Die Magie der Steine - Dunkelheit [Leseprobe]

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Freya und ihre Gruppe setzen ein Semester an der Kohatu aus und bereisen die Welt von Tir na Magica. Auf ihrer Reise besuchen sie Städte und Dörfer, wobei Freya die zerstörerische Kraft des Krieges mit eigenen Augen zu sehen bekommt. Allerdings geschehen merkwürdige Dinge und sie werden angegriffen. Zuerst wissen sie nicht, wer dahinter steckt, doch als Freya von ihrer Gruppe getrennt wird, erfährt sie mehr, als ihr lieb ist. Zudem machen ihr Fähigkeiten, die sie bisher nie bemerkt hatte, plötzlich zu schaffen. Auch, als sie zurück an der Schule sind geschehen merkwürdige Dinge und der langjährige Krieg rückt unaufhaltsam näher ... Wird Freya mit ihren Liebsten es schaffen, diesen zu beenden?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
3
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Mit dem Rucksack bepackt trat Freya nach draußen und atmete die kühle Luft tief ein. Ein leichter Nebelschleier lag über den Wiesen und Feldern, über denen bereits eine Schneedecke lag. Viel war es noch nicht, doch für den nördlichen Teil von Tir Na Magica war das üblich. Freya wusste, dass der Winter hier früher anfing und später endete. In ihrem ehemaligen Heimatdorf hatte sie gelernt, damit umzugehen.

Die Morgensonne versuchte ihre goldenen Strahlen über das Land zu schicken, schaffte es jedoch nur stellenweise und brachte diese zum Leuchten. Millionen von kleinen Eiskristallen funkelten wie Diamanten. Ein Anblick, an dem Freya festhalten wollte. Hoffentlich legte sich der Nebel auf der Fahrt.

Heute begann ihre Reise durch das Land. Überwiegend im westlichen Teil wollten sie sich aufhalten. Fast ein halbes Jahr, das sie für sich nutzen konnte, um mit Damian neues zu lernen. Vor allem, ihm wieder zu vertrauen. Nach dem Eissemester und Loyds Drangsalierungen fühlte sich Freya noch nicht wirklich erholt.

Die Reise sollte dazu dienen, ihr, aber auch Damian, Melody und Elias etwas Abstand zur Schule zu geben und sich neu zu orientieren. Das fehlende Vertrauen ihrerseits belastete Freya und sie hoffte, dass es durch die Reise wieder völlig hergestellt wurde.

Ihre Hand tastete nach dem Gutschein auf der Innenseite ihres Mantels, den sie dank Hanako bekommen hatte. Eine Überraschung zu Damians Geburtstag, die sie geheim hielt. Nur Elias wusste davon und dieser schwieg.

Ihr Blick glitt über die letzten Koffer, die von den Angestellten in die gemietete Kutsche verräumt wurden. Ihre Tochter und die beiden Haustiere tollten im Schnee und hatten sichtlich Spaß.

„Ich bin fertig“, verkündete sie mit einem Lächeln und kam die Stufen zu Damians Haus hinunter.

Damian stand bereits draußen und beobachtete Melody. Als Freya nun zu ihm kam, lächelte er und reichte ihr die Hand. „Bereit für ein kleines Abenteuer?“, fragte er mit wackelnden Augenbrauen und deutlich voller Vorfreude.

„Ja“, antwortete Freya lächelnd und stupste seine Schulter. „Lass das. Das lässt dich gruselig wirken“, bemerkte sie verschmitzt und fragte sich, wann er sich diese Angewohnheit angelegt hatte. Eigentlich war es nicht schlimm, sondern brachte sie regelmäßig zum Lachen. „Ich verabschiede mich noch von deinen Eltern, dann können wir los.“ Die Zeit bei Dorian und Selene hatte ihr gutgetan und sie hatte Kraft tanken können.

„Sie kommen gleich raus“, meinte Damian, der sie plötzlich in den Arm zog und ihre Stirn küsste. „Ich freu mich wirklich auf diese Reise“, sagte er, wobei er ihr tief in die Augen blickte. „Auch, wenn ich nicht ganz verstehe, warum du unbedingt so nah an die Grenzen willst. Dort ist es gefährlich.“ In seiner Stimme war Sorge zu hören. Ob er Angst davor hatte, dass Freya etwas geschah oder war es eher wegen Melody?

Liebevoll küsste Freya seine Wange und erwiderte seinen Blick. Auch sie freute sich, ein halbes Jahr keine Schulbank drücken zu müssen. „Ich möchte die Welt entdecken. Wenn es jedoch zu gefährlich wird, werden wir nicht weiterfahren, sondern unsere Pläne ändern.“ Ihr war wichtig, dass keiner von ihnen in Gefahr gebracht wurde. „Aber ich würde dennoch, und sollte es möglich sein, gerne die Inseln vom Strand aus beobachten.“ Das war einer der Gründe, warum sie eigentlich dorthin wollte. Der andere ... war aus einem weit weniger schönen. Sie wollte sehen, wie weit der Krieg die Gebiete beeinflusst hatte. Freya wusste, dass sie früher oder später dazu beitragen würde, den Krieg zu beenden. Daher kam es ihr gelegen, sich ein wenig zu erkundigen und zu sehen, was dieser mit der Welt angestellt hatte.

Damian küsste sie noch einmal leicht. „Die Inseln zu sehen, sollte kein Problem sein“, bemerkte er, als Dorian und Selene aus dem Haus traten. Selene kam direkt auf Freya zu, um sie zusammen mit Damian in die Arme zu ziehen.

„Ich werde euch so vermissen“, sagte sie mit fast weinerlicher Stimme. „Bitte kommt danach noch einmal her, ja?“, fragte sie hoffnungsvoll und blickte dabei eher Freya als Damian an. Scheinbar erwartete sie sich von dieser mehr Zustimmung.

Freya nahm sie sanft in den Arm. „Natürlich“, versicherte sie ernst, „ansonsten wäre Melody traurig, wenn sie euch nicht von den Abenteuern erzählen kann. Außerdem würde ich euch gerne wiedersehen, bevor wir zurück in die Schule gehen.“ Ein paar Tage Erholung nach der Reise würde allen guttun, sich mental auf die Schulzeit vorzubereiten. Nach der Freiheit würden sie sich wieder an Regeln zu halten haben. Gerade Melody würde das schwerfallen. „Sofern ihr Zeit habt.“

Selene strahlte und drückte Freya einen Kuss auf die Stirn, bevor sie dasselbe bei Damian tat, der sich ein Stück nach unten beugen musste. „Genießt eure Reise“, sagte sie mit einem breiten Lächeln. „Sammelt Erfahrungen.“ Sie löste sich wieder von ihnen und nun trat Dorian an sie heran. Er nahm Freya für einen kurzen Moment sanft in den Arm.

„Pass gut auf ihn auf“, flüsterte er ihr ins Ohr, bevor er sich löste und Damian väterlich auf den Rücken klopfte. „Macht keinen Unsinn.“

„Ich werde auf ihn aufpassen und davon abhalten, Unsinn zu machen“, versprach Freya leise. Bei der Verabschiedung wurde ihr warm ums Herz. Genauso wären ihre Eltern gewesen, wenn sie noch am Leben wären. „Wir werden euch Briefe zukommen lassen, damit ihr wisst, wo wir sind.“ Das war Freya wichtig, falls es Probleme gab. „Ich danke euch für die schönen Tage. Passt auf euch auf, ja? Ich freue mich, euch wiederzusehen.“ Mit diesen Worten und einem Lächeln wandte sie sich zur Kutsche und rief nach Melody.

Das Mädchen kam sofort angerannt und umarmte noch einmal ihre neuen Großeltern, bevor sie in die Kutsche huschte, als Damian ihr die Tür öffnete.

Als Freya zu ihm kam, hielt er ihr die Hand hin, um ihr beim Einsteigen zu helfen.

Mittlerweile hatte sie sich daran gewöhnt und nahm sie lächelnd an. „Danke, Damian“, sagte sie und trat ein, um sich Melody gegenüber niederzulassen. Ihre Tochter war bereits dabei, aus ihrem Rucksack ein paar Stifte und Blätter zu nehmen, um sich zu beschäftigen.

„Sollen wir Jeanne auch mit hineinnehmen?“, fragte Freya, als sich Melodys Katzenkäuzchen auf der gepolsterten Bank zusammenrollte.

„Ich glaube, Jeanne wird wohl anfangs lieber ein bisschen draußen rennen wollen“, bemerkte Damian, der zum Kutschbock ging und durch ein Fenster in seinem Rücken bei Bedarf in die Kutsche sehen konnte. „Ich werde sie im Auge behalten und fahre langsam.“

„Danke, Liebling“, erwiderte Freya, stand noch einmal auf und kam zu ihm hinaus. „Ich würde sogar selbst gerne eine Weile zu dir kommen. Bestimmt möchte Melody das auch“, flüsterte sie ihm zu. Frische Luft tat allen gut und so konnte Freya gleich mehr von der Umgebung wahrnehmen. Dennoch hatte sie auch einen Hintergedanken: Sie wollte selbst Kutsche fahren lernen, um im Notfall einspringen zu können. Bis sie Elias antrafen, war Damian der Einzige, der das Gefährt lenken konnte.

„Dann kommt ruhig her“, meinte er und klopfte links und rechts neben sich. „Wenn Melody auch möchte, kann sie auch gerne dazu kommen. Sie soll aber gut auf Sina aufpassen. Nicht, dass sie Blödsinn anstellt“, bemerkte er und blickte kurz zu den Füchsen, die ihre Kutsche zogen. Es waren edle Tiere, die speziell für diese Tätigkeit ausgebildet waren.

Anfangs hatte Freya gedacht, sie würden Pferde nehmen, aber die Füchse waren scheinbar für solch eine Strecke die bessere Wahl.

„Melody? Möchtest du mit Papa und mir auf dem Kutschbock sitzen oder lieber malen?“, fragte Freya in die Kutsche hinein. Sie ahnte, wozu sich das Mädchen entscheiden würde. Wenn es um Damian ging, machte Melody selten etwas anderes.

Sofort kam das Mädchen herausgesprungen. „Malen kann ich später“, verkündete sie und kam sofort zu Damian nach oben geklettert.

Lachend schloss Freya die Kutschentür und gesellte sich zu ihren Liebsten. Manchmal glaubte sie, dass Damian nicht nur ein Vater für Melody war, sondern auch wie ein Bruder. Mit Freyas Brüdern hatte sich Melody immer gut verstanden.

„Dann kann es jetzt losgehen, nicht wahr?“, fragte sie mit einem Grinsen und legte Hand an ihre Tochter an, um ihr einen Wärmezauber umzulegen.

„Ja, wir fahren langsam“, sagte er mit einem Lächeln, bevor er die Zügel richtig griff und die Tiere antrieb, damit sie losliefen. Dazu schnalzte er leicht mit der Zunge und bewegte die Zügel.

Als die Kutsche sich bewegte, sah Freya noch einmal zurück und lächelte. Damians Eltern standen auf der Treppe und winkten ihnen nach. Sie, aber auch Melody winkten zurück, bis die Mauern ihnen jeglichen Blick verwehrten.

„Ich freue mich wahnsinnig“, seufzte Freya zufrieden und lehnte sich zurück. Da sie noch in der Stadt waren, behielt sie ihre Tigerdame im Blick. Durch kleine Unachtsamkeiten konnten Unfälle entstehen. Das galt es zu vermeiden. Sobald sie jedoch das Feld erreichen würden, konnte sich das Tier austoben.

Lächelnd warf Freya Damian einen Blick zu. Ihre erste, gemeinsame Reise, bei der sie hoffentlich wieder Vertrauen finden würde.

„Bei Füchsen brauchst du nicht so viel aufpassen, wie bei Pferden und sie kommen gut mit anderen Tieren klar“, erklärte Damian, der beobachtete, wie Jeanne immer wieder zu den Füchsen kam, die sich davon jedoch nicht stören ließen.

Interessiert betrachtete Freya, wie die Tiere miteinander umgingen. Trotz Jeannes Versuche, die Füchse zum Spielen zu animieren, blieben sie gelassen und folgten Damians Anweisungen über die Zügel. „Zum Glück. Jeanne ist zurzeit ziemlich spielwütig“, bemerkte Freya und rief das Haustier schließlich zu sich. Jeanne musste lernen, dass sie nicht jederzeit spielen konnte, vor allem nicht in der Stadt. Dafür würde Freya sie später mit einem ausgiebigen Spaziergang entlohnen. „Sag, wie lange werden wir heute unterwegs sein?“, wandte sie sich an Damian.

„Ich schätze, dass wir am späten Abend die erste Stadt erreichen, wenn wir langsam fahren“, erklärte Damian, der beobachtete, wie Jeanne zurückkehrte.

Die Tigerdame lief nun neben Freya her, wirkte aber immer wieder, als würde sie gleich wieder losstürmen wollen.

Allerdings war Freya wachsam und gebot ihr Einhalt. Jeanne bekam Freiheiten, doch erst als sie aus der Stadt waren, ließ Freya sie weiterlaufen. Der Tigerdame war anzusehen, wie sie sich über das Herumtollen freute. Scheinbar wurde Sina von Jeannes freudiger Art angesteckt, da sie von Melodys Kopf flog. „Ich würde mit ihr gerne spazieren gehen, damit sie sich austoben kann“, gestand Freya. Nach dem langen Sitzen auf dem Kutschbock würde es ihr sicher guttun. „Elias kommt erst morgen früh, nicht wahr?“

„Wir treffen ihn in der nächsten Stadt“, erklärte Damian, der die Füchse dazu brachte, langsamer zu werden, bis sie stehenblieben. „Geh ruhig mit ihr zusammen etwas umher. Wir fahren langsam. Dann kann auch Melody mit Sina laufen.“

Melody sprang hinab und rannte Sina hinterher. Sie mochte das Katzenkäutzchen noch nicht so gerne allein lassen, da dieses noch immer regelmäßig abstürzte, wenn es sich überschätzte.

„Eine gute Idee“, bemerkte Freya, lehnte sich zu Damian hinüber und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Auch sie sprang hinab und wartete, bis Damian die Kutsche wieder anfahren ließ. Gemütlich im Schritttempo, sodass auch Melody mitkommen konnte.

Freya hingegen formte aus Schnee einen Ball und versiegelte ihn mit Eis, um ihn Jeanne zum Spielen zu geben oder ihn für sie zu werfen. Somit war das Tier beschäftigt und konnte sich bei ihrem Lieblingsspiel austoben.

Eine Weile fuhren sie unbeschwert ihren Weg. Es war egal, ob sie sich beeilten oder nicht. Elias würde erst morgen zu ihnen stoßen und es änderte nur die Zeit, in der sie in der nächsten Stadt ankamen. Warum es also nicht genießen? Immerhin hatten sie Urlaub.