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Jacky:
„Ich weiß nicht genau, wo du gerade bist, während du diese Zeilen liest. Vielleicht sitzt du in einem warmen Zimmer, vielleicht bist du im Zug, oder vielleicht suchst du gerade selbst nach einem Weg aus einer Dunkelheit, die sich so kalt anfühlt wie das Eis am Khumbu-Gletscher.
Als wir diese Reise begannen, dachte ich, es ginge um einen Berg. Ich dachte, ich müsste einen physischen Punkt auf der Landkarte erreichen, um den Schmerz über den Verlust meines Vaters endlich zum Schweigen zu bringen. Ich war besessen von der Höhe, von der Leistung, von dem Drang, mir selbst zu beweisen, dass ich nicht an der Trauer zerbrechen würde. Aber was ich gelernt habe – und was wir euch mit unserer Geschichte sagen wollen – ist, dass die höchsten Gipfel nicht aus Stein und Eis bestehen. Die höchsten Gipfel sind die Mauern, die wir um unser eigenes Herz bauen, um uns vor dem Schmerz zu schützen.
Ich habe gelernt, dass es keine Schande ist, in der Wand zu hängen und zu weinen. Es ist keine Schande, keine Luft mehr zu bekommen. Das Leben ist oft wie die Todeszone: Der Sauerstoff wird knapp, die Sicht verschwimmt, und man verliert den Glauben daran, dass jemals wieder die Sonne aufgeht. Aber wenn ich eines weiß, dann ist es dies: Du musst nicht alleine klettern. Schau dich um. Irgendwo ist da ein Seilpartner. Irgendwo ist eine Hand, die nach deiner greift, selbst wenn deine eigenen Finger taub sind.“
Leon:
„Jacky hat recht. Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich nicht das Weiß des Schnees oder das Blau des Eises. Ich sehe ihr Gesicht im Schein meiner Stirnlampe. Ich sehe die Angst in ihren Augen und den unglaublichen Mut, der darunter lag.
Für mich war diese Reise eine Lektion in Demut. Ich dachte immer, Stärke bedeutet, niemals zu wanken. Ich dachte, ein Bergsteiger ist jemand, der alles im Griff hat. Aber am Everest habe ich gelernt, dass wahre Stärke darin liegt, seine eigene Zerbrechlichkeit zuzugeben. Als ich am Südsattel lag und bereit war, mein Leben für Jacky zu geben, war das kein heroischer Moment für mich. Es war ein Moment der absoluten Wahrheit. Ich habe begriffen, dass ein Leben ohne Liebe, ohne jemanden, für den man bereit ist, alles zu riskieren, kälter ist als jeder Sturm am Gipfelgrat.
Ich möchte euch sagen: Sucht euch euren Gipfel. Aber sucht ihn nicht aus Stolz. Sucht ihn, um zu finden, wer ihr wirklich seid, wenn die Masken fallen. Wenn ihr erschöpft seid, wenn ihr das Gefühl habt, der Wind würde euch davontragen haltet fest. Haltet an den Menschen fest, die euch lieben. Ein abgebrochener Fingernagel oder eine erfrorene Fingerspitze heilt. Aber eine Seele, die aus Angst niemals losgegangen ist, bleibt für immer in der Kälte.“
Jacky:
„Es gab Momente in dieser Geschichte, die waren so schmerzhaft zu erleben, wie sie wahrscheinlich zu lesen waren. Die Nächte, in denen wir uns nur durch die Hitze unserer Körper daran erinnerten, dass wir noch am Leben sind. Die Momente der Verzweiflung, als ich glaubte, mein Vater würde mich in die Tiefe rufen. Aber genau in diesen Momenten ist etwas passiert: Wir sind zusammengeschmolzen.
Wir wollten euch zeigen, dass Liebe nicht nur ein Wort ist, das man flüstert, wenn alles gut läuft. Liebe ist das Fixseil, wenn der Sturm losbricht. Liebe ist das Teilen der letzten Sauerstoffreserve, wenn man selbst kaum noch atmen kann. Liebe ist der Grund, warum ich heute hier sitze und meinen Sohn im Arm halten kann, anstatt ein weiterer Name auf einem Gedenkstein am Everest zu sein.
Wenn ihr dieses Buch jetzt zuschlagt, nehmt nicht nur die Kälte der Berge mit. Nehmt die Wärme mit, die wir zwischen uns gefunden haben. Nehmt den Mut mit, eure eigenen Geister zu konfrontieren, egal wie hoch euer persönlicher Berg auch sein mag. Ihr seid stärker, als ihr glaubt. Ihr habt Reserven in euch, von denen ihr erst erfahrt, wenn die Luft wirklich dünn wird.
Leon:
„Und vergesst niemals: Der Abstieg ist genauso wichtig wie der Aufstieg. Es geht nicht nur darum, oben anzukommen. Es geht darum, das, was man oben gelernt hat, mit nach Hause zu nehmen. Wir tragen den Everest heute nicht mehr als Last in unserem Rucksack. Wir tragen ihn als Leuchten in unseren Herzen. Jedes Mal, wenn ich Jacky ansehe, sehe ich den Gipfel. Jedes Mal, wenn ich ihren Atem spüre, erinnere ich mich daran, dass jeder Atemzug ein Geschenk ist.
Danke, dass ihr uns zugehört habt. Danke, dass ihr mit uns gefroren, gehofft und geliebt habt. Wir hoffen, dass unsere Geschichte euch daran erinnert hat, dass am Ende des Tages, egal wie hoch man hinaus will, nur eines zählt... Dass da jemand ist, der deine Hand hält, wenn das Licht ausgeht.“
Jacky & Leon gemeinsam:
„Bleibt mutig. Bleibt menschlich. Und hört niemals auf, nach den Sternen zu greifen aber vergesst nie, die Erde unter euren Füßen und die Wärme eures Partners zu spüren.
Wir sehen uns am nächsten Pass.
In tiefer Verbundenheit,
Jacky & Leon“








