Neues Jahr, neues WIR?!
Prompt 3, YoungAdult
-Silvester der Versöhnung-
An Silvester bist du mit deiner Familie bei deinen Nachbarn, mit deren Sohn du verfeindet bist. Die festliche Stimmung wird von der unterschwelligen (unterliegenden) Spannung zwischen euch beiden begleitet.
Doch in dieser besonderen Nacht, könnten die funkelnden Lichter des Feuerwerks eine Chance der Versöhnung bieten, während die Uhr Mitternacht schlägt und das neue Jahr einläutet.
Vielleicht wird Silvester zu einem Neuanfang, der die Grenzen überwindet und Frieden zwischen euch schafft. (73)
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Alan Garcia sah seufzend auf die neuen Bilder, die seine Freunde ihm aus New York geschickt hatten. Silvester auf dem Times Square! Wie gerne wäre er dort, doch er musste auf der stereotypen Silvesterparty der Johnsons versauern.
Die Johnsons waren enge Freunde seiner Eltern, genauer gesagt die besten Freunde. Sie waren in ihr Haus eingezogen, als auch Alans Eltern in ihr Haus daneben eingezogen sind. Beide Elternpaare mit einem kleinen neugeborenen Fratz gesegnet, freundeten sich schnell und innig an.
Doch ihre zwei Söhne waren immer wie Feuer und Eis. Alan liebte Kunst, Musik und Theater, während Phil der typische Wirbelwind war, der jedweden Sport ausprobieren wollte.
Egal wie oft ihre Eltern versucht hatten, die beiden Jungs miteinander anzufreunden: Es war stets und immer an der Sturheit beider gescheitert. Dabei hatten sie sogar gemeinsame Freunde und selbst diese verstanden nicht, wieso Alan und Phil stets in ausufernde Streitdiskussionen abdrifteten.
Fragte man Alan so sagte er nur, er könne den Sportstar halt nicht leiden, während Phil zur Antwort gab, dass Alan und er einfach nicht dieselbe Sprache sprachen.
Dies war eine merkwürdige und doch treffende Beschreibung. Denn beide waren beliebt und hatten einen großen Freundeskreis. Beide waren erfolgreich in ihren Bereichen, hatten ihren festen Platz in der Schulgemeinschaft.
Oft war Alan selbst einfach nur verwirrt über seine extreme Reaktion, sobald es um Phil Johnson ging. Dabei wäre Phil zumindest äußerlich genau sein Traumtyp. Seine beste Freundin Mara scherzte immer, sie seien eben beide Alphamännchen, da müsse es halt krachen.
Lautes Lachen erklang von dort, wo sein Vater wieder einmal peinliche Geschichten zum Besten gab. Mit einem genervten Seufzen machte sich Alan auf den Weg in die Küche.
Natürlich war es hier auf einer Party voller Erwachsener nicht möglich Alkohol zu konsumieren, etwas, das er normalerweise sowieso nicht in Betracht zog. Aber dieser Abend würde sich ewig hinziehen. Warum hatten seine Eltern auch darauf bestanden, dass er sein letztes Silvester auf der Highschool gemeinsam mit ihnen verbrachte? Sie waren doch sowieso den gesamten Abend in Gespräche verwickelt.
Somit war sein Plan möglichst viel Junk Food in sich hineinzustopfen.
An der Tür zur Küche stoppte er, hörte erhobene Stimmen aus dem Raum dringen.
,,Jetzt stell' dich nicht an Phil! Du kennst alle Menschen dort draußen!"
,,Ja Dad! Und sie kennen mich. Seit ich Windeln getragen habe oder nackt im Sommer durch das Planschbecken geflitzt bin! Das sind alles Erwachsene! Ich bin 18 Jahre! Sorry aber ich hab mir mein Silvester etwas anders vorgestellt! Ich könnte jetzt beim Skifahren mit meinen Freunden sein!"
,,Du weißt genau, dass das dieses Jahr zu riskant ist! Du musst top fit bleiben, um noch einmal Statechampion zu werden. Der Titel vervielfacht deine Chancen auf ein Stipendium!"
,,Ich hab gute Noten. Ich bin Statechampion seit ich quasi schwimmen kann! Selbst eine Verletzung würde meine Zukunft nicht so gefährden, außerdem bin ich nicht doof! Ich wäre schon kein dummes Risiko eingegangen! Ihr müsst mich loslassen Dad. In ein paar Monaten gehe ich aufs College und da könnt ihr auch nicht alles kontrollieren! Ich will atmen Dad! Ich will selbst entscheiden, was ich tun möchte und mit wem ich Zeit verbringe! Aber du zwingst mich hier auf einer Party abzuhängen, wo wirklich jeder mein Vater oder meine Mutter sein könnte."
,,Du bist zu jung um das zu verstehen. Du hast noch viele Jahre vor dir, da macht dieses eine Silvester nichts aus. Und jetzt versuch' wenigstens etwas Spaß zu haben! Man hat oft den größten Spaß, wenn man anfangs gar keine Lust auf etwas hat!" Mr Johnson trat aus der Tür, beladen mit einem Tablett voller Bowlegläser.
,,Hah! Hier ist doch jemand in deinem Alter!" Triumphierend sah er erst seinen Sohn an, dann den Sohn seiner Freunde.
,,Alan, Phil ist heute nörgelig wie ein 5-jähriger. Vielleicht kannst du ihn dazu bekommen, wenigstens mal zu lächeln?"
Mr. Johnson wartete nicht auf eine Antwort, da Alans Vater ihm schon zuwinkte.
,,Na endlich Matthew, wir dachten schon, du leerst die Bowle allein!"
Alan seufzte, als seine Eltern laut fröhlich mit den Freunden und weiteren Nachbarn anstießen. Zu ignorieren, dass Phil und Alan sich nicht grün waren, war mittlerweile die Methode ihrer Eltern.
,,Jetzt machen sie auf Party-Animal und morgen wird geheult, weil sie Kopfschmerzen haben!" Alan hüpfte auf die Thekenanrichte und schob sich einen Mini-Burger in den Mund.
,,Du musst mir keine Gesellschaft leisten!"
,,Bild' dir mal nix ein Johnson. Ich bin nur wegen des Futters hier!"
Alan konnte jedoch das bockige Gesicht des anderen nicht vertragen und schob diesem einen Burger vor die Lippen.
,,Hier! Kalorien trösten!"
Augenrollend nahm Phil den kleinen Burger zwischen die Lippen, kaute brav und schluckte. ,,Bitte schön. Jetzt zufrieden?"
,,Noch lange nicht, aber es ist ein Anfang!" Alan machte sich daran, das nächste Minifood auszusuchen, wobei Phil ihn betrachtete.
,,Du hast alles gehört, oder?"
,,Hey kein Drama. Jeder zofft sich doch mal mit den Eltern. Ich hab mich mit meinen heute auch schon in der Wolle gehabt. Ich wollte so gern auf dem Times Square feiern."
,,Oh Gott! Hallo Klischee!" "Ach und Skifahren am Lake Placid ist ja so originell?!"
Herausfordernd sah Alan in Phils dunkle Augen, die einen so wahnsinnig tollen Kontrast zu seinen blonden Haaren bildeten. Phils Mund zuckte.
,,Touché!" Der Sohn des Hauses schnappte sich einen der kleinen Einkaufskörbe seiner Mutter und packte Chips, Cola und diverse Süßigkeiten hinein.
Im Türrahmen drehte er sich zu Alan um. ,,Was ist? Kommst du mit oder hörst du dir hier Witze an, die selbst vor zwanzig Jahren nicht witzig waren?"
Überrascht sah Alan ihn an. Phil hob die linke Augenbraue an. ,,Was?"
"Lädst du mich gerade ein, mit dir abzuhängen?" "Jetzt bild' du dir bloß nichts ein. Ich dachte nur geteiltes Leid..." , Phil brach den Satz ab, zuckte die Schultern und schenkte Alan dieses Lächeln das reihenweise die Mädels zum Schmelzen brachten.
Und wenn Alan ehrlich war, fand auch er dieses schiefe, ein wenig neckische, Lächeln von Phil einfach umwerfend. Aber gutes Aussehen und ein schönes Lächeln machten noch lang keinen guten Menschen. Also zeigte er keine Begeisterung, zuckte gleichgültig die Schultern. ,,Schon recht!"
Er folgte seinem Schulrivalen in die oberste Etage. Genau wie Alan, bewohnte auch Phil den ausgebauten Dachboden seines Elternhauses. Jedoch war Phils Zimmer geradlinig und eher spärlich eingerichtet. Nur das Herzstück des großen Raumes, ein großes, altes, Ledersofa, wirkte weniger kühl. Es war schwarz und darauf lagen etliche kunterbunte Kissen. Zwei alte Patchworkdecken lagen zum Einkuscheln bereit und mehrere Bücher lagen kreuz und quer auf dem Sofa und dem alten, schweren Holztisch davor, verteilt.
,,Ich wusste ja gar nicht, dass du soviel liest!"
,,Die liegen da nur zur Dekoration. Damit ich schlau wirke!" Die Vorsicht, mit der Phil die Bücher aufeinander stapelte, um ein wenig Sitzplatz freizugeben, strafte seinen frechen Spruch Lüge.
,,Ah ja! Weil die Mädels nicht schon genug auf deinen Body abfahren! Klar!"
Phil breitete die Snacks auf dem Sofatisch aus, während Alan sich grinsend auf das Sofa sinken ließ. ,,Vielleicht will ich ja nicht nur wegen meines Aussehens gemocht werden?" Phil hatte dies nur leise gesagt, doch Alan saß gleich mehr aufrecht.
,,So war das nicht...!", verwirrt suchte er passende Worte, ,,So meinte ich das nicht! Ich weiß, dass du nicht dumm bist."
,,,Aha, du stellst es aber oft genug so dar! Der dumme Kapitän der Schwimmmannschaft, der alles nur seinem Aussehen zu verdanken hat!"
,,Sag mal, was geht jetzt? Wenn du dich prügeln willst, kannst du das mit einem deiner Kumpels tun!" Alan stand auf und schrie leise auf, als Phil ihn zurück aufs Sofa schubste.
Aufgebracht sah er Phil an, aber schluckte jede Schimpftirade. In Phils Augen herrschte Sturm. Alan mochte diese dunklen Augen und das Feuer, welches immer darin herrschte, wenn Phil argumentierte.
,,Du bleibst hier! Endlich musst du mir mal zuhören, ohne deine Drama Club Kumpane, die dir immer zujubeln!"
,,Was zur Hölle ist dein Problem Johnson? Ist ja nicht so, als stünden deine Freunde nicht immer parat, wenn wir diskutieren!"
,,Genau das ist es aber doch! Kommst du dir nicht manchmal so vor, als wären wir ihre Lieblings-TV-Show? Ständig rasseln wir aneinander. Manche unserer engen Freunde sind total genervt davon, doch viele der Möchtegernfreunde fahren voll drauf ab! Darauf hab' ich keinen Bock mehr!"
,,Na super! Dann hör' einfach auf mir auf den Sack zu gehen!"
,,Womit zur Hölle geh' ICH DIR denn bitte auf den Sack? Wir haben nur Unterricht zusammen. Ich kann schlecht die Schule wechseln, weil der Herr Hollywoodstar keine Konkurrenz verträgt!"
,,Da! Genau DAS! Warum sagst du das immer? Hollywoodstar! Nur weil ich den Dramaclub bevorzuge und nicht bei jedem Sportevent einen Fanthrill erlebe? Weil ich Eyeliner trage? Meine Frisur öfters wechsele, als manche deiner Kumpels ihre Unterwäsche wechseln? Oder gar weil ich schwul bin?"
Entsetzen leuchtete aus Phils Augen und Alan bereute diesen Vorwurf sogleich.
Als er sich zu Beginn der Highschool geoutet hatte, war es einer der wenigen Momente gewesen, in denen man glauben konnte, die zwei Jungs könnten doch noch Freunde werden. Phil hatte unmissverständlich klargemacht, jeder der Alan wegen seiner Sexualität angriff, würde es mit ihm zu tun bekommen. Das war schon recht beeindruckend gewesen, denn sie waren noch Freshman mit keinerlei Stellung an der Highschool gewesen.
,,Ich... Phil das...."
,,Warum ich dich so nenne? Nun warum nennst du mich Sportstar? Weil es das ist, was ich in deinen Augen bin. Der Typ der gut schwimmt. Aber hast du eine leise Idee was das heißt? Ich trainiere jeden Tag vor der Schule. Nach der Schule wieder. Am Wochenende sind entweder Wettkämpfe oder Fitnesstraining angesetzt. Also ja, ich mag bewundert werden, weil ich ein paar Bahnen schwimme. Aber dazu gehört verdammt viel Arbeit!"
,,Das weiß ich sehr wohl! Ich wohne nebenan und kenne dein strammes Programm. Aber weißt du denn, was zum Theater gehört? Text lernen, abhören, wir müssen unsere Requisiten selbst bearbeiten, unsere Kostüme gestalten, Make-up? Es ist respektlos, wenn du mich höhnisch Hollywoodstar nennst! Außerdem unpassend, wenn es in Diskussionen passiert. Hollywoodstars sind letztendlich auch Menschen, mit Meinungen und Gefühlen. Doch du sagst das immer so, als wären Menschen, die sich dem Theater und der Kunst verschrieben haben, irgendwelche Diven! So abwertend!"
,,Was glaubst du denn, wie es sich anfühlt, wenn du mal wieder einen Spruch darüber reißt, dass der Sportstar schon wieder ein Herz gebrochen hat? Das ist total abartig! Ich versuche immer mein möglichstes, nicht unhöflich oder unfreundlich zu den Mädchen zu sein. Aber du riechst es quasi, wenn ich ein Date abgelehnt habe und posaunst es raus! Und weißt du was? Du verletzt das Mädchen damit mehr, als meine Absage es je könnte!"
Alan verschlug es die Sprache. Darüber hatte er sich tatsächlich noch nie Gedanken gemacht.
,,Du hast ja keine Ahnung, was für ein Druck tagtäglich auf mir lastet. Du hast meinen Vater doch eben gehört! Nahezu jeder rechnet damit, dass ich bitte schön wieder Statechampion werde. Scheiegal wie viel ich für die Prüfungen lernen muss, mein Training kommt zuerst! Und dann noch dauernd die Frage nach Dates! Selbst wenn ich wollte, könnte ich nicht daten wen ich will, da es nicht zu der Rolle die alle mir geben, passt! Ja, du liebst Drama und Schauspiel! Ich schauspielere den ganzen verdammten Tag!"
Vollkommen in Rage schritt Phil nun entlang seines großen Zimmers. Hin und her ging er, fluchte dabei vor sich her, fuhr sich immer wieder durch die blonden Haare.
Alan betrachtete ihn mit offenem Mund. Hatte Phil gerade eine Art von Nervenzusammenbruch? Sollte er lieber einen Erwachsenen alarmieren? Teenager waren schließlich eine der Gruppen mit der höchsten Suizidgefährdung! Was wenn Phil durchdrehte? Alan war nicht total unsportlich, ein bisschen tat er schon auch, um gut auf der Bühne auszusehen. Aber gegen den durchtrainierten Kapitän der Schwimmmannschaft hatte er keine Chance. Wenn Phil ihm, oder schlimmer noch sich selbst, etwas antun wollte, würde Alan ihn kaum aufhalten können.
Er schluckte seine Verwirrung und stand vom Sofa auf. Hielt die Hände hoch, so wie es immer die Cop Darsteller im TV bei Geiselnahmen taten.
,,Hey Phil. Alles gut. Ich hab's begriffen. Danke, dass du mir das klargemacht hast. Ich hab nie an die Mädchen gedacht. Entschuldige. Das war ätzend von mir. Da bist du zu Recht sauer!" Langsam ging er auf den anderen zu. "Aber ich verstehe nicht ganz was du mit dem Schauspielern meinst."
,,Klar, dass du das nicht tust! Du kannst ja auch sein, wer und wie du bist!"
Immer noch verständnislos blickte Alan, Phil an. Dieser packte aufgebracht in seine Haare, raufte leicht darin. ,,Verdammt! Willst du wissen, warum ich immer Streit mit dir suche? Weil du verdammt noch einmal nicht verstehst, wie viel besser du es hast! Du ätzt gehen jeden noch so kleinen Erfolg, den ich habe, dabei wäre ich so gerne wie du! Ich wäre gerne, wer ich bin, wer ich in Wirklichkeit bin. Ich bin Sportler. Ja. Aber ich bin mehr! Doch niemand lässt mich all das sein. Niemand will, dass ich anders bin! Ich muss perfekt sein. Muss sein, wie alle es erwarten. Du dagegen? Du bist frech, aufmüpfig, manchmal furchtbar divenhaft und trotzdem mögen die Leute dich. Niemand... " , zitternd holte er Luft, hielt inne mit seinen Worten, die wie heiße Lava aus seinem Mund flossen. Zu lange hatte er alles angesammelt und nun drohte er zu explodieren.
,,Niemand was?", fragte Alan vorsichtig. Ihm war bewusst, dass es hier um etwas wirklich Tiefes, etwas Großes ging. Sanft berührte er Phils Arme, strich die Hände an diesen entlang und entwirrte die Finger des anderen Jungen aus dessen Haar. Ganz fest hielt er dann Phils Hände.
,,Ich glaube, ich weiß, was du sagen willst. Aber du musst es selbst sagen. Glaub mir. Dir geht's dann besser! Ich weiß, es ist beängstigend. Aber wenn du nicht zu dir selbst stehst, wie sollen andere es denn tun?"
,,Ich ..." , wieder ein zittriger Atemzug, bevor Phil die Augen fest schloss und sich offenbarte. ,,Ich ... will Jungs daten. Also ich mag Jungs." Ein weiterer Atemzug entfloh dem aufgeregten Jungen. Dann flogen seine dunklen Augen auf, suchten scheu den Blick Alans. Dieser lächelte Phil an.
,,Fühlt sich gut an, oder?"
,,Ja!"
,,Warum hast du so eine Angst? Mein Outing lief doch recht gut, klar der ein oder andere bringt heute noch einen blöden Spruch, aber letztendlich ist unsere Schulgemeinschaft echt cool. Die Lehrer achten auch darauf. Deine Eltern waren cool, als sie hörten, dass ich auf Jungs stehe. Sie sind immer nett und niemals abwertend zu mir."
,,Du bist aber eben nicht ihr Sohn. Ich weiß nicht, ob sie blöd reagieren. Aber ich hab Angst davor, dass sie es tun. Ich hab Angst, dass jeder mich anders ansieht. Darum hab ich ewig geschwiegen. Aber ich will nicht mehr! Ich will ich selbst sein. Schon jetzt. Nicht erst im College oder gar noch später. Ich bin es satt!"
,,Und genau das ist die richtige Motivation! Mit der Entschlossenheit, zu dir selbst zu stehen, nimmst du anderen den Wind aus den Segeln. Du musst dich selbst lieben und wertschätzen."
,,Es stimmt nicht, dass ich dich nicht mag!" , platzte eine weitere Offenbarung aus Phil. ,,Ich mag dich. Sehr. Selbst das Streiten mit dir ist interessanter als jede andere Unterhaltung!" Die Wangen, nun mit ungewohnter Röte überzogen, blinzelte Alan, Phil an.
Bilder aus der gemeinsamen Kindheit zogen an seinem inneren Auge vorbei, der Tag seines Outings an dem Phil ihn unerwarteterweise beschützt hatte. Ihm wurde bewusst, dass der andere Junge vielleicht nicht nur bei jedem Theaterstück gewesen war, weil es sich so für einen der Führungsschüler gehörte. Ihm wurde bewusst, dass auch er es oft nicht abwarten konnte, sich wieder mit Phil ein Wortduell zu liefern. Phil forderte ihn stets heraus, umzudenken. Auch Alan hatte nie jemanden ernsthaft gedatet, weil tief in seinem Hinterkopf das Bild des großen Jungen mit dem spöttischen Lachen gewohnt hatte.
Erfolgreich hatte er es stets ignoriert, es auf Phils scharfes Aussehen geschoben. Doch das ging jetzt nicht mehr.
Von draußen drangen dann laute Stimmen ins Haus. ,,Gleich ist es soweit Leute!"
,,Mist! Jetzt kann ich meinen Vorsatz vom letzten Silvester nicht erfüllen!", flüsterte Alan, mehr um Phil nicht gleich eine Erwiderung geben zu müssen.
,,Was für ein Vorsatz?"
,,Ein Neujahrskuss! Ich weiß, ich weiß ... " , er schmunzelte. " ... Klischee!"
,,Nicht jedes Klischee ist doof!" , raunte Phil als der Countdown draußen von vielen Stimmen abgezählt wurde.
,, 10... "
,,Ach nein?"
,, 9... "
,,Es ist doch eher eine Tradition!"
,, 8... "
,,Eine bewahrenswerte Tradition?"
,, 7... "
,,Denk' schon!"
,, 6... "
Mit klopfendem Herzen lehnte Phil sich die paar Zentimeter, die sie trennten hinab, sah Alan dabei fest in die Augen.
,, 5..." Alan legte eine Hand in Phils Nacken, sah ebenso fest in dessen Augen.
,, 4... " Noch etwas näher kamen sie sich.
,, 3..." Beide glaubten ihre Herzen wären wohl lauter, als jeder Böller der schon krachte.
,,2..." Ein letzter prüfender Blick.
,,1..."
Mit dem Aufsteigen der ersten Raketen und dem kollektiv gerufenen ,,HAPPY NEW YEAR!" , trafen die Lippen der Beiden aufeinander. Überraschend sanft, bewegten sie sich vorsichtig und doch innig.
Beide lächelte sich an.
,,Hmmm. Das ist noch besser als streiten!" , meinte Phil und brachte Alan damit zum Lachen.
,,Da stimme ich vollkommen zu!" "
,,Wow, das ist das erste Mal, dass du mir recht gibst!"
,,Gewöhn' dich nicht dran Johnson. Meistens hab ich recht!"
Phil lachte lauthals und umarmte ihn.
,,Ich glaube das wird ein spannendes Jahr!"
,,Darauf kannst du wetten Süßer!"
,,Was? Schon Spitznamen?"
,,Klar! Spitznamen, Instagram, Facebook...mit mir ist's das ganze Programm Babe!"
,,Oh Gott! NICHT BABE!"
Immer noch lachend, ließ Phil sich von Alan mitziehen.
,,Komm. Wir müssen unsere Eltern suchen, sonst sind wir nachher die unhöflichen, verzogenen Söhne!"
Phil stoppte Alan, indem er nach dessen Hand griff. Mit großen Augen sah Alan ihn an, nachdem er ihre Hände verschränkt hatte. ,,Sicher dass du es so machen willst? Offen auf der Silvesterparty deiner Eltern?"
,,Absolut. Wenn nicht jetzt, wann dann?"
Alan wusste das Phil bestimmt nervös war und drückte dessen Hand. ,,Ich bin bei dir!"
Sanft lehnte Phil die Stirn an Alans. ,,Danke. Und entschuldige meinen Auftritt da oben. Aber... " Alan unterbrach ihn, indem er ihm einen Finger auf die Lippen legte.
,,Alles gut. Bei mir darfst du ausrasten. Ich will einen Menschen, keinen Roboter. Und falls es noch nicht klar geworden ist, ich steh' auch irgendwie auf dich!"
,,Irgendwie?", nuschelte Phil hinter dem Finger, grinste ein Grinsen, welches seine Augen selbst in der Dunkelheit des Abends strahlen ließ.
,,Genau. Irgendwie!", grinste Alan frech. Er drückte Phil einen Kuss auf die Wange ,,Und jetzt ab ins neue Jahr!"
Hand in Hand schritten sie die Treppe hinab und in den Garten hinaus, nachdem sie ihre Jacken schnell übergeworfen hatten. Noch immer jagten Raketen durch die Luft. Ein glitzernder Regenbogen, der die Hoffnungen für das neue Jahr zu den Sternen trug.
,,Heißt das jetzt Frieden zwischen uns?" , fragte Phil, für einen Moment vergessend das sie ihre Elternpaare suchten. Alan schmunzelte, sah auf ihre verschränkten Hände.
,,Was denkst denn du?" Ebenso schmunzelnd, legte Phil die freie Hand an Alans Gesicht.
,,Hoffentlich wird das nicht langweilig!" , wisperte er. Alan strich seine Nasenspitze kurz über Phils.
,,Denk' ich nicht!", wisperte er zurück, bevor ihm ein glückliches Seufzen entkam, weil Phil ihn küsste.
Dort inmitten der feiernden Erwachsenen, dort an der Vorgartengrenze ihrer Häuser. Dort wo sie sich einst einander mit Wasserbomben bekriegt und geschworen hatten, niemals mit dem Blödmann von nebenan befreundet zu sein.
Dieses Jahr kam Silvester wahrlich mit großen Veränderungen und versprach ihnen ein aufregendes, neues Jahr. Dieses Jahr bewies ihnen das Leben, dass es unberechenbar war. Unberechenbar schön.









Eine richtig niedliche Kurzgeschichte💕