Prolog - 1
„Sie sind verheiratet.“
Dominic blinzelte.
Für einen kurzen Moment war er überzeugt, sich verhört zu haben.
„Ich bitte Sie?“
Thomas schob ein Dokument über den Schreibtisch. Seine Finger zitterten dabei leicht.
Dominic griff danach, noch immer halb amüsiert über den merkwürdigen Scherz seines Anwalts.
Doch als er die Zeile las, gefror ihm das Lachen im Gesicht.
Dominic Sanders – verheiratet mit Elisa Jane Rayburn.
Die Worte verschwammen vor seinen Augen.
Er blinzelte erneut, als könnte sich der Text dadurch verändern.
„Das ist ein schlechter Witz.“
Das Papier landete mit einem leisen Klatschen wieder auf dem Tisch.
Thomas lächelte nicht. Der ältere Mann wirkte angespannt und kleine Schweißtropfen glänzten auf seiner Stirn.
„Ich fürchte, das ist kein Witz.“
Dominic lehnte sich zurück und stieß ein kurzes Lachen aus. Es klang hohl. „Sie wollen mir ernsthaft erzählen, dass ich verheiratet bin?“
Er hatte weder Zeit noch Geduld für solche Spielchen.
Sein Terminkalender war bis zum Abend vollgestopft. Seit Tagen reiste er quer durch das Land, um ein neues Grundstück für sein Bauprojekt zu finden, nachdem die Stadt Appleton seine Pläne für ein Grundstück, das er bereits erworben hatte, abgelehnt hatte. Ohne Baugenehmigung war das Gelände wertlos geworden, und seine Mitarbeiter arbeiteten mit Hochdruck daran, eine Lösung zu finden.
Und nun saß er hier.
Weil er angeblich verheiratet war.
Thomas schob ihm ein weiteres Dokument entgegen und wischte sich den Schweiß mit einem Tuch von der Stirn.
„Für Ihren neuen Reisepass musste ich beim Standesamt eine Kopie Ihrer Geburtsurkunde anfordern“, erklärte er vorsichtig. Seine Stimme war so leise, dass er ihn kaum hörte. „Dabei ist mir diese Eintragung aufgefallen.“
Dominic griff erneut nach dem Papier. Er nahm sich Zeit und las dieses Mal jede Zeile. Als er schließlich wieder aufsah, war das Lächeln vollständig aus seinem Gesicht verschwunden.
„Wie ist das möglich?“, fragte er erschrocken.
Thomas atmete tief ein.
„Die einzig logische Erklärung ist Peter.“
Dominic erstarrte. Sein ehemaliger Geschäftspartner, natürlich.
Der Mann, der vor zwei Jahren in seine Wohnung eingebrochen war und neben seinem Reisepass, sämtliche Dokumente gestohlen hatte. Der Mann, der seine Identität benutzt hatte, um Schulden zu machen, Autos zu mieten und Verträge abzuschließen, weil er seine dubiosen Geschäfte aufgedeckt und die Partnerschaft mit ihm beendet hatte.
Dominic presste die Lippen zusammen.
„Dieses verdammte Arschloch“, rief er aufgebracht. Sein Stuhl schrammte laut über den Boden, als er aufsprang.
Thomas hob beschwichtigend die Hände. „Beruhigen Sie sich bitte.“
Doch Dominic hörte ihm kaum zu.
Sein Blick war auf den Namen gerichtet, der neben seinem stand.
Elisa Jane Rayburn.
Eine Frau, die er noch nie gesehen hatte.
Eine Frau, mit der er verheiratet war.