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Fall in Silence

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Summary

Brielle Whitmore hat alles, was man sich nur wünschen kann. Reichtum, Schönheit, Beliebtheit. Sie gehört zu den gefeierten Gesichtern des Cheerleading-Teams. Ihr Leben scheint perfekt – bis ein Skandal um ihren Vater alles zerstört. Innerhalb weniger Wochen wird aus der gefeierten Prom-Queen die Tochter eines Betrügers. Freunde wenden sich ab, Gerüchte machen die Runde und selbst an der Universität, an der sie gerade ihr Studium beginnt, scheint ihr Name ihr vorauszueilen. Doch Brielle weigert sich, aufzugeben. Ausgerechnet ihre neue Mitbewohnerin Teagan Langley erleichtert ihr den Neuanfang. Sie scheint anders zu sein, als die Menschen, die Brielle bisher umgeben haben. Aber was Brielle nicht weiß: Teagan hat einen Bruder. Callum Langley. Lacrosse-Star der Atherton University und Erbe eines traditionsreichen Weinguts. Unnahbar, kontrolliert und alles andere als begeistert davon, dass seine Schwester ausgerechnet mit einer Whitmore zusammenlebt. Callum hasst Brielle und sie hat keine Ahnung, warum.

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Der Skandal

The Virginia Post: Aldric Whitmore, dem milliardenschweren Finanzleiter, wird Veruntreuung von Geldern vorgeworfen.

The Virginia Chronicle: Dem erfolgreichen Finanzleiter Aldric Whitmore wird Veruntreuung von Geldern seiner betreuten Unternehmen vorgeworfen. Bisher gibt es noch keine Stellungnahme von Whitmore. Was droht dem CFO?

Daily Commonwealth: Aldric Whitmore soll Geld veruntreut haben. Dem erfolgreichen Unternehmer wird vorgeworfen, Gelder veruntreut zu haben. Die Liste der betroffenen Namen ist noch unklar. Wieviel Schaden hat er angerichtet? Und vor allem: Wie geht seine Frau, die Tochter des im Ruhestand lebenden Henry Ashford damit um? Insider berichten, dass die Ehe schon vor dem Skandal kriselte. Angeblich soll Aldric Affären gehabt haben. Eine Bekannte der Familie berichtete sogar, dass eine Scheidung im Raum stand.

Social Media und die Nachrichten sind voll davon. Obwohl der vermeintliche „Whitmore-Fall“ vor acht Wochen ans Licht kam, berichten sie immer noch über nichts anderes. Ich hatte gedacht, dass es sich mit der Zeit etwas beruhigen würde, aber nichts da! Mein Leben ist vorbei. Zumindest das Leben, wie ich es kannte. Die Privatnachrichten auf meinen Social-Media-Kanälen habe ich deaktiviert. Denn die Hasskommentare wurden immer schlimmer.

„Wie fühlt es sich an, die Tochter eines Betrügers zu sein?“

„Aus dir kann doch nichts mehr werden.“

„Die gefallene Königin. Stirb, Brielle Whitmore.“

„Dein Ruf ist hin, Finanzschlampe.“         

„Irgendwann fällt jede Königin, mal sehen, wie tief dein Fall noch wird.“

„Ich freue mich darauf, zu sehen, wie du endlich bekommst, was du verdienst, Miststück.“

„Während sie an dir vorbeigeht, klaut sie dir die Sachen. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ 

„Wie der Vater, so die Tochter.“

„Pompons wedelnde Hure!"

Und viele weitere Kommentare, die meinen Nachrichtenordner füllen. Anfangs habe ich darauf reagiert und mich gewehrt, so wie immer. Denn normalerweise bin ich diejenige, die den Leuten sagt, wo es langgeht. Bis zu dem Skandal meines Vaters war unser Name angesehen. Aber es ist, wie sie sagen. Mein Ruf ist hin.  

»Miss Whitmore.« Ich hebe meinen Kopf und sehe den Fahrer meines Großvaters an. 

Er schenkt mir ein Lächeln durch den Innenspiegel der Limousine, wodurch die Fältchen um seine Augen sichtbar werden.

Unauffällig wische ich mit dem Daumen über mein Handy, um alle Spuren meiner Spionage zu vertuschen. »Ja, Chris?«

»Ihr Großvater hat gesagt, Sie sollen sich nur auf die Uni und das Cheerleading konzentrieren. Die letzten Wochen waren für Ihre Familie sehr nervenaufreibend.«

Heute beginnt mein Studium. Und das nicht an irgendeiner Universität, sondern an einer Eliteuniversität für Spitzensportler. Auch wenn man meinen sollte, dass eine solche Uni wie ein Neuanfang ist, kann ich das nicht behaupten. Immerhin ist unser Name überall in den Nachrichten zu sehen. 

Ich nicke und schenke ihm ein Lächeln.

»Du bist eine Whitmore, du schaffst das.« Ich wiederhole die Worte in Gedanken wie ein Mantra und sehe auf meine marineblaue Uniform hinab. Die Stickerei des Universitätslogos schimmert in einem warmen Goldton auf meiner Brust. Auch die Ränder des Kragens und die drei Knöpfe an den Ärmeln meines Blazers sind golden. Mein goldblondes Haar trage ich zu einem lockeren Dutt, aus dem sich bereits einzelne Strähnen gelöst haben. Normalerweise würde mich das wahnsinnig machen. Heute ziehe ich nur einmal daran herum und lasse es anschließend bleiben. Ich muss nicht perfekt aussehen und erst recht nicht heute.

»Wir sind da, Miss Whitmore.«

Chris’ Stimme holt mich aus meinen Gedanken. Ich sehe aus dem Fenster und erkenne die ersten Gebäude der Atherton University. Mein Magen zieht sich zusammen. Ich kann nicht vorgeben, als würde mich das alles nicht mitnehmen. 

Da ist sie. Meine neue Welt. Der Campus erstreckt sich vor mir wie eine eigene kleine Stadt. Alte Backsteingebäude treffen auf moderne Glasfassaden, dazwischen breite Wege, gepflegte Rasenflächen und riesige Bäume, deren Blätter bereits erste Anzeichen des Herbstes zeigen. Überall laufen Studenten herum. Einige tragen die Farben ihrer Sportteams, andere schleppen Taschen oder Sportausrüstung über den Campus. Atherton. Die Universität, an der die Besten der Besten studieren, und ab heute gehöre ich dazu. 

Chris steigt aus und öffnet mir die Tür. Ich atme tief durch, bevor ich aus der Limousine steige.

Sofort spüre ich die Blicke. Ein paar Studenten laufen an mir vorbei. Einer sieht mich an, sieht kurz weg und als er mich erkennt, werden seine Augen groß. Ein Mädchen stößt ihre Freundin mit dem Ellenbogen an und flüstert ihr etwas zu. Ich kenne diesen Blick. Den habe ich in den vergangenen acht Wochen oft genug gesehen. Er wandert über mein Gesicht, meine Uniform und bleibt an meinem Nachnamen hängen, obwohl dort gar kein Namensschild befestigt ist. Whitmore. Sie ist eine Whitmore. Richtig super, das Studium mit einem Skandal zu beginnen.

Ich richte die Schultern auf, setze meine kühle Miene auf, die ich inzwischen wie eine zweite Haut trage, und zwinge mich, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

»Miss Whitmore?«

Ich drehe mich um. Chris hält mir meinen Rollkoffer entgegen.

»Oh. Danke.«

»Ihr Großvater wird später nach Ihnen sehen. Er möchte, dass Sie sich zunächst in Ruhe einrichten.«

Seit dem Skandal versucht mein Großvater, irgendwie die Kontrolle über mein Leben zu übernehmen. Er hat noch nie sonderlich große Stücke auf meinen Vater gehalten. Und damit er nicht noch weiter auf ihn losgeht, hat meine Mutter mich zu ihm geschickt. Sozusagen als Friedensangebot. Brielle braucht etwas Ruhe aufgrund der ganzen Umstände. Was auch immer da zu Hause abgeht. Sie beide wollen nicht, dass ich es mitbekomme. Wer weiß, was noch so alles ans Licht kommt. Schließlich habe ich ja nicht Virginia verlassen, nein, ich bin nur ein paar Häuser weitergezogen, um auf einem verlassenen Landsitz zur Ruhe zu kommen.

Ich nehme meinen Koffer entgegen. »Sagen Sie ihm, dass ich klarkomme.«

Chris lächelt. »Das werde ich. Aber Sie kennen Ihren Großvater ja. Er wird kommen.«

Das wird er tatsächlich. Für meinen Großvater gibt es nach dem Tod meiner Großmutter, nichts Wichtigeres als seine Tochter und seine Enkelin.

Chris steigt mit einem knappen Nicken wieder ein und die Limousine fährt davon. Für einen Moment starre ich dem Wagen hinterher, so, als würde ich versuchen, ihn zum Zurückkommen zu bewegen. Aber nein, denn vor etwas davonzulaufen, war noch nie meine Art. Ich schultere meine Umhängetasche und gehe über den Campus.

Je näher ich dem Gebäude komme, desto mehr Menschen strömen mir entgegen. Überall sind Stimmen und Gelächter zu hören. Viele tragen die gleiche Uniform wie ich. Irgendwo läuft jemand mit einem Lacrosseschläger über der Schulter an mir vorbei. Ein anderer trägt eine Trainingsjacke mit dem Atherton-Logo. Hier dreht sich alles um Sport. Hier werden Karrieren gemacht und Stars geboren.

Ich suche direkt das Büro der Wohnheimleitung auf. Mein Großvater hat mir angeboten, dass ich nach Unischluss aufgrund der Umstände immer zu ihm fahren kann, aber das möchte ich nicht. Ich möchte, so wie es ursprünglich geplant war, mit meiner Freundin zusammen hier wohnen. Es reicht schon, dass ich an den Wochenenden nach Ashford Manor fahren muss. Meine beste Freundin Stacy und ich werden nämlich ein Zimmer zusammen teilen. Seit der Junior High sind wir unzertrennlich. Zusammen haben wir an unzähligen Cheerleading-Wettbewerben teilgenommen und so einige Titel geholt. Hier wird das Cheerleading professioneller aufgebaut und beläuft sich auf Akrobatik und Elemente des Bodenturnens.

Egal, was passiert ist, ich wollte wenigstens Stacy an meiner Seite wissen. Sie ist die eine Konstante, die mir noch geblieben ist. 

Die Frau mit den kurzen braunen Haaren und dem freundlichen Lächeln, hinter dem Schreibtisch schaut von ihrer Liste hoch. »Willkommen an der Atherton University. Wie ist Ihr Name?«

Tja, die Sache mit meinem Namen werde ich nicht los. Räuspernd sage ich: »Brielle Whitmore.«

Ihr Gesichtsausdruck verändert sich wie bei jedem anderen in den letzten acht Wochen. Aber aufgrund ihrer Professionalität lässt sie sich nichts anmerken. »Brielle Whitmore«, wiederholt sie leise, während sie auf ihre Liste schaut. »Ah, da habe ich Sie. Sie haben das Zimmer Nummer zwanzig im Turmgebäude B. Ich gebe Ihnen einen Plan mit.«

Sie greift nach einem der Pläne und erhebt sich dann, um mir den Schlüssel zu reichen. »Könnten Sie diesen Umschlag für Ihre Mitbewohnerin mitnehmen? Sie hat ihn vorhin hier vergessen.«

Eigentlich sehr untypisch für Stacy. Ich lächle und nicke. »Gerne.« Sie reicht mir die ganzen Sachen und ich bedanke mich bei ihr. Mein Blick fällt auf den Namen, der auf dem Umschlag steht. Teagan Langley.

Räuspernd wende ich mich erneut an die Dame. »Meine Mitbewohnerin heißt aber Stacy Blackthorne. Auf dem Umschlag steht Teagan Langley.«             

Abermals schaut sie auf die Liste. »Sie sind mit Teagan Langley auf einem Zimmer, Miss Whitmore.«

»Nein, das kann nicht stimmen. Bitte schauen Sie noch einmal nach. Wir haben uns extra zusammen für ein Zimmer einschreiben lassen.«

»Warten Sie kurz.« Sie beginnt, auf ihren Laptop zu tippen, und aus dem Kurz wird ein Ewig. Als sie sich endlich wieder an mich wendet, meint sie: »Tut mir leid, Miss Whitmore. Miss Blackthorne teilt sich ein Zimmer mit einer anderen Studentin. Es war ihr eigener Wunsch.«

Ich glaube, mich verhört zu haben. Aber hat sie gerade gesagt, dass Stacy sich nicht mehr mit mir ein Zimmer teilen möchte?

Etwas in mir wird sehr laut. »Wie bitte? Wiederholen Sie das.«

»Es tut mir leid, Miss Whitmore. Mehr weiß ich auch nicht«, sagt sie und schenkt mir ein Lächeln, welches nicht ganz ihre Augen erreicht. Bevor ich ihr meinen Namen genannt habe, hat es das noch. Verdammt, das wird übel.

»Danke«, knurre ich, nehme den Umschlag mit Teagan Langleys Namen und meine Sachen an mich, um das Büro zu verlassen.

Kaum bin ich draußen, ziehe ich mein Handy aus der Tasche und drücke auf Stacys Namen. Sie geht nach dem zweiten Klingeln ran. »Bri! Bist du schon da?«

Ihre Stimme klingt so vertraut, dass sich meine Anspannung sofort ein wenig löst. »Ja, gerade eben.«

»Und? Hast du dein Zimmer schon gesehen?«

Ich bleibe stehen. »Genau deshalb rufe ich an.«

»Warum?«

»Du fragst, warum?«

Am anderen Ende herrscht kurz Stille. »Oh.«

Dazu fällt ihr nur ein „Oh“ ein. Ich könnte gerade echt ausflippen.

»Ich bin mit einer Teagan Langley eingeteilt. Das ist nicht lustig. Was soll das? Du weißt, wie sehr ich dich gerade brauche.«

Ihre Stimme wird leiser. »Mein Vater hat das veranlasst.«

»Warum?«

»Bri…du weißt doch, wie er ist. Seit der Sache mit deinem Vater ist er völlig paranoid. Er hat Angst, dass unser Name durch den Skandal irgendwie mit hineingezogen wird. Ich habe versucht, mit ihm zu reden. Wirklich, aber er wollte davon nichts hören.«

Eine unangenehme Enge breitet sich in meiner Brust aus. »Du wolltest gar nicht das Zimmer wechseln?«

»Natürlich nicht!« Die Antwort kommt viel zu schnell. »Du bist doch meine beste Freundin. Ich wollte mit dir zusammenwohnen, Süße.«

Warum hört sich dieses „Süße" nur so falsch an? Ich sag’ dir, warum. Weil du die letzten Wochen viele deiner Freunde verloren hast und nur Stacy dir noch geblieben ist. 

»Okay«, sage ich.

»Es tut mir wirklich leid, Süße.«

Schon wieder dieses „Süße”.

»Wir sehen uns beim Training, Bri. Ich muss auflegen. Wir fahren jetzt los.«

»Gute Fahrt. Und lass mich wissen, wenn du hier bist.«

»Aber klar doch.« Wir verabschieden uns und legen auf. 

Ich stecke mein Handy zurück in die Tasche und bleibe einen Moment einfach stehen. Stacy ist meine beste Freundin. Seit Jahren war sie an meiner Seite. Und dennoch fühlt sich unser Gespräch von eben seltsam an, obwohl ihr Vater diese Entscheidung getroffen hat. Vielleicht bin ich einfach nur empfindlich. In den letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich wahrscheinlich hinter jeder Kleinigkeit einen Verrat vermute.

Ich schiebe den Gedanken beiseite, atme tief durch und sehe mich auf dem Campus um. Eigentlich sollte heute einer der schönsten Tage meines Lebens sein. Der Tag, auf den ich so lange gewartet habe.

Eine neue Universität. Mein erstes richtiges Collegejahr. Mein Cheerleading-Team. Wettbewerbe und Partys. Nächte, an die man sich später noch erinnern wird. Genau so hatte ich es mir vorgestellt. Stattdessen weiß jeder hier, wer ich bin. Die Tochter eines Mannes, der anderen Familien erheblichen Schaden zugefügt hat.

Ich presse die Lippen aufeinander. Nein, ich werde ihnen das nicht geben. Ich werde mich nicht verstecken und nicht aufhören, zu trainieren, nur weil irgendwelche Menschen im Internet beschlossen haben, dass mein Leben vorbei ist. Ich bin immer noch ich. Und wenn ich schon alles andere verloren habe, dann werde ich mir wenigstens eines bewahren. Meinen Platz hier.

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, jemanden kennenzulernen, der mich nicht kennt. Ich hoffe zumindest, dass Teagan Langley mich nicht kennt. Dass sie jemand ist, der keine Ahnung hat, wer mein Vater ist. Jemanden, der nicht weiß, was die letzten acht Wochen mit mir gemacht haben. Vielleicht kann ich bei ihr einfach Brielle sein. Ohne „Whitmore“.

Mit diesem Gedanken setze ich mich wieder in Bewegung.


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Good Writing

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Compelling Plot

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Great Character

6

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Strong Dialog

7

Strong Dialog

View 3 previous comments…
author

Uuuuu das Cover sieht schon mal vielversprechend aus. Bin gespannt auf den Inhalt! 💕

a day
author

Diese Sippenhaft ist etwas ganz Schreckliches. Was kann ein junges Mädchen dafür, wenn der Vater gesetzeswidrig handelt? Aber da spielt ganz viel Neid, Häme und Schadenfreude mit.

21 hours
1
author

oh das hört sich spannend an ✨bin dabei🙌

12 hours

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