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Beware Of Darkness

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Zusammenfassung

Verliebt in den mysteriösen Mitstudent. Heimgesucht von der Dunkelheit und dem darin erlebten Trauma. Kann Elena ihre Ängste bekämpfen und ihre große Liebe für sich gewinnen? - Titelbild (c): Pixabay, 652234

Genre:
Romance/Drama
Autor:
Lola
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
21
Rating
5.0 8 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

ELENA

Während ich durch die Straße lief, blies mir ein bissiger Wind in mein Gesicht. Ich zog meine Mütze noch etwas tiefer über meine Stirn und meinen Schal noch enger um meinen Hals. Es war Dezember, kurz vor Weihnachten und eiskalt.

Ich mochte den Winter und hasste, im Gegensatz zu den meisten Menschen, den Sommer. Wahrscheinlich vor allem, weil ich an einer Sonnenallergie litt. Die Kälte machte mir deshalb nichts aus.

Obwohl es erst 17:00 Uhr war, war es bereits stockdunkel. Und auch wenn die Straßenlaternen brannten, änderten sie nicht viel an der Dunkelheit auf der Straße. Ein Grund weshalb mein Tempo schneller war als tagsüber. Die Dunkelheit machte mir Angst, und ich versuchte, so schnell wie möglich von der Universität, von der ich kam, nach Hause zu kommen.

Mein Leben war langweilig. War es das? Manchmal wusste ich es selbst nicht. Es hatte einen gewissen Trott angenommen und nahm einfach seinen Lauf. Ich schätzte, so war das, wenn man plötzlich erwachsen wurde. Als man jung war, wünschte man sich so sehr, endlich erwachsen zu sein. Mittlerweile fragte ich mich, warum. Manchmal wünschte ich, ich könnte nochmal Kind sein. Plötzlich war man 20 Jahre alt. Alles war so furchtbar ernst. Alleine wohnen, alleine Geld verdienen, studieren. Liebe, Freundschaften, Familie - irgendwie hatte ich damals gehofft, dass das alles so einfach werden würde. Dafür musste ich ja nur erwachsen werden. Aber jetzt war ich es und nichts war einfach. Warum dachten das nur alle? Warum dachte jeder Teenager, erwachsen sein sei schön?

Ich schüttelte meinen Kopf und versuchte meine Gedanken loszuwerden, während ich im immer gleichen Tempo weiter ging. Bald würde ich Zuhause sein. Denk einfach weniger nach Elena sagte ich mir selbst. Wenn das nur so einfach wäre. Manchmal würde ich alles dafür geben nicht so viel zu denken. Aber andererseits machte das uns Menschen auch aus. Wenn wir nicht denken würden, was wären wir dann noch?

Endlich sah ich den Hauseingang, der mich zu meiner kleinen, aber feinen Wohnung führte. Die letzten Schritte zur Tür joggte ich und schloss sie auf. Meinen Schlüssel hatte ich bereits auf dem gesamten Weg nach Hause in der Hand gehalten. Noch so eine Angewohnheit. Nur, weil ich so unfassbar große Angst im Dunkeln hatte. Ich ließ den Hauseingang hinter mir und legte die Stufen in den 3. Stock zurück.

In meiner Wohnung angekommen, schloss ich die Tür erleichtert hinter mir. Endlich zu Hause. Ein weiteres Mal hatte ich die Dunkelheit besiegt.

Seit dem Ereignis vor drei Jahren war die Dunkelheit so unfassbar schlimm für mich geworden. Wieder schüttelte ich meinen Kopf um meine Gedanken loszuwerden, während ich den direkten Weg ins Badezimmer einschlug. Eine Dusche war nun genau das Richtige.

COLE

Es war bereits 23:00 Uhr. Ich schlug immer wieder auf den Boxsack ein. Meine Handgelenke waren von der viel zu langen Trainingseinheit und den fehlenden Boxhandschuhen schon geschwollen, aber es war mir egal. Ich wollte diesen ganzen Hass aus mir herausprügeln. Den Hass auf meine Familie und den Hass auf mich selbst. Das Boxen war der einzige Ort, an dem ich meinen Emotionen freien Lauf lassen konnte und die Möglichkeit hatte meine angestaute Wut loszuwerden. Nichts anderes half, den riesigen Druck in mir abzubauen. Das Boxen war mein Heilmittel, zumindest für eine kurze Zeit am Tag.

„Ich denke, das reicht für heute“. Die wohlwollende Stimme meines Trainers drang zu mir durch. Ich spürte wie er seine linke Hand auf meine Schulter legte. „Dieser Boxsack wird deine Probleme nicht lösen, mein Sohn“. Ich hörte auf, zu schlagen, und sah in seine Augen.

Jason war für mich einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, und ich wollte ihm keine allzu großen Sorgen bereiten. Deshalb entschied ich mich, seiner Bitte nachzukommen und es dabei zu belassen. „In Ordnung“, entgegnete ich und nickte ihm zu. Er nickte zurück und ließ mich in der leeren Trainingshalle alleine.

Das schätze ich an ihm. Obwohl er wusste, dass ich einige Dinge mit mir auszumachen hatte und die leere Trainingshalle nach Schließung abends nutzte, um meine Wut loszuwerden, stellte er nie Fragen.

Kurze Zeit später stand ich, frisch geduscht, vor dem Boxstudio. Der eiskalte Wind zog durch meine immer noch nassen Haare, während ich spürte, wie sich meine Lunge mit dem Rauch meiner Zigarette füllte.

ELENA

Pünktlich um 06:00 Uhr klingelte mein Wecker. Ich lag bereits wach im Bett. Wie jede Nacht, seit dem Vorfall vor drei Jahren, hatte ich Albträume. Ich seufzte. Wann würden diese Albträume endlich aufhören? Auf diese Frage gab es keine Antwort, das wusste ich. Niemand konnte es sagen, weder die Ärzte noch die Psychologen. Irgendwann wird es besser, sagten sie. Aber mussten sie das nicht sagen? Wie sollte etwas, das sich so tief ins eigene Gehirn eingebrannt hatte, jemals vergessen werden? Wie sollten Albträume besser werden, wenn der Auslöser einen von innen heraus zerfraß?

Wieder seufzte ich und machte mich auf den Weg ins Badezimmer. Dort angekommen betrachtete ich mich im Spiegel. Dunkle Augenringe waren sichtbar, die zeigten, dass ich schon viel zu lange nicht mehr vernünftig geschlafen hatte. Mein Blick verriet, wie müde ich eigentlich war. Da hilft nur noch Make Up sprach ich zu mir selbst und griff nach dem Concealer.

Um 07:45 Uhr betrat ich, wie immer, pünktlich das Universitätsgelände. Meine erste Vorlesung begann um 08:00 Uhr und ich hatte dementsprechend ausreichend Zeit, zum richtigen Vorlesungssaal zu gehen.

Für mich war die Universität wie ein Zuhause. Nicht nur, weil ich hier meine drei Freundinnen fürs Leben kennengelernt hatte und wir uns als Vierergruppe perfekt verstanden, sonder auch, weil es der einzige Ort war an dem ich so abgelenkt war, dass ich an etwas anderes denken konnte als diesen einen Tag vor drei Jahren.

Während ich durch die Flure schlenderte, war ich völlig in Gedanken versunken und bemerkte die Person, die mir entgegenkam, viel zu spät. Ich prallte mit voller Wucht gegen einen Oberkörper und stolperte zwei Schritte zurück. Bevor Worte meinen Mund verlassen konnten, sah ich auf und blickte in grün-blaue Augen. Augen, die mir so vertraut waren, dass es nur eine Person sein konnte.

COLE

Ein neuer Tag, ein neuer beschissener Morgen. Wieder einmal hatte ich mich mit meinen Eltern gestritten. Ich war 21 und musste immer noch Zuhause wohnen, weil ich mir neben dem Studium keine eigene Wohnung finanzieren konnte. Meine Eltern waren natürlich nicht bereit, mir dabei unter die Arme zu greifen, obwohl sie mehr als genug Kohle hatten. Mein Studium hielten sie für unnötig. Vor allem mein Vater, ein hohes Tier beim Militär, meinte, ich wäre ein Weichei, weil ich mir keinen richtigen Job suchte. Studieren ist nur etwas für Looser wie dich. Immer wieder hörte ich seine Stimme in meinem Kopf.

Meine Mutter war kein Stück besser. Sie kam aus reichen Verhältnissen und hatte sich als Moderatorin einen Namen gemacht. Auch sie war gänzlich der Ansicht meines Vaters. Ein Mann muss einen richtigen Beruf ausüben. Wie sieht das nur aus, wenn du als Mann auch noch so etwas Feminines studierst? Obwohl Psychologie längst von jedem Geschlecht studiert werden konnte - für sie war es etwas, was nur Frauen tun sollten. Daher musste ich mir meine Studiengebühren selbst verdienen. Das Geld reichte gerade so aus, aber eben nicht für mehr.

Das bedeutete, dass ich weiterhin in ihrem riesigen, erdrückenden Haus gefangen war, jeden Tag ihre herablassenden Kommentare ertragen musste und als ungewolltes Einzelkind damit konfrontiert wurde, dass ich ein Unfall war. Wir wollten keine Kinder. Danke für den netten Hinweis, ihr lieben Eltern.

Verächtlich schnaubte ich aus und stieß die Nebentür zum Universitätsgebäude auf. Im Gebäude angekommen schlug ich sofort meinen Weg zum Vorlesungssaal ein. Immer noch hallten die Worte meiner Eltern in meinem Kopf wieder.

Plötzlich prallte ich unerwartet mit voller Wucht in eine andere Person. “Kannst du nicht aufpassen!“, fuhr ich sie an, bevor ich erkannte, wer vor mir stand. Elena. Ausgerechnet sie hatte mir gerade noch gefehlt.

ELENA

Seine Worte drangen zu mir durch, während ich weiter in seine wunderschönen Augen starrte. Ich fühlte mich wie gelähmt, mein Mund war staubtrocken. „Ich, also, ja, es, also es tut mir Leid“ stammelte ich verlegen. Mein Gott, Elena. Noch peinlicher ging es nicht, oder? Meine innere Stimme mahnte mich zur Vernunft. „Schon in Ordnung“ sagte er. Seine Stimme klang nun etwas weicher und nicht mehr ganz so forsch wie zu Beginn, doch seine Körperhaltung blieb kühl und abweisend.

Cole hatte eine Mauer um sich herum aufgebaut und war unnahbar. Wir kannten uns seit dem Beginn des Studiums. Er hatte sich zeitgleich mit mir an der Universität eingeschrieben. Er für Psychologie, ich für Soziologie. Da wir einige wenige Kurse zusammen belegten und kurze Zeit später eine Studienarbeit gemeinsam absolvieren mussten, lernten wir uns kennen. Wir verstanden uns gut, sogar sehr gut. Ich verbrachte gerne Zeit mit ihm. Nicht nur, weil er unverschämt gut aussah mit seinen grün-blauen Augen, den dunkelbraunen Haaren, den kantigen Gesichtszügen und seinem durchaus muskulösen und definierten Körper, sondern auch, weil er durch seine Unnahbarkeit etwas mysteriöses hatte, was mich reizte.

Leider nur, wie viele Dinge im Leben, war es seit einer Woche komisch zwischen uns. Nach einer Studentenparty, als er mich netterweise nach Hause begleitete, kam es vor meiner Wohnung zu einem Kuss zwischen uns. Ich hatte seit dann Schmetterlinge im Bauch, wenn ich ihn sah und war auf dem besten Weg mich in ihn zu verlieben. Ich wollte es nicht, weil ich wusste, dass er nicht so für mich empfand, aber mein Herz war da ganz anderer Meinung als mein Verstand.

Und er? Er verpisste sich nach dem Kuss direkt. Kein einziges Wort hatten wir seit dem Vorfall miteinander gesprochen. Bis jetzt.

COLE

Immer noch stand sie da und starrte mich mit ihren rehbraunen Augen an. Fuck, ich hätte sie niemals küssen dürfen. Keine Gefühle zulassen, niemanden an sich ranlassen, das war meine Devise.

Dann war da diese verfluchte Party. Ich hatte sie besoffen nach Hause begleitet, weil sie mich darum gebeten hatte. Und standen wir da vor ihrer Wohnung. Wie jetzt auch starrten mich diese rehbraunen Augen an und ich sah ihre wunderschönen, vollen Lippen.

Dann passierte es, ich küsste sie. Einfach so. Und natürlich erwiderte sie den Kuss sofort. Ich wusste, was das bedeutete. Ich war ihr schon viel zu wichtig. Dabei wollte ich niemanden verletzen, vor allem nicht sie. Sie hatte mir nichts getan.

Aber ich durfte keine Gefühle zulassen, musste stark bleiben. So etwas wie Liebe machte mich nur verletzlich. Ich wollte niemanden an mich heranlassen, keine Person mehr die mir weh tun könnte. Meine Eltern waren dafür völlig ausreichend.

„Können wir darüber reden?“ Ihre Frage stellte sie so leise, dass ich sie kaum hörte. „Über was willst du reden? Es war nur ein Kuss Elena. Er bedeutete nichts, ich war stockbesoffen.“ Ich wollte das nicht sagen. Ich wusste ich würde ihr damit wehtun. Aber es ging nicht anders. Sie sollte mich hassen und mich in Ruhe lassen, dann hatte ich ein Problem weniger, um das ich mich kümmern musste.

Ich sah, wie ihre Augen wässrig wurden. Sie versuchte die aufkommenden Tränen wegzublinzeln, aber es entging mir nicht, dass sie kurz davor stand zu weinen. Ich hatte ihr wehgetan. Das wusste ich.

Ich rechnete damit, dass sie mich anschreien, ohrfeigen und als Arschloch bezeichnen würde, aber nichts davon geschah. Sie drückte ein „Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht verärgern." raus und dann huschte sie an mir vorbei in Richtung Damentoilette. Mir war klar, dass die ersten Tränen über ihr Gesicht liefen.

Warum war sie immer so nett? Warum entschuldigte sie sich, obwohl ich das Arschloch war? Und fuck, warum war es mir gerade nicht egal, dass ich ihr wehgetan hatte?

Ich schaute ihr noch kurz hinterher, entschied mich dann aber trotzdem dafür, in Richtung des Vorlesungssaals zu gehen und gegen mein Bauchgefühl ihr nicht nachzulaufen. Schließlich hatte ich mich schon dafür entschieden, dass ich sie loswerden wollte. Und dafür war ich ja auf dem besten Weg.

ELENA

Minutenlang saß ich bereits auf dieser Toilette und die Tränen rannen über mein Gesicht. Die Vorlesung hatte bereits begonnen, aber meine Tränen wollten nicht versiegen.

Seine Worte hatten mich mitten ins Herz getroffen und auch wenn ich es noch schaffte vor ihm stark zu sein und keine Träne zu zeigen, war mein Damm spätestens ab dem Moment, an dem ich mich in einer Kabine eingeschlossen hatte, gebrochen. Warum hatte ich Gefühle für den falschen Mann entwickelt? Der Gedanke schoss mir immer wieder durch den Kopf. Warum küsste er mich? Wirklich nur, weil er stockbesoffen war? War ich ihm tatsächlich total egal? Weitere Gedanken gesellten sich dazu, die mich nicht mehr loslassen wollten.

Für mich war der Kuss mit Cole etwas besonderes. Nicht nur, weil ich freiwillig noch nie eine Person geküsst oder etwas anderes dergleichen getan hatte, sondern auch, weil es mich seit dem Vorfall vor drei Jahren so viel Überwindung kostete andere Menschen so nah an mich heranzulassen.

Es war Winter, ich war 17 Jahre alt. Ich hatte mich mit Freundinnen in Birmingham - das war die Stadt in der meine Eltern lebten und ich aufgewachsen war - zu einem Filmabend verabredet. Es war bereits etwas später als ich von Zuhause losging und natürlich, aufgrund der Jahreszeit, stockdunkel. Bis zu diesem Zeitpunkt machte mir die Dunkelheit nicht aus und ich schlenderte gemütlich durch die Straßen.

Plötzlich wurde ich von zwei Männern gepackt und in eine Seitengasse gezogen. Sie drohten mir mit einem Messer und damit mich zu töten, wenn ich es wagte auch nur einen Laut von mir zu geben. Also gehorchte ich. Was hätte ich auch anderes tun sollen? Mir war klar, dass ich gegen zwei bewaffnete Männer keine Chance hatte.

Beide vergingen sich an mir, nahmen mir meinen ersten Kuss, meine Jungfräulichkeit, meine Unschuld. Sie vergewaltigten mich und liessen mich anschliessend völlig erschöpft und verheult in der Gasse liegen. Irgendwann schaffte ich es aus eigener Kraft aufzustehen und nach Hause zu gehen. Obwohl ich mich schämte, erzählte ich meinen Eltern davon. Wir erstatteten Anzeige, aber die Täter konnten nie gefunden werden.

Als ich 19 Jahre alt wurde, ermöglichten mir meine Eltern, dass ich wegziehen und in London studieren konnte. Auch wenn ich sie vermisste, war es für mich das Beste.

Ich hielt es nicht mehr aus in Birmingham. An jeder Ecke rechnete ich damit, dass die Täter wieder auftauchen und mir das wieder antun würden.

Auch hier in London hatte ich Angst vor der Dunkelheit und Angst davor, Männer an mich heranzulassen. Immer wieder fragte ich mich, warum es ausgerechnet mich traf.

Warum ich?

Cole war der erste Mann, bei dem ich mich sicher fühlte. Bei dem ich mich dazu bereit fühlte einen Schritt weiter zu gehen, weshalb ich auch seinen Kuss erwiderte. Zum allerersten Mal in meinem Leben küsste ich freiwillig einen Mann.

Es war ein schöner Kuss. Zu merken, dass es ihm nichts bedeutete tat mir weh. Sehr sogar. Um ehrlich zu sein viel zu sehr. Es zeigte mir, dass er mir viel wichtiger war als ich selber dachte und vor allem als ich selber wollte.

COLE

09:45 Uhr. Der Dozent begann pünktlich mit der zweiten Vorlesung, die die Studienfächer Psychologie und Soziologie gleichzeitig hatten. Komisch war nur, dass Elena nicht da war. Sie verpasste nie eine Vorlesung und war meistens zu früh vor Ort. Warum machte ich mir darüber überhaupt Gedanken? Sie sollte mir scheiß egal sein. Trotzdem war sie es nicht und ich hatte Gewissensbisse, weil ich wusste, dass ich meine Worte sehr hart formuliert hatte.

Ich versuchte mich auf die Vorlesung zu konzentrieren, doch es klappte nicht. Immer wieder schweifte mein Blick durch den Vorlesungssaal, indem ich sie nicht finden konnte und meine Gedanken wanderten zu ihr. Ich musste zumindest wissen, dass sie nicht immer noch auf der Damentoilette war. Leise erhob ich mich von meinem Platz und machte mich auf den Weg.

Kurzer Zeit später stand ich in der Damentoilette. Auch wenn sie auf den ersten Blick verlassen schien, bemerkte ich, dass die letzte Toilettentür zugeschlossen war. „Elena, bist du da drin?“ fragte ich mit sanfter Stimme. Doch ich erhielt keine Antwort. „Bitte schließ auf.“ Wieder keine Antwort. „Ich klettere sonst über die Tür und schließe selbst auf.“ Keine Antwort, aber das Klicken des Schlosses verriet mir, dass sie die Tür geöffnet hatte. Ich zog sie langsam auf und sah Elena auf dem geschlossenen Toilettendeckel sitzen. Ihre Knie hatte sie bis zu ihrer Brust gezogen. Sie zitterte am ganzen Körper, ihre Augen und ihre Haut waren völlig aufgequollen und rot wegen den ganzen Tränen. Und auch wenn ich es nicht wollte, tat es mir weh sie so zu sehen.

Ohne etwas weiteres zu sagen, ging ich auf sie zu und zog sie in meine Arme. „Komm, ich bringe dich nach Hause.“ sagte ich leise in ihr Ohr. Wieder keine Antwort. Immer noch liefen ihre Tränen unaufhörlich über ihr Gesicht. „Lass mich dich nach Hause bringen, okay?“ Endlich nickte sie kaum merklich mit dem Kopf. Ich zog sie hoch und verließ mit ihr Hand in Hand die Damentoilette.

Kurze Zeit später ließ ich sie auf dem Beifahrersitz meines Autos Platz nehmen und startete den Motor, um zu ihrer Wohnung zu gelangen. „Elena, bitte hör auf zu weinen.“ sagte ich, während ich hinter dem Steuer stur geradeaus schaute. “Warum haben sie das getan?“ flüsterte sie. „Wer hat was getan?“ fragte ich sichtlich verwirrt. „Warum ich Cole? Bin ich so ein schlechter Mensch?“ ihre Stimme klang so zerbrechlich. „Du bist kein schlechter Mensch.“ „Es tut mir Leid, dass ich dich mit meiner Frage vorhin genervt habe.“ „Das hast du nicht, ich habe nur ehrlich darauf geantwortet.“ Und da war sie wieder. Meine eiskalte Oberfläche. Hauptsache etwas sagen, um die zuvor gesagte, verletzende Antwort zu untermauern. „Es war mein erster freiwilliger Kuss.“ Ihre Worte trafen mich, ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. Wie konnte es sein, dass eine Frau wie sie noch nie jemanden geküsst hatte? Warum sprach sie von freiwillig? Verschiedene Gedanken rauschten durch meinen Kopf. Trotzdem antwortete ich „Konnte ich nicht wissen.“ Noch so eine kalte Antwort von mir. Hauptsache sie würde mich danach hassen. Ich konnte mir keine Gefühle leisten. „Ich weiß, es tut mir Leid, ich..“ „Hör auf dich zu entschuldigen!“ sagte ich barsch und unterbrach sie. Warum entschuldigte sie sich permanent, obwohl sie nichts falsch gemacht hatte? „Bitte schrei mich nicht an. Bitte.“ Sie flehte mich an. Ich hörte wie sie anfing zu schluchzen, ihr Zittern wurde stärker. Sofort lenkte ich meinen Wagen an die rechte Straßenseite. „Elena, was ist verdammt noch mal los mit dir?!“ schrie ich sie an.

Stille. Nur mein Atmen und ihr leises Schluchzen waren noch zu hören.

„Ich habe solche Angst.“ „Wovor hast du Angst?“ fragte ich. Ich verstand nicht, was mit ihr los war. Hatte dieser eine Satz von mir sie wirklich so aus der Bahn geworfen? „Bitte lass mich nicht allein. Bitte. Versprich es mir.“ „Ich verspreche es dir, ich lasse dich nicht allein.“ versicherte ich ihr.

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