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Nachtfahrten

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Zusammenfassung

Marla ist 36. Ein bisschen zu leise für eine laute Welt. Kein Hingucker, sie ist da und das wars. Unauffällig. Vergessen. Fast durchsichtig. Sie arbeitet an einer Tankstelle am Rand der Stadt - bis ihr Chef ihre Schichten kürzt. Der Neffe braucht den Job dringender, heißt es. Zuhause: Stille. Und ihr alter Polo, so unauffällig wie sie selbst. Dann wäre da noch Laurenz - Arzt, Fußballtrainer, Familienvater. Instagram-Vorzeigemann mit Dauerlächeln und einem Alkoholproblem. Seit Jahren ihre Affäre. Halbgare Treffen, betrunken, zwischen Tür und Schweigen. Entscheiden konnte er sich nie. Marla hat gelernt, sich zu fügen. Bis er auftaucht. Der Fremde. Maßgeschneidert, schweigsam, kontrolliert. Ein Espresso mit Schuss. Ein Umschlag mit Geld. Und ein Angebot: Fahrten bei Nacht. Keine Fragen. Kein Lärm. Er hat sie nicht zufällig gewählt - sie passt perfekt ins Bild. Ihre Haltung. Ihre Stille. Ihr Auto. Und während sie ihn Nacht für Nacht durch die Stadt fährt, verschwimmen langsam die Grenzen. Zwischen richtig und falsch. Zwischen dem, was war, und dem, was nie hätte sein dürfen. Ein düsterer Roman über eine Frau, die niemand sieht - und einen Fremden, der alles in Bewegung setzt.

Status:
vor 2 Monaten
Kapitel:
29
Rating
4.5 (6 Bewertungen)
Altersfreigabe
18+

Prolog


Ein Spätsommerabend, irgendwo im Wald

„Siehst du das hier?”

Seine Stimme war ruhig. Tief. So ruhig wie der See hinter ihnen.

wie das zufriedene Schnurren eines alten Katers.

Er hielt eine schwarze Pistole in der Hand. Nicht wie etwas Bedrohliches – mehr wie ein Werkzeug. Ein Hammer.

„Das ist unser Spiel für heute Abend.”

Das Mädchen. pummelig, fünf Jahre alt, mit zotteligen Zöpfen und schmutzigen Fingern, saß im Schneidersitz auf einem ausgefransten Tarnnetz. Ihre Patschehändchen ruhten im Schoß, verklebt vom Harz, das an einem alten Kiefernast klebte, den sie zuvor als Zauberstab benutzt hatte. Ein Blatt hing noch in ihrem Haar.

Sie bemerkte es nicht.

Sie war zu sehr damit beschäftigt, ihren Vater anzustarren.

Mit großen, glänzenden Augen sah sie zu ihm auf.

Voller Bewunderung. Voller Liebe.

Für sie war er alles: Abenteurer. König. Fels in der Brandung.

Er saß im Halbdunkel, das Gesicht kantig, die dunklen Augen wach. In seinem Bart glänzte das Licht des Feuers, das leise zwischen ihnen knisterte.

Er legte die Pistole vorsichtig auf das Netz vor ihr.

„Fass sie ruhig an. Aber so, wie du einen Igel anfassen würdest. Mit Respekt.”

Sie nickte und hob die Waffe mit beiden Händen an – langsam, wie bei einem geheimen Zaubertrick. Ihre Augen funkelten. Sie verstand nicht, was sie da hielt.

Aber sie wusste, es war wichtig. Weil er es sagte.

⸻

Am Nachmittag hatten sie „Sport gemacht”.

So nannte er das.

Nicht „Training”. Nicht „Übung”. Es war ein Spiel. Immer ein Spiel. Ihr Spiel.

Zuerst liefen sie durch den Wald – leise, auf Zehenspitzen, wie Rehe. Dann rollten sie sich durch das Gras, warfen sich bäuchlings ins Laub, sprangen auf einen umgestürzten Baumstamm, hielten das Gleichgewicht.

Er zeigte ihr, wie man fällt, ohne sich weh zu tun. Wie man in Deckung geht. Wie man spürt, ob jemand hinter einem steht.

Dann der Ball – er warf ihn über ihre Schulter, sie musste ihn fangen, ohne hinzusehen.

Zwischendurch versteckte er ihren zerschlissenen Stofffuchs. Einäugig, schlappohrig, mutig.

Sie musste ihn finden.

Sie nannte es: „Mission Supergeheim.”

Er nannte es gar nicht.

Später lagen sie schweigend im Moos und sahen dem Licht dabei zu, wie es durch die Blätter wanderte. Es roch nach Erde und Rinde.

Das war ihr Lieblingsmoment.

Die Stille.

Die Sicherheit.

Er neben ihr.

⸻

Und morgen war Sonntag. Der letzte Tag.

Das bedeutete: Versteckspiel.

Da verschwand Papa irgendwann morgens. Ohne Vorwarnung. Und sie musste ihn finden.

Nicht rufen. Nicht jammern.

Lauschen. Beobachten. Spüren. Denken.

Sie liebte es.

⸻

Jetzt saßen sie wieder am Feuer.

Er zeigte ihr, wie man die Pistole zerlegt.

Mit ruhigen Händen. Schritt für Schritt.

Andere Kinder fürchteten sich im Dunkeln.

Sie nicht.

Für sie war Dunkelheit wie eine große, dicke, schwarze Geborgenheit.

Eine Höhle, die sie schützte.

Ein Bauch, in dem man atmen konnte.

Je dunkler es wurde, desto wohler fühlte sie sich.

Klick – das Magazin löste sich.

Klick – der Schlitten glitt zurück.

Feder, Lauf, Griffstück – alles nebeneinander auf dem Tarnnetz.

Einzelteile. Doch zusammen war es eine Geschichte.

„Das ist der Schlitten. Der macht die Bewegung.”

„Der Lauf – da fliegt die Kugel durch.”

„Die Feder. Die darfst du nie verlieren.”

„Und das hier... ist das Herz der Sache.”

Sie hörte jedes Wort wie einen Zauberspruch.

Nahm die Teile in ihre kleinen Hände, bestaunte sie, als wären sie Edelsteine.

Er beobachtete sie dabei. Ernst. Stolz.

Dann sagte er etwas, das sich in ihr festbrannte – nicht im Kopf, sondern irgendwo tiefer.

„Wenn du dich fürchtest... atme. Leise. Langsam. So leise, dass dich selbst der Wald nicht hört.”

Sie baute die Waffe mit ihm zusammen. Stück für Stück.

Ihre kleinen Finger zitterten ein bisschen – nicht vor Angst, sondern vor Aufregung.

Er half ihr nicht. Gab nur leise Hinweise.

Und als das letzte Teil einrastete und sie das Metall in ihrer Hand spürte, lächelte sie.

Er nickte. Einmal. Langsam.

Dann nahm er den Feuerhaken.

Stieß sanft in die Glut.

Und blies das Feuer aus.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

2

Toller Charakter

Starker Dialog

1

Starker Dialog

author

fängt süß an wer hätte nicht gern so einen Vater gehabt 🥰

2 Jahre
1
author

hab's noch nicht gelesen, aber die Zusammenfassung ist unheimlich packend!

2 Jahre
1
author

ich habe mir bisher nur das erste Kapitel des Hörbuches reingezogen und liebe es! Gerne weiter so

2 Monate
1

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