Noch Einmal Lebendig by Marie at Inkitt
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Noch einmal lebendig

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Summary

Nach dem Tod ihres Vaters zieht Ruby zu ihrer Mutter und deren neuem Mann in ein fremdes Haus, in eine Stadt, die sich anfühlt wie ein Ort ohne Erinnerung. Nichts passt mehr zusammen. Nicht ihr Leben, nicht ihre Familie, nicht sie selbst. In der neuen Schule trifft sie auf Lucy und Ray. Zwei Menschen, die zu nah an das herankommen, was Ruby eigentlich nicht mehr fühlen will. Und trotzdem ist da plötzlich etwas, das sich wie Wärme anfühlt…wie ein Fehler, den man nicht sofort stoppen kann.

Genre
Romance/Drama
Author
Marie
Status
Ongoing
Chapters
14
Rating
n/a
Age Rating
18+

Die Uhr bleibt stehen


Die Uhr bleibt stehen

Der Flur roch nach Desinfektionsmittel.

Zu scharf. Zu sauber. Als würde der Geruch etwas anderes überdecken wollen, das trotzdem da war.

Ich saß auf einem Plastikstuhl. Er war hart, aber nicht hart genug, dass ich sofort aufstand. Als hätte der Raum entschieden, dass ich dort bleiben musste.

Die Neonröhre über mir summte. Gleichmäßig. Ohne Pause. Sie ging mir auf die Nerven, obwohl ich nichts dagegen tun konnte. An der Wand hing eine Uhr. Sie tickte zu laut.

Ich sah sie an, ohne wirklich darauf zu achten. Meine Hände waren kalt. Ich merkte erst jetzt, dass meine Fingernägel in meine Haut gedrückt hatten. Kleine Abdrücke, die geblieben waren, aber nicht wichtig wirkten.

Meine Mutter stand ein paar Schritte entfernt. Sie saß nicht. Sie ging nicht.

Sie war einfach dazwischen, als hätte sie vergessen, wie man in einem Raum existierte.

Niemand sprach.

Irgendwo klapperte eine Tür. Schritte auf dem Boden. Dann wieder Stille.

Er müsste längst zurückgerufen haben. Vielleicht hatte sich alles nur verzögert. Vielleicht saß er noch irgendwo und wartete ebenfalls. Es fühlte sich an wie ein Fehler. Nicht wie etwas Echtes.

Die Uhr tickte weiter.

Die Tür ging auf. Ich sah zuerst den Arzt, bevor ich verstand, dass er es war. Er wirkte müde. Nicht traurig. Eher so, als hätte er zu viele solcher Räume gesehen, um noch neu darauf zu reagieren.

Er blieb kurz stehen.

Sein Blick ging nicht direkt zu mir.

Dann begann er zu sprechen.

Unfall.

Schwer.

Mehrere Verletzungen.

Reanimation versuch.

Seine Stimme blieb ruhig.

Ich hörte nur Bruchstücke.

Unfall.

Keine Chance.

Es tut mir leid.

Mehr kam nicht bei mir an.

Der Rest verschwand, bevor er Sinn bekam.

Als hätte mein Kopf beschlossen, den Ton nicht vollständig zuzulassen.

Meine Mutter bewegte sich sofort.

„Wann genau?“

Ihre Stimme war klar. Zu klar.

„Wo ist es passiert? Hat die Polizei schon…?“

Sie stellte Fragen, als würde die Welt noch in eine Reihenfolge passen.

Ich sah sie an.

Ich verstand nicht, wie sie sprechen konnte.

Der Arzt antwortete ruhig und sachlich.

Ich verstand einzelne Worte.

Autobahn.Frontal. Sofort.

Ich wartete darauf, dass etwas passierte.

Dass jemand schrie.

Dass meine Mutter zusammenbrach.

Dass der Raum sich veränderte.

Aber nichts davon geschah.

Sie nickte. Einfach so. Als würde sie Informationen sortieren.

Etwas in mir bewegte sich, ohne dass ich es greifen konnte.

Nicht Trauer.

Noch nicht. Eher ein Stolpern.

Später kam jemand mit einer Plastiktüte. Ich sah sie, bevor ich verstand, was sie bedeutete. Durchsichtig. Zu sauber. Sie stellte sie auf einen Tisch neben der Wand. Niemand sprach sofort.

Dann begann sie aufzuzählen.

Geldbörse.

Handy.

Schlüssel.

Kleidung.

Ich sah nur die Tüte. Alles darin wirkte falsch. Als gehörte es jemand anderem. Dann sah ich die Uhr. Sie lag oben. Ich ging hin, bevor ich darüber nachdachte. Meine Finger schlossen sich darum.

Kalt. Kälter als alles andere. Ich drehte sie leicht. Der Sekundenzeiger stand still.

Ich starrte darauf. Ich verstand nicht sofort, warum genau das schlimmer war als alles andere. Dann verstand ich es. Er war genau in diesem Moment stehen geblieben.

Meine Mutter machte ein Geräusch hinter mir. Ich wusste nicht, was es war.

Ich hörte sie nicht richtig. Ich hielt die Uhr fester.

Irgendwann, ich wusste nicht wann. Meine Beine bewegten sich einfach. Ich ging durch den Flur, ohne wirklich zu wissen wohin. Eine Tür stand offen. Ich ging hinein. Toilette. Oder Treppenhaus. Hauptsache weg.

Es war dort leiser. Oder ich war einfach weiter weg.

Ich setzte mich auf den Boden. Ohne es zu entscheiden. Dann begann es. Nicht sofort alles. Zuerst nur mein Atem. Zu schnell. Zu flach. Als würde er nicht mehr zu mir gehören. Meine Hand zitterte. Die Uhr rutschte fast aus meinen Fingern. Ich hielt sie fester.

Nein.

Nein.

Er war heute Morgen noch da. Er hatte noch gesprochen. Er konnte nicht einfach weg sein.

Mein Kopf wiederholte es. Immer wieder. Als würde es dadurch etwas ändern. Die Tür ging auf. Meine Mutter. Sie stand im Rahmen.Einen Moment sagte sie nichts.

„Komm.“ Mehr nicht.

Ich sah sie an. Ich wartete. Ich wartete darauf, dass sie auch zusammenbrach. Dass irgendetwas in ihr sichtbar zerbrach. Aber sie blieb so. Stabil. Und genau das fühlte sich falsch an.

Später saß ich im Auto. Der Regen lief über die Scheibe. Alles draußen war nur noch Licht und Bewegung ohne Form. Ich hielt die Uhr. Dann zog ich sie über mein Handgelenk. Sie war zu groß. Rutschte.

Kalt.

Ich spürte sie bei jeder Bewegung. Sie zeigte keine Zeit mehr. Nur den Moment, in dem alles aufgehört hatte. Und während das Auto fuhr, blieb dieser Moment irgendwo an mir hängen. Nicht draußen. Sondern zwischen meiner Haut und meinem Atem.

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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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