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Creep-House of Sugar and Salt

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Summary

Alle sagten ihnen: Betretet niemals das Creep-House Grundstück, wenn ihr noch leben wollt. Das Sumpfgebiet verschlingt ihre Leichen und löscht ihre schreiende Existenz aus. Doch während die einen Creep-House ergründen und die Prophezeiung of Sugar and Salt versuchen zu lösen, neigt ein einziger dazu bald eine neue Hybriden-Spezies aus dem salzigen Meer zu erschaffen. Ob es dabei freiwillig oder unfreiwillig ist, spielt keine Rolle, wenn das salzige Meer zur Paarungszeit ruft.

Status
1d ago
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

Öffne nicht

Er hob den Blick erst von seinem Buch, als sie die Tür schon zum dritten Mal geöffnet, hineingesehen und wieder geschlossen hatte.

„Fängst du wieder damit an?“

Die Tür schloss sich, ohne dass er eine Antwort erhielt, doch diesmal legte er seine Beschäftigung beiseite und stand auf.

Vielleicht hätte er sich lieber das Kaminknistern eines Feuers gewünscht als das ständige Öffnen von Türen, doch in diesen steinernen Mauern gab es nicht wirklich viele Kamine, und dieser Raum war ebenfalls keiner von jenen, die man durch Holz beheizen konnte. Vermutlich war es bei all dem Stoff und Papier auch eine deutlich bessere Sicherheitsleistung, als aus Versehen die ganzen Regale in Brand zu stecken, nur weil man einmal zu tief in eine andere Welt geträumt hatte, wenn man gerade nicht dabei war, zu überlegen, wie man dem nächsten Menschen das Leben nahm.

Seine Schritte führten Atherian über den dunklen Teppich, bis Weichheit zu kaltem Stein wurde und er die hölzerne Tür erreichte.

Er hob die Hand zur metallischen Klinke, die auf der anderen Seite vermutlich leicht wärmer davon geworden war, dass man sie dauerhaft auf und zu zog. Seine langen Finger hatten die graue Klinke bereits umfasst, da drückte sie sich erneut – nicht durch sein eigenes Tun – hinab.

Atherian ließ es geschehen, da er sowieso hinausgehen wollte.

Er ließ wieder los und die Tür öffnete sich, ohne ein Geräusch von sich zu geben, obwohl man hätte glauben können, dass sie inzwischen empört hätte kreischen wollen.

Seine hellen Augen fuhren kaum überrascht über die vor ihm stehende Person. Anstatt seiner Schwester stand jedoch einer der Butler vor ihm. Zurückgekämmtes dunkles Haar, gerade Haltung, als hätte man ihn einem senkrechten Pfosten gleichgesetzt, doch hing ihm eine einzelne Strähne ins Gesicht, die ihren Halt verloren hatte.

„Du hast nicht geklopft“, stellte Atherian fest.

Der Butler sah blass aus, wie er dort vor ihm stand.

„Ja, junger Herr. Ich hatte bereits in den Raum gesehen.“

Atherian selbst sah bereits an ihm vorbei in den breiten, dunklen Flur, als hätte er den Butler in der nächsten Sekunde für unwichtig genug erklärt, um ihn, stehend mitten in seinem Weg, dennoch vollkommen zu ignorieren. Ein paar Meter weiter den Flur hinab stand seine jüngere Schwester und schloss gerade eine andere Tür.

Der Mann in seiner gepflegten Uniform verbeugte sich tief vor ihm, nicht so tief wie vor dem Herrn des Hauses, aber deutlich tief genug, um seinen Rang als Zweitgeborenen der Kavareth zu würdigen.

„Verzeihung, junger Herr, ich habe der jungen Lady gesagt, dass sie Euch nicht stören soll, aber sie war-“

Atherian hatte ihn bloß mit einer gehobenen Hand unterbrochen und schob den Butler mit zwei Fingern an dessen Oberarm aus dem Weg.

„Sie ist nicht ansprechbar“, sagte er nur, um zu bestätigen, was der Butler gerade noch sagen wollte, „jedenfalls nicht für jemanden, der nicht zu ihr durchdringen kann.“

Er blieb nicht stehen, um sich noch einmal nach dem zur Seite geschobenen Mann umzusehen, stattdessen ging er die paar Meter schweigend, bis er sich neben seine jüngere Schwester stellte und auf ihre Hand am Türgriff sah.

Er hob die eigene Hand noch nicht, um sie aufzuhalten, diese erneut zu öffnen. Erst nachdem sie in den Raum sah und dreimal gegen das Holz geklopft hatte, sprach er ihren Namen aus.

„Kireya.“

Das Mädchen reagierte nicht. Ihre Augen blieben auf die verschlossene Tür gerichtet, als hätte sie ihn nicht einmal wahrgenommen. Sie lauschte auf die Tür und klopfte erneut, diesmal nur zweimal. Das Geräusch war dumpf, aber für diesen langen, stillen Flur unangenehm laut.

„Nicht klopfen“, befahl er ihr.

Jetzt hob er doch seine Hand und legte sie ihr bestimmend auf die Schulter, trotzdem zog er sie nicht sofort fort, denn plötzlich antwortete etwas hinter der Tür mit einem Kratzen.

Der Raum hinter der Tür war leer.

Der junge Butler, der an die Wand zur Seite getreten war, erbleichte noch mehr.

Kireya hob bereits die Hand erneut, doch Atherian zog sie augenblicklich davon weg.

„Nicht öffnen und auch nicht antworten“, sagte er.

Der zweitgeborene Kavareth sah nicht zur Tür, er sah seiner Schwester ins Gesicht, doch ihre Augen schienen nicht ihn vor sich stehen zu sehen, sondern direkt in ihn hinein.

Als wäre seine äußere Hülle kein Hindernis für sie, um seine befleckte Seele zu ergründen.

„Aber sie antworten sonst nie, Bruder“, gab sie leise zurück.

Ihr Blick schweifte von ihm wieder zurück zur Tür. Das Kratzen dahinter ertönte erneut, als würde jemand mit einem Fingernagel über das dunkle Holz fahren und eine Kerbe hinterlassen.

Atherian schwieg einen Moment und folgte ihrem Blick, dann sah er in den kalten Flur hinab. An der Wand stand immer noch der Butler. Er hatte sich nicht bewegt.

„Aufschreiben“, befahl der Sohn des Hauses.

Der Mann in Uniform zog mit steifen Fingern einen kleinen Notizblock und einen schwarzen Stift hervor.

„Jawohl, junger Herr Atherian.“

Atherian hörte ihm schon gar nicht mehr zu. Er sah wieder zu seiner Schwester.

„Was sagen sie?“, fragte er, als gäbe es Hoffnung, dass aus einem Kratzen Worte entstanden oder dass sie vielleicht etwas hörte, das er nicht hören konnte.

Sie blinzelte einmal, drehte sich um und glitt zur nächsten Tür, wobei sich ihr Kleidsaum unpassend zu ihren Schritten bewegte, als würde beides in unterschiedlicher Zeit ablaufen. Es fiel wie Wasser an ihr hinunter, bevor sie vor einer weiteren Tür stehen blieb. Atherian hatte sie sofort gehen lassen, seine Hand wieder unbewegt an seine Seite genommen und das Kleid betrachtet, doch folgte er ihr dann mit ruhigen Schritten wieder, bis er erneut neben ihr stand.

Der Butler hinter ihm sah nervös dabei zu, sein Stift saß auf dem Papier, doch er konnte keine Antwort aufschreiben.

„Diese Tür ist verschlossen“, erklärte er nur knapp, bevor er den Kopf wieder senkte.

„Ist sie das?“

„Ja, junger Herr.“

Doch die angeblich verschlossene Tür hielt das Mädchen nicht davon ab, die Klinke hinabzudrücken. Das Schloss gab sich mit einem leisen Klicken frei und die Tür öffnete sich dennoch.

Beide Männer schwiegen. Im Hintergrund kratzte es noch immer hinter der anderen Tür.

Der Butler schluckte einmal zu laut und wurde sofort wieder still.

Hinter der aufgeschlossenen Tür lag ein fast normal wirkender Salon. Die schweren Vorhänge waren noch offen, obwohl der Mond bereits sein Lächeln hindurchwarf und das Zimmer in eine schaurige Kulisse kleidete. Auf dem Tisch stand ein einzelnes Wasserglas, in dem die Bläschen noch hinaufstiegen. Es sah noch völlig unberührt aus. Auf der hellen Couch dahinter hätte man den roten Briefumschlag mit schwarzem Wachs ohne erkennbares Siegel in dem bleichen Licht fast übersehen können, doch Atherian übersah ihn nicht. Dort lag er in der silbrigen Stille eines Raumes, der heute eigentlich nicht benutzt worden war, doch wirkte es trotzdem, als hätte jemand ihn dort vergessen.

„Das ist ein Totenbrief“, stellte Atherian fest.

Er berechnete bereits, wer diesen Raum doch betreten haben könnte und wer in diesem Anwesen sein Leben gegeben hatte, damit ein Totenbrief entworfen werden musste. Ihm fiel kein einziger ein, doch das musste nichts heißen. Er betrachtete noch einmal das leere Wachssiegel.

„Das ist kein mir bekanntes Siegel.“

Er wandte sich zurück an seine Schwester und sah in ihr leer wirkendes Gesicht.

„Von wem ist der, Kireya?“

Sie blinzelte bloß einmal, ohne seinen Blick zu erwidern.

„Bei aufgehendem Mond, da flüstern die Wände manchmal, berühre vor 13 Uhr drei kein Wasser mehr.“

Es war nicht die Antwort auf seine Frage, aber es war mehr als vorher.

Er trat näher in den Türrahmen und sah prüfend über die Wände, Fenster und Ecken, in denen sich jemand hätte verstecken können oder in denen man jemanden hätte verstecken können. Die Suche war vergebens, das hatte er sich schon gedacht. Er betrachtete die Dicke des Umschlags, dann das Wasserglas davor.

„Kein Wasser?“

Atherian ließ den Blick noch einmal zwischen dem Brief und dem Glas hin und her springen. Langsam beschlich ihn die Erkenntnis, wofür diese Kombination stand, doch Kireya schloss die Tür vor seiner Nase wieder. Das Schloss klickte. Atherian versuchte nicht, an der Tür zu ziehen, um zu testen, ob sie bei ihm wieder aufginge. Stattdessen drehte er sich zum Butler, dessen Stift gerade über das Papier kratzte, als er Kireyas Satz aufschrieb.

„Ich will sofort wissen, wie viele Tassen heute zu Bruch gegangen sind.“

Der Butler hob den Kopf ein Stück und verbeugte sich.

„Verstanden.“ Seine Stimme zitterte nicht, aber seine Schultern spannten sich bei diesem Befehl merklich an. Jedoch verließ er die kalte Wand nicht. Er zog ein schwarzes, flaches Gerät aus seiner Tasche und drückte einen Knopf, bevor er sprach:

„Ich brauche Auskunft über die Anzahl der heute zerbrochenen Tassen.“

Das Gerät gab nur ein kurzes technisches Knacken von sich, bevor eine andere Stimme antwortete.

„Heute sind keine Tassen zerbrochen.“

Der Butler sah wieder zu seinem Herrn, der den Funk ebenfalls gehört hatte.

„Junger Herr.“

Atherian nickte nur, sein Blick ging wieder zu seiner Schwester, die sich bereits den Flur entlangbewegte. Seine Augen folgten Kireya, als er weiter mit dem anderen Mann sprach.

„Keiner berührt vor 13 Uhr drei Wasser“, befahl er.

Der Butler sah ihn einen Moment fragend an, dann drückte er den Knopf erneut und gab es weiter.

Es ging nie um vergiftete Tassen, dachte er sich. Es geht allgemein um Wasser. Fast hätte ich zugelassen, dass jemand möglicherweise an Wasser stirbt. Das wäre unpraktisch.

Er verzog das Gesicht bei dieser Erkenntnis nicht einmal. So, als hätte er bloß eine Fliege davon abgehalten, ihm um den Kopf zu schwirren. Sein Blick glitt nochmal zur verschlossenen Tür, als könnte er den Totenbrief und das Wasserglas noch immer dahinter stehen sehen. Doch seine Aufmerksamkeit konnte nicht lange dort verweilen, denn seine Schwester stand bereits vor einer neuen Tür, und dahinter schwieg es nicht länger. Das Kratzen hinter der anderen Tür verstummte plötzlich, als eine unruhige Mädchenstimme durch das Holz drang und kleine Hände gegen sie schlugen.

„Bruder, lass mich rein, bitte, ich habe vergessen, wie man drinnen bleibt.“

„Geh von der Tür weg, Kireya“, befahl er sofort, doch er wartete nicht darauf, dass sie sich bewegte, ehe er sich selbst zu ihr bewegte und sie fest am Handgelenk und Nacken packte und sie wegzog.

Er sah zwischen ihr und der Tür hin und her. Natürlich hatte er die Stimme seiner Schwester hinter der Tür erkannt. So, wie sie klang, als beide noch kleine Kinder gewesen waren. Er zog sie fester gegen seine Brust und trat noch weiter zurück, bevor er sie erinnerte:

„Öffne niemals nie die Tür, wenn dein jüngeres Ich nach dem Bruder ruft. Kireya. Niemals.“

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Good Writing

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Great Character

1

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Strong Dialog

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Strong Dialog

author

Interessanter Einstieg 😁.

21 hours
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