Wrecked by You | Red Lodge Hearts – Band 2

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Zusammenfassung

Er wollte nie mehr als eine Affäre. Sie ist nicht hier, um etwas Ernstes anzufangen. Warum also können sie nicht voneinander lassen? Jake Tanner lebt für mühelosen Charme und Spaß ohne Verpflichtungen. Er ist der Typ, der sich aus jedem Strafzettel herausredet, ein Date ergattert und seine eigenen Gefühle gekonnt ignoriert. Doch als Avery Dalton in die Stadt kommt – entschlossen, wunderschön und absolut nicht an Romantik interessiert –, merkt er, dass er plötzlich etwas jagt, bei dem er mit Sprüchen nicht weiterkommt. Nach einer schlimmen Trennung will Avery nur eines: ihre Ruhe. Sie hat ein neues Geschäft aufzubauen, Mauern wieder hochzuziehen und null Geduld für einen Flirt aus der Kleinstadt mit einem mörderischen Lächeln. Aber Jake ist nicht nur Ärger – er ist hartnäckiger Ärger. Und je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr erkennt sie den Mann hinter der coolen Fassade. Als ihre „lockere“ Geschichte kompliziert wird, müssen sie entscheiden, ob das Risiko es wert ist, die Regeln zu brechen, nach denen sie beide bisher gelebt haben.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
25
Rating
5.0 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Jake Tanner

Das Leben in Red Lodge ist verdammt langweilig.

Und zwar so langweilig, dass es einem die Seele raubt und die Eier schrumpfen lässt.

Da haben wir Ms. Dottie und Ms. Beatrice, die sich in der Bäckerei darüber in die Haare kriegen, wer zu viel von der verdammten Muskatnuss benutzt hat. Der Bürgermeister veranstaltet ein „Muffin & Mindfulness“-Event im Rathaus, als würde das die Schlaglöcher auf der Main Street kitten. Und dann ist da noch der Kamm – wunderschön, klar, wenn man darauf steht, so lange auf Felsen und Schnee zu starren, bis man an seiner eigenen Existenz zweifelt.

Manchmal schwöre ich, der größte Nervenkitzel in dieser Stadt besteht darin, zu erraten, welcher alte Mann beim Pokerabend am lautesten furzt.

Die einzige echte Unterhaltung?

Hin und wieder verirrt sich ein heißes Touristenmädchen in die Stadt, mit einem Snow-Bunny-Lächeln, Yogahosen und absolut keinen verdammten Schimmer, wie kalt es in Montana im Dezember wird. Gott segne sie. Sie tauchen hier auf und denken, das wäre ein Hallmark-Film. Und ich habe den Flanell, die Marke und das Grinsen, um es ihnen genau dazu zu machen – zumindest für eine Nacht.

Ja, ich weiß, wer ich bin.

Ich flirte. Ich zwinkere. Ich spendiere einen Latte. Und ich rufe vielleicht nicht zurück.

Nicht, weil ich ein Arschloch bin (na ja – vielleicht ein bisschen), sondern weil niemand bleibt. Touristen ziehen weiter. Sommerflirts schmelzen dahin. Und die Frauen, die wirklich bleiben? Die kennen mich schon zu gut, um auf meine Masche reinzufallen.

Jake Tanner: charmant wie Sau, emotional nicht verfügbar und verdammt stolz drauf.

Denn seien wir mal ehrlich – Verbindlichkeiten? Gefühle? Jemandem einfach nur so schreiben?

Nicht mein Ding.

Ich patrouilliere durch die Stadt. Ich zeige meine Marke. Ich rede schnell, grinse noch schneller und stelle sicher, dass niemand dumm genug ist, echten Ärger zu machen.

Und in letzter Zeit?

Da herrscht tote Hose.

Sogar die Säufer bei Rudy’s sind jetzt höflich. Ein Typ hat sich sogar dafür entschuldigt, letzten Freitag in die Gasse gekotzt zu haben. Entschuldigt. Und zwar aufrichtig. Was zur Hölle?

Also ja.

Das Leben in Red Lodge?

Tot.

Und zwar so tot wie ein Begräbnis ohne Puls, wo nur Soft-Jazz läuft und Seniorenrabatte gelten.

Ich drücke die Tür zum Diner auf, das Glöckchen bimmelt, als hätte es einen Grund fröhlich zu sein, und ich trete in denselben verdammten Film ein, in den ich jeden Morgen seit der Steinzeit gestiefelt bin.

Dieselbe Bank. Derselbe Kaffee. Dieselben Einheimischen, die so tun, als würden sie unser Gespräch nicht belauschen, obwohl Dottie längst weiß, welche Größe meine Boxershorts haben und welche Gleitmittelmarke Dean versehentlich mal im Tankstellen-Shop aus dem Regal geworfen hat.

Dean ist schon da – er schaufelt sich Eier in den Mund, als hätte er seit der Regierung von Bush nichts mehr gegessen, Puderzucker am Ärmel und absolut keine Scham im Leib.

Noah sitzt neben ihm, über sein Handy gebeugt und tippt das, was meiner Meinung nach definitiv eine Nachricht an seine Frau ist.

Seine Frau.

Mit der er zusammenlebt.

Die, ich schwöre es dir, wahrscheinlich vor fünfzehn Minuten sein Bett verlassen hat und jetzt – was weiß ich, zu Hause ihre Haare bürstet oder Muffins backt oder was auch immer pfirsichduftende Engel morgens um acht so machen – und dieser Typ schreibt ihr.

Ich lasse mich mit einem theatralischen Stöhnen in die Bank fallen, klaue Dean den Toast vom Teller (weil er jetzt mir gehört) und sage: „Ihr zwei Wichser seid deprimierend.“

Noah zuckt nicht einmal mit der Wimper. Er tippt einfach weiter, seine Daumen fliegen über das Display, als wäre es ein Notfall.

„Was“, frage ich, „hast du vergessen ihr zu sagen, wie das Wetter heute wird? Bist du aus dem Haus gegangen, ohne ihre Füße zu küssen? Hast du vergessen ihr zu sagen, dass du sie vermisst, nachdem sie vor kaum einer Stunde noch von deinem Schwanz gekrochen ist?“

Dean schnaubt so heftig, dass ihm fast der Kaffee aus der Nase kommt.

Noah? Regt sich nicht einmal. Er drückt auf Senden und schaut schließlich auf, ruhig wie ein verdammter Mönch.

„Sie hat gefragt, ob ich Joghurt will.“

Ich blinzle. „Joghurt. Das ist das Fundament eurer Seelenverwandtschaft jetzt? Vergorene verdammte Milch?“

„Sie ist beim Einkaufen“, sagt er und nippt an seinem Kaffee, als hätte ich ihn gerade nicht als pantoffelheldenhaften Ehemann bezeichnet. „Sie wollte wissen, ob ich Pfirsich oder Erdbeere lieber mag.“

Dean hustet. „Pfirsich. Offensichtlich.“

„Erdbeere“, sagt Noah, ohne mit der Wimper zu zucken. „Aber danke für deinen Beitrag, du Freak.“

Dean zuckt mit den Schultern. „Deine Frau riecht nach Pfirsichen. Das schien thematisch passend.“

Ich werfe die Hände in die Luft. „Jesus Christus, ich bin in der Hölle. Echter Hölle. Das ist es, was aus meinem Leben geworden ist. Mein bester Freund diskutiert über Joghurtsorten mit seiner Frau, als wäre das Vorspiel, und du bist hier und weist ihren verdammten Eheleben symbolische Fruchtbedeutungen zu.“

Dean wischt sich den Mund mit einer Serviette ab und schaut todernst. „Das nennt man literarische Parallelität. Lies mal ein Buch, Tinder-Gott.“

Noah grinst. „Oder rede mal länger als fünfzehn Minuten mit einer Frau, ohne das Shirt auszuziehen.“

„Hey“, fahre ich sie an und deute auf beide. „Ich habe tiefgründige Gespräche. Erst letzte Woche hatte ich ein echtes Herz-zu-Herz mit der Brünetten aus dem Skiverleih.“

Dean hebt eine Braue. „Die, die in der Halbzeit gegangen ist?“

„Okay, ja, sie ist gegangen“, gebe ich zu. „Aber ich habe mich emotional geöffnet.“

„Du hast gefragt, ob sie deine Bauchmuskeln lieber angespannt oder entspannt mag.“

„Das ist emotionale Verletzlichkeit“, murmle ich und ertränke meinen Toast in Sirup. „Nur eben auf die körperliche Art.“

Dean sagt trocken: „Du bist der Grund, warum ich trinke.“

„Du trinkst doch gar nicht.“

„Exakt.“

Noah Handy summt wieder. Er wirft einen Blick drauf, lächelt wie ein Mann, der gerade ein Oben-ohne-Selfie bekommen hat, und tippt eine Antwort, als wäre nichts dabei.

„Wage es ja nicht“, warne ich ihn. „Grinse nicht so.“

Dean lehnt sich vor und beäugt ihn misstrauisch. „Was hat sie geschrieben?“

Noah schaut auf, unschuldig wie sonst was. „Sie hat beide genommen.“

„Beide was?“

„Joghurtsorten.“

Ich lasse meine Gabel fallen. „Ich hoffe, du erstickst an deinem häuslichen Glück.“

Noah zuckt mit den Schultern. „Eifersucht steht dir nicht, Tanner.“

Dean grinst. „Sieht eher nach Verzweiflung aus.“

„Ich werde euch beide im Schlaf mit dem Taser bearbeiten.“

Nancy kommt mit der Kaffeekanne vorbei. „Jungs, braucht ihr noch was?“

„Ja“, brumme ich und starre den glücklich verheirateten Mann mir gegenüber böse an. „Eine Zeitmaschine. Und vielleicht eine Freundin. Am besten eine, die nicht vor Glück glüht, weil sie die ganze Nacht mit einem heißen Cop gebastelt hat.“

Nancy grinst. „Dann solltest du dich besser mit Joghurt eindecken.“

Dean bricht es fast ab vor Lachen. Er japst nach Luft.

Ich stöhne nur und knalle meine Stirn auf den Tisch.

„Tötet mich jetzt“, murmle ich. „Oder schickt mir eine Frau, die nicht von Granola und Pinterest-Boards redet. Nur eine. Nur eine heiße, wütende, emotional nicht verfügbare Frau mit einem fetten Arsch und einer ‚Fass-mich-nicht-an‘-Aura, die nicht an Beziehungen glaubt.“

Und in diesem Moment fliegt die Diner-Tür auf.

Mit Wucht.

Das Glöckchen bimmelt, kalte Luft strömt herein.

Stiefel. Ein finsterer Blick. Eine sehr scharfe Stimme.

„Weiß irgendeiner von euch Idioten, wo ich den Typen finde, der seinen Streifenwagen wie ein verdammter Vollpfosten geparkt und die halbe Gasse blockiert hat?“

Dean hebt die Augenbrauen.

Noah nippt an seinem Kaffee.

Ich schaue langsam auf.

Und da ist sie.

Sie trägt Cargohosen, Mordlust in den Augen und so viel verdammte Attitüde, dass mein Schwanz aufhorcht und Aufmerksamkeit schenkt.

Nun.

Wer suchet, der findet verdammt noch mal.

Jesus, ist die heiß.

So verdammt heiß, dass ich für einen Moment vergesse, wie meine Beine funktionieren.

Und eine Rothaarige noch dazu – nein, kastanienbraun vielleicht. Dunkel, kräftig und glänzend, in einem dieser strengen Knoten zusammengebunden, die sagen: Ich besitze Werkzeug und ich werde es verdammt noch mal benutzen. Das muss ihre Naturhaarfarbe sein. Niemals kommt das aus einer Packung. Was mich nur noch mehr dazu bringt, ihr die Cargohose von den Hüften zu streifen, die enger sind als die Sünde selbst, und nachzusehen, ob das Feuer bis ganz nach unten reicht.

Verdammt winzige Taille. Dicke, saftige Hüften. Oberschenkel, die eine Wassermelone zerquetschen könnten und mich dazu bringen würden, Danke zu sagen. Und dieser Arsch? Jesus Christus. Rund, knackig, fickbar. Als könnte ich eine Münze davon abprallen lassen und dabei meine verdammte Seele verlieren. Nicht viel Holz vor der Hütte, sicher, aber bei so einem Hintern? Ich würde ein verdammtes Keuschheitsgelübde für den Oberkörper ablegen. Prioritäten.

Sie ist auch groß. Nicht riesig, nicht Volleyball-Spielerinnen-Größe, aber auch kein zerbrechliches kleines Ding. Lange Gliedmaßen. Breite Schultern. Gebaut wie jemand, der Kisten schleppt und Trockenbauwände durchschlägt. Gebaut, als würde sie alles an mir hassen, und ich würde sie trotzdem auf jeder Oberfläche in diesem Diner flachlegen wollen.

„Oh Scheiße“, murmle ich, die Augen immer noch auf sie fixiert, als könnte sie verschwinden, wenn ich blinzle. „Wer ist das?“

Noah schaut nicht einmal von seinem Kaffee auf. „Das ist Avery.“

„Avery“, wiederhole ich mit trockenem Mund.

„Hat den Snow-Gear-Laden aufgemacht. Juliet hängt oft mit ihr ab. Hat ihr letzte Woche Handschuhe gegeben.“

„Sie hat Juliet Handschuhe gegeben“, echoe ich, als wäre das relevant für das, was gerade in meiner Hose passiert.

Dean blickt über den Rand seines Bechers zu mir rüber. „Jesus Christus, du schwitzt ja schon.“

„Ich schwitze nicht“, fahre ich ihn an. „Ich… würdige nur ihre Ausstrahlung.“

„Sie schreit jemanden an, verdammt.“

„Es ist eine heiße Ausstrahlung.“

Dean verdreht die Augen. „Du kriegst einen Ständer, wenn eine Frau Stiefel und eine miese Einstellung hat.“

„Kritisier nicht meine Vorlieben, Morrison.“

Sie stampft auf Nancy am Tresen zu, knallt einen Schlüsselbund mit der Kraft von jemandem auf den Tisch, der absolut keine Geduld für männliches Bullshit-Verhalten hat. Ich lehne mich vor, schamlos, meine Augen wandern wieder über ihren Rücken.

„Verdammte Scheiße“, flüstere ich. „Dieser Hintern sollte illegal sein. Wie eine verdeckte Waffe, aber für Männer mit Bindungsangst.“

Dean sagt trocken: „Bitte sag mir, dass du sie jetzt nicht anmachst.“

„Oh, ich werde sie respektvoll anmachen“, sage ich und stehe auf, als hätte mein Schwanz seinen eigenen Terminplan. „Ich werde anbieten, mich für jeden Streifenwagen zu entschuldigen, der jemals in der Geschichte der Menschheit schief geparkt wurde.“

Noah schaut nicht auf. „Du wirst dir einen Schlag in die Eier fangen.“

„Das ist okay. Ein kleiner Preis.“

Dean schnaubt. „Wofür, ein Annäherungsverbot und blaue Eier?“

Ich ignoriere ihn.

Denn sie dreht sich um.

Und sie sieht mich.

Brauen hochgezogen. Augen scharf. Grau. Stürmisch. Der Blick, der Glas schneiden könnte – und meine Würde.

Und ich schwöre bei Gott, mein verdammtes Herz macht einen Hüpfer.

Aber ich lächle trotzdem.

Denn Jake Tanner bekommt keine Angst.

Er bekommt die Frau.

Also lehne ich mich in der Bank zurück, setze mein bestes Höschen-Runter-Grinsen auf und mustere sie ausgiebig. Langsam. Anerkennend. Ich tue nicht mal so, als wäre ich dezent. Lass sie es sehen. Lass sie es spüren.

Sie legt den Kopf schief. Lächelt nicht.

Blinzelt nicht.

Und plötzlich bin ich mir nicht sicher, ob sie mich flachlegen oder in der Mitte durchknicken und auf die Straße werfen will.

Spoiler: Beides wäre mir recht.

„Na, hallo, Ärger“, sage ich, die Stimme tief und lässig, voller Charme und Sünde. „Bist du neu in der Stadt oder nur neu darin, mein Auto anzuschreien, als hätte es deinen Hund beleidigt?“

Ihre Augen verengen sich, als würde sie entscheiden, ob ich ein echter Mensch bin oder nur eine wandelnde Geschlechtskrankheit in Stiefeln.

„Bist du das Arschloch, das halb in der Gasse hinter Gear Up geparkt hat?“

Ich blinzle, ertappt. „Definiere Arschloch.“

Dean stöhnt hinter seiner Tasse. „Gott steh uns bei.“

Avery verschränkt die Arme. Breiter Stand. Kinn hoch. Augen auf mich fixiert, als wäre ich ein wildes Tier, bei dem sie überlegt, ob sie es erlegen soll.

Ich liebe sie verdammt noch mal.

Sie ruckt mit dem Daumen zur Tür. „Du hast meinen Lieferwagen blockiert. Ich musste dreißig Kartons mit Winterstiefeln von Hand ausladen, weil dein Streifenwagen so geparkt war, als hättest du deinen Führerschein in einem Fiebertraum bekommen.“

Ich grinse breiter. „Du hast die alle alleine hochgehoben? Verdammt. Bist du immer so stark oder nur, wenn du stinksauer bist und verdammt heiß aussiehst?“

Ihre Nasenflügel beben. Beben.

Da weiß ich, dass ich tief drinstecke.

Sie macht einen Schritt auf mich zu. „Glaubst du, das ist ein Kompliment?“

Ich nicke. „Falls es hilft: Ich bin gerade erregt und habe Todesangst.“

„Gut“, sagt sie. „Das solltest du auch.“

Dean verschluckt sich.

Noah murmelt: „Jap. Er ist verliebt.“

Avery schaut kurz auf meine Marke und dann zurück in mein Gesicht. Sie wirkt unbeeindruckt.

Und zwar schmerzhaft unbeeindruckt.

„Parken diese Red Lodge Cops eigentlich immer wie betrunkene Kleinkinder?“

„Nur die charmanten“, sage ich. „Und hey – hätte ich gewusst, dass das deine Gasse ist, hätte ich noch beschissener geparkt, nur um dich hier reinzuholen, damit du mich in dieser Hose anschreist.“

Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen.

„Du bist ein wandelnder Verstoß gegen die Personalrichtlinien, oder?“

Ich tippe auf mein Abzeichen. „Keine Sorge. Ich bin die Personalabteilung.“

Sie atmet scharf aus, schüttelt den Kopf, als wäre ich die schlimmste Kopfschmerztablette der Welt, und dreht sich zurück zum Tresen. Aber nicht, ohne unter dem Atem zu murmeln:

„Verfickte Scheiße. Diese Stadt.“

Und Gott steh mir bei, ich sehe ihr nach, wie sie weggeht, als wäre ich im selben verdammten Moment gerettet und verdammt worden.

Dean tritt mir unter dem Tisch gegen das Schienbein.

„Was?“, frage ich und versuche unschuldig zu wirken, während ich meine Jeans zurechtrücke.

„Hast du gerade deine zukünftige Frau sexuell belästigt?“

Noah grinst schief. „Er wird sie heiraten oder dabei sterben.“

Ich grinse.

„Jungs“, sage ich und lehne mich wie ein König zurück. „Ich glaube, ich habe gerade meinen Endgegner getroffen.“

Ich beobachte, wie sie hinausgeht, als wäre sie gerade vom Cover des Fuck Me Weekly gestiegen.

Stiefel. Hüften. Dieser Arsch.

Verdammt noch mal.

Sie verschwindet in der Kälte mit einem gemurmelten Fluch und ohne jegliche Rücksicht auf die Tatsache, dass sie gerade meinen Blutdruck dauerhaft in die Höhe getrieben hat.

Im Diner wird es für eine Sekunde still. Sogar Nancy hält inne, als hätte sie die Veränderung im Raum-Zeit-Kontinuum gespürt. Dean beobachtet mich, als wäre ich gerade von einem LKW angefahren worden. Noah hat dieses selbstgefällige Ich-liebe-meine-Frau-Lächeln auf den Lippen, als stünde er jetzt über dem Chaos.

Fick ihn.

Ich sacke zurück in die Sitzbank und lasse ein leises Pfeifen hören. „Also… das ist Avery, hm?“

Noah nickt nur, so ruhig wie ein Mönch in einem Gewitter. „Mm-hmm.“

„Ist sie immer so?“

Dean sagt: „Du meinst ‚direkt, einschüchternd und sichtlich von dir angewidert‘? Ja. Durchgehend.“

Ich grinse. „Steh ich drauf.“

„Du stehst auf Tetanus“, murmelt Dean. „Du würdest sogar einen Kaktus anbaggern, wenn er Titten hätte.“

Ich ignoriere ihn. „Sie hat diese Mean-Girl-Energie. So als würde sie mit den Augen rollen, während sie auf meinem Gesicht sitzt.“

Noah schließt die Augen, als würde er versuchen, dieses Bild mental aus seinem Gedächtnis zu löschen. „Jesus.“

„Ich sag ja nur“, fahre ich fort, „sie ist offensichtlich wütend, überarbeitet, emotional nicht verfügbar, möglicherweise bewaffnet… Das ist der Sweet Spot, Jungs. Das ist zuhause.

Dean sieht mich mit ausdruckslosem Gesicht an. „Du wirst so hart gegen die Wand fahren.“

„Ich fahre sexy gegen die Wand.“

„Du fährst laut gegen die Wand“, sagt Noah. „Und öffentlich.“

„Und meistens ohne Kondom“, fügt Dean hinzu.

„Hey“, fahre ich ihn an, „ich habe Standards.“

„Du hast mal mit einer Barkeeperin in einem Dixi-Klo rumgemacht.“

„Sie war gelenkig!“

Dean lässt den Kopf in die Hände sinken. „Du bist widerlich.“

Ich nehme einen weiteren Bissen von dem gestohlenen Toast und grinse. „Und doch… hat sie mich angesehen.“

Noah nippt an seinem Kaffee. „Ja. Wie einen Mann, den sie im Wald umbringen wollte.“

„War trotzdem ein Blick“, sage ich.

Denn die Sache ist die – ich war mit vielen Frauen zusammen. Manche wild, manche süß, manche anhänglich, manche lustig.

Aber keine von ihnen hat mir das Gefühl gegeben, entweder gleich Handschellen zu kriegen oder so hart geküsst zu werden, dass ich meinen Namen vergesse.

Diese Frau?

Diese Frau ist gefährlich.

Und Gott steh mir bei – ich will, dass sie mein verdammtes Leben ruiniert.

Ich stehe vom Tisch auf und plane schon meinen nächsten Schritt.

Mein ganz spezieller „Hey, sorry wegen des Autos, willst du im Kofferraum ficken?“-Move.

Keine Illusionen. Keine Strategie. Nur Instinkt, arrogantes Auftreten und die volle Wucht meines sehr schlagbaren Charmes.

Dean sieht mich an, als würde er einem Hund dabei zusehen, wie er einen Rasenmäher jagt. „Du willst ihr doch nicht im Ernst hinterher.“

„Das will ich absolut“, sage ich und knacke mit dem Nacken, als würde ich mich für die Olympischen Spiele der schlechten Ideen aufwärmen. „Hast du sie gesehen? Cargohose, Stiefel, dieser Arsch? Sie ist wandelnder Porno mit Mordkomplex. Genau mein Typ.“

„Du hast keinen Typ“, murmelt Noah. „Du hast einen Countdown.

„Genau“, sage ich. „Und sie hat gerade die Lunte angezündet.“

Dean schnaubt. „Sie wird dich fertigmachen und deinen Schwanz in einer Schneewehe liegen lassen.“

Ich zucke mit den Schultern. „Ich werde glücklich sterben.“

Denn die Sache ist die: Ich suche nichts für die Ewigkeit. Ich suche eine gute Zeit. Heißen, wütenden, möglicherweise gefährlichen Sex mit einer Frau, die meine gesamte Existenz offensichtlich hasst.

Das ist kein Warnsignal.

Das ist grünes Licht.

Ich esse Deans Toast auf, werfe ein paar zerknitterte Geldscheine auf den Tisch und checke den Spiegel an der Tür. Die Haare sitzen lässig-durcheinander. Der Bart hat die perfekte raue Länge. Augen: arrogant. Lächeln: tödlich.

„Jungs“, sage ich und bin schon halb an der Tür. „Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, heißt das, sie hat mich so hart rangenommen, dass ich nicht mehr laufen kann.“

Dean hebt eine Augenbraue. „Oder du wurdest mit Pfefferspray besprüht.“

„Wäre es trotzdem wert.“

Noah nippt nur an seinem Kaffee. „Wir zahlen keine Kaution für dich.“

„Brauche keine Kaution, wenn ich nie erwischt werde.“

Ich trete in die Kälte wie ein Mann auf einer Mission.

Das ist keine Liebe. Das ist kein Schicksal.

Das ist pures, urzeitliches, erstklassiges Horny-Sein.

Und wenn sie mich durch diese Tür lässt?

Spielbeginn.

Ich stehe wie ein verdammter Idiot vor ihrem Laden.

Kalter Wind im Gesicht. Hände in den Jackentaschen. Mein Herz klopft – nicht vor Nervosität, sondern vor purer, erstklassiger Einbildung.

Weil ich weiß, dass ich hier nicht sein sollte.

Ich weiß, ich sollte zurück in den Streifenwagen, die Main Street patrouillieren, vielleicht mit der Barista bei Brewed Awakening flirten und den Tag beenden.

Aber nein.

Hier bin ich.

Ich stehe vor Gear Up wie so ein geiler Verlierer in einer Rom-Com. Nur dass ich keine Blumen halte. Ich halte einen Strafzettel, den ich vielleicht schreiben werde und vielleicht auch nicht, nur um einen Vorwand zu haben, reinzugehen und „Zuständigkeitsbereiche zu erklären“, als ob das ein echtes Ding wäre.

Gott, ich rede einen Haufen Scheiße.

Und trotzdem?

Ich werde es trotzdem tun.

Denn hinter diesem Milchglasfenster ist die heißeste, wütendste Frau, die ich seit Jahren gesehen habe – und sie hat mich angesehen. Nicht nett. Nicht warmherzig. Aber mit genug Spannung, um meine verdammte Hose in Brand zu setzen.

Und genau darauf stehe ich.

Wütende Frauen mit starken Meinungen und null Interesse an meinem Bullshit?

Ja. Bitte. Mehr davon.

Ich versuche nicht, sie zu daten.

Ich versuche nicht, sie zu reparieren.

Ich versuche nicht, ihr emotionaler sicherer Hafen oder so ein trauriger, geläuterter Bad Boy zu sein, der jetzt Tagebuch schreibt.

Ich versuche nur, sie aus dieser Cargohose zu kriegen und in eine Situation, die eine stabile Arbeitsplatte und ein Safeword erfordert.

Das ist alles.

Das ist die Mission.

Und wenn ich das richtig anstelle – genau so nervig bin, genau so heiß bin und gerade noch so nützlich genug, damit sie mich in ihrer Nähe behält?

Boom.

Satz. Sieg. Abgehakt.

Ich atme aus, spanne meine Finger an und rolle mit den Schultern.

Zeit zu glänzen, Tanner.

Du bist nicht hier, um dich zu verlieben.

Du bist hier, um zu ficken.

Die Glocke über der Tür bimmelt, als hätte sie Manieren, aber an mir ist gerade gar nichts höflich.

Ich betrete Gear Up und die Wärme trifft mich zuerst – trockene Luft, Gummimatten, Regale voll mit Schneeausrüstung, Handschuhe, Stiefel, Kleiderständer mit teuren Jacken – und dann sie.

Avery Dalton.

Hinter dem Tresen.

Haare zurückgebunden. Ärmel hochgekrempelt. Gesicht ausdruckslos, aber sie ist eindeutig nicht begeistert, mich zu sehen.

Perfekt.

Sie sagt nicht mal Hallo. Sie wirft mir nur einen Blick zu, als würde sie sich bereits die Kreideumrisse meiner Leiche vorstellen.

Ich zeige mein bestes Grinsen. Das, mit dem ich mich schon aus Strafzetteln rausgeredet und in Betten reingeschlichen habe – manchmal beides in einer Nacht.

„Morgen, Ärger.“

Sie starrt mich an.

Ich lehne mich auf den Tresen, als würde er mir gehören. „Wollte mich entschuldigen.“

Ihr Augenlid zuckt. „Entschuldigen.“

Ich nicke feierlich. „Für mein Parken. Und dafür, dass ich unter Stress so verdammt heiß bin. Es ist eine Bürde.“

Ihr Mund öffnet sich. Schließt sich. Öffnet sich wieder. „Flirtest du ernsthaft gerade mit mir?“

„Nicht ernsthaft“, sage ich. „Leicht. Spielerisch. Wie ein Aufwärmen. Dehnen vor dem Cardio.“

Sie blinzelt. „Du bist unglaublich.“

„Die meisten Leute sagen das im Bett“, sage ich. „Aber ich nehme es auch hier.“

Sie verschränkt die Arme und lehnt sich ein kleines Stück vor – gerade weit genug, damit ich den schwachen Hauch von Zitrus und Eukalyptus rieche, was eigentlich nicht anregend sein sollte, es aber ist – und sagt: „Wenn du glaubst, du kannst dich mit deinem Charme aus dieser idiotischen Parknummer rausreden, dann bildest du dir was ein.“

„Oh, das tue ich“, stimme ich fröhlich zu. „Zutiefst. Auf ganzer Linie. Aber bisher hat es funktioniert.“

„Ich sollte eine Meldung machen.“

„Mach das. Aber wisse, dass ich vor Gericht fantastisch aussehe.“

Sie lächelt tatsächlich – fast. Kaum merklich. Als würde sie versuchen, dagegen anzukämpfen, aber ihr Gesicht verrät sie.

Also lege ich noch ein bisschen nach.

„Komm schon“, sage ich, senke die Stimme um eine halbe Oktave und lehne mich noch etwas näher, „lass mich das wieder gutmachen. Abendessen. Drinks. Wütender Sex. Du suchst dir die Reihenfolge aus.“

Sie spottet. „Du denkst, ich bin so leicht zu haben?“

Ich grinse. „Nein. Ich denke, du bist wütend. Und gelangweilt. Und vielleicht einfach nur neugierig genug, um zu sehen, wie weit ich gehe.“

Sie legt den Kopf schief. „Was, wenn ich sage, dass ich lieber diese Registrierkassenschublade auf deine Finger knallen würde?“

Ich werfe einen Blick auf ihre Hände. „Irgendwie heiß, muss ich zugeben.“

„Du bist eine Nervensäge.“

„Du bist heiß, wenn du gemein bist.“

Sie atmet durch die Nase aus und tritt einen Schritt zurück. „Wenn ich dich in meine Nähe lasse, ende ich in einem Skandal. Oder im Gefängnis.“

Ich zwinkere. „Also… wann hast du Zeit?“

Sie starrt mich eine lange Sekunde an, als würde sie mental eine Liste von Beleidigungen durchgehen.

Dann – grinst sie schief.

Nicht groß. Nicht süß.

Nur diese winzige, schiefe Sache. Gefährlich. Wissend. Die Art von Grinsen, die sagt: Du hast keine verfickte Ahnung, mit wem du es zu tun hast.

Und mein Schwanz? Sofort Feuer und Flamme.

„Ich glaube, du bist es gewohnt, dass Mädels auf deinen Bullshit reinfallen“, sagt sie, lässig wie sonst was, als würde sie das Wetter kommentieren.

Ich blinzle. „Nur die heißen.“

Sie rollt mit den Augen. „Und die dummen, anscheinend.“

„Aua“, sage ich und lege die Hand auf die Brust. „Verwundet. Spirituell. Physisch. Sexuell.“

Sie zuckt mit den Schultern. „Du wirst es überleben.“

„Bist du sicher? Weil ich mich gerade irgendwie… emotional verletzlich fühle. Du könntest mir helfen, das zu verarbeiten. Vielleicht bei einem Drink?“

Sie hebt eine Augenbraue. „Versuchst du es immer so hart?“

„Nur wenn es funktioniert.“

Sie lehnt sich leicht vor. Nah genug, dass ich einen weiteren Hauch dieses sauberen Zitrusdufts wahrnehme und den Hinweis auf etwas Schärferes darunter – so als hätte sie geduscht und wäre dann rausgegangen, um aus Spaß Feuerholz zu hacken.

Sie ist wahnsinnig heiß.

Und dann sagt sie, leise und tödlich: „Weißt du was, Officer Charming? Du kommst wieder in meinen Laden – aber park nicht in der Gasse. Und vielleicht denke ich dann darüber nach, dich etwas Schweres tragen zu lassen.“

Sie richtet sich auf und dreht sich weg, als wäre ich nicht einmal einen zweiten Blick wert.

Abgefertigt.

Wie ein Bad Boy beim Nachsitzen, der gerade von der heißesten Lehrerin der Welt Extrapunkte bekommen hat.

Ich blinzle. „Warte – war das ein Ja?

Sie sieht nicht zurück. „Das war ein ‚mach dir keine Hoffnungen‘.“

„Zu spät.“

Und ich schwöre bei Gott – sie grinst schon wieder.

Kurz bevor sie durch eine Tür verschwindet, auf der PERSONAL ONLY steht, und mich dort stehen lässt – halb erregt, halb im Wahn und zu einhundert Prozent dabei, meinen nächsten Besuch zu planen.

Ich laufe grinsend wie ein Wahnsinniger aus dem Laden.

Sie glaubt, sie hat die Kontrolle.

Und vielleicht hat sie das auch.

Aber ich brauche nicht viel.

Einen Funken. Einen Blick. Ein Grinsen und eine Herausforderung.

Das ist alles, was es braucht.

Denn jetzt?

Bin ich dabei.

Und ich gehe niemals von einem Spiel weg, von dem ich weiß, wie man es gewinnt.

Auch wenn dieses mich verdammt noch mal umbringen könnte.