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Die unerwartete Luna des Alphas: Die Auswahl

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Zusammenfassung

Soma ist eine schwache Omega-Wölfin, die ihr ganzes Leben lang von ihrer Tante Helen und deren Töchtern Maeve und Sheila schikaniert wurde. Ihr einziges Ziel ist es, bei ihnen zu überleben, bis sie mit ihrem besten Freund fliehen kann. Doch das Schicksal hat andere Pläne für sie. Während der Luna-Auswahlzeremonie, bei der die nächste Luna und Königin des Shadowspire-Rudels bestimmt wird, wird sie von der Mondgöttin erwählt. Andere Rudelmitglieder wären über diese Nachricht hocherfreut, doch Soma nicht. Denn mit diesem neuen Titel bekommt sie einen Alpha-Prinzen an die Seite, der fest entschlossen ist, jedem zu beweisen, dass die Mondgöttin mit der Wahl von Soma einen Fehler begangen hat.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
62
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
18+
Das ist ein Beispiel

1: Dumme Kuh

SOMA

Niemand wird kommen, um mich zu retten.

Mein Name ist Soma. Ich bin ein Omega am untersten Ende der Werwolf-Nahrungskette. Im Shadowspire-Rudel haben Haushunde mehr Rechte als ich. So läuft das wohl, wenn die Mondgöttin einen mit einem schwachen Wolf straft. Ich kann mich nicht verwandeln und liege bei jedem Vollmond flach.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, bin ich auch noch eine Waise. Ich klebe wie Kaugummi an der Schuhsohle meiner Tante Helen und meiner Cousinen Sheila und Maeve. So mies, wie sie mich behandeln, wäre ich alleine besser dran. Oder vielleicht sogar tot.

Hätte ich Geld gespart, würde ich mitten in der Nacht abhauen. Ich würde in eine Menschenstadt ziehen und den Rest meiner Tage fernab von diesem Drecksloch verbringen.

Aber so viel Glück habe ich nicht.

Stattdessen hocke ich in diesem Haus fest und schrubbe Böden. Ich kämpfe gegen Kopfschmerzen, wenn meine Cousinen vom Shoppen zurückkommen. Den ganzen Tag streiten sie sich nur darum, welcher der drei Alpha-Prinzen der hübscheste ist.

Heute ist es wieder dasselbe.

Die Zeremonie zur Auswahl der Luna rückt immer näher. Sheila und Maeve sind nur noch beim Einkaufen und zanken sich wegen Schuhen und Kleidern. Ihre Mutter hat den ganzen Sommer mit ihnen geübt und ihnen Prinzessinnen-Etikette beigebracht. Man erzählt sich, dass die Mondgöttin eine von ihnen auswählen könnte. Dann würde sie die Gefährtin des Thronfolgers des Shadowspire-Rudels werden.

Brynne Rybak.

Als wären meine Cousinen nicht schon unausstehlich genug. Wenn sie so viel Macht bekämen, wäre das mein sicheres Ende.

„Soma!“, kreischt Maeve vom Flur her. Mein Herz hämmert. „Wo steckst du, du dumme Kuh? Komm her!“

Was habe ich jetzt schon wieder angestellt? Ich schrubbe gerade die Klobrille in Sheilas Badezimmer, aber ich halte inne. Mein Magen knurrt und ich drücke meine Hand dagegen. Sie wird mir doch wohl nicht das Essen verweigern? Ich habe den ganzen Tag noch nichts zwischen die Zähne bekommen.

„Soma!“, brüllt Maeve. „Somadina!“

„Ich komme!“, rufe ich zurück, traue mich aber nicht, zu laut zu werden.

Als ich versuche mich zu bewegen, schießen Schmerzen in meine Knie. Ich habe eine halbe Stunde lang gekniet. Mein Rücken pocht, als ich aufstehe. Trotzdem beeile ich mich, in Maeves Zimmer zu kommen. Kaum trete ich ein, landet ein Kleid in meinem Gesicht. Ich fange es nicht schnell genug, sodass es mir für ein paar Sekunden die Sicht nimmt.

„Warum hat das so lange gedauert?“, blafft Maeve. Sie steht vor dem Spiegel, der in einem prunkvollen Rahmen steckt.

Ihr böser Blick bringt mich zum Schweigen. Manchmal weiß ich nicht, ob sie überhaupt eine Antwort will. Sheila sitzt still auf dem Bett und lackiert sich die Zehennägel rosa.

Jeder, der uns sieht, würde denken, ich sei ihre Sklavin und nicht ihre Cousine. Meine Eltern habe ich nie kennengelernt. Wenn ich den Geschichten anderer glaube, war meine Mutter eine liebestolle Idiotin. Sie verliebte sich in einen Omega und brannte mit ihm durch.

Mein Vater wurde bei einem Überfall getötet, als sie mit mir schwanger war. Kurz nach meiner Geburt folgte meine Mutter ihm ins Grab. So landete ich hier, angewiesen auf Tante Helens Großzügigkeit, wie sie es nennt. Sie lässt mich nie vergessen, dass ich nur wegen ihrer Güte am Leben bin.

Das Leben war besser, als Onkel Dorian noch lebte. Aber seit seinem Tod lassen seine Frau und seine Kinder keine Chance aus, mir jede wache Minute zur Hölle zu machen.

„Bist du jetzt auch noch taub?“, setzt Maeve nach.

„Es tut mir leid“, sage ich und klammere mich an das Kleid, als könnte es mich retten. „Ich habe Sheilas Zimmer geputzt. Aber ich bin sofort hergekommen, als ich dich gehört habe.“

„Nächstes Mal bewegst du deinen Arsch schneller“, spuckt Maeve aus.

Sie widmet sich wieder den Salben auf ihrem Schminktisch und greift Stirn runzelnd nach einer. Ich lebe schon lange genug hier, um zu wissen, dass jedes Mittelchen einen speziellen Zweck hat.

„Wir verschwenden Zeit, Maeve“, jammert Sheila. Ich falte das Kleid, lege es ans Fußende des Bettes und weiche sofort zurück. „Sag ihr endlich, was du willst.“

„Stimmt.“ Maeve räuspert sich. Als sie mich wieder ansieht, hat sie ihr übliches herablassendes Grinsen auf den Lippen. „Du gehst zur Color Lounge und holst uns eine Flasche Glow-Öl. Sheila und ich haben vorhin beim Shoppen vergessen, welches mitzunehmen.“

Die Color Lounge ist der größte Beautyladen in ganz Shadowspire. Man kommt nur rein, wenn man vorhat, mindestens vierstellige Beträge auszugeben. Aber warum brauchen sie noch eine Flasche? Für mich sieht das Zeug immer gleich aus, und sie benutzen es schon das ganze Jahr.

„Bist du wirklich taub geworden?“, fährt Maeve mich an.

„Ja. Nein. Nein, tut mir leid. Aber...“ Mein Magen zieht sich unangenehm zusammen. Meine Finger zittern. Wenn ich jetzt zum Laden gehe, verschiebt sich mein Essen noch weiter. Die letzte Mahlzeit hatte ich gestern Mittag.

„Was hast du gerade zu mir gesagt?“

Maeve springt auf und marschiert auf mich zu. Bevor ich begreifen kann, was passiert, verpasst sie mir eine Ohrfeige. Ihre spitzen Nägel ritzen meine Haut auf. Ich taumle zurück, während mir Blut die Wange herunterläuft. Die Wunde brennt, aber sie heilt nicht sofort, wie es bei anderen Wölfen der Fall wäre.

Meine Augen tränen. Ich reibe mir über die Stelle. Ich weiß genau, dass man den Abdruck ihrer Hand noch den ganzen Tag auf meiner Wange sehen wird.

„Hör mir gut zu, du Schwachkopf“, knurrt Maeve. Auf dem riesigen Bett kichert Sheila. „Wenn ich dir sage, dass du etwas tun sollst, dann tust du es. Du beschwerst dich nicht und suchst keine Ausreden. Ist das klar?“

„J-ja“, antworte ich und schlucke den Drang zu weinen hinunter.

„Wenn ich sage: ‚Bell!‘“, fährt Maeve fort, „dann ist deine einzige Frage: ‚Wie laut?‘ Verstehst du mich?“

Ich nicke hastig und murmle ein zittriges „Ja“.

Tränen drohen zu fließen, und ich beiße mir auf die Innenseite der Wange. Wenn ich den Schmerz zulasse, wenn ich weine, ist das nur eine weitere Waffe, die sie gegen mich einsetzen.

„Gut. Jetzt ab zur Color Lounge mit dir“, befiehlt sie.

Aber ich kann noch nicht weg. Ich habe kein eigenes Geld.

Sie lacht hämisch und geht zu ihrem Schrank. Sie holt ihr Portemonnaie heraus und wirft mir ein Bündel Geldscheine vor die Füße. Das Geld verteilt sich auf dem Boden. Mein Rücken schmerzt, als ich mich bücke, um es aufzusammeln.

„Wenn du das Öl hast, geh direkt zum Palast“, sagt sie. Mein Magen krampfte vor Hunger, aber ich unterdrücke den Protest. „Sheila und ich sind dort zur Probe.“

„Und du bleibst da, um den Zofen im Palast bei der Dekoration zu helfen“, fügt Sheila hinzu. Ich richte mich auf, während sie ihre Hand zum Mund führt und ihre Nägel trocken pustet. „Prinzessin Sienna hat sich darüber beschwert, dass zu wenig Personal da ist, um die Deko für die Auswahl aufzuhängen. Außerdem brauchen sie für morgen noch mehr Bedienungen.“

Sienna ist die Alpha-Prinzessin und das jüngste Mitglied der Königsfamilie. Meine Cousinen gehören zu den Glücklichen, die in ihrem Kreis verkehren.

„Oh, das ist eine glänzende Idee.“ Maeves Augen leuchten auf. Sie lässt sich neben ihre Schwester aufs Bett fallen und greift nach dem Nagellack. „Wenn wir dem Palast kostenlose Hilfe anbieten, sammeln wir noch mehr Pluspunkte bei Prinz Brynne.“

Die Art, wie Maeve den Namen des Kronprinzen ausspricht, klingt vertraulich, als würde er ihr schon gehören. Ihre Einbildung kennt keine Grenzen. Hätte die Mondgöttin jemals meine Gebete erhört, würde ich darum bitten, dass Brynne Maeve nicht wählt. Aber ich weiß es besser.

„Sheila, du bist ein Genie“, gurrt sie.

„Danke, Schwesterherz. Das liegt bei uns in der Familie.“

Sie lachen, und Sheilas Lächeln wird hämisch. Ich weiß nicht, ob sie noch mehr von mir wollen, also warte ich ab.

„Erinnerst du dich an den Typen, der versucht hat, dich im Laden anzuquatschen?“, fragt Sheila. Maeve zieht die Stirn kraus. „Der, der...“ Sie bricht ab und dreht sich zu mir um. „Warum stehst du hier noch rum, du Dummkopf? Soll ich erst eine Party schmeißen, bevor du deine stinkende Visage aus unserem Blickfeld entfernst?“

„Entschuldigung“, murmle ich.

„Immer nur Entschuldigung, aber zu nichts zu gebrauchen...“

Tränen laufen mir über die Wangen, als ich aus dem Zimmer renne. Gerade wenn ich denke, ich hätte mich an ihre Beleidigungen gewöhnt, sagen sie etwas, das mich völlig fertig macht.

Ich trete aus dem Haus und steuere direkt auf das Fahrrad zu, das auf dem frisch gemähten Rasen steht. Ihre Autos parken in der Einfahrt – eines in Pink, eines in Schwarz. Aber ich bin nicht so dumm, mir eines zu wünschen. Ich kann nicht einmal fahren.

Meine Oberschenkel ziehen, als ich auf das Fahrrad steige, aber die einzige andere Möglichkeit wäre zu Fuß zu gehen. Ich vergewissere mich noch einmal, dass das Geld sicher in meiner Tasche ist. Dann mache ich mich auf den Weg zum Beautyladen. Das Öl, das Maeve will, ist sündhaft teuer, aber Geld war für die drei noch nie ein Problem.

Nachdem die Kassiererin meinen Einkauf eingepackt hat, verlasse ich den Laden. Ich beginne die mühsame Fahrt die Palasthügel hinauf. Als ich mich dem Palast nähere, sehe ich viele Mädchen in meinem Alter und jünger, die in die gleiche Richtung laufen. Sie wollen wahrscheinlich zu den Proben für die Luna-Auswahl.

Ich bleibe am Straßenrand, meide jeden Blickkontakt und versuche, nicht von dem alten Drahtesel zu fallen. Ich weiß nicht, ob meine Cousinen schon im Palast sind. Um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen, trete ich fester in die Pedale. Vielleicht lassen sie mich etwas essen, bevor ich beim Putzen helfen muss. Aber so wie ich mein Glück kenne, wird das nicht passieren.

Der Wind zerrt an meinen Haaren. Ich werfe einen Blick auf die Papiertüte im Korb. Nur noch ein paar Blocks.

Plötzlich rennt jemand direkt vor mir über den Weg. Ich reiße den Lenker herum, um einen Zusammenstoß zu vermeiden. Das Vorderrad schlingert, und ich verliere das Gleichgewicht. Meine Hände rutschen von den Griffen ab. Ich bin nur noch einen Herzschlag davon entfernt, auf dem Boden aufzuschlagen.

Die Papiertüte wackelt, und die Flasche rutscht halb aus dem Korb. Nein. Maeve wird mich bei lebendigem Leib häuten. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Flasche zerspringen. Ich sehe ihr böses Lächeln, während sie sich eine grausame Strafe für meine Tollpatschigkeit ausdenkt. Ich kneife die Augen fest zu, als könnte ich das drohende Unheil so ausblenden. Ich mache mich auf den Sturz gefasst, aber er kommt nicht.

Eine starke Hand packt mich an der Taille und reißt mich zurück ins Gleichgewicht, bevor ich hinfalle.

„Hoppla...“, sagt eine tiefe Stimme. Es ist eindeutig ein Mann. „Ganz ruhig, kleines Wölfchen.“

Ich reiße die Augen auf und blicke direkt in die blitzblauen Augen von Mason Thorne.


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