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Ashenbound – Das Siegel des Wächters

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Summary

Darion führt ein ruhiges, unscheinbares Leben in Eichenhain. Er arbeitet in einer Schmiede, kennt die Menschen im Dorf und hat nie danach gesucht, etwas Besonderes zu sein. Doch innerhalb eines einzigen Tages gerät alles aus den Fugen. Plötzlich findet sich Darion in einer Welt wieder, in der alte Mächte, Siegelträger und längst vergessene Geheimnisse mehr mit seinem Schicksal zu tun haben, als ihm lieb ist. Während er versucht zu verstehen, was mit ihm geschieht, begegnet er neuen Verbündeten, gefährlichen Gegnern und Fragen, auf die selbst die erfahrensten Kämpfer keine eindeutige Antwort haben. Denn etwas an Darion ist anders. Und je weiter er seinen neuen Weg geht, desto deutlicher wird, dass sein Leben vielleicht nie so gewöhnlich war, wie er geglaubt hat. Ashenbound – Das Siegel des Wächters ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe über Freundschaft, Kämpfe, Geheimnisse und die Frage, was es wirklich bedeutet, seinen eigenen Platz in einer Welt zu finden, die sich gerade zu verändern beginnt.

Genre
Fantasy
Author
A. Corvin
Status
Complete
Chapters
21
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 – Ein gewöhnlicher Tag

Der Hammer traf das glühende Metall mit einem dumpfen Schlag. Funken sprangen über den Amboss, verloschen auf dem steinernen Boden der Schmiede und hinterließen für einen kurzen Moment kleine orangefarbene Punkte im Ruß.

Darion hob den Arm erneut.

„Nicht so fest.“

Er hielt mitten in der Bewegung inne.

Hinter ihm stand Orven mit verschränkten Armen und betrachtete das Werkstück mit einem Ausdruck, als hätte Darion gerade versucht, es persönlich zu beleidigen.

Darion sah auf das glühende Metallstück vor sich und dann zu ihm.

„Du hast gestern gesagt, ich schlage zu schwach.“

„Gestern hast du auch zu schwach geschlagen.“

„Und heute?“

„Zu fest.“

Darion schwieg einen Moment.

„Hilfreich.“

Orvens Mundwinkel zuckte.

„Deshalb bin ich der Schmied und du trägst die Kisten.“

Darion legte den Hammer auf den Amboss.

„Dann sollte ich vielleicht wieder Kisten tragen.“

„Solltest du.“

Orven deutete mit dem Kopf zur Rückseite der Schmiede.

„Drei stehen schon draußen.“

Darion warf ihm einen Blick zu.

„Natürlich.“

Die Schmiede war bereits heiß, obwohl der Morgen gerade erst begonnen hatte. Durch die weit geöffneten Türen fiel das Licht der aufgehenden Sonne herein und legte einen hellen Streifen über den rußgeschwärzten Boden. Der Geruch von Kohle, heißem Metall und Leder hing schwer in der Luft, so vertraut, dass Darion ihn kaum noch wahrnahm.

Draußen erwachte Eichenhain langsam zum Leben.

Das Dorf lag am südlichen Rand des Grauwaldes und war groß genug, um einen eigenen kleinen Markt, zwei Gasthäuser, eine Schmiede und eine Bastionsstation zu besitzen, aber weit genug von den großen Städten entfernt, dass Reisende selten länger blieben als nötig. Die meisten Häuser bestanden aus dunklem Holz und grauem Stein. Zwischen ihnen verliefen schmale Wege, die sich um den Marktplatz und den alten Brunnen im Zentrum des Dorfes zogen.

Für Darion war daran nichts Besonderes.

Er war hier aufgewachsen. Er kannte fast jedes Haus, jeden Händler und leider auch fast jeden Menschen.

„Darion!“

Er schloss kurz die Augen.

Fast jeden.

Eine ältere Frau stand auf der anderen Straßenseite und winkte ihm energisch zu.

„Deine Mutter sucht dich!“

Darion hob eine Hand.

„Ich weiß.“

„Sie sagte, du sollst—“

„Ich weiß.“

Die Frau stemmte die Hände in die Hüften.

„Hast du ihr schon geantwortet?“

„Nein.“

„Dann weißt du es offensichtlich nicht.“

Darion drehte sich wieder zur Schmiede.

Orven grinste.

„Schwierige Gegner heute.“

„Unbesiegbar.“

Er nahm die erste Holzkiste hoch. Sie war schwerer, als sie aussah, und mit reparierten Werkzeugen, Hufeisen, eisernen Beschlägen und mehreren Bündeln langer Metallstifte gefüllt. Nichts davon war besonders wertvoll, doch die Lieferung sollte noch an diesem Vormittag Ravenfall erreichen.

Orven folgte ihm nach draußen.

„Der Wagen wartet beim südlichen Tor.“

Darion stellte die Kiste ab.

„Ich weiß.“

„Und du solltest vor Mittag dort sein.“

„Ich weiß.“

„Und Harl wird versuchen, dir weniger für die Lieferung zu geben.“

Darion sah zu ihm.

„Das wusste ich nicht.“

„Siehst du? Deshalb brauchst du mich.“

Darion hob die nächste Kiste an.

„Ich dachte, deshalb trage ich die Kisten.“

Orven lachte leise.

Seit fast vier Jahren arbeitete Darion nun bei ihm. Offiziell war er Gehilfe, was in der Praxis bedeutete, dass er alles erledigte, worauf Orven gerade keine Lust hatte. Er holte Holz, schleppte Kohle, lieferte Werkzeuge aus, half beim Beschlagen von Pferden und ruinierte gelegentlich ein Stück Metall, während Orven danebenstand und behauptete, daraus würde Darion etwas lernen.

Darion hatte sich nie ernsthaft darüber beschwert. Die Arbeit war zuverlässig, brachte genügend Münzen ein und ließ ihm wenig Zeit darüber nachzudenken, ob er eigentlich etwas anderes mit seinem Leben anfangen wollte.

„Du bleibst heute Nacht nicht in Ravenfall“, sagte Orven plötzlich.

Darion hob die dritte Kiste an.

„Hatte ich nicht vor.“

„Gut.“

Darion stellte sie auf die anderen.

„Warum?“

Orven antwortete nicht sofort.

Das fiel Darion auf.

Er wischte sich die Hände an der Hose ab und sah den älteren Schmied an.

„Was?“

Orven zog seine Lederschürze zurecht und blickte in Richtung der Straße, die aus Eichenhain hinausführte.

„Gestern Abend kamen zwei Händler aus dem Westen.“

Darion zuckte mit den Schultern.

„Und?“

„Sie haben einen Bastionstrupp gesehen.“

„Die sieht man öfter.“

„Nicht in voller Ausrüstung.“

Darion hielt inne.

Orven sah weiterhin zur Straße.

„Irgendwo bei den alten Mühlen soll sich ein Riss geöffnet haben.“

Darions Blick folgte seinem.

„Wie groß?“

„Grau.“

„Dann ist er wahrscheinlich schon geschlossen.“

„Wahrscheinlich.“

Der Tonfall gefiel Darion nicht. Er kannte Orven lange genug, um zu wissen, wann der Mann etwas verschwieg oder zumindest nicht aussprach.

„Und?“

„Und gar nichts.“

„Das war nicht alles.“

Orven atmete durch die Nase aus.

„Einer der Händler meinte, der Bastionstrupp hätte keine Trophäen dabei gehabt.“

Darion runzelte die Stirn.

Das war ungewöhnlich.

Risskreaturen hinterließen gelegentlich Essenzkristalle, Knochenplatten, seltene Häute oder andere Materialien, die verkauft, untersucht oder weiterverarbeitet wurden. Selbst bei kleineren Einsätzen brachte die Bastion normalerweise irgendetwas zurück.

„Vielleicht war nichts drin.“

„Vielleicht.“

Darion sah ihn noch einen Moment an, entschied dann aber, nicht weiter nachzufragen.

„Du machst dir zu viele Gedanken.“

„Und du zu wenige.“

Darion griff nach der ersten Kiste.

„Gleicht sich aus.“

Orven schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das Darion bewusst nicht verstand.

Mara wartete bereits vor dem kleinen Haus am Rand des Dorfes.

Darion wusste sofort, dass er Ärger bekommen würde.

Nicht weil sie wütend aussah.

Gerade deshalb.

Seine Mutter stand mit beiden Händen vor dem Körper verschränkt und beobachtete ihn schweigend, während er näher kam. Ihr dunkles Haar war im Nacken zusammengebunden, und an den Schläfen zeigten sich inzwischen erste graue Strähnen.

Darion blieb vor ihr stehen.

„Morgen.“

„Es ist fast neun.“

„Dann guten Vormittag.“

„Du wolltest vor der Arbeit vorbeikommen.“

„Bin ich.“

Sie sah demonstrativ an ihm vorbei zur Sonne.

Darion folgte ihrem Blick.

„Technisch gesehen.“

„Darion.“

„Ich bin doch hier.“

Mara seufzte.

Seit dem Tod seines Vaters lebte sie allein in dem Haus, in dem Darion und seine Schwester aufgewachsen waren. Darion selbst wohnte nur wenige Straßen entfernt in einem kleinen Zimmer über einer ehemaligen Gerberei.

Mara hatte ihm mehrmals angeboten, wieder einzuziehen.

Darion hatte jedes Mal abgelehnt.

Daraufhin hatte sie aufgehört zu fragen und stattdessen begonnen, ihm regelmäßig Lebensmittel mitzugeben.

„Du fährst nach Ravenfall?“

„Ja.“

„Heute?“

Darion hob eine Augenbraue.

„Das ist normalerweise der Sinn einer Lieferung.“

„Sehr witzig.“

Sie trat näher.

„Nela hat gestern geschrieben.“

Darions Haltung veränderte sich kaum, doch sein Blick wurde sofort aufmerksamer.

„Alles in Ordnung?“

„Ja.“

Mara lächelte leicht.

„Sie beschwert sich über ihre Ausbilderin.“

„Dann ist alles normal.“

„Anscheinend.“

Sie ging ins Haus und kam kurz darauf mit einem kleinen Stoffbeutel zurück.

Darion betrachtete ihn misstrauisch.

„Nein.“

„Du weißt noch gar nicht, was drin ist.“

„Essen.“

„Natürlich ist Essen drin.“

„Ich bin vierundzwanzig.“

Mara sah ihn an.

„Und?“

„Ich kann mir selbst etwas kaufen.“

„Dann kannst du dieses trotzdem mitnehmen.“

Darion nahm den Beutel entgegen.

„Das war keine richtige Wahl.“

„Nein.“

Er steckte ihn in seine Tasche.

Mara betrachtete ihn einen Moment lang und wurde ernster.

„Besuch Nela.“

„Wenn ich Zeit habe.“

„Du hast Zeit.“

„Ich arbeite.“

„Du bringst drei Kisten nach Ravenfall.“

„Sehr wichtige Kisten.“

„Darion.“

Ein leichtes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

„Ich schaue vorbei.“

„Danke.“

Mara strich ihm kurz über den Arm. Die Bewegung war beiläufig, doch Darion kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie mehr sagen wollte.

„Und pass auf dich auf.“

Darion sah sie an.

„Wegen des Risses?“

Mara runzelte die Stirn.

„Du hast davon gehört?“

„Orven.“

„Natürlich.“

Sie blickte in Richtung Dorfmitte.

„Gestern waren drei Bastionsreiter hier.“

Das wusste Darion nicht.

„Warum?“

„Sie haben nach Meldungen gefragt. Nach seltsamen Geräuschen, ungewöhnlichem Verhalten bei Tieren und allem, was auf einen weiteren Riss hindeuten könnte.“

Darion schwieg kurz.

„Und?“

„Niemand hat etwas gesehen.“

Mara legte erneut eine Hand auf seinen Arm.

„Trotzdem.“

Darion nickte.

„Ich passe auf.“

Sie musterte ihn.

„Das sagst du immer.“

„Bisher hat es funktioniert.“

„Das ist kein gutes Argument.“

„Doch.“

„Nein.“

Darion grinste.

„Bis später.“

Am südlichen Tor wartete bereits der Wagen.

Zwei braune Zugpferde standen davor und kauten gelangweilt auf ihren Gebissen herum. Der Fahrer saß auf dem Kutschbock und wirkte ungefähr genauso begeistert.

„Du bist spät.“

Darion hob die erste Kiste auf die Ladefläche.

„Bin ich nicht.“

„Ich wollte vor einer halben Stunde los.“

Darion stellte die Kiste ab.

„Dann bist du spät.“

Der Mann starrte ihn an.

Darion nahm die zweite Kiste.

„Orven meinte, du wartest.“

„Orven sagt viel.“

„Stimmt.“

Der Fahrer hieß Toman und belieferte mehrmals pro Woche die Dörfer zwischen Eichenhain und Ravenfall. Darion war schon einige Male mit ihm gefahren. Zwei Stunden sitzen und zwei Stunden zuhören.

Toman konnte erstaunlich lange reden, ohne eine Antwort zu benötigen.

Normalerweise war das für Darion ideal.

Heute allerdings war noch jemand auf dem Wagen.

Ein Mann in dunkler Kleidung saß zwischen mehreren Mehlsäcken und hielt einen langen Speer quer über den Knien. Auf seiner Brust befand sich ein kleines Metallsymbol.

Ein weißer Turm vor einem gespaltenen Kreis.

Bastion.

Darion sah nur kurz hin.

Der Mann bemerkte es trotzdem.

„Noch nie einen Siegelträger gesehen?“

Darion stieg auf den Wagen.

„Doch.“

„Du hast gestarrt.“

„Nein.“

„Doch.“

Darion setzte sich Toman gegenüber.

„Dann habt Ihr wohl interessantere Kleidung als die anderen.“

Toman hustete und wandte demonstrativ den Blick ab.

Der Bastionsmann sah Darion einige Sekunden lang an.

Dann grinste er.

„Gefällt mir.“

Darion antwortete nicht.

Der Wagen setzte sich in Bewegung, und Eichenhain verschwand langsam hinter ihnen.

Die Straße nach Ravenfall verlief zunächst durch offene Felder, bevor sie tiefer in den Grauwald hineinführte. Hohe Eichen standen dicht an dicht neben dem Weg, ihre Kronen verflochten sich weit über den Köpfen und ließen nur einzelne Sonnenstrahlen hindurch. Zwischen den Wurzeln wuchsen Farne und dunkles Moos.

Darion kannte die Strecke gut.

Trotzdem fiel ihm nach einer Weile etwas auf.

Es war ungewöhnlich still.

Der Wagen knarrte. Die Pferde schnaubten. Toman erzählte gerade irgendeine Geschichte über einen Händler aus Caldris, der versucht hatte, ihm verdünnten Wein zu verkaufen.

Doch aus dem Wald kam nichts.

Keine Vögel.

Kein Rascheln im Unterholz.

Darion blickte zwischen die Bäume.

Der Bastionsmann bemerkte es.

„Was ist?“

„Nichts.“

„Du schaust, als wäre da etwas.“

Darion lauschte noch einmal.

„Keine Vögel.“

Toman verstummte mitten im Satz.

Der Bastionsmann setzte sich gerader hin.

„Seit wann?“

Darion dachte kurz nach.

„Vielleicht zehn Minuten.“

Der Mann stand auf, und seine rechte Hand glitt an den Speer.

„Toman.“

„Ja?“

„Schneller.“

Der Fahrer zögerte nicht.

Die Pferde beschleunigten, und der Wagen holperte über den Weg.

Darion blickte erneut in den Wald.

Nichts bewegte sich.

Trotzdem hatte er plötzlich das unangenehme Gefühl, beobachtet zu werden.

Nach einigen Minuten tauchten zwischen den Bäumen die ersten Mauern Ravenfalls auf.

Toman atmete hörbar aus.

„Siehst du? Alles gut.“

Der Bastionsmann setzte sich nicht.

Darion ebenfalls nicht.

Etwas stimmte nicht.

Er konnte nicht sagen, was genau.

Dann begann eines der Pferde zu scheuen.

Es riss den Kopf zur Seite, schnaubte laut und versuchte aus dem Geschirr auszubrechen. Das zweite Pferd folgte beinahe sofort.

„Ruhig!“

Toman zog an den Zügeln.

Der Wagen schwankte heftig.

Darion griff nach der Seitenwand, während der Bastionsmann vom Wagen sprang.

„Runter!“

Toman sah ihn an.

„Was?“

„Sofort runter!“

Darion sprang ebenfalls.

Kaum hatten seine Stiefel den Boden berührt, ertönte aus Richtung Ravenfall ein tiefes, langgezogenes Geräusch. Es klang, als würde irgendwo unter der Erde ein gewaltiger Stein über einen anderen geschoben.

Die Vibration war bis in Darions Beine zu spüren.

Über den Mauern der Stadt stiegen plötzlich Vögel in den Himmel.

Hunderte.

Vielleicht Tausende.

Der Bastionsmann fluchte.

Darion sah ihn an.

„Was ist das?“

Der Mann antwortete nicht.

Dann flackerte etwas über dem Stadttor.

Eine Essenzlaterne.

Das blasse blaue Licht erlosch.

Eine zweite folgte.

Dann eine dritte.

Eine nach der anderen verschwanden die Lichter entlang der Mauer, bis große Teile Ravenfalls im Schatten lagen.

Toman flüsterte etwas Unverständliches.

Darion hörte es kaum.

Sein Blick lag auf dem Himmel über der Stadt.

Dort war etwas.

Zuerst nur ein dünner schwarzer Strich, so fein, dass Darion glaubte, seine Augen würden ihn täuschen.

Dann wurde er länger.

Die Linie zog sich langsam über den Himmel.

Lautlos.

Als würde eine unsichtbare Klinge die Welt aufschneiden.

Der Bastionsmann nahm seinen Speer in beide Hände.

„Zurück nach Eichenhain.“

Toman nickte sofort.

Darion bewegte sich nicht.

Ravenfall.

Nela.

„Darion.“

Toman hatte bereits begonnen, die Pferde zu drehen.

„Komm.“

Darion starrte auf die Stadt.

Die schwarze Linie wurde breiter, und für einen kurzen Moment glaubte er, etwas dahinter erkennen zu können. Keine Wolken. Keine Dunkelheit.

Eine Landschaft.

Schwarze Bäume.

Rote Erde.

Etwas bewegte sich zwischen ihnen.

„Meine Schwester ist dort.“

Der Bastionsmann blickte zu ihm.

„Wenn sich dieser Riss öffnet, kannst du ihr nicht helfen.“

Darion sah ihn an.

„Ihr vielleicht.“

Der Mann schwieg.

Aus Ravenfall erklang ein Horn.

Einmal.

Dann erneut.

Ein drittes Mal.

Darion hatte dieses Signal noch nie gehört.

Aber er wusste trotzdem, was es bedeutete.

Gefahr.

Der Bastionsmann riss ein kleines Metallstück von seinem Gürtel. Das Symbol der Bastion begann schwach zu leuchten.

„Ravenfall, hier Grenzwächter Corin. Rissbildung am westlichen Tor. Unbekannte Klasse.“

Stille.

Er wartete.

Nichts.

„Ravenfall?“

Keine Antwort.

Das schwarze Band über der Stadt riss weiter auf.

Darion sah erneut etwas dahinter.

Diesmal deutlicher.

Verdrehte Bäume ragten unter einem tiefroten Himmel auf, und zwischen ihren Stämmen bewegten sich dunkle Formen.

Dann kam der Wind.

Nicht aus Ravenfall.

Aus dem Riss.

Er traf sie wie eine Welle.

Die Pferde schrien.

Toman wurde vom Wagen gerissen.

Darion verlor den Halt und stürzte auf ein Knie.

„WEG VON DER STRASSE!“, brüllte Corin.

Darion versuchte aufzustehen.

Dann erreichte ihn das schwarze Licht.

Für einen einzigen Augenblick verstummte alles.

Kein Wind.

Keine Pferde.

Keine Schreie.

Darion sah Ravenfall.

Dann den Wald.

Dann nichts mehr.

Und irgendwo tief in der Dunkelheit hörte er eine Stimme.

Nicht laut.

Nicht menschlich.

Nur ein einziges Wort.

Wächter.

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