die in den Augen wehtat. Der Boden, den ich sehen konnte – grauer Beton. Dann, eine Bodenluke.

Eine viereckige Luke aus Metall.

»Na dann Süße, bringen wir dich mal zum Boss.«

Wir stiegen hinab. In die Dunkelheit. In die Tiefe. Mit jedem Schritt wurde mir übler. Mein Atem kam nur noch Stoßweise. Stockend.

Ein letzter, schwacher Versuch mich zu wehren. Das kurze Bewegen meiner Hände, im Versuch das Klebeband zu lösen.

Erfolglos.

Etwas Nasses rollte über meine Wange. Ein Zittern durchzog meinen Körper.

Musik. Erst leise, dann lauter. Wann waren wir unten angekommen?

Eine Tür öffnete sich. Stickige Luft, Stimmengewirr, leises Gelächter – Musik, die sich in die Stille schlich.

Keine Partymusik. Es war düsterer, langsamer. Musik, die sich wie eine Drohung anfühlte.

»Oh neue Ware!«

»Süßes Ding hast du da! Kann es kaum erwarten, sie in Aktion zu sehen!«

»Sie riecht verdammt lecker!«

Ich sah es nicht, aber ich konnte es spüren. Die Blicke. Hungrig. Gierig. Erwartungsvoll.

Und dann war da nur der harte Aufprall, als sie mich auf den weichen Untergrund warfen.

Ich blinzelte. Helles Licht blendete mich.

»Schön hier warten Süße. Der Boss kommt gleich, um dich anzusehen.«

Ich schluckte. Versuchte mich aufzurichten. Zu atmen. Sofort wurde ich auf die Matratze zurück gedrückt.

Eine kalte Hand umfasste meinen Hals. Warmer Atem auf meiner Wange. Ich zuckte zusammen. Versuchte zu entkommen.

»Liegen bleiben, Süße. Der Boss wird dich gleich ansehen – du sollst doch gut aussehen für ihn, nicht wahr?«

Das Gefühl, was seine Worte – seine Berührungen – in mir auslöste, ließ etwas in mir erwachen. Etwas, das ich geglaubt hatte irgendwo auf den Weg hierher verloren zu haben.

Ich drehte den Kopf. Wandte mich unter der Berührung. Versuchte zu schreien. Meine Hände zu befreien.

Ein dunkles Lachen, dicht an meinem Hals. Dann ein Ruck – reißender Stoff, kalte Luft auf meiner Haut. Eine Tür fiel knallend ins Schloss. Ich war allein.

Ich zerrte an meinen Fesseln. Versuchte meine Hände zu befreien. Meine Füße. Ich zappelte. Bewegte mich.

Ich musste nachdenken. Was waren meine Möglichkeiten? Wie konnte ich mich selbst retten?

Zehn Minuten. Zehn Minuten durchhalten. Aber zehn Minuten waren längst um. Oder?

Ich zwang mich ruhig zu atmen. Tief durch die Nase ein- und wieder auszuatmen. Ruhig bleiben.

Coryn hatte es mir erklärt. Ein schneller Puls triggert den Jagdinstinkt. Und ich war keine hilflose Beute.

Was waren meine Möglichkeiten?

Meine Hände – gefesselt. Meine Beine – gefesselt. Mein Mund – zugeklebt. Ich lag auf dem Rücken. Meine Hände über meinem Kopf.

Wir hatten die Woche über alles trainiert. Nur nicht so eine Situation.

Nie gefesselt. Nie Bewegungsunfähig. Aber es gab einen Weg. Es gab immer einen Weg.

Meine Beine waren an den Fußgelenken mit Klebeband fixiert. Aber ich konnte die Knie anwinkeln. Zwar nur gemeinsam, aber es könnte reichen, um mich zur Wehr zu setzen.

Die Tür ging auf. Schritte. Ich schluckte. Machte mich bereit.

»Du willst mich doch verarschen!«

Die Stimme war neu. Fassungslosigkeit und Wut schwang darin mit. Als könnte er nicht glauben, was er sah.

»Was? Sie ist doch genau das, was du haben wolltest!«

»Mir egal, was du mit ihr machst, aber ich habe damit nichts zu tun. Sie war nie hier und verschwindet, bevor die Sonne aufgeht!«

»Boss, ich verstehe nicht-«

»Der Schatten sagte, sie ist tabu! Sie war also nie hier in meinem Laden. Ich habe mit der Sache nichts zu tun. Was du mit ihr machst – ob du sie umbringst, deinen Spaß mit ihr hast, oder ihr Blut trinkst – ist mir egal. Sie verschwindet noch vor Sonnenaufgang aus meinem Club!«

Die Tür fiel lautstark ins Schloss und ich versuchte mich aufzurichten. Ich dachte ich sei allein. Aber ich irrte mich.

»Tja Süße… dein Glück. Oder eher meins… ich muss dich nicht teilen.«

Die Schritte kamen näher. Mein Körper spannte sich an. Dann tauchte ein Gesicht vor mir auf. Ich hatte es schon einmal gesehen.

Es war der Barkeeper aus der Bar.

Ich roch sein Parfüm. Eine leichte Alkoholfahne. Er grinste dreckig und seine Hand streifte meine Wange. Umfasste meinen Hals.

»So viele Möglichkeiten und so wenig Zeit«, säuselte er und ich wandte mich unter ihm. Versuchte meine Beine, wie geplant anzuwinkeln. Ihn zu treffen.

Ich streifte ihn. Nicht stark. Gerade genug, dass er kurz zusammenzuckte – und dann lachte.

Dann war er über mir.

Ich versuchte zu schreien. Das Klebeband auf meinem Mund verhinderte es. Seine Hand hielt meine Handgelenke über meinem Kopf fest.

Sein Atem dicht an meinem Hals. Die andere Hand ging auf Wanderschaft. Grob. Gierig. Ekelhaft.

Ich schrie gegen das Klebeband. Wandte mich unter seinen Händen. Mein Körper wollte fliehen – doch ich war gefangen. Ausgeliefert.

Und zehn Minuten waren längst um. Irgendwas war schiefgelaufen. Niemand kam, um mich zu retten.

Ich bekam kaum Luft. Tränen vernebelten mir die Sicht. Ich drehte den Kopf. Wollte weg von ihm. Wollte seinem warmen Atem entkommen. Seinen Händen, die mein Kleid weiter aufrissen. Meinen Körper besetzten.

Die Musik im Hintergrund war gedämpft. Leise. Aber selbst ohne Musik, war es egal wie laut ich versuchte zu schreien.

Da draußen – diese Monster – sie würden nicht helfen. Sie waren genauso, wie dieses Monster über mir.

Ein schmerzhafter Laut entwich mir, als ich einen leichten Druck an meinem Hals spürte. Spitze Zähne, die sich in die weiche Haut bohrten.

Nicht tief genug um mich zu töten. Aber es reichte, um von mir zu trinken.

Ich wusste: ich durfte nicht ohnmächtig werden. Nicht jetzt. Nicht bevor… irgendwer kam. Irgendwas passierte.

Aber ich konnte nicht mehr. Ich hörte auf, mich zu wehren. Mein Körper zitterte, aber ich konnte einfach nicht mehr.

Nur vage hörte ich laute Schreie. Musik verstummte. Hektische Schritte, die versuchten wegzurennen.

Eine Stimme erkannte ich.

»ALLE HÄNDE HOCH! KEINE BEWEGUNG! DAS IST EIN ZUGRIFF DER S.O.G!«

Die Tür wurde lautstark aufgestoßen. Der Vampir wurde von mir runtergerissen. Krachte gegen die Wand.

Ich schrie gegen das Klebeband. Vor Angst. Vor Schmerz. Vor Erleichterung.

Ein schmerzhafter, röchelnder Laut war zu hören und ich drehte den Kopf. Alec drückte dieses Monster gegen die Wand. Hielt ihn am Hals fest. Würgte ihn.

Seine Miene war kalt, während der andere Vampir versuchte sich zu wehren. Seine Augen weiteten sich panisch.

Und dann beendete Alec es. Leblos sank der Vampir zu Boden. Blieb liegen. Tot.

Ohne dem Toten länger zu beachten, wandte Alec sich mir zu. Er zögerte nicht. Nahm mich einfach hoch. Brachte mich aus dem Zimmer. Aus dem Club. Aus dem Untergrund.

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