1 | 13. März | White Day
Breit grinsend saß Himiko neben ihrem weißhaarigen Klassenkameraden und versuchte, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Er ignorierte sie schon die ganze Zeit, weil er genau wusste, was sie von ihm wollte.
»Touya-kun«, trällerte sie und piekste ihn in die Seite, worauf er lautstark seufzte, jedoch weiter aus dem Fenster sah. Tenko, der direkt vor ihm sah, blickte sich kurz über die Schulter und legte seinen Blick auf seinen besten Freund. Seine roten Augen glitten zu Toga, dann wieder zurück zu ihrem Lehrer. »Ignorier mich nicht«, kicherte sie und stupste ihn ein weiteres Mal an.
»Nerv mich nicht«, murrte er leise, damit der Lehrer ihn nicht hören konnte und drehte seinen Kopf zu ihr. Himiko grinste breiter, der Unterricht war fast vorbei, also würde sie ihn auf dem Heimweg noch eine ganze Weile nerven können, bis er endlich nachgab. Irgendwann gab er immer nach. »Du bist so ätzend, lass mich wenigstens im Unterricht in Ruhe.«
Ihre goldgelben Augen huschten zu der Wanduhr über der Tafel, nicht einmal mehr fünf Minuten, dann würde es zum Unterrichtsende klingeln.
»Dann eben auf dem Heimweg«, antwortete die Blonde und notierte sich die Hausaufgaben, die ihr Lehrer an die Tafel geschrieben hatte. Zugehört hatte sie ihm ohnehin nicht mehr, aber das war nicht schlimm, sie würde einfach Tenko fragen. Schließlich gab dieser viel schneller nach, als ihr Sitznachbar. Vermutlich weil er nicht so viel Geduld hatte und Himiko ziemlich nerven konnte.
Schnell packte sie ihre Schulsachen zusammen und stopfte sie in ihre Tasche, in der ohnehin das blanke Chaos herrschte. Sie kannte Touya gut genug, wenn man ihn nur kurz aus den Augen ließ, verschwand er einfach spurlos und das wollte sie in dem Fall vermeiden. Tenko würde sie gleich einfach mit schleifen, ob er nun wollte, oder nicht, das war ihr ohnehin egal.
Als es dann endlich klingelte, warf sie sich den Blazer über, nahm die Tasche in die Hand und stellte sich direkt vor den Platz des Weißhaarigen.
»Tenko und ich begleiten dich nach Hause. Wir können ja zusammen lernen, bei dir ist immerhin viel Platz.«
»Wer hat gesagt, dass ich mitkomme?«, murrte Tenko, schulterte die Tasche und stellte sich neben sie. Er hatte das Gesicht verzogen und sah sie unzufrieden an. »Vielleicht hab ich ja auch was anderes vor.«
»Er will bestimmt zu den Hasen, und ich selbst habe keine Zeit«, antwortete Touya, der alles zusammengepackt hatte und sich einfach an seinen Freunden vorbei schob, um das Klassenzimmer schnellstmöglich zu verlassen.
»Wir sehen uns.« Damit ließ er die anderen beiden einfach im Raum stehen und verschwand.
»Seid ihr beide jetzt eigentlich zusammen, du und der Hase?« Seitdem Touya Rumi den Spitznamen Hase gegeben hatte, hatte auch Toga damit angefangen, sie so zu nennen – als Anspielung auf ihren Nachnamen.
»Irgendwie schon, glaub ich. Bin mir noch nicht so sicher.«
»Ich mag sie, aber manchmal macht sie mir echt Angst«, kicherte die Blonde, vergaß dabei, dass sie Touya eigentlich folgen wollte.
»Mir auch«, gab Tenko zu und grinste schief. »Sie kann so aufbrausend sein und so dominant. Wolltest du nicht eigentlich Touya hinterher, der ist bestimmt schon über alle Berge.«
»Verdammt«, zischte sie und verfluchte sich dafür, dabei hatte sie den ganzen Tag schon fragen wollen, ob ihr Klassenkamerad etwas am White Day vorhatte. Die Fortschritte, die Touya und Keigo machten, waren so minimal, dass sie eigentlich nachhelfen wollte. Bevor die beiden nur auf der Stelle treten würden. Aber sie hatte schon eine andere Idee, dann würde sie Fuyumi darauf ansetzen, vor ihr konnte der Weißhaarige schließlich nicht flüchten.
»Jetzt ist es auch zu spät. Lass uns auf dem Heimweg noch einkaufen, du brauchst doch bestimmt noch etwas für Rumi.« In diesem Moment wünschte sich Tenko, er hätte ebenfalls die Flucht ergriffen. Hätte er Toga einfach stehengelassen, doch im Umkehrschluss …
Vielleicht sollte er doch mit ihr kommen, dann würde er für Rumi tatsächlich etwas kaufen können.








