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Trepalium

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Summary

Trepalium Ein Dark-Fantasy-Roman von Artur Zander Astrada ist eine Stadt, in der Hunger zum Alltag gehört und ein falsches Wort genügen kann, um das eigene Leben zu verlieren. Unter der Herrschaft des jungen Königs Leontis werden Magiebegabte gejagt und wie Abschaum behandelt. Runen helfen der königlichen Miliz, jene aufzuspüren, die sich vor der Verfolgung verstecken, und niemand kann sicher sein, wer als Nächster abgeführt wird. Ulrich ist vierzehn Jahre alt und hat bereits mehr verloren, als ein Mensch in seinem Alter ertragen sollte. Seit dem Tod seiner Eltern schlägt er sich allein durch die dreckigen Gassen, auf der Suche nach Nahrung und einem Ort, an dem er die Nacht überstehen kann. Er hat gelernt, niemandem zu vertrauen und seine Schwäche niemals zu zeigen, denn in Astrada überlebt nicht unbedingt der Stärkste, sondern oft nur derjenige, der weiß, wann er schweigen und wann er fliehen muss. Als ein geheimnisvoller alter Mann in sein Leben tritt, begegnet Ulrich ihm zunächst mit Misstrauen. Doch manche Geheimnisse lassen sich nicht einfach ignorieren, und in einer Welt, die alles Unbekannte fürchtet, kann schon die Suche nach Antworten gefährlicher sein als die Unwissenheit selbst. Hinter den Mauern Astradas wartet eine Dunkelheit, die weit älter ist als die Herrschaft des Königs. Eine Dunkelheit, in der die Grenzen zwischen Schöpfung und Verderben verschwimmen und Dinge existieren, die niemals hätten entstehen dürfen.

Status
18h ago
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
16+

Prolog

Das erste Geräusch war ein Knacken, tief unter der Erde, in einer Welt, die gerade erst begonnen hatte, sich selbst einen Namen zu geben, und es klang wie ein Knochen, der unter einer unvorstellbaren Last zerbrach, langsam und widerwillig, als stemmte sich etwas gegen sein eigenes Ende, bevor die Stille zurückkehrte und sich schwer über die steinernen Hallen legte, in denen kein Wind wehte und kein Sonnenlicht die Schwärze der Wände durchdrang. Zwischen gewaltigen Säulen, deren Oberflächen von fremdartigen Zeichen überzogen waren, standen mehrere Männer in dunklen, staubigen Gewändern, ihre Gesichter fahl im rötlichen Schein der eingelassenen Kristalle, und blickten hinab in einen Abgrund, dessen Tiefe sich selbst dem Licht entzog. Der älteste unter ihnen hatte beide Hände auf den Rand des steinernen Geländers gelegt, während seine knochigen Finger sich so fest um das kalte Gestein schlossen, dass die Knöchel unter der pergamentartigen Haut hervortraten; sein Blick ruhte auf den flackernden Linien weit unter ihnen, und obwohl er schwieg, verriet die Anspannung seines Kiefers, dass er etwas sah, für das er keine Erklärung mehr fand.

Der Abgrund war nicht immer so groß gewesen. Was einst kaum mehr als eine schmale Öffnung im Fels dargestellt hatte, war im Laufe der Jahre tiefer geworden, hatte sich durch das Gestein gefressen und dabei Spuren hinterlassen, die weder Werkzeug noch bekannte Magie hätten hervorbringen können. An seinen Rändern verliefen dunkle Adern durch den Stein, die sich manchmal zusammenzogen, als würde unter der Oberfläche etwas seine Glieder bewegen, und aus der Tiefe drang ein Geräusch, das die Männer anfangs für das Knarren alter Maschinen gehalten hatten, bis sie bemerkten, dass es in unregelmäßigen Abständen wiederkehrte und sich stets veränderte, sobald sie versuchten, seinen Ursprung zu bestimmen. Keiner von ihnen sprach mehr über die Stimmen, die sie nachts hörten, und keiner erwähnte jene Schatten, die gelegentlich über die Wände huschten, obwohl sich in den Gängen niemand befand; sie hatten zu viel Zeit, zu viele Jahre und zu viele ihrer eigenen Gewissheiten in diesen Ort investiert, um sich einzugestehen, dass ihre Arbeit längst etwas hervorgebracht hatte, das sich ihren Absichten entzog.

Dann bewegte sich etwas in der Tiefe.

Es war keine hastige Bewegung, sondern ein langsames, beinahe bedächtiges Gleiten, bei dem die Dunkelheit ihre Form veränderte und für einen flüchtigen Moment einen Körper erkennen ließ, dessen Umrisse nicht zu dem passen wollten, was ein menschliches Auge als lebendig begreifen konnte. Der Alte beugte sich vor, ohne sich dessen bewusst zu werden, und versuchte, zwischen den schwarzen Auswüchsen, den unnatürlich verdrehten Gliedmaßen und dem fahlen Schimmer auf einer Oberfläche, die an manchen Stellen wie feuchtes Fleisch und an anderen wie verwittertes Metall wirkte, etwas Vertrautes zu entdecken. Doch was immer dort unten existierte, schien sich bereits wieder zu verändern, während es reglos im Schatten verharrte, und als sich zwei glühende Augen öffneten, überkam den Mann eine Kälte, die nichts mit der feuchten Luft aus der Tiefe zu tun hatte.

In diesen Augen lag weder die Verwirrung eines erwachenden Bewusstseins noch die Furcht eines Wesens, das sich seiner eigenen Verletzlichkeit bewusst wurde, sondern etwas, das den Blick des Alten festhielt, bis er vergaß, dass er sich eigentlich hatte abwenden wollen. Es war, als würde er nicht in ein Gesicht blicken, sondern in einen Abgrund, der selbst das Licht verschlang und dennoch alles wahrnahm, was sich vor ihm bewegte. Tief unter der unnatürlich blassen Haut zeichneten sich dunkle Linien ab, die sich langsam entlang des Körpers ausbreiteten, während ein leises Knacken durch die Halle wanderte und von den Wänden zurückgeworfen wurde, bis niemand mehr sagen konnte, ob es aus der Tiefe oder aus dem eigenen Inneren kam.

Das Wesen bewegte sich nicht länger, doch tief unter seiner Haut setzte sich eine Bewegung fort, tastete sich voran und veränderte seine Gestalt, als wäre selbst der Körper, den es besaß, nur ein unvollkommener Versuch, etwas Größeres hervorzubringen. Schmerz musste es empfinden, denn sein Leib zuckte unter den Veränderungen, und aus seiner Kehle drang ein raues Geräusch, das in den steinernen Hallen widerhallte, ohne dass sich darin eine Bitte oder ein Anzeichen von Schwäche erkennen ließ. Es schien, den Schmerz nicht zu fürchten, sondern ihn aufzunehmen, ihn zu ertragen und sich seiner zu bedienen, bis selbst das Zittern seiner Glieder etwas Berechnendes bekam, das den Männern am Rand des Abgrunds das letzte bisschen Hoffnung nahm, noch immer die Kontrolle über das zu besitzen, was sie vor sich sahen.

Der älteste Mann wich schließlich zurück, als hätte er erst jetzt begriffen, dass die Dunkelheit nicht länger leer war; für einen kurzen Augenblick zeigte sich auf seinem Gesicht jener Ausdruck, den die anderen seit Wochen an ihren schlaflosen Gefährten beobachtet hatten, wenn diese sich unbeobachtet glaubten: die Erkenntnis, dass etwas, das man selbst hervorgebracht hatte, keineswegs den eigenen Absichten folgen musste. Unter ihren Füßen gab der Boden nach, während feine Risse durch die steinernen Platten liefen und sich tief im Abgrund ein Schatten verformte, dessen glühende Augen langsam aus dem schwindenden Licht verschwanden, sodass die Männer nicht erkennen konnten, ob sich das Wesen in die Tiefe zurückgezogen hatte oder lediglich beschlossen hatte, sich ihren Blicken zu entziehen.

Die Männer würden den Zugang zur Tiefe versiegeln, Runen in den Stein treiben und jede Spur ihrer Arbeit aus den Aufzeichnungen tilgen, in der verzweifelten Hoffnung, dass das, was sie erschaffen hatten, für immer unter der Erde verschwinden würde. Doch während Jahre vergingen und die alten Mauern verfielen, blieb das Wesen zurück, eingeschlossen in einer Gestalt, die ihm Schmerzen bereitete und seinen Möglichkeiten Grenzen setzte, die es nicht länger hinzunehmen bereit war. Es begann, seinen eigenen Körper zu verändern, zwang Fleisch und Knochen in neue Formen und ertrug die Qualen jeder misslungenen Wandlung, während sich sein Hass auf jene Welt richtete, die es hervorgebracht und schließlich verbannt hatte.

Liebe kannte es nicht, ebenso wenig Zuneigung oder Furcht; es kannte nur den Schmerz, der jede Veränderung begleitete, und den unbändigen Willen, eines Tages aus seiner Gefangenschaft auszubrechen. Dafür brauchte es mehr als Zeit und Macht. Es brauchte Körper. Lebendige, unversehrte Körper, die es sich nehmen und nach seinen Vorstellungen verändern konnte.

Tief unter der Erde öffneten sich seine glühenden Augen, während irgendwo in der Dunkelheit ein schwaches, rötliches Licht über die schwarzen Runen an seiner Wirbelsäule wanderte.

Es hatte Zeit. Und es würde warten, bis seine Zeit gekommen war.

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Strong Dialog

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