ALPHA XYRO - Alles oder nichts

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Zusammenfassung

Xyro. Einer der Urväter der Werwölfe. Ein Krieger, dem einst ein ganzes Rudel folgte – bis eine einzige Entscheidung alles zerstörte. Liora, die Wölfin, die ihn liebte, wählte nicht ihn, sondern den von der Mondgöttin bestimmten Gefährten. Ihr Verrat brannte sich in sein Fleisch, ihr Name in sein Blut. Seitdem gehen River Hill und Xyro im selben Fluch unter: Feuer, Tod und ein Wolf, der nichts mehr zu verlieren hat. Doch es gibt Dinge, vor denen selbst ein Urvater nicht davonlaufen kann: Prophezeiungen. Schuld. Und die Frage, ob Erlösung für Monster überhaupt vorgesehen ist. Zwischen Blut und Verrat, brennenden Städten und verschwundenen Erben, wächst ein leiser Funken Hoffnung – einer, den Xyro nicht haben will und doch nicht töten kann. Denn ein wütender Wolf ist gefährlich. Aber ein Wolf, der plötzlich wieder etwas zu verlieren hat, ist tödlich.

Genre:
Romance
Autor:
Nisa Flores
Status:
In Arbeit
Kapitel:
27
Rating
4.3 3 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1 - Intro

XYRO

Man nennt mich böse.

Man nennt mich ein Monster.

Vielleicht bin ich das tief im Inneren.

Vielleicht bin ich ein Monster, geschaffen, um zu zerstören.

Und vielleicht … habe ich sogar Spaß daran.

Natürlich habe ich Spaß daran.

Andersherum wäre es langweilig. Und was liebt ein Jäger mehr, als die eigene Beute zu wittern, sie zu jagen, ihren Herzschlag im Dunkeln zu hören Und nach ihr zu greifen, sie zu begehren … bis nichts mehr von ihr übrig ist.

Der Wind schneidet durch die verbrannten Bäume von River Hill. Der Himmel ist schwer und blutig gefärbt vom Schein der Feuer, die weiter unten im Tal lodern. Der Rauch beißt mir in die Kehle, aber ich genieße ihn. Der Geruch von Asche erinnert mich daran, was sie getan hat. Sie hat meine Welt in Feuer gelegt und dafür gesorgt, dass nichts mehr so werden kann wie es einmal war.

Liora steht vor mir.

Blass und zitternd.

Ihr einst goldenes Haar klebt an der Stirn, vermischt mit Ruß und Blut. In ihren Augen liegt keine Furcht mehr… nur dieses stille und müde Aufgeben.

„Und was gedenkst du nun zu tun?“ Ihre Stimme bricht, „mich umzubringen?“

„Vielleicht.“

Ein Hauch von Spott zieht über meine Lippen. Ich sehe, wie sie den Blick senkt, als könne sie darin einen Rest Mensch in mir finden. Doch dieser Mensch ist längst tot.

„Dann tu es“, sagt sie, tonlos. „Und erlöse mich von diesem Elend.“

Ich lache leise. „Du verlangst Erlösung, nachdem du Hochverrat begangen hast? Weißt du überhaupt, was du von mir verlangst, Liora? Du …“

Ich breche ab.

Diese Worte will ich nicht aussprechen. Nicht das, was ich einmal für sie empfunden habe. Nicht, was sie zerstört hat und doch brennt es mir auf der Zunge.

„Zu welchem Preis, Xyro?“ Sie hebt den Kopf, und in ihrer Stimme schwingt Verzweiflung, aber auch Trotz mit. „Wir sind nicht füreinander bestimmt. Du kannst nicht etwas erzwingen, was niemals für uns bestimmt war.“

Ich gehe einen Schritt auf sie zu, während das Licht der Flammen über meine Haut tanzt.

„Nicht bestimmt?“ Meine Stimme bebt, rau vor Zorn. „Du hast es für klüger gehalten, mich Kai auszuliefern. Was dachtest du, Liora? Dass ich so dumm bin und gemütlich in deine Falle laufe? Hattest du gehofft, mich wieder tot aufzufinden und mit der Sache davonzukommen? Mit Kai ein schönes Leben zu verbringen ohne eine Abrechnung was du getan hast?“

„Ich…“

Ich packe sie und presse ihr den Mund zu, ehe sie ein weiteres Wort hervorbringen kann. Meine Hand zittert. Nicht vor Schwäche, sondern vor der Gewalt, die in mir pulsiert. All die Wut, die ich jahrelang in Ketten gelegt habe, bricht nun hervor.

Mein Blut kocht. Mein Atem wird schwer. Der Wolf in mir erwacht. Er erwacht und will alles zerstören.

„Bestimmung hin oder her“, zische ich, „ich hab dich verdammt noch mal geliebt!“

Ihre Augen weiten sich, als sich mein Blick verfärbt – Gold, gleißend und kalt. Das Biest in mir drängt nach außen, es reißt an mir und flüstert in meinem Kopf ich solle sie bestrafen. Ihr das Leben nehmen und Kai alles nehmen, wovon er dachte gewonnen zu haben.

„Auf alle Prophezeiungen“, stoße ich hervor, „alles war mir egal. Was für mich zählte, warst du. Nur du. Und jetzt?“ Ich neige mich näher zu ihr und rieche den metallischen Hauch ihres Blutes. „Jetzt darfst du sterben, Liora. In dem Wissen, dass ich River Hill zu jeder Zeit, in jedem Monat, Jahrzehnt und Jahrtausend immer und immer wieder zu Asche brennen werde.“

Ich spüre, wie meine Hände ihren Hals umschließen, heiß, fest, unnachgiebig.

„Und ich werde nicht aufhören, bis sich mir ein Stärkerer widersetzt.Jedes Opfer, das durch meine Hand sterben wird… dessen Seele wirst du auf dein Gewissen haben.“

Sie ringt nach Luft und ihre Finger klammern sich an meine Handgelenke. Tränen vermischen sich mit dem Schmutz auf ihren Wangen.

„Du… du wirst das bereuen, Xyro…“

„Bereuen?“ Ein dunkles Lächeln zuckt über meine Lippen. „Ich denke, du bist die Einzige hier, die irgendetwas bereut. Sieh dich um, Liora – diese Stadt ist Schutt und Asche, nur deinetwegen. Du warst der Auslöser, der Funke, der alles entzündet hat.“

Ich neige mich näher zu ihr, bis mein Atem ihre Haut streift. „Der zweiundzwanzigste Juli wird jedes Jahr von mir heimgesucht werden. Jedes einzelne Jahr werde ich zurückkehren, und jedes Jahr werden deine Kinder, deine Erben, all die Nachfahren dieser Seuche verschwinden – bis kein Schatten mehr von deinem Verrat übrig ist.“

Langsam löse ich meine Hände von ihrem Hals. Sie keucht und tastet nach Luft, noch bevor ihre Finger überhaupt wieder Kraft finden. Ich greife nach dem Dolch, den ich in meiner Tasche trage. Ihre Augen folgen jeder Bewegung, als sie begreift, was ich vorhabe.

Ohne zu zögern setze ich die Klinge an meiner Brust an und ziehe sie von oben nach unten. Die Wunde öffnet sich, während warmes Blut heraussickert. Der Schmerz schießt durch meinen Körper, doch ich halte stand. Erst als mein Herz hämmert, setze ich den Dolch erneut an – direkt über dem pochenden Zentrum meines Lebens – und ramme ihn hinein.

„Xyro, nicht… tu es nicht! Bitte, Xyro, hab Erbarmen!“ Ihre Stimme bricht, überschlägt sich, voller Panik, die sie zu spät zulässt.

Der Schmerz lässt meine Knie fast nachgeben, während mein Wolf verzweifelt gegen die Verletzung anheilt, versucht, das Unheil aufzuhalten, das ich bewusst heraufbeschworen habe.

„Wir sehen uns in der Hölle, Liora…“ keuche ich und ziehe den Dolch langsam aus meiner Brust. Blut rinnt über den Stahl und tropft von meinen Fingern. Es durchtränkt mein Hemd, bis es schwer an meiner Haut klebt. Ich drehe die Klinge, halte ihren Blick einen letzten Moment fest – und ramme ihr den Dolch in die Brust.

„Xy…ro…“ Ihr flüsternder Laut ist kaum mehr als ein zittriger Atemzug. Kein Widerstand. Kein Trotz. Nur dieses leise, entsetzliche Begreifen, das zu spät kommt.

Nicht die Klinge tut weh.

Nicht einmal der Schmerz meiner eigenen Wunde.

Was brennt, ist die Wahrheit: dass sie nie für mich bestimmt war.

Dass eine Urväterin durch mein Blut stirbt – durch mein Blut, das sie hätte schützen müssen, wenn sie mein Schicksal gewesen wäre.

Aber sie war es nicht.

Sie war es nie.

Sie stirbt, weil keine Zugehörigkeit sie bindet. Kein Segen der Mondgöttin.

Nur Verrat.

Und genau in diesem Augenblick nimmt sie mir alles.

Alles, was ich hätte sein können. Alles, was wir hätten sein können.

Ich senke sie zu Boden, langsam… beinahe ehrfürchtig – nicht aus Liebe, sondern aus dem bitteren Respekt vor dem Schmerz, den sie mir zugefügt hat.

Für einen Atemzug ruht sie in meinen Armen und ich betrachte ihr Gesicht.

Ihre Augen verlieren das Licht.

Sekunden. Mehr braucht der Tod nicht, um seinen Anspruch geltend zu machen.

Dort, wo einst Feuer brannte, ist nun Leere. Ein dunkler, endloser Abgrund.

Kein Leben.

Nur Stille.

Was von ihr bleibt, ist ein Körper, der nichts mehr will, nichts mehr fordert und nicht mehr lügt.

Und doch erscheint ihr Geist vor mir – als blasse Gestalt, halb Schmerz, halb Erinnerung. Er hebt den Kopf, als könne er mich ein letztes Mal berühren.

Ihre Augen, nun klarer als je zuvor, bohren sich in meine.

Schmerz.

Leid.

Reue.

„Es tut mir leid …“, formen ihre Lippen lautlos, ein Hauch und ein letzter Rest dessen, was uns verband.

Und dann zerfällt sie. Sie zerbricht in silbrigen Nebel, der vom Wind fortgerissen wird, als hätte es sie nie gegeben.

Doch die Welt hat keine Gnade mit uns.

Noch während ihr Geist verglimmt, erhebt sich ein Klang, der durch Mark und Knochen fährt: Ein Heulen. Tief. Uralt.

Zuerst einer und dann viele die sich dem Heulen anschliessen.

Das Heulen ihrer Nachkommen und ihrer Linie.

Ihrer Loyalität, die nun zu meinen Feinden wird.

Doch nichts ist lauter als das Knurren eines Wolfes, der seine Gefährtin verloren hat.

Das Knurren eines Wolfes, der einst an meiner Seite kämpfte, mit mir jagte und mit mir triumphierte.

Ein alter Freund und nun ein Feind.

Ein Schatten aus meiner Vergangenheit, der nun Anspruch auf meine Zukunft erhebt.

Und ich weiß: Das Spiel, das uns beide zerstören wird, hat erst jetzt begonnen.