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„Mensch Bea!“
Silke schaut sich sicherheitshalber um, ob unser vielgeliebter Chef Herr Gorben in der Nähe ist. Ist er nicht. Dann tritt sie einen Schritt näher und flüstert mir zu: „Ich hab eben gelesen, dass sie an unserem Strand einen Film drehen!“
„Häh?“, erwidere ich ganz undamenhaft. Ich wische mit dem Ellbogen ein paar Haare aus dem Gesicht. Mit gerunzelter Stirn schaue ich aus meiner gebückten Haltung nach oben. „Was willst du?“
„Urlaub – Strand – Filmdreh!“ Laut und betont sagt Silke jedes Wort, als ob sie mit einer Schwerhörigen spricht.
Okay, in gewisser Weise stimmt das auch. Ich habe InEar-Stecker und die Musik voll aufgedreht. So kann ich mich besser auf meine Arbeit konzentrieren.
„Häh?“, ist darum das Einzige, was ich als Antwort rausrücke.
Silke verdreht die Augen, schüttelt den Kopf und verschwindet in ihren eigenen Gang.
Ich seufze. Ich habe echt keine Lust auf Smalltalk und einen Plausch während der Arbeitszeit. Nicht heute!
Vor bestimmt erst fünf Minuten ist der Chef auf mich zu gestürmt und hat mich angeschnauzt.
Jawohl, angeschnauzt!
Dabei hat er mit einer Folie vor meiner Nase rumgewedelt.
Manchmal ist es echt doof, dass ich die Regale vor Öffnung des Ladens befüllen muss. Die zweite Schicht kümmert sich nur noch ums Nachfüllen. Aber ich muss leider in der ersten Schicht arbeiten. Sonst klappt es mit meinem anderen Job nicht. Noch schlimmer ist, dass Herr Gorben meint, er kann mit der ersten Schicht umspringen, wie er grad Lust und Laune hat.
Als er die Folie mal nicht herumschüttelt und mehr erklärt, machen seine Worte auch endlich Sinn.
Mist!
Ich habe alles falsch befüllt. Irgendein Depp in der Marketing-Abteilung hat entschieden, dass Würstchen und Ketchup besser zusammen passen als Würstchen und Senf. Darum hätte ich drei Regale komplett anders befüllen müssen.
Mist! Aber so was von Mist!
Klar, dass sich der Gorben darüber aufregt. Zeit ist Geld. Und ich habe Zeit vergeudet. Er akzeptiert auch nicht, dass ich gar keine Infos über die Umgestaltung bekommen habe. Außerdem haben die Angestellten des Marktes die Etiketten nicht neu angebracht. Woher also hätte ich von dem neuen Konzept wissen sollen?
Aber gut, das ist nicht Gorbens Problem. Er macht es in Sekundenschnelle zu meinem Problem!
Er hat da mit Worten um sich geworfen wie „Lohnabzug“, „Nacharbeiten“, aber am schlimmsten und total unprofessionell war sein „Nicht mit dem Schlüpfer denken, sondern mit dem Köpfchen!“.
Wow, das hat gesessen!
In dem Augenblick habe ich ihn so zornig angeschaut, dass er selbst ein wenig schluckte.
„Wenn Sie meinem Köpfchen Informationen gegeben hätten, Herr Gorben, hätte mein Schlüpfer keine Zeit gehabt, sich Gedanken zu machen“, habe ich gekontert und ihn aus zusammengekniffenen Augen angestarrt.
Räuspernd hat er sich abgewandt und ist gegangen. Doch bevor er aus meinem Sichtfeld verschwunden ist, brüllte er noch: „In einer halben Stunde will ich die Regale korrekt befüllt haben!“
Arsch!
Kein Wunder also, dass ich keine Zeit für Smalltalk mit meiner Freundin habe, die bestimmt keinen Umgestaltungs-Auftrag erhalten hat.
Dabei interessiert es mich jetzt doch, was sie mit dem Filmdreh an unserem Strand gemeint hat. Sollte das heißen, dass unser Urlaub geplatzt ist? Auf den wir uns schon die ganze Zeit freuen?
Ich stöhne. Das wäre echt eine Katastrophe.
Gemeinsam mit Silke habe ich mich nach dem Abi für ein Soziales Jahr in einer Behinderteneinrichtung beworben. Wir sind auch beide genommen worden. Als Praktikanten mit Null Erfahrung brauchen wir glücklicherweise nicht im Nachtdienst arbeiten. Wir sind für die Tagschicht eingeteilt. Bei Bedarf springen wir in die Früh- oder Spätschicht.
Während der Sommerferien sind wir beide ausschließlich in der Tagschicht dran, deshalb haben wir uns als Regalbefüllerinnen beworben: Warenverräumung und Warenpräsentation.
So können wir uns ein kleines Taschengeld dazu verdienen. Das ist ein kleines Geldpolster fürs spätere Studium. Nebenbei ist dadurch auch mal ein Urlaub weit entfernt von den Eltern drin.
Doch an Tagen wie heute hasse ich diesen Nebenjob. So wahnsinnig viel Geld bringt der auch nicht ein, dass es sich lohnt, primitiv heruntergemacht zu werden!
„Wenn der Urlaub wegen irgendwelcher Filmfuzzis ausfällt, dann schmeiße ich diesen saublöden Nebenjob!“, murre ich.
Aber es sind ja nur noch drei Wochen. Drei Wochen Schikane im Markt.
Drei Wochen Plagerei mit behinderten Kindern, denen die Sommerhitze zu schaffen macht.
Und dann … endlich entspannen … irgendwo an einem Strand … eine ganze Woche lang.
Ich bin noch nie am Meer gewesen. Urlaub hieß bis jetzt immer Verwandtenbesuch quer durch Deutschland. Doch dieses Mal will ich etwas erleben, von dem jeder schwärmt. Faul in der Sonne liegen, einen kühlen Drink schlürfen und sich von anderen Urlaubern anflirten lassen.
Fast schon mechanisch befüllen meine Hände die Regale neu. Ich habe jetzt alles raus geräumt und kann neu einsortieren. Dazu muss ich nicht aufpassen oder denken. Also kann ich mich meinen Urlaubsträumen widmen.
„Ein Filmdreh“, seufze ich.
Lächelnd stelle ich mir den heißesten Mann vor. Waschbrettbauch, braungebrannt, natürlich komplett glatt rasiert.
Ich hasse Haare!
Was andere an einer behaarten Männerbrust sexy finden, kann ich absolut nicht begreifen.
Seit ich einmal einen Freund hatte, der voller Stolz über seine dunkle Wolle war, ist mir die Lust auf behaarte Männer vergangen. Denn als er meinen Kopf an seine Brust gedrückt hatte, damit ich seine Brustwarzen lecke, hatte ich mehr Haare als sonst was im Mund gehabt. Das war so widerlich!
Hätte der Typ es etwa geil gefunden, wenn meine Brüste mit Haaren voll wären? Und dann muss er sich erst mal durch die Wolle lecken, bevor er an meine Nippel ran kann?
Ich hatte mich hustend von ihm und seiner haarigen Brust gelöst und auch auch gleich aus der Beziehung. Er war zwar sauer gewesen, dass er nicht zum Vögeln kam, aber das war mir egal. Immerhin ging es ja nicht nur um seinen Schwanz, sondern auch meinen Lustgewinn!
Seitdem prüfe ich immer, ob einer haarig ist.
Mein letzter Freund ist total okay gewesen. Er hat echt wenig Haare auf der Brust gehabt. Deshalb war es nicht schlimm, dass er nicht rasiert war. Aber als wir nach zwei Wochen das erste Mal unter die Gürtellinie gingen …
Ah! Ich hätte es mir denken können!
Was er oben nicht hatte, das holte er unten nach. Das war so ein Mist. Außerdem fand ich es unverschämt, dass er von mir verlangt hat, dass ich mich vor unserem ersten Fick rasiere.
Komplett!
Aber er schob die Hose runter und präsentierte eine Matte! War der denn bescheuert?
Als er dann wollüstig drängte: „Komm, nimm ihn in den Mund“, habe ich ihn entgeistert angeschaut.
Ich sollte mich rasieren – und er wollte, dass ich seine Haare mit dem Mund sauber lecke?
Na, ich hab da meine Sachen geschnappt, mich angezogen und ihm mitgeteilt: „Werd’ emanzipiert, dann kannst du nochmal bei mir anklopfen!“
Bin ich zu wählerisch?
Irgendwie bin ich nie über das Knutschen- und Fummeln-Stadium hinausgekommen. Die Jungs in meinem Alter sind so stolz auf ihre Genitalbehaarung, dass ich noch keinen ohne angetroffen habe. Entsprechend bin ich noch immer Jungfrau. Aber das erzähle ich niemandem. Sonst bin ich so was von unten durch! Eine neunzehnjährige Jungfrau gibt es doch nur noch in irgendwelchen Sekten.
Kichernd befülle ich das nächste Regal. Vielleicht ist es gut, eine Jungfrau zu sein. Da kann ich sogar einen Typ aus einer Sekte bekommen. Silke würde das nie schaffen, einen wohlerzogenen jungen Mann für sich einzunehmen. Denn sie hat sich nicht so zimperlich gezeigt und ist mit vierzehn entjungfert worden.
Wenn es stimmt, was sie erzählt! Denn das muss es ja nicht. Immerhin habe ich selbst auch behauptet, mit fünfzehn mein erstes Mal gehabt zu haben. Damit ich nicht so altbacken und frigide wirke. Irgendwie war es auch mein erstes Mal. Nur nicht in meiner Pussy, sondern in meiner Hand.
Unverhofft.
Bäh, bereits bei der Erinnerung verziehe ich das Gesicht. Den Kerl werde ich wohl nie mehr vergessen. Das war Peter gewesen. Der hat seine Zunge so wild in meinen Mund geschoben, dass ich dachte, ich ertrinke gleich in seiner Spucke.
Mein Gott, war das eklig gewesen! Seitdem erlaube ich absolut keinem mehr, seine Zunge in meinen Rachen zu schieben. Ich produziere selbst genug Speichel und brauchte keine Extrabefüllung!
Nach diesem abartigen Speichelkuss hat Peter meine Hose geöffnet und in meinen Slip gegriffen. Richtig geil fand ich das jetzt nicht, aber okay. Ich habe dann auch seine Hose geöffnet. Und da ist es passiert. Bäh!
Kaum habe ich seinen Penis in meiner Hand, da spritzte er schon los. Er keuchte so eklig und verdoppelte seine Spucke.
Ich war total verstört. Hab meine Hand zurückgezogen und auf die klebrige, weißlich-gelbe Schmiere gestarrt. Seinen Sabber hatte ich auch noch in meinem Mund.
Ich bin, so schnell es ging, aus dem Jungenklo gerannt. Rüber ins Mädchenklo. Ab in die nächste Kabine. Und da hab ich seine gesamte Spucke plus meinen Mageninhalt vom Frühstück in die Toilette versenkt. Danach habe ich meine Hand bis zum Ende der Pause geschrubbt und mir geschworen, dass ich nie, nie, nie wieder im Jungenklo einen Fick ausprobiere. Und daran habe ich mich auch gehalten!
Zum Glück bin ich jetzt vier Jahre älter. Leider etliche Enttäuschungen weiter. Dafür freue ich mich umso mehr auf einen entspannten Urlaub. Am Strand, da bin ich mir ganz sicher, werden bestimmt Männer herumlaufen, die glatt rasiert sind – auch untenrum.
Und ich hoffe total, dass dieser Filmdreh nicht meine Träume von einem genialen Sommerurlaub zerstört!