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Slice of Life - Auf Abwegen

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Zusammenfassung

Obwohl in Villes Leben seit eineinhalb Jahren alles ziemlich geregelt läuft - seine Arbeit als Tätowierer erfüllt ihn wie nie zuvor, er ist clean und auch seine Freundschaft zu Carolin könnte nicht besser sein - sehnt er sich nach dem berüchtigten Kribbeln im Bauch. Allerdings wird sein Vorhaben, eine neue Beziehung einzugehen und so sein geregeltes Leben weiter in richtige Bahnen zu lenken ziemlich gestört. Alte Bekannte tauchen auf einmal auf, längst vergessene Gefühle machen sich breit und Carolin benötigt dringend seine emotionale Unterstützung.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Prolog

Villes Hand zitterte, als er seine Unterschrift in die untere rechte Ecke des Papiers setzte. Sein Atem ging stoßweise und er fühlte sich, als würde nicht genug Sauerstoff in seine Lungen kommen. Mühsam konzentrierte er sich, seine Atmung wieder zu normalisieren und er legte den Stift auf dem Tisch ab. Er schob ihn mit dem Finger über das helle Holz des Schreibtischs und hob den Blick.

Der Mann, der ihm gegenüber saß lächelte, raffte aber bereits die unterschriebenen Papiere zusammen, so als hätte er es sehr eilig.

„Gut, das wäre erledigt“, sagte er gehetzt, krakelte so etwas wie eine Unterschrift auf die Papiere, versah alles mit einem Stempel und hielt Ville anschließend ein Exemplar hin.

Er nahm es und betrachtete es unwillkürlich, so als hätten sich die Worte darauf verändert. Was natürlich Quatsch war, aber so richtig begriffen, was er soeben getan hatte, hatte er noch nicht.

Auch wenn er es schon tausende Male in seinem Kopf durchgegangen war, sich informiert hatte und gleichzeitig irgendwie versucht hatte, die Distanz zu wahren, fühlte es sich an wie ein Traum. Nicht im Positiven, sondern so, wie wenn er etwas geradebiegen musste. Und im Prinzip war es auch so, denn er hatte soeben die notwendige Erklärung bei dem Notar unterschrieben, dass er seine leibliche Tochter Hazel zur Adoption freigab.

„Das wär’s dann. Schönen Tag noch“, komplimentierte der Notar ihn nach draußen und Ville machte sich, ohne die kostbare Zeit des Mannes mit einer Verabschiedung zu verschwenden, vom Acker.

Er verließ das Gebäude, ein eher unscheinbares, kleines Bürogebäude, in dessen Erdgeschoss das Büro des Notars lag. Seine Ausfertigung der notariell beglaubigten Erklärung schob er in die Mappe in seiner Tasche, denn gleich morgen würde er das beim Jugendamt abgeben. Die Mitarbeiterin dort, welche auch die Vormundschaft für Hazel hatte, würde alles weitere mit dem Gericht klären.

Ville wusste, dass er dieses Kapitel in seinem Leben am liebsten ungeschehen machen würde, denn dass er ein Kind mit einer Minderjährigen gezeugt hatte, schien ihm beinahe das schwärzeste Ereignis in seinem bisherigen Leben. Vielleicht lag das auch daran, dass Lilli, die Mutter von Hazel, ihn gewissermaßen verführt und ausgetrickst hatte, aber darüber wollte er nicht mehr nachdenken. Er hatte seine Strafe verbüßt, er wollte und würde auch von Amtswegen niemals das Sorgerecht für das Mädchen bekommen und er wusste, dass Lilli sich nicht um das Kind kümmern konnte, sodass es ohnehin bald in Obhut genommen wurde. Es war kalt und herzlos dem kleinen Baby gegenüber, aber er war sich mehr als sicher, dass eine Adoption die richtige Entscheidung war, immerhin bestand so die Chance, dass Hazel liebende und fürsorgliche Eltern bekam.

Noch einmal atmete er tief durch und drängte all diese Erinnerungen an Hazel und Lilli in einen toten Winkel seines Hirns. Er straffte die Schultern, zog den Reißverschluss seiner Sweatshirtjacke hoch und trat hinaus in die kalte Herbstluft.

„Fertig?“, fragte Carolin, die direkt neben der Eingangstür mit in den Taschen vergrabenen Händen auf ihn gewartet hatte. Er nickte stumm und bedeutete ihr anschließend mit einer Kopfbewegung, ihm zu folgen.

Ihr skeptischer, vielleicht auch misstrauischer Blick bohrte sich in seinen Rücken, bis sie auf einmal nach seinem Ellbogen griff und ihn so zum Anhalten zwang. Als er sich zu ihr umdrehte, schüttelte sie leicht den Kopf und sah ihn mit ungläubigem Blick an.

„Bist du wirklich okay?“, hakte sie nach. Ville schnaubte und lachte freudlos auf.

„Ich hab nur einen blöden Zettel unterschrieben. Was soll daran schon so schlimm sein?“, erwiderte er und wandte sich um. Dieses Mal schloss sie zu ihm auf, ließ ihren Arm unter seinen gehakt und ging gemeinsam mit ihm zum Auto, das in einiger Entfernung am Straßenrand geparkt war.

„Du weißt, dass du mit mir darü...“

„Ich will nicht darüber reden“, unterbrach er sie jäh, allerdings schien sie endlich zu begreifen, dass sie den Mund halten sollte. Sie brummte noch etwas Unverständliches vor sich hin, blieb anschließend aber stumm.

Genau so stumm, wie er über dieses Kapitel in seinem Leben bleiben würde.

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