Kapitel 1 –🌸 Die Blumen, die ich zurückließ
Ich stand im Hausflur mit den Töpfen in den Händen.
Erde rieselte ein wenig auf den Boden, und für einen Moment hatte ich Angst, jemand könnte die Tür öffnen und mich fragen, was ich da mache.
Aber niemand kam.
Es war still.
Diese Blumen hatten wir zusammen ausgesucht.
Er hatte sie von der Arbeit mitgebracht, kostenlos, und ich hatte sie gepflegt. Gegossen. Umgestellt. Vor Frost geschützt.
So wie ich so vieles geschützt hatte in diesem Leben.
Und jetzt ließ ich sie zurück.
Nicht, weil sie mir egal waren.
Sondern weil ich gehen musste.
Ich stellte sie vorsichtig nebeneinander in die erste Etage, dort, wo die ältere Frau wohnte, die meine Blumen immer bewundert hatte.
Mit Töpfen. Mit Erde. Mit der kleinen Schaufel.
Ein komplettes kleines Leben.
Für jemanden, der bleiben würde.
Für einen Moment blieb ich stehen und schaute sie an.
Mein Herz tat weh — aber gleichzeitig fühlte ich etwas anderes:
Leichtigkeit.
Ich verstand plötzlich:
Ich lasse nicht Schönheit zurück.
Ich nehme meine Zukunft mit.
Leise sagte ich in meinem Kopf:
„Wachst weiter.
Ich tue es auch.“
Dann drehte ich mich um und ging die Treppe wieder hoch.
Ein Kapitel meines Lebens blieb dort unten stehen — zwischen Blumentöpfen und Erde.
Und ich ging Richtung Freiheit.