Wyatt -Die Anderson Reihe (Band 1)

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Zusammenfassung

Wyatt E. Anderson ist der älteste Sohn von Sheriff Anderson. Er ist ein Professor der Sprachwissenschaft und ein Nerd. Mit seinem berühmten Namensgeber Wyatt Earp hat er nicht viel gemeinsam. Nun soll er wieder einen Vortrag über die keltische Sprache halten. Kein Problem. Die Gala im Anschluss nach dem Vortrag ist ein Problem, denn um den Anschein eines soliden und vertrauensvollen Mannes zu geben, soll er eine Frau präsenteren. Und da ist das Problem, denn keine Frau geht mit einem Nerd aus, der nicht viel auf sein Aussehen gibt und Frauen gegenüber eher nervös und linkisch ist. Da trifft es sich gut, dass Wyatts bester Freund Henry gerade einer Frau hilft, die Job und Wohnung verloren hat. Schnell entwickeln sich in Wyatt Gefühle, die er sonst nie hat. Doch verliebt er sich zu schnell in Rilla? Immerhin gibt es da noch diesen verflixten Ex, der Rilla das Leben schwer macht. Cover by Nancy Bieler © Alle Rechte vorbehalten

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
28
Rating
5.0 18 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1 - Wyatt

Hallo zusammen.

Mein Name ist Wyatt Earp Anderson.

Jaaa, ich weiß.

Ich höre schon das Kichern über meinen Namen und ja, ich weiß, dass sich viele nun einen ganzen Kerl vorstellen und richtig enttäuscht sind, wenn sie mich sehen. Ich bin weder ein ganzer Kerl noch so ein Badboy oder Westernheld, wie der Kerl, nachdem ich benannt wurde.

Was meinen Namen angeht, so ist mein Vater ein großer Western-Fan und da sein Dad an dem Tag geboren wurde, an dem Wyatt Earp starb, verfiel er der Idee, dass er all seinen Kindern Namen der berühmten Earps gab. Ich bin der Älteste und wurde nach dem berühmtesten von ihnen benannt. In meiner Familie gibt es auch noch einen Virgil, einen Morgan und einen James, aber irgendwann streikte meine Mom. Vier Jungs und mein Vater... das war in ihren Augen genug Testosteron.

Ihr müsst Euch aber die Enttäuschung meines Vaters vorstellen, dass eben keiner seiner Söhne ein verwegener Haudegen wurde, sondern wir alle ganz normalen Berufen nachgehen. Also so etwas normal. Keiner von uns ist ein Feuerwehrmann, Stuntman oder so etwas. Dad ist immerhin noch Sheriff, aber wir...nun ja. James ist vielleicht so etwas wie ein Westernheld geworden, aber eben nur fast. Er betreibt eine kleine Farm, die sich auf ökologischen und nachhaltigen Anbau spezialisiert. Eigentlich weit weg von einem Cowboy und Westernheld. Von Rodeos hält er nichts und ich bezweifle, dass er eine Waffe hat. Er checkt eher die Bodenwerte und sagt voraus, ob es eine gute Ernte gibt oder nicht.

Virgil ist so eine Art Technik-Genie, Morgan ein Chirurg, der sich auf Herzoperationen bei Kindern spezialisiert hat und ich ... nun ja. Ich bin Professor der Sprachwissenschaften und lehre an einer kleinen, eher unbekannten Uni.

Ihr könnt euch vorstellen, dass mein Dad zwar in gewisser Weise stolz auf uns ist, er aber schon etwas enttäuscht war, dass zum Beispiel keiner seiner Söhne im Football- oder Baseball Team war. Virgil hat es mal mit Lacrosse versucht, aber nachdem er bei einem Spiel zuerst einen Schläger und dann noch den Hartgummiball ins Gesicht bekam und er trotz Mundschutz und Helm einige Wochen wegen eines gebrochenen Kiefers und Nase im Krankenhaus lag, wurde jedem bewusst, dass die Qualitäten der Andersons irgendwo anders lagen.

Wir waren keine Sportler, aber dennoch bei den anderen Schülern beliebt. Das lag daran, dass wir alle die Intelligenz meiner Mutter erbten, und einige der nicht ganz so gelehrten Kerle dennoch genug Grips besaßen, um sich mindestens einer der Anderson-Brüder warm zu halten, falls es mit den Noten mal nicht so funktionieren sollte. So kam es, dass wir trotz unserer Unsportlichkeit auf jeder Party eingeladen wurden. Doch selbst da fielen wir auf, denn Alkohol war auch nicht unbedingt unser Ding. Dieses eine Mal war ich derjenige, der den Grund für diese Erkenntnis lieferte, denn ich ließ mich auf ein Wetttrinken mit einem der Footballer ein und es endete damit, dass wir beide vor dem Denkmal, das zu Ehren der Gründerväter unserer Stadt errichtet wurde, kotzten. Natürlichen wurde nur einer erwischt.

Wer es war?

Richtig.

Natürlich ich.

Denn im Gegensatz zu dem anderen Kerl war ich zu nichts mehr fähig. Ich konnte nicht einmal auf allen Vieren davon krabbeln. Sehr dumm, wenn der Sheriff der Stadt dein eigener Vater ist.

Nun ja, ich habe auf ziemlich drastische Art gelernt, dass man Alkohol wirklich erst ab einundzwanzig trank und Henry, mein damaliger Konkurrent wurde mein bester Freund, weil ich ihn nicht verriet und er deswegen auf dem College und später auf der Universität sein Footballtalent nutzen konnte, um ein Stipendium zu bekommen. Das nutzte er, um ein guter Anwalt zu werden.

Da wir Brüder voneinander lernten, trank nun keiner mehr über den Durst. Wir blieben bei dem, was wir konnten, und das war eben das Lernen und gute Noten schreiben.

Ja, wir sind Nerds und haben uns alle damit abgefunden.

Leider scheint es die Gesellschaft nicht so zu sehen, dass wir einfach in Ruhe gelassen werden wollen.

Das Problem bei uns Anderson-Brüder ist nämlich nicht, dass wir Nerds sind. Das Problem scheint zu sein, dass keiner von uns eine Frau an seiner Seite hat. Irgendwie scheint das niemand akzeptieren zu wollen.

Nicht falsch verstehen.

Ich sehe jetzt nicht ganz so aus, dass Frauen schreiend vor mir davon rennen, doch ich bin etwas eigen. Ich trage praktische Sachen, die wohl eher ein Opa anziehen würde. Ein alter Opa.

Mit Friseuren habe ich es auch nicht so und schneide mein Haar selbst, was bedeutet, wenn mich eine Strähne stört, schnipple ich sie ab.

Ich bin auch sehr schüchtern, was das andere Geschlecht betrifft, und außerdem bin ich das, was man einen zerstreuten Professor nennt. Wenn man vom Unterricht absieht, bin ich nur glücklich, wenn ich von meinen Lehrbüchern umgeben bin und eine neue Sprache lernen kann oder ich mich mit den Dialekten alter Sprache beschäftige. Dann vergesse ich alles um mich herum und es ist sogar schon einmal passiert, dass Henry mich völlig dehydriert und zehn Pfund leichter in meinem kleinen Haus vorfand. Ich denke, ich brauche nicht zu erklären, dass ich nicht nur rosa-grüne Männchen sah, die mich als Loser beschimpften, sondern auch nicht gerade angenehm roch. Das macht auf die Dauer keine Frau mit. Und dass ich dazu zu jeder Tag- und Nachtzeit am liebsten Metall-Musik höre, hilft auch nicht gerade dabei, jemanden zu finden.

Obwohl ich an einer sehr kleinen Uni lehre, werde ich oft zu Vorträgen eingeladen, was manche Frauen in Ehrfurcht erstarren lässt. Das war es dann aber auch. Offenbar ist Klugheit bei einem Mann aber nicht besonders sexy.

Verflixt, ich bin kein Alien. Ich bin einfach ein etwas kauziger Mann, der sich damit abgefunden hat, keine Frau abzubekommen.

Doch das Schicksal will es wohl anders.

Jetzt brauche ich eine Frau.

Und zwar so schnell wie möglich.



„Professor Anderson, auf ein Wort.“

Ich verziehe mein Gesicht und fluche innerlich, dass ich nicht schneller aus dem Büro der Uni ging. Wenn der Dekan hinter mir herkam, dann bedeutete es mehr Arbeit für mich. Oder er spinnt irgendeine dumme Idee in seinem Hirn, die ich ausbaden muss.

„Tut mir leid, Dekan Wilson, aber ich...“

Er hob seine Hand, um meinen Redefluss zu stoppen.

Ich hasse das schon, wenn meine Mutter so etwas macht, aber bei meinem Chef empfand ich es als unerträglich.

„Ich unterbreche Sie nicht gerne, aber ich frage mich, ob Sie Ihren Vortrag vergessen haben?“

Panik macht sich in mir breit und ich blinzle einige Male.

Welcher Vortrag?

„Das ist nicht Ihr Ernst, Wyatt Earp.“

Gut, okay, es gibt noch etwas, was ich mehr hasse, als eine Hand, die mich aufhalten will zu reden. Wenn er jetzt noch...

Ja, er formt wirklich seine Hände zu imaginäre Pistolen und zielt auf mich. Sehr witzig.

Dekan Wilson kicherte über den bescheuerten Gag den er machte. Sollte ich ihn darauf aufmerksam machen, dass es ein mieser Witz war, der auch nach drei Jahren, in der ich schon hier arbeitete, nicht besser wurde?

Ich schnaube leise.

„Welcher Vortrag? Ich weiß nur von dem in New York und natürlich habe ich ihn vorbere...“

Wieder hebt er seine Hand in die Höhe und ich frage mich, was daran falsch sein sollte, meinem Namensgeber als Vorbild zu nehmen. Dann fällt mir aber auch ein, dass ich ein Pazifist bin.

Blöd!

Echt blöd!

„Genau diesen Vortrag meine ich. Es ist sehr wichtig, dass Sie da eine gute Figur machen.“

Ich starre ihn an.

Was zur Hölle?

„Ich gebe immer mein Bestes. Ich brilliere mit meinem Fachwissen und...“

Wieder diese verfluchte Hand.

Du bist Pazifist!

Du bist Pazifist!

Du bist Pazifist!

Ich muss mir das nur oft genug sagen.

„Das meine ich nicht. Haben Sie überhaupt den Brief gelesen, den ich in Ihnen zukommen ließ?

Ich druckse etwas herum, denn ich habe den Termin in meinem Kalender eingetragen, aber das war es schon.

„Ich halte einen verfluchten Vortrag über den keltischen Ursprung in unserem Sprachgebrauch und wie es die Sprache der Kelten die Zeit immer noch überdauert und es sogar in den romanischen Sprachen viele keltische...“

Er wagt es schon wieder und ich schwöre, ich hacke diese Hand ab, wenn sie mich noch einmal im Redefluss stoppt. Egal, ob ich ein Pazifist bin oder nicht.

Der Dekan senkt den Kopf und reibt sich die Nasenwurzel.

„Professor Anderson, Sie sollten sich wirklich angewöhnen, die Einladungen komplett zu lesen. Es wird danach noch eine Gala veranstaltet. Als krönenden Abschluss sozusagen.“

Ich runzle die Stirn.

„Eine Gala? So richtig mit Musik und Tanzen?“

Das Grinsen im Gesicht des Dekans wird immer größer, doch dann nickt er gespielt ernst.

„Oh ja. Es ist sogar Abendgarderobe vorgeschrieben.“

Ich schlucke trocken.

„Wirklich?“

Ein Anzug habe ich. Das sollte doch genügen, oder?

„Ich weiß, dass Sie ein Eigenbrötler sind, aber es wäre besser, wenn Sie sich an dem Abend dort blicken lassen. Es steht viel Geld auf dem Spiel, denn es werden dort auf dem Ball viele Leute anwesend sein, von denen ich hoffe, sie werden Gönner unserer kleinen Uni. Sie wissen, dass wir jeden Cent benötigen. Am Besten wäre es sogar, wenn Sie eine Frau an ihrer Seite haben, damit man nicht sofort bemerkt, was für ein seltsamer Kauz Sie sind.“

Ich starre den Dekan an.

„Eine Frau? Warum denn, um Himmels Willen?“

Er lächelt mich an.

„Eine Partnerin vermittelt etwas Solides. In der heutigen Zeit ist Beständigkeit ein seltenes Gut und die Leute sind gewillt, auch den kleineren Unis eine Chance zu geben, wenn sie sehen, wie familiär es bei uns zugeht. Wie gesagt, es könnten sich potentielle Gönner unter den Gästen befinden und es ist nun mal auch Ihr Job, der mit da dran hängt.“

Einen Moment stutzte ich.

Droht er mir etwa gerade?

Ich hole tief Luft.

Es ist nicht so, dass ich auf diesen Job dringend angewiesen bin, denn ich könnte mich an jeder Uni bewerben und würde eingestellt werden. Aber ich will meine Ruhe und die habe ich hier die meiste Zeit. Außerdem mochte ich keine Großstädte. Die Menschenmengen in den überfüllten Straßen machen mich wahnsinnig.

Nun, dann muss ich in den sauren Apfel beißen.

„Ich gehe auf diese Gala und werde versuchen, nicht zu komisch zu sein. Dass ich bis dahin eine Frau finde, kann ich allerdings nicht versprechen.“

Er grinst mich an.

„Nun, man kann nicht alles haben, aber es wäre schon besser. Mieten Sie sich doch eine Begleitung.“

Ich bin mir ganz sicher, dass meine Augäpfel bald aus den Augenhöhlen kullern, wenn ich sie weiter so weit aufreiße.

„Ich soll eine Frau mieten? So weit kommt es noch.“

Er dreht sich um und ließ mich einfach stehen.

„Ist nur so ein Gedanke. Würde Ihnen bestimmt guttun. In jeglicher Hinsicht.“

Nun stehe ich wie ein begossener Pudel mitten auf dem Flur und wische mir über das Gesicht.

Wieso tritt mich das Schicksal immer in den Hintern?

Warum sollte mich eine Frau begleiten?

Und vor allem: Wo soll ich jetzt eine Frau herbekommen?