||1. Wedding||
||M I S H A L||
Ich betrachtete mein Spiegelbild, sah mir aber nicht in die Augen. Wie sollte ich das auch, wenn ich mich selbst nur abscheulich fand? Das Kleid, das ich trug, war wunderschön, doch ich wünschte mir, jemand hätte es getragen, der es auch verdient hatte. Aber das Schicksal wollte es wohl nicht so.
Ich wusste, dass ich das Leben eines anderen ruinierte. Aber was sollte ich tun, wenn er mich unbedingt heiraten wollte? Das Kleid fühlte sich bleischwer an, aber ich hatte in all dem nichts zu melden.
Es fühlte sich alles so echt an, doch in Wirklichkeit war es eine Farce. Diese Ehe war wie ein Vertrag oder ein Kompromiss. Es war keine echte Hochzeit, auch wenn die Welt es so sah.
Ich seufzte und blickte auf die Armreifen, die mir meine Schwiegermutter angelegt hatte. Sie war ein herzensguter Mensch und freute sich so sehr auf die Hochzeit ihres Sohnes. Ich brachte es nicht übers Herz, ihre Freude zu trüben, schließlich geschah das alles nur ihretwegen.
„Ma shaa Allah! Sieh dich nur an! Du siehst aus wie ein Engel. Mein Sohn wird heute sicher den Blick nicht von dir abwenden können“, sagte meine Schwiegermutter lächelnd, während sie vor mir stand.
Ich versuchte zu lächeln und sah weg. Sie ergriff meine Hand und führte mich langsam aus dem Zimmer.
„Weißt du was? Danial und ich dachten immer, Zayaan wäre schwul, weil er jede Heirat ablehnte. Aber jetzt hat er uns das Gegenteil bewiesen“, sagte sie lachend.
„Endlich sehe ich meinen Sohn mit einer wunderschönen Frau verheiratet. Ich bitte dich nur um eines, meine Liebe: Mach meinen Sohn glücklich. Bitte versuche immer, ihn glücklich zu machen“, fügte sie flehend hinzu.
„Ich verspreche es Ihnen, Tante. Zayaans Glück steht für mich immer an erster Stelle“, antwortete ich, denn ich musste ihn glücklich machen – nach allem, was er für mich getan hatte.
Ich stand schließlich in seiner Schuld. Die Tante hielt inne und umarmte mich. Ich war erst angespannt, entspannte mich aber schnell in ihrer mütterlichen Umarmung. Sie rieb über meinen Rücken und küsste meine Stirn.
„Danke, Liebes. Und noch eine Bitte: Nenn mich Mama.“
Ich schenkte ihr ein kleines Lächeln und sie ging weiter. Einige Mädchen kamen dazu und halfen mir, mein schweres Kleid zu tragen.
„Wow! Du siehst so wunderschön aus!“, schwärmte eine von ihnen, und alle stimmten ihr zu.
„Schließlich ist sie Zayaans Wahl“, sagte Mama stolz, was die anderen zum Kichern brachte, während ich rot anlief.
Sie führten mich in den prächtig geschmückten Wohnsaal, wo sich bereits einige Leute versammelt hatten. Ich sah auf meine Hände in meinem Schoß und versuchte, meinen schweren Atem zu kontrollieren. Ich wurde mit jeder Sekunde nervöser.
Plötzlich wurde es mucksmäuschenstill. Nur die Schritte von jemandem hallten durch den Raum. Jemand setzte sich neben mich, was mich leicht anspannte.
Der Imam fragte mich:
„Ich frage dich im Beisein aller hier anwesenden Gäste, Mishal Shah:
Akzeptierst du Zayaan Khan als deinen Ehemann?“
Das war es. Es gab kein Zurück mehr. Mein Atem stockte, und ich versuchte auszuatmen.
Er fragte erneut:
„Akzeptierst du, Mishal Shah, Zayaan Khan als deinen Ehemann?“
Ich wollte den Mund öffnen, doch mein Verstand blockierte. Es war, als würde ich in meine Vergangenheit zurückgezogen, die ich so sehr vergessen wollte.
Eine Hand legte sich auf meine und riss mich aus meinen Gedanken. Ich sah auf und erkannte Mama. Sie lächelte mich sanft an, aber in ihren Augen lag Zögern. Ich wusste, dass ich alle warten ließ.
„Ich will!“
Ich sagte es schließlich dreimal. Mein Herz schlug immer schneller. Mama küsste meine Wangen und gratulierte mir.
„Ich frage dich im Beisein aller hier anwesenden Gäste, Zayaan Khan:
Akzeptierst du Zayaan Khan, Mishal Shah als deine Ehefrau?“
„Ich will!“
Er wiederholte es dreimal. Anders als bei mir ließ er niemanden auf seine Antwort warten. Alle gratulierten uns nacheinander. Plötzlich fühlte ich mich erstickt und bekam kaum noch Luft.
„Geht es dir gut?“, fragte Mama und legte ihre Hand an meine Wange.
Ich nickte, aber mir war schwindelig und ganz leicht im Kopf. Ich hatte kaum etwas gegessen und war deshalb so schwach. Sie schien mir nicht zu glauben. Ich war völlig abwesend und konnte nichts mehr klar erfassen. Ein ständiges Piepen in meinen Ohren bereitete mir Kopfschmerzen.
„Mama, es geht ihr nicht gut. Lass sie sich ausruhen“, sagte Zayaan zu ihr.
Ich sah ihn nicht an, weil ich Angst davor hatte. Warum? Ich wusste es nicht genau. Vielleicht, weil ich in seiner Schuld stand.
Mama brachte mich ins Zimmer und half mir mit meinem Kleid, während ich mich aufs Bett setzte.
„Liebes, du siehst ganz blass aus“, sagte Mama besorgt.
„Nach einer kurzen Pause geht es mir wieder gut, Mama.“
Sie lächelte und sagte: „Ruhe dich aus, du brauchst heute Abend noch viel Energie für das Walimah und die Hochzeitsnacht.“
Ich sah sie mit großen Augen an und war angespannt wegen des letzten Wortes. Mein Gesicht brannte vor Hitze. Sie kicherte, weil sie dachte, ich sei schüchtern, doch in Wirklichkeit war ich gestresst und versuchte, meinen unregelmäßigen Atem zu beherrschen, bevor sie etwas merkte.
Ich atmete langsam aus, was ich bisher angehalten hatte. Ich beruhigte mich damit, dass in der Nacht nichts passieren würde. Es war schließlich eine Vertragsehe, und er würde sich sicher nicht für ein heimatloses und verlassenes Mädchen wie mich interessieren.
Ich schloss die Augen und legte den Kopf an das Kopfteil des Bettes. Ich weiß nicht, wann die Dunkelheit mich einholte und gefangen nahm.
Ich schreckte auf, als ich spürte, wie jemand meine Füße berührte. Ich setzte mich aufrecht hin und sah Zayaan, der mir die High Heels auszog, die ich vergessen hatte auszuziehen und die unbequem waren.
„Was machst du da?“, fragte ich, da mich seine Berührung nervös machte, und zog meine Füße weg.
„Ich ziehe dir die Schuhe aus. Du hast sie wohl vergessen. Sie werden dir nur Schmerzen bereiten“, sagte er und machte einfach weiter.
Nachdem er sie ausgezogen hatte, stellte er ein Tablett vor mich. Der Duft ließ meinen Magen knurren und erinnerte mich daran, wie hungrig ich eigentlich war.
„Iss etwas, zieh dich dann bequem an und ruh dich aus, bevor die Kosmetikerinnen kommen“, sagte er und verließ schnell den Raum, womit er mich allein ließ.
Ich blickte auf die geschlossene Tür und dann auf das Tablett vor mir. Ich legte die Hand auf meinen hungrigen Magen und schloss mit einem Seufzer die Augen. Ein paar Tränen liefen über meine Wangen, doch ich wischte sie schnell weg. Ich öffnete die Augen und begann zu essen, während ich in den schmerzhaften, aber kostbaren Erinnerungen versank.









not bac
okay 👍👍👍