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Looping Misery

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Zusammenfassung

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Status:
vor einem Jahr
Kapitel:
1
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Altersfreigabe
18+

• I • | Das Gesetz des Stärkeren

Ein Mann kauerte an einem der Tische im Gemeinschaftsraum, umgeben von Dutzenden anderer Gestalten. Die Luft war schwer von wütendem Grollen, rauem Atmen und gelegentlichem Gebrüll – ein Klang, der an das Knurren eines überfüllten Raubtierkäfigs erinnerte.

Jedes laute Geräusch ließ ihn zusammenzucken. Immer wieder flackerte sein Blick gehetzt durch den Raum – über seine Schulter, in die Gesichter der anderen. Er fühlte sich beobachtet, gejagt.


Und das zu Recht.


Selbst hier, unter Mördern und Verbrechern, war er das unterste Glied der Nahrungskette – eine Zielscheibe für all jene, die sich an den Schwachen abreagieren wollten. Oder an jenen, die es verdient hatten.

„Das ist er …“, murmelte eine Stimme aus einer dunklen Ecke.

Ein Mann mit gelblich glühenden Augen und einer tiefen Narbe, die sich quer über seine linke Gesichtshälfte zog, folgte dem Blick seines Gesprächspartners. Seine Miene blieb reglos – nur seine Brauen hoben sich leicht, bevor ein kehliges, tiefes Lachen seine Lippen verließ.

„Ziemlich mickrig, wenn du mich fragst …“

Gemächlich richtete er sich auf. Ein leises Knacken begleitete die Bewegung seiner Schultern. Mit einem kurzen Zungenschnalzen strich er sich eine verirrte schwarze Strähne aus der Stirn. Dann streckte er die Hand aus.

„Her damit.“

Ein anderer Insasse – offenbar Teil seines Gefolges – reichte ihm ohne Zögern eine schwere, stumpfe Metallstange. Er wog sie prüfend in der Hand, der Blick glitt kurz zur Wand, wo ein Wachmann stand. Für einen Moment hielten sich ihre Blicke.

Dann nickte der Wärter fast unmerklich – und sah demonstrativ zur Seite.


Die Erlaubnis war erteilt.


Ein teuflisches Grinsen zog sich über die rissigen Lippen des Narbengesichtigen, während er sich dem Tisch näherte.

Sein Ziel bemerkte ihn erst in letzter Sekunde – spürte die bedrohliche Präsenz im Rücken und fuhr erschrocken herum.


Doch es war zu spät.


Mit brutaler Wucht sauste die Eisenstange herab. Ein dumpfer, schmetternder Aufprall. Der Aufschrei erstickte in einem hässlichen Knacken. Der Stuhl kippte, der Mann wurde zu Boden geschleudert – das Gesicht blutüberströmt.

Stille senkte sich über den Raum. Eine unnatürliche, schwere Pause.

Der Narbige betrachtete sein Opfer regungslos, dann verzog sich seine Miene zu einem schiefen Grinsen.

Als das gequälte Wimmern des Verletzten die Luft füllte, breitete er die Arme aus und brüllte mit voller Stimme:

„VOGELFREI!“

Wie entfesselt brach Jubel los. Johlen, Grölen, klirrende Stühle. Ein Blutrausch lag in der Luft. Der am Boden liegende Mann blinzelte benommen durch blutige Wimpern, der Brustkorb hob und senkte sich in panischen Stößen.

Schatten bewegten sich auf ihn zu.

„Lasst ihn am Leben …“, befahl der Narbige nun mit eisiger Stimme. In seinen Augen glomm kalte Genugtuung, während er dem Schauspiel zusah.

„Dieser Bastard hat ein Kind auf dem Gewissen.“




Die Luft vibrierte förmlich vor Gewalt.

Fäuste donnerten auf Fleisch, Stiefel krachten gegen Rippen, der Boden bebte unter dem dumpfen Nachhall jedes Treffers. Die Menge tobte, berauscht vom vorherigen Schauspiel – doch niemand wagte es, dem Mann mit der Narbe zu widersprechen.

Er stand nur da. Die Metallstange locker in der Hand, ein kaltes Lächeln auf den Lippen, die Augen voller dunkler Belustigung.

Er war der König dieses Käfigs. Die unausgesprochene Regel lautete:


Wer sich ihm widersetzte, fiel.

Und wer fiel, blieb liegen.


Der Mann am Boden versuchte, sich zu schützen, kauerte sich zusammen wie ein geschlagenes Tier – doch es half nichts. Ein Tritt traf seine Schläfe, ließ ihn zusammenzucken. Blut spritzte auf den abgenutzten Beton. Sein Wimmern ging in einem gequälten Röcheln unter.

Dann – eine Bewegung.

Der Narbige hob die Hand.

Kein Befehl, kein Wort. Nur eine einfache Geste.

Sofort erstarrten die Angreifer. Ihre Fäuste blieben in der Luft hängen, keuchende Atemzüge hallten nach. Niemand wagte es, sich zu rühren. Langsam trat der Narbige näher, bis er direkt über dem blutüberströmten Mann stand.

„Sieh dich an …“ Seine Stimme war ruhig. Fast sanft. Und gerade das machte sie so bedrohlich.

Er hockte sich hin, legte die Metallstange lässig auf die Schulter.

„Eben dachtest du noch, du kannst hier einfach existieren. Aber so läuft das nicht, Freundchen.“

Der Mann am Boden konnte nicht antworten. Sein Gesicht war geschwollen, der Körper kaum noch mehr als ein zuckender Haufen Schmerz. Er rang nach Luft – röchelnd, rasselnd, lebendig, aber kaum.

Der Narbige betrachtete ihn lange, dann schüttelte er langsam den Kopf.

„Ihr kleinen Ratten … ihr lernt es nie.“

Mit einem plötzlichen Stoß drückte er die stumpfe Spitze der Metallstange gegen den zitternden Brustkorb. Gerade so viel Druck, dass der Mann aufkeuchte.

Dann neigte er den Kopf, die Stimme nun ein Flüstern, rau wie Schmirgelpapier:

„Sag mir … bettelst du jetzt um dein Leben?“

Keine Antwort. Nur ein kehliges Stöhnen und ein Blick voller Angst und Panik.

Ein Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Narbigen aus.

„Ja...das ist das Schöne an Angst. Irgendwann nimmt sie dir selbst die Stimme.“

Er richtete sich auf, warf die Stange achtlos zur Seite. Sie schlug klirrend auf den Boden. Dann drehte er sich um, wandte dem Verwundeten den Rücken zu.

„Bringt ihn zurück in seine Zelle“, befahl er ruhig. „Und sorgt dafür, dass er noch atmet. Ich bin noch nicht fertig mit ihm.“

Ein paar Männer traten vor, packten den blutigen Körper und schleiften ihn fort. Die Menge löste sich langsam auf. Das Schauspiel war vorbei.

Der Narbige blieb zurück, rieb sich nachdenklich über das Kinn.

Dieser Bastard hatte ein Kind auf dem Gewissen. Das machte ihn wertlos.

Aber wertlos war nicht dasselbe wie nutzlos.

Vielleicht ließ er ihn am Leben – zumindest, bis er wusste, wofür er noch zu gebrauchen war.

Mit einem zufriedenen Schnauben ließ er sich zurück auf seinen Platz sinken.

Die Nacht war noch jung.

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