Carved from Stone
Der erste Blutspritzer traf den Betonboden mit einem Geräusch wie ein weicher, feuchter Kuss. Es war das einzig Sanfte in diesem Raum. Es roch nach Kupfer, Schmutz und Gewalt, die sich zu einem dunklen Cocktail vermischten.
Kallan Varo stand im Schatten direkt hinter dem Käfig. Seine massiven Arme waren vor der Brust verschränkt, eine Statue aus geballter Gewalt. Die Luft war schwer vom Gestank nach Schweiß, billigem Whiskey und der kupfernen Note von Blut. Unter dem grellen, summenden Licht des Untergrundrings bewegten sich seine Kämpfer – seine „Stallions“ – in einem Tanz kontrollierter Brutalität.
Er musste die Zuschauer nicht beobachten, deren Gesichter vor Gier und Blutlust verzerrt waren, während sie ihre Wetten hinausschrien. Er beobachtete die Männer. Nur die Männer.
Ezra Vorn, ein Berg von Muskeln und ruhiger Konzentration, bewegte sich mit täuschender Anmut. Sein Gegner, irgendein Großmaul von der Westseite, holte zu einem wilden Schwinger aus. Ezra wich in den Bogen des Schlags aus, fing die Wucht mit einer fleischigen Schulter ab und rammte dem Mann die Faust in den Solarplexus. Die Luft entwich den Lungen des Herausforderers mit einem besiegten Zischen. Sauber. Effizient.
Dann war da noch Silas Creed. Jung, leichtsinnig, alles nur Show und Feuer. Er hatte seinen Mann gegen den Maschendrahtzaun gedrängt und bearbeitete ihn mit einer Reihe scharfer, protziger Jabs. Er spielte für das Publikum, ein arrogantes Grinsen verzog seine Lippen.
Kallans Kiefer spannte sich an.
Eine flüchtige Bewegung auf der anderen Seite des Käfigs – Dax Mercer, voller Imponiergehabe und Charme selbst im Kampf, zwinkerte einer Frau in der ersten Reihe zu. Eine Ablenkung. Ein Fehler.
Kallans Augen, die Farbe eines Wintersturms, entging nichts. Er war der oberste Aufseher, die rechte Hand eines Dons, und dieser illegale, geheime, blutige und gesetzlose Ring war seine heiligste Pflicht. Diese Männer waren seine wertvollen „Stallions“, seine lebenden, atmenden Waffen. Er hatte sie aus rohem, gewalttätigem Potenzial geformt und sie zu Verlängerungen seines eigenen Willens geschliffen. Ihre Leistung war ein Spiegelbild seiner selbst.
Ein bulliger Mann von einer rivalisierenden Bande, beflügelt von billigem Wodka, torkelte zu nah an Kallans Posten heran. „Hey, Biest! Warum gehst du nicht da rein? Hast du Angst, dass du dir dein hübsches Gesicht ruinierst?“
Die Menge in der Nähe verstummte. Kallan drehte den Kopf nicht. Er ließ seinen Blick nur langsam, eiskalt, zu dem Mann wandern. Er machte kein grimmiges Gesicht. Er knurrte nicht. Er schaute einfach nur; sein Ausdruck war so leer und mitleidlos wie ein tiefer See. Die Prahlerei des Mannes zerbröckelte. Er wurde bleich, murmelte eine Entschuldigung und verschwand wieder in der Menge.
Ein Flüstern schlängelte sich durch die Zuschauer. „Das ist Rooks Biest.“
„Er spricht nur, wenn es darum geht zu töten.“
Der Kampf endete damit, dass Ezra einen Würgegriff ansetzte, der fast zärtlich aussah, bis der Mann schlaff wurde. Silas beendete seinen Kampf mit einem theatralischen, unnötigen Schlag, der Kallan mit den Zähnen knirschen ließ. Als sich die Käfigtür mit einem metallischen Klirren öffnete, versammelten sich seine Kämpfer um ihn, schwer atmend, riechend nach Anstrengung und Sieg. Sie waren seine Männer. Er war ihr Rückgrat.
„Ezra“, Kallans Stimme war ein tiefes Grollen, das über dem Lärm kaum zu hören war, aber absolute Aufmerksamkeit erzwang. „Deine linke Deckung sackt ab. Eine Millisekunde. Fix das.“
Ezra nickte, ein Schüler, der eine Lektion von seinem Meister annahm. „Ja, Boss.“
Kallans kalte Augen wanderten zu Silas. Der junge Kämpfer genoss noch den Rausch, die Brust herausgestreckt. „Silas.“ Der Name war wie ein Peitschenhieb. „Wenn du noch einmal in meinem Ring den Angeber spielst, breche ich dir selbst die Kniescheiben. Du kämpfst, um zu gewinnen. Nicht, um eine Show abzuziehen.“
Das Grinsen verschwand aus Silas’ Gesicht und wich einer Röte der Angst. „Verstanden.“
Dann zu Dax, der sich bereits mit der Hand durch das verschwitzte Haar fuhr und nach seiner nächsten Bewunderin Ausschau hielt: „Dax. Du flirtest zu viel. Konzentrier dich, oder verschwinde aus meinem Ring.“
Dax hatte die Frechheit, ein schiefes Grinsen zu zeigen. „Kann nichts dafür, wenn die Damen einen Gewinner lieben, Boss.“
Kallan lächelte nicht zurück. Er hielt nur den Blick des Mannes, bis dessen Grinsen schwächer wurde. „Konzentrier dich“, wiederholte er, das Wort endgültig.
Sie fürchteten ihn. Sie respektierten ihn. Auf ihre eigene verdrehte Weise liebten sie ihn. Er war ihr Kriegsgott.
Im klammen, gefliesten Umkleideraum stürzten sich die Männer auf das Essen nach dem Kampf – fettige Scheiben von knorpeligem Fleisch, verkochte Eier und Milch, die in letzter Zeit wässrig aussah. Sie aßen mit dem gierigen Hunger von hart beanspruchten Tieren. Kallan stand abseits und lehnte an der Wand. Er schraubte den Deckel von einem Stahlbecher und trank seinen Proteinshake. Er war dickflüssig, mehlig und geschmacklos. Perfekt.
„Boss, dieses Fleisch schmeckt wie gekochter Gummi“, kommentierte Ezra und schob es mit einer Gabel auf seinem Teller hin und her.
Kallan antwortete nicht. Er nahm einen weiteren langen Schluck aus seinem Becher. Essen war Treibstoff. Erhaltung. Mehr nicht. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal etwas aus Genuss gegessen hatte. Das Konzept war ihm fremd, eine Schwäche, die er sich nicht leisten konnte. Ein tiefer, dumpfer Schmerz hatte sich dauerhaft in seinen Muskeln eingenistet, ein ständiges Flüstern, dass sein Körper nur noch auf Sparflamme lief, aber er ignorierte es. Disziplin war die Unterdrückung von Bedürfnissen.
Die Tür öffnete sich und Cassian Rook trat ein; seine Präsenz veränderte die Chemie im Raum. Der Don war ein Mann, der seine Macht wie einen gut sitzenden Anzug trug – mühelos, elegant und unbestreitbar. Er entließ seine beiden Leibwächter mit einem subtilen Nicken und klopfte Kallan auf die Schulter.
„Wieder ein sauberer Abend“, sagte Cassian, seine Stimme ein weicher Bariton. „Die Wetten strömen nur so herein.“
Kallan gab ein kurzes, knappes Nicken.
„Allerdings gibt es schlechte Nachrichten“, fuhr Cassian fort, seine Augen scannten den Raum und nahmen jedes Detail auf. „Der alte Hemlock. Unser Lieferant. Ist heute Morgen tot umgefallen. Herzinfarkt.“
Kallans Ausdruck änderte sich nicht. Personal war ersetzbar. Ressourcen nicht.
„Wir brauchen einen neuen“, sagte Cassian. „Such jemanden. Jemand Zuverlässigen. Die Stallions müssen versorgt werden.“
„Ich kümmere mich darum“, brummte Kallan.
Cassians Blick verweilte auf den halb gegessenen, erbärmlich aussehenden Tellern. „Versuch diesmal etwas Essbares zu finden, Kall. Meine Jungs sehen aus, als würden sie zur Strafe essen.“ Sein Blick huschte dann zu dem Proteinshake in Kallans Hand. Ein schwacher, fast unmerklicher Seufzer entwich ihm. „Weißt du, die meisten Menschen essen richtiges Essen.“
„Essen macht mich langsam“, sagte Kallan, die Antwort kam automatisch, ein Mantra, nach dem er seit Jahren lebte.
„Du bist keine Maschine, Kall“, sagte Cassian mit einem seltenen Anflug von Müdigkeit in der Stimme.
Kallan begegnete seinem Blick, seine eigenen Augen flach und undurchdringlich. Er war eine. Das war der ganze Punkt.
Später, in der Gemeinschaftskantine, war die Atmosphäre lauter und lockerer. Das Adrenalin des Kampfabends verblasste und wich Kameradschaft und Erschöpfung. Kallan saß an einem kleinen Tisch in der Ecke, ein Glas bernsteinfarbener Whiskey leistete seinem Becher nun Gesellschaft. Er beobachtete, er hörte zu, er kontrollierte.
Dax gab den Ton an und prahlte mit seinem Sieg. Silas lachte zu laut. Jiro, der nervöse Koch, huschte zwischen den Tischen hin und her und entschuldigte sich für die Qualität der Lebensmittel. Maude, die Chefköchin, verpasste Silas einen Klaps auf den Hinterkopf.
„Iss, was du kriegst, oder verhungere, du Idiot“, murrte sie, aber in ihren Augen lag eine Zuneigung für den jungen, leichtsinnigen Kämpfer.
Das war seine Maschine. Jedes bewegliche Teil, jedes Zahnrad und jeden Mechanismus verstand er und lenkte er.
Außer der nagenden Leere in seinem eigenen Bauch. Die konnte er nicht kontrollieren. Er fütterte sie mit Protein, Whiskey und Willenskraft und befahl ihr, still zu sein.
Als die Nacht sich dem Ende zuneigte, schlüpfte ein hagerer Mann mit scharfem Gesicht auf den Stuhl gegenüber ihm. Bishop Kane. Der „Fixer“. Seine Anwesenheit bedeutete immer Informationen, und Informationen waren niemals kostenlos.
„Kallan“, grüßte Kane, doch sein Lächeln erreichte nicht seine Augen. „Ich habe gehört, dass einige Rivalen an deinen neuen Versorgungsrouten schnüffeln. Denen, die du aufbauen musst, jetzt wo Hemlock weg ist. Die Grey Claws. Viktors Jungs. Vielleicht wird es Zeit, die Zügel anzuziehen.“
Kallan nahm einen langsamen Schluck von seinem Whiskey und ließ das Brennen durch seine Brust ziehen. „Lass sie schnüffeln.“
Kanes Grinsen war eine dünne, gefährliche Linie. „Sie wittern Schwäche. Ein Übergang ist immer eine verwundbare Zeit.“
Langsam stellte Kallan sein Glas ab. Das Geräusch war unnatürlich laut in ihrer kleinen Ecke des Raums. Er drehte den Kopf und fixierte Bishop Kane mit einem Blick, der schon hartgesottene Killer zum Einnässen gebracht hatte. Es war der Blick eines Raubtiers, das gerade eine Bedrohung in seinem Revier identifiziert hatte.
„Zeig mir, wer Schwäche wittert“, Kallans Stimme sank zu einem tödlichen Flüstern. „Ich werde ihnen die Zungen herausreißen.“
Kane hob beschwichtigend die Hände, obwohl sein Grinsen blieb. „Ich wollte nur den Wetterbericht weitergeben, Biest. Kein Grund für einen Sturm.“
Er stand auf und verschwand wieder in den Schatten, aus denen er gekommen war.
Der Saal leerte sich allmählich. Cassian näherte sich ihm auf dem Weg nach draußen und hielt inne, um sich eine Zigarre anzuzünden.
„Fast vergessen“, sagte der Don und blies einen Strom duftenden Rauchs in die Luft. „Dein neuer Lieferant. Sie kommen morgen früh. Wollen den Betrieb sehen und den ‚Bedarf der Klienten‘ bewerten.“ Er gluckste. „Professionell.“
Kallan gab ein abfälliges Grunzen von sich. Lieferanten kamen. Lieferanten gingen. Sie waren bloße Mittel zum Zweck.
Cassians nächste Worte, die mit Belustigung gespickt waren, ließen ihn erstarren.
„Sie sagten, *sie* besteht darauf, alles persönlich zu sehen.“
*Sie?*
Kallan hob den Kopf, seine Augen verengten sich ein wenig.
Cassian grinste, als er die unausgesprochene Frage auf dem Gesicht seines Aufsehers las. „Versuch, diese hier nicht zu verschrecken. Wir brauchen die Lebensmittel.“
„Wer auch immer es ist“, sagte Kallan, seine Stimme wieder in gewohnter, emotionsloser Kälte, „wird seinen Job machen oder gehen.“
Cassian gluckste, ein satter, wissender Klang. Er klopfte Kallan noch einmal auf die Schulter, bevor er sich zum Gehen wandte.
„Wir werden sehen, Biest“, rief er über die Schulter. „Wir werden sehen.“
Wieder allein, blickte Kallan auf seine Hände. Auf die vernarbten Knöchel, die Landkarte eines gewalttätigen Lebens, die in seine Haut geschrieben war. Er nahm ein sauberes, weißes Tuch vom Tisch und begann methodisch, das nicht vorhandene Blut von ihnen abzuwischen.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit spürte er ein schwaches, beunruhigendes Zittern der Erwartung auf den Morgen.
Natürlich. Hier ist die Fortsetzung, die in die Reaktionen der Männer und die wachsende Spannung vor Roses Ankunft eintaucht.
Die Nachricht verbreitete sich, wie es in der eng verbundenen, explosiven Welt des Syndikats immer der Fall war, schneller als ein Gasleck.
Cassian hatte den Saal kaum verlassen, da begann das Flüstern. Ein neuer Lieferant war alltäglich. Ein neuer Lieferant, der *sie* war? Das war ein Novum. Und für Männer, deren Leben ein monotoner Kreislauf aus Training, Kämpfen und Wundenflicken war, war eine Neuheit eine gefährliche Ablenkung.
Dax war der Erste, der es aussprach, und legte einen Arm um einen müde aussehenden Ezra. „Hast du das gehört? Eine Frau. Endlich mal etwas Hübscheres anzusehen als deine hässliche Visage beim Essen.“
Ezra schüttelte ihn ab, aber ein schwaches, neugieriges Licht lag in seinen Augen. „Solange sie uns Fleisch besorgen kann, das nicht nach Stiefel schmeckt, ist es mir egal, ob sie eine dreiköpfige Hexe ist.“
„Eine Hexe? Benutz deine Fantasie, Ez!“, warf Silas ein, dessen frühere Ermahnung angesichts des frischen Klatsches bereits vergessen war. Er lehnte sich über den Tisch, seine Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern gesenkt. „Ich wette, sie ist so eine knallharte Ex-Militärköchin. Du kennst den Typ. Haare in einem strengen Dutt, Bizeps größer als meine, könnte einem Mann mit einem Nudelholz das Genick brechen. Sie würde sich diesen Fraß hier ansehen“, sagte er und deutete angewidert auf seinen Teller, „und einen Herzinfarkt bekommen.“
Dax lachte, ein scharfer, heller Klang. „Militärköchin? Auf keinen Fall. Das wird irgendeine alte Witwe sein. Hemlocks Konkurrenz. Mrs. Potts aus den Geschichten, mit einem warmen Lächeln und einem Geheimrezept für Eintopf, bei dem man Gott sieht. Sie wird ein Dutzend Kinder zu Hause haben, die sie mit unserem Geld füttert.“
Die Spekulationen spannen sich weiter und webten einen Teppich aus wilden Persönlichkeiten für die unbekannte Frau. Eine resolute Bauernfrau, die Hände von der Arbeit auf dem Feld gezeichnet, die die Ware mit einer strengen Warnung vor Verschwendung liefern würde. Eine glatte Ernährungsberaterin im Hosenanzug, bewaffnet mit Diagrammen und einem herablassenden Lächeln. Eine verzweifelte alleinerziehende Mutter, leicht einzuschüchtern, die den Kopf senken und ihre Preise niedrig halten würde.
Kallan hörte sich das alles aus seiner Ecke an, während der Stoff ihrer Fantasien unter seiner Kontrolle ausfranste. Eine Ablenkung. Mehr war sie nicht, und sie hatte noch nicht einmal den Fuß in das Gelände gesetzt. Er konnte sehen, wie sich der Fokus seiner Männer von ihrem Schmerz und ihren Siegen auf dieses sinnlose Spiel der Vermutungen verschob. Ihre Köpfe, die er dazu trainiert hatte, Waffen zu sein, füllten sich nun mit Unsinn.
Er stand auf; die Stuhlbeine scharrten mit einem Geräusch über den Steinboden, das wie ein Schuss durch das Geplapper schnitt. Der Raum wurde augenblicklich still. Alle Augen richteten sich auf ihn.
Er ging nicht auf die Spekulationen ein. Das musste er nicht. Seine bloße Anwesenheit war ein Befehl.
„Training“, sagte er, das einzelne Wort ein tiefes Grollen bevorstehender Anstrengung. „Fünf Uhr morgens. Wer zu spät kommt, läuft zwanzig Runden mit einem Fünfzig-Kilo-Rucksack.“
Der Zauber war gebrochen. Die Fantasie der mysteriösen Frau wurde für einen Moment durch die sehr reale, sehr körperliche Angst vor Kallans Training ersetzt. Schultern sackten zusammen. Stöhnen wurde unterdrückt. Sie begannen sich zu zerstreuen, der Fokus war zwangsweise wieder auf die Schinderei gerichtet.
Doch als Kallan sich zum Gehen wandte, glitt sein Blick ein letztes Mal über sie hinweg. Er sah die verweilenden Blicke, das subtile Grinsen, das Dax Silas zuwarf. Die Ablenkung hatte Wurzeln geschlagen. Es war ein Unkraut in seinem perfekt geordneten Garten.
Er trat in die kühle, feuchte Nachtluft des Geländes hinaus; die Geräusche der Stadt waren ein fernes Summen jenseits der hohen Mauern. Er legte den Kopf in den Nacken und betrachtete den Mondsplitter, der sich zwischen dem Stacheldraht verfangen hatte. Eine Militärköchin. Eine alte Witwe. Eine Bäuerin.
Nichts davon spielte eine Rolle. Sie war eine Lieferantin. Ein Werkzeug. Mittel zum Zweck. Wenn sie kompetent war, würde sie bleiben. Wenn nicht, würde sie entfernt werden. So einfach war das.
Er wiederholte die Logik für sich selbst, ein Mantra, das so vertraut war wie das Gefühl seiner Knöchel gegen einen Sandsack. Aber zum ersten Mal klangen die Worte hohl. Ein schwaches, irritierendes Summen der Vorfreude hatte sich in seiner Magengegend entzündet, direkt neben dem allgegenwärtigen Hunger.
*Sie*, hatte Cassian gesagt.
Kallans Kiefer spannte sich an. Er hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache.
***
Die Stille in seinem Zimmer war eine körperliche Präsenz. Es war das Einzige, was er sich zu gönnen erlaubte – eine vollständige und totale Abwesenheit von Geräuschen, von Anforderungen, von Leben. Die Wände waren aus nacktem Beton, der Boden ebenso. Ein einfaches Feldbett, ein Schrank für seine wenigen, identischen dunklen Kleider und ein einzelner Stuhl. Es war eine Zelle. Es war ein Zufluchtsort. Es war das einzige Abbild seines inneren Selbst, das er der Welt zu zeigen erlaubte.
Er saß auf der Kante des Bettes, die Federn ächzten unter seinem Gewicht, und schnürte methodisch seine Stiefel auf. Die Routine war heilig. Linker Stiefel, dann der rechte. Sie standen nebeneinander, perfekt ausgerichtet an der Wand. Jede Bewegung war präzise, ein Kontrollritual, das das Biest beruhigte, das ständig unter seiner Haut regte.
Doch heute Abend versagte ihm das Ritual.
Die Stimmen seiner Männer hallten in der Stille seines Geistes wider. *Militärköchin. Alte Witwe. Bäuerin mit Kindern.*
Er spottete, ein tiefes, raues Geräusch in der Dunkelheit. Narren. Sie sahen eine Geschichte, wo es nur eine Transaktion gab. Sie bauten Fantasien auf einem Fundament aus Lebensmitteln und Bezahlung. Doch trotz seiner Verachtung flackerte ein Bild, ungebeten und unerwünscht, hinter seinen Augen auf.
Nicht von einer abgehärteten Köchin oder einer sanften Witwe. Sondern von einer Frau. Eine Silhouette vor dem grellen Licht der Laderampe. Jemand, der beim Anblick von Blut auf dem Beton nicht zurückweichen würde. Jemand mit einem Rückgrat aus Stahl, der seine Welt, der *ihn* ansehen würde, ohne den Blick abzuwenden.
Der Gedanke war so fremd, so gewaltsam aufdringlich, dass er physisch den Kopf schüttelte, um ihn loszuwerden.
*Was hielt die Zukunft für sie bereit?*
Die Frage, vage und gewaltig, verunsicherte ihn. Er dachte nie in solchen Begriffen. Die Zukunft war der nächste Kampf. Die nächste Lieferung. der nächste Befehl von Cassian. Es war ein gerader, schmaler und blutverschmierter Pfad. Er war der Wächter dieses Pfades und stellte sicher, dass niemand – und nichts – davon abwich.
Diese Frau, diese *Lieferantin*, war eine Variable. Ein Unbekanntes. Und Unbekanntes waren Bedrohungen.
Er stand auf und ging zu dem kleinen, vergitterten Fenster, von dem aus er über das schlafende Gelände blickte. Sein Königreich aus Gewalt und Ordnung. Er sah die Zukunft dort mit vollkommener Klarheit: mehr Kämpfe, mehr Geld, mehr Macht. Mehr Narben an seinen Knöcheln, mehr Geister in seiner Stille. Es war eine Zukunft, die er sich mit seinen eigenen Händen geschnitzt hatte, eine Zukunft, die ihm so perfekt passte wie ein Sarg.
Doch jetzt... jetzt hatte eine einzige, unbedeutende Frage, ausgelöst durch die Ankunft einer einzigen, unbedeutenden Person, einen Haarriss in dieser Gewissheit erzeugt.
Wäre sie schwierig? Wäre sie schwach? Würde ihre Anwesenheit das empfindliche, brutale Ökosystem stören, das er aufgebaut hatte? Würden seine Männer abgelenkt, weich werden? Würde *er* es?
Der letzte Gedanke war der gefährlichste von allen.
Er wandte sich vom Fenster ab, das Phantom-Bild des unerschütterlichen Blicks einer Frau brannte noch immer am Rande seines Blickfeldes. Er legte sich auf das Feldbett, die dünne Matratze bot keinerlei Komfort, und starrte an die rissige Decke.
Die Zukunft war immer eine einfache, brutale Gleichung gewesen. Jetzt fühlte es sich wie eine Frage an, auf die er keine Antwort wusste. Und für einen Mann, der ausschließlich mit Absolutheiten handelte, war das die erschreckendste Aussicht von allen.
Der Schlaf, als er endlich kam, war keine Flucht. Er war ein unruhiges Meer, in dem die Gesichter seiner Kämpfer mit der Silhouette einer Frau verschwammen, die er nie getroffen hatte, und der Geruch von Blut sich mit dem unmöglichen, vergessenen Duft einer hausgemachten Mahlzeit vermischte.









I just know this is going to be another good one. I’m as excited as the men about the new arrival. I think the men have all guessed wrong about what she will be like lol