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Prinz Lucan

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Zusammenfassung

Ich werde im Leben nicht gegen diesen erhabenen Vampir ankommen, was mich aber nicht davon abhält, es zu versuchen. Immer und immer wieder aufs Neue. Das bin ich: Lucan, 23 Jahre jung und ein Ackermann ohne jeglichen Wert. Auf ewig dazu verdammt, ein trostloses und langweiliges Leben in einem Bauernschaftszusammenschluss zu leben. Oder?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
104
Rating
5.0 7 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1: Ein normaler Tag, oder?

• Lucan •

Noch bevor die Sonne durch die leicht morschen Balken meiner selbstgebauten Holzbehausung scheint, die ich liebevoll „die Gammelhütte” nenne, bin ich wach und kann den neuen Tag begrüßen.

Nur habe ich dazu so absolut gar keine Lust, weil ich mal wieder richtig beschissen geschlafen habe. Mein hölzernes Bett knarzt bei jeder Bewegung, was mich immer aus meinem Halbschlaf hochschrecken lässt und das Stroh ist nach einigen Nächten immer schon platt gelegen. Und von meinem Rücken, der immer lautstark protestiert, rede ich besser nicht.

Ich schwinge meine Beine über den Rahmen des Bettes und stehe mit meinen nackten Füßen in etwas nassem und kaltem.

„Herrlich, hat es wieder reingeregnet, was für eine Scheiße”, grummle ich vor mich hin und stehe dann auf.

Das Holzbett gibt noch ein knackendes Geräusch von sich, als wolle es mich auslachen.

„Sei ruhig!“, rede ich nun schon mit meinem Bett.

Zurück ins Haus meiner Eltern, das direkt neben meinem steht, ziehe ich aber nicht. Das ist für alle Beteiligten besser so und ein gemütliches Luxus-Überbett erwartet mich dort genauso wenig. Mutter ist nicht das Problem, aber mit Vater kriege ich mich immer den ganzen Tag in die Wolle.

Und ich bin verflucht noch mal 23 Jahre alt, da wohnt man nicht mehr daheim!

Seufzend gehe ich die zwei Schritte durch mein Heim und bin schon auf der anderen Seite des Raumes. Dort entzünde ich mit einigen Versuchen des Feuersteins die kleine und einzige Kerze in meinen bescheidenen vier Wänden, in das durch das kleine Holzfenster noch kein Licht hinein scheint.

Ein Fenster reicht, alles andere sorgt für Durchzug und kann man für den harten Winter vergessen.

Dieses eine Licht reicht nun auch aus, um jede Ecke meiner schnuckeligen Gammelhütte auszuleuchten. Und für mein wunderschönes Antlitz, das nur so auf eine holde Maid wartet, reicht es auch aus. Aber wer will schon einen Mann, der nichts zu bieten hat und die Äcker bestellt?

Denn das bin ich: Lucan Ackermann.

Nicht mehr, nicht weniger. Und der Fakt, dass ich ungebildet bin, lockt keine edle Frau an. Das liest man in jedem Buch, habe ich mir sagen lassen. Selbst nachlesen kann ich nicht, denn untere Leute wie wir lernen sowas nicht.

Zurück zum Alltag.

Ich rücke auf meiner schäbigen Kommode einen kleinen Spiegel mit einem dicken Sprung und verkrusteten Seiten zurecht, in dem ich mich nun bewundern kann.

Mein schwarzes glattes Haar, welches mir gerade noch sehr unordentlich vom Kopf bis kurz über mein Hintern fällt, kämme ich erst einmal durch und beleidige dabei fluchend die Haarbürste, weil das jedes Mal ziept. Schließlich nehme ich den leicht brüchigen Lederriemen und binde mein Haar dann fest und hoch am Hinterkopf zusammen. Scheiße, ich brauche bald einen Neuen. Wenn ich nämlich meiner Arbeit nachgehe, kann ich keine Haare im Gesicht gebrauchen. Und so blicke ich aus meinen dunkelblauen Augen auf mein schmales Gesicht mit dem Bartansatz auf der unteren Kinnlinie.

Dazu noch meine tiefe und ruhige Stimme, meine Körpergröße von 1,99 Metern und der Anti-Frauen-Held ist perfekt. Dabei zeugt meine breite und muskulöse Statur von einem kräftigen und gesunden Mann, was Frauen doch gebrauchen können.

Ich mache auch Spinnen weg und bringe Mäuse zurück in den Wald, versprochen!

Dann halt im nächsten Leben, da werde ich Herrscher und kann Leute herumkommandieren, das wird es sein, ich spüre es!

Aber es hilft nichts, eine Familie steht für mich noch in den Sternen und ich öffne die Tür meiner Gammelhütte, um den frischen und ersten Morgentau des Jahres begrüßen zu dürfen. Immerhin ist heute der sechste Tag des zehnten Monats und bald kann ich wieder fast im, anstatt neben dem Ofen schlafen.

Ein lautes Poltern unterbricht meine Gedanken und ich verdrehe genervt meine Augen, denn meine Gammelhütte hat wieder mal keine Lust auf eine Haustür. Die ist nämlich müde und schläft jetzt im nassen Matsch vor meinem Haus, weil der nächtliche Regen genau vor meiner Haustür eine Pfütze hinterlassen muss.

„Echt jetzt? Stehst du mal auf?“, schimpfe ich die Tür aus, aber die hört mir nicht zu.

Seufzend hebe ich die Tür auf und lehne sie zurück an meiner Gammelhütte an, darum kümmere ich mich heute Abend.

Zeit zum Umsehen bleibt mir nicht, ich nehme nun meine Beine in die Hand und laufe schnellen Schrittes entlang des kleinen Pfades neben meiner Tür, der durch den Sommer noch mit Büschen gespickt ist.

Ich muss mal!

Der Donnerbalken gehört zum Rand des kleinen Grundstücks und ist morgens immer meine erste Anlaufstelle. Ich verstehe die Leute nicht, die früh morgens nicht erstmal entspannt das Örtchen besuchen müssen. So früh am Morgen sind Mutter und Vater immerhin nie wach, also habe ich den Balken ganz für mich alleine und bete zu Göttern, keinen morschen Splitter in den Allerwertesten zu kriegen. Nach meinem morgendlichen Geschäft schenke ich der Jauchegrube unter unserem Donnerbalken einen Blick und muss leider feststellen, dass die heute auf meiner Aufgabenliste stehen wird.

„Scheiße, wortwörtlich”, witzele ich drauf los und lasse den Balken dann Balken sein.

Seit ich mit anpacken kann, schiebt Vater die unliebsamen und echt ekeligen Aufgaben auf mich ab.

Ist ja nur der Lucan, kann man mal machen.

Ich gehe mit einem Gefühl der Erleichterung nun den kleinen Trampelpfad entlang der Büsche zurück und lasse mein Blick nun mit dem Sonnenaufgang über das Grundstück von meinen Eltern und mir schweifen.

Es ist das kleinste Grundstück der Gegend, auf dem das Haus von Vater und Mutter und auch meines steht. Natürlich ist es eingezäunt, um unerwünschte Tiere fern zu halten. Neben unseren Hütten befinden sich kleine Felder für den Heimgarten, in dem wir saisonale Lebensmittel anbauen und uns teilen. Und bei der dreifach so großen Hütte meiner Eltern ist noch ein befestigter Unterstand angebaut, in dem unsere drei Hühner und die Kuh leben.

Die Eier der Hühner sind fast ein Selbstläufer, die Kuh müssen wir aber immer besteigen lassen und dann verkaufen wir nach einiger Zeit das Kalb, so haben wir aber immer frische Milch.

Und ratet mal, wer die Tiere und den Heimgarten versorgen darf ...

Richtig: Ist ja nur Lucan.

Einen Moment bewundere ich aber wieder einmal den wunderschönen und sehr friedvollen Anblick der ersten Sonnenstrahlen, die das Holz, die Gräser, die Pflanzen, die Wege und einfach alles in ein lebendiges Gold taucht.

Momente wie dieser hier geben mir den Mut weiter zu machen, denn das Leben kann wahrlich schön sein.

„Jetzt starr nicht so blöd und kümmere dich um das Feld! Und bring dann die Eier zum Dorfplatz, wir brauchen Taler für neue Kleider!“, ertönt das Gemeckere von Vater, der seinen Kopf aus dem Fenster der kleinen Kochecke steckt.

„Marlon, sei doch mal netter mit Lucan, immerhin übernimmt er viele deiner Arbeiten”, mischt Mutter sich kleinlaut ein, die mit einem entschuldigenden Lächeln an ihm vorbei zu mir herüber sieht.

„Ich bitte dich, Rosalie. Ich habe dem Jung seinerzeit den Arsch abgewischt und ihm gelehrt, wie man überlebt. Er ist es uns schuldig, so wie es jedes Kind für seine Eltern ist!“, betont Vater strikt.

Das kurze schwarze Haar mit ersten grauen Ansätzen leuchtet nun durch den aufgehenden Sonnenschein auf. Er hat braune Augen, einen schlaksigen Körperbau und ist so groß, dass er sich bei der Tür ducken muss, um hinunter durchzugehen. So wie ich.

Mutter hat hellbraunes und schulterlanges Haar, was sie oft in einen einfachen Zopf flechtet, aus dem gen Abend immer und immer mehr Strähnen hinaus hängen. Von ihr habe ich das schmale Gesicht und die dunkelblauen Augen. Ihre Figur ist ziemlich üppig, was man bei den Teils mageren Essenrationen nicht verstehen mag.

„Ich kümmere mich darum, Vater. Geh einfach rein und beachte mich nicht weiter”, sage ich kleinlaut und hoffe, er belässt es dabei.

Kurz schnaubt er, dann lässt er endlich ab und ich tue nun, was mir aufgetragen wurde. Ich falle förmlich über die Hühner her und wühle mich dann so durch den Garten, um zu sehen, was zum Verkauf übrig bleibt.

Mit einem Korb mit fünf Eiern, zwei Salatköpfen, sieben Kartoffeln und einer Lauchzwiebel bewaffnet verlasse ich über unseren Eingang dann das Grundstück und trete hinaus auf den kleinen Trampelpfad, der mich auf die große Dorfstraße führt.

Meine Familie ist hier Teil des Bauernschaftszusammenschlusses der Familie Rauriss, die seit mehreren Generationen diese Ecke hier an der Flussmündung des Flusses Livola im Griff hat. Das Land um uns herum hat durch die stetige Feuchtigkeit wirklich saftig grüne Wiesen und lebhafte Wälder, in denen ich als kleiner Lucan gerne herumgetollt habe. Wenn der Wind gut steht, peitscht er die schnatternden Geräusche der Möwen von der See über unsere Bauernhöfe.

Da meine Eltern ganz unten in der Rangfolge stehen, haben wir das abgelegene und kleine Grundstück ganz am Rand des Dorfs. Ansonsten hat so ein Bauernschaftszusammenschluss schon seine Vorteile: Jede Familie hat seine festen Aufgaben und in der Not ist man füreinander da. Auch, wenn man in der Kette ganz unten steht.

Meine Mutter kümmert sich daheim um Haus und Hof, früher war sie immer für mich da und hat mir meine Lieblingssuppe aus Kartoffeln und Möhren gekocht. Das macht sie heutzutage auch noch, aber die Zutaten muss ich vorher züchten und mitbringen. Und mein Vater ist der Stallbursche der Familie Rauriss, er mistet täglich deren Stall aus und versorgt die Pferde.

Als Gemeinschaftsaufgabe fällt uns noch ein großer Teil des Ackers um das Dorf drum herum zu, darum wird meine Familie Ackermann genannt. Und weil mein Vater die ersten Gebrechen des Alters und der harten Arbeit zeigt, bleibt alles an mir hängen.

Seufzend nehme ich nun den breiten Weg zum Dorfzentrum, denn dort hat die Familie Rauriss ihr großes Bauernhaus und direkt davor tummeln sich kleinere Häuser und der tüchtige Marktplatz.

Es hilft ja alles nichts, auch ich brauche neue warme Kleidung und muss die Taler dafür erstehen.

• Vittorius •

Außerhalb der Dörfer, vor allem weil dann kein Mensch hinsieht, liebe ich es, mit meinem nicht mehr so lebendig aussehendem Skelettpferd durch die Gegend zu reiten.

Und das betone ich so, weil ich kein Mensch bin und auch das Pferd optisch am Ende seines Lebens ist. Oder schon lange über das Ende hinaus.

Ich bin das, worüber die Menschen teils schaurige und teils unterhaltsame Märchen erzählen: Ein Vampir.

Und mein Skelettpferd, bestehend aus einem Satz anatomisch korrekt zusammengestellter Knochen, ohne Haut und mit blass grünem Leuchten, ist das Produkt meiner Totenbeschwörermagie, die der Vampirismus mit sich bringt.

Zumindest ist das seit einiger Zeit so, ein wirklicher Profi bin ich im Dasein eines Vampirs nicht wirklich. Ich habe nie einen Menschen zu dem machen können, was ich bin und auch sonst ranken sich viele Geheimnisse um das Drumherum.

Und jeder, mit dem ich mal darüber geredet und philosophiert habe, ist schon längst am Alter gestorben.

Noch so ein Fakt: Am Alter sterben kann ich nicht und ob ich auf andere Weise sterben kann, habe ich nicht ausprobiert. Da ich aber schon in bitterkalten Wintern sehr stark gefroren habe und mir beim Sturz vom Skelettpferd den Oberschenkelknochen gebrochen habe, gehe ich davon aus, dass es natürlich Wehwehchen gibt, an denen auch ein Vampir stirbt. Nun und wenn ich mich ins Feuer schmeiße, verbrenne ich ganz bestimmt.

„Langsamer, mein treuer Herr Knochen”, sage ich schmunzelnd.

Ich habe es nie einem meiner Freunde verraten, weil ich das sehr kindisch finde, aber mein Skelettpferd braucht, wie ein normales Pferd auch, einen Namen. Und wenn Leute ihre Pferde „Freund Apfelmacher” nennen dürfen, darf ich meins „Herr Knochen” nennen!

Das Skelettpferd gehorch aber so oder so meinem Willen, weil es keinen eigenen mehr hat. Es ist schließlich ja nicht mehr Teil der Lebenden, so wie ich das streng genommen auch nicht mehr sein sollte.

Langsam führe ich das Skelettpferd an einen Fluss, der mich schon seit einigen Ecken begleitet. Ich entlasse Herr Knochen nun in seiner schwarzen Rauchwolke wieder zurück in seine Abgründe und knie mich an das Ufer des Flusses.

„Du brauchst mal wieder einen Freund, Vittorius”, spreche ich meinem Spiegelbild schmunzelnd zu.

Leider halten Freunde nicht so lange.

Das Lächeln auf meinem markanten Gesicht mit den spitzen Reißzähnen verflüchtigt sich und ich schaue mit meinen tiefroten Augen auf ein trauriges Antlitz, das von schwarzen, langen und leicht gewellten Haaren bis zur Hüfte umrahmt ist. Taler spielen bei dem Mann, den ich da sehe, keine Rolle mehr, denn er trägt feinen, schwarzen Stoff und er besitzt sogar ein eigenes Anwesen in Lilienhain. Nur bringt ihm das nichts, wenn er alles für sich alleine hat und niemand da ist, mit dem er darüber ein Lächeln austauschen kann.

So zu leben ist einsam.

Sehr, sehr einsam.

Ob es mal eine Zeit geben wird, in der ich unsterbliche Freunde habe und nicht mehr einsam bin?

Kapitel
1. Kapitel 1: Ein normaler Tag, oder?
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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Toller Charakter

Starker Dialog

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Starker Dialog

author

geil eine neue Geschichte und Lucan hat mein Namen,Ackermann 🤣🤩

2 Jahre
1
author

Lucan 😻🥰😻

ein Jahr
1

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