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Kraut - die Kurzgeschichte zum 26.11.2025

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Zusammenfassung

Vorsicht beim Wünschen und Vorsicht bei unbekannten Kräutern!

Genre:
Fantasy
Autor:
HieroBald
Status:
vor 10 Monaten
Kapitel:
1
Rating
n/a
Altersfreigabe
13+

Kraut

Vollmond. Ich streife durch die Umgebung und sammle Kräuter. Wenn der Mond so übergroß ist, haben manche Pflanzen besondere Kräfte. Großmutter hat mich gelehrt, worauf ich achten soll. Wie sehr ich sie vermisse.

Manches Kraut hat andere Eigenschaften, ob es getrocknet wird oder eingelegt, ob man es abschneidet oder mit der Wurzel ausreißt. Es ist kompliziert.

Das hier habe ich noch nie gesehen. Merkwürdig. Schon so lange gehe ich sammeln und hier finde ich ein seltsam gezacktes Blatt mit roten Äderchen. Vorsichtig zupfe ich es von dem dicken Stängel. Unbedacht nehme ich es in den Mund und zerkaue es vorsichtig. Süßlich. Etwas bitter auf der Zunge. Ich erschrecke, weil das gegen alle Regeln ist. Vielleicht ist es giftig?

Jetzt habe ich es auch noch verschluckt. Hoffentlich geht das gut.

Die Lichtung. Dort blüht bei Vollmond das Zauberkraut der Heilerin. Wie schön es ist. Ich schneide behutsam sieben Blüten ab und bedanke mich. Rückwärts verlasse ich den Wald. Das ist wichtig, sonst verliert das Kraut seine Kraft.

Ich pflücke ein paar Brombeeren und mache mich auf den Heimweg.

Auf der Bank vor meiner Hütte sitzt jemand. Mitten in der Nacht? Wer mag das sein? Furchtsam war ich noch nie, also gehe ich einfach weiter. Großmutter! Die letzten Schritte renne ich und falle vor ihr auf die Knie. „Ja, mein Kind. Ich bin es. Ich habe Deine Trauer gespürt.“ „Hat es mit dem Kraut zu tun, das ich gegessen habe?“ „So ist es. Wenn ein Wunsch groß genug ist und vollkommen unschuldig gedacht wird, erscheint diese Pflanze. Aber nur Menschen, die ausreichend aufmerksam sind, werden es bemerken. Der Zauber hält nur kurz, ich merke schon, wie die Kräfte schwinden. Du bist Zwanzig Jahre alt und noch Jungfrau. Du musst heiraten und eine Tochter haben, die das Wissen bewahrt.“ Großmutter scheint zu zerfließen. „Aber, ich möchte Dich noch so viel fragen.“ „Du brauchst mich nicht, denk an meine Worte und bleib aufmerksam.“ Ich möchte sie noch einmal anfassen, da ist sie schon verschwunden.

Ich lege den Kopf auf die Bank und weine. Was hat sie gesagt? Heiraten? Aufmerksam?

Heulsuse! Wer soll Dich denn heiraten? Die Kräuter müssen ins Haus und nach den alten Gebräuchen behandelt werden. Sonst war alles umsonst.

Der Sonnenaufgang ist heute besonders schön. Wie ein güldener Taler steigt die Göttin aus dem Frühnebel und streichelt meine Wangen.

Ich höre Hufe. Pferde sind wertvoll und hier sehr selten. Schnauben. Aus dem Nebel kommt es zum Haus. Langsam. Als hätte es eine kostbare Last zu tragen.

Ich schaue ungläubig. Was hatte Großmutter gesagt? Aufmerksam?

Es trottet direkt auf mich zu, stubst mich mit dem Maul an und dreht sich seitwärts. Auf seinem Rücken ein Mann in Uniform. Ohne Sattel liegt er mehr als er sitzt und im nächsten Moment fällt er herunter. Ich will ihn fangen und wir landen beide auf der Wiese. Seine Augen sind geschlossen und er scheint fiebrig.

Ich denke an Großmutter.