Das Haustier des Orks

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Zusammenfassung

Als Aliens die Erde überfielen, wurde die dreißigjährige Hannah gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. Sie wird von einem Ork-Clan als Haustier für einen ihrer grimmigsten Krieger, Drokahr, gekauft und muss alles tun, um zu überleben. Doch sie hätte nie erwartet, einem Ork zu begegnen, der auf dem Schlachtfeld gnadenlos, gegenüber seinem neuen Haustier jedoch unerwartet sanft ist – was sie dazu zwingt, alles infrage zu stellen, was sie über Angst, Macht und Vertrauen zu wissen glaubte.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
25
Rating
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Altersfreigabe
18+

Ein neues Zuhause

Hannah

Ein lautes, vibrierendes Grollen schreckte mich aus dem Schlaf. Panik stieg in mir auf, während ich mich hektisch umsah. Ich war immer noch in demselben alten, klapprigen Raumschiff. Ein Seil fesselte mich an meinen Sitz und schnitt tief in meine Haut ein. Ich verzog vor Schmerz das Gesicht und blickte mich um. Ich atmete ein paar Mal tief durch, um mein rasendes Herz zu beruhigen. Dämmriges Licht und abgestandene Luft – genau wie am Anfang. Oder eher, als ich hier reingezwungen wurde. Dieses alte, reptilienartige Wesen war nicht gerade zimperlich gewesen, als er mich in sein Schiff stieß. Aber warum sollte er auch? Ich war nichts wert. Nur eine Sklavin. Nützlich, aber jederzeit ersetzbar.

Trotzdem hatte mich jemand gekauft. Wer auch immer es war, wir waren fast da. Ein mulmiges Gefühl machte sich in meiner Brust breit und schnürte mir die Kehle zu. Wie würden sie wohl sein? Auf was für einem Planeten landeten wir? Und gab es eine Chance, zu fliehen?

Rechts von mir öffnete sich die Tür zum Cockpit. Zwei Paar gelbe Augen starrten mich an. „Aufwachen, Menschlein. Bereit für dein neues Zuhause?“, lachte das alte Reptil hämisch. „Man hört, dass diese Herrschaften nicht gerade zimperlich mit ihren Haustieren umspringen.“

„Haustier.“ Mir drehte sich vor Ekel der Magen um. „Ich bin kein Haustier“, knurrte ich zwischen den Zähnen hervor.

Er lachte nur und riss mich von meinem Sitz hoch. Dabei zog er das Seil um meine Handgelenke noch fester zu. Ich schrie vor Schmerz auf. Das brachte ihn nur noch mehr zum Lachen. „Zerbrechlich wie eine Sonnenmaus!“

Was auch immer eine Sonnenmaus war, es war mir egal. Ich hatte keine Zeit, nachzufragen. Er lockerte das Seil gerade so weit, dass er mich ordentlich packen konnte. Dann schleifte er mich zur offenen Laderampe. Als ich das Schiff verließ, sah ich zuerst Bäume und Gras. „Wir sind auf einer Lichtung“, dachte ich und sah mich um. Zu meiner großen Erleichterung konnte ich atmen. Das Gras fühlte sich unter meinen nackten Füßen weich an.

„Sieht so aus, als wären wir zu früh. Dann muss ich dich wohl erst mal anbinden. Keine Zeit zu verlieren. Ich muss noch so ein Ding wie dich ausliefern!“, sagte er. Er zerrte mich zu einem Holzpfahl. Er drehte mich herum und fesselte meine Hände dahinter. „Na dann. Viel Glück!“

Er drehte sich auf dem Absatz um und stapfte zurück zum Schiff. „Ich hoffe, du stürzt ab!“, schrie ich ihm hinterher, während sein Schiff abhob.

Panik stieg in mir hoch und raubte mir fast den Atem. „Ich muss hier weg.“ Ich zwang mich, ruhig zu atmen. Mit Wäldern kannte ich mich aus. Ich hatte schon Schlimmeres überlebt. Einfach atmen und … ja!

Eine Welle der Erleichterung überrollte mich, als das Seil nachgab. Ich dankte dem Reptil im Stillen. Er hatte wohl nicht darauf geachtet, den Knoten richtig festzuziehen. Ich war frei und musste diese Chance nutzen.

Ich musterte die Umgebung und entdeckte einen kleinen Pfad zwischen den Bäumen. Das war sicher der Weg, den mein Käufer nehmen würde. Also entschied ich mich für die andere Richtung. Ich rannte in den Wald hinein. Dabei betete ich, dass ich genug Vorsprung hatte, bevor jemand mein Verschwinden bemerkte.


Drokahr

Endlich war der Tag gekommen. Ich sollte geehrt und belohnt werden, weil ich einer der wildesten Ork-Krieger war, die der Kheelan-Clan je gesehen hatte. Nur wenigen Kriegern wurde die Ehre zuteil, ein eigenes Zelt zu besitzen, geschweige denn ein Haustier. Jetzt gehörte ich dazu.

Ich war stolz, der erste Sohn meiner Familie mit dieser Auszeichnung zu sein. Ich wurde als Kind starker Eltern geboren und wählte früh den Weg des Kriegers. Krieger des Kheelan-Clans durften keine Gefährtin wählen und keine eigenen Kinder haben. Wir waren für die Schlacht bestimmt, nicht für die Familie. Mein Bruder war Schmied und hatte eine Frau und drei Söhne. So wusste ich, dass meine Linie durch sie fortbestehen würde.

Ich dachte an die harte Ausbildung zurück, die mich auf die blutigen Kämpfe gegen andere Clans vorbereitet hatte. All die Zeit und Erfahrung hatten mich hierher geführt. Mit fast vierzig Jahren hatte ich mehr überlebt als die meisten Krieger. Es war also nur logisch, dass mir solch ein Luxus zustand.

Ich sah mich in meinem neuen Zuhause um. Es war wirklich wie für einen Krieger meines Ranges gemacht. Ein riesiges Bett mit weichen Fellen, eine Sitzecke aus bunten Decken und Kissen und ein Ofen für kalte Winternächte. Hinter einem Vorhang gab es sogar ein kleineres Zelt mit meiner eigenen Badewanne. Früher hatte ich mich mit zehn anderen Kriegern in ein Zelt gequetscht. Gewaschen haben wir uns im eiskalten Bach neben dem Lager. Ein zufriedenes Grinsen stahl sich auf meine Lippen. Diese Zeiten waren nun vorbei.

Das Einzige, was noch fehlte, war mein Haustier.

Mein Blick fiel auf das kleine Lager am Boden neben der Sitzecke. Ein Krieger durfte selbst entscheiden, welcher Spezies sein Haustier angehörte. Mor, eine Kriegerin, die ebenfalls ein Zelt und ein Haustier bekommen hatte, wählte einen menschlichen Mann. Ihr Tier war ein nützlicher Diener. Er war zwar kleiner als wir Orks, aber athletisch und kräftig gebaut. Er konnte schwere Lasten tragen und leistete Mor gute Dienste. Also verlangte auch ich nach einem Menschen.

Ich hatte ausdrücklich um ein Weibchen gebeten. Ich dachte, mir würde eine Frau als Dienerin gefallen. Die Vorstellung, mein Heim mit einem Mann zu teilen, gefiel mir gar nicht. Ich war neugierig, wie Menschenfrauen aussahen. Heute würde ich es endlich erfahren.

Gerade als ich an mein neues Haustier dachte, rief Halvar, der Späher des Lagers: „Drokahr! Das Schiff ist da!“

„Jetzt schon? Es sollte erst am Abend ankommen“, sagte ich und trat aus dem Zelt zu Halvar hinaus.

„Sieht aus, als könntest du dein Haustier schon früher genießen“, grinste er. Mit einem Winken verschwand er zwischen den Zelten des Lagers.

Aufregung machte sich in mir breit. Ich stellte mir vor, wie ich mein neues Haustier durch das Lager führte und es den anderen Orks präsentierte. Mit ihr an meiner Seite würde jeder sehen, dass ich ein erfolgreicher Krieger war.

Ich machte mich auf den Weg zum Zelt unseres Anführers. Solkar war ein alter Ork-Krieger, übersät mit Narben, aber immer noch einer der stärksten und weisesten Orks, die ich kannte. Als ich noch ein Junge war, hatte er mich ausgebildet und mich gelehrt, ein guter Krieger zu sein.

Solkar saß am Ende des großen Zeltes auf seinem Thron. „Na, Drokahr, dein Geschenk ist wohl früher da als geplant“, grinste er.

Solkar hatte langes weißes Haar, das im Nacken geflochten war. Ein Auge fehlte ihm, das hatte er in einer alten Schlacht verloren.

„Sieht so aus, Häuptling“, antwortete ich.

„Na dann, los. Lass sie nicht warten!“

Mit seinem Segen verließ ich das Lager. Ich nahm den kleinen Pfad zum Landeplatz. Da wir Orks keine Fremden in unserem Lager mochten, lag der Landeplatz für die Schiffe ein Stück entfernt.

Während ich durch den Wald ging, malte ich mir aus, wie es wäre, eine Dienerin zu haben. Sie würde mir jeden Wunsch erfüllen. Mir wurde nie etwas geschenkt. Ich musste immer hart arbeiten oder es mir nehmen. Noch nie hatte jemand eine Badewanne für mich gefüllt oder mein Bett gemacht. Ich grinste über beide Ohren.

„Ja, das wird mir gefallen“, dachte ich zufrieden.

Als ich auf die Lichtung kam, die uns als Landestation diente, blieb ich wie angewurzelt stehen.

Da war niemand.

Verblüfft sah ich mich um. Wo waren sie? Hatte Halvar sich geirrt?

Langsam ging ich zum Pfahl. Im Gras entdeckte ich ein Stück Seil, das auf dem Boden lag. Es war das einzige Zeichen, dass jemand hier gewesen war. Aber wo steckten sie?

Ich suchte die Lichtung ab und bemerkte kleine Fußspuren, die in den Wald führten. Diese Spuren waren viel zu klein für einen Ork.

Mein Blut fing an zu kochen.

„Wie kann dieses kleine Ding es wagen“, knurrte ich mit zusammengebissenen Zähnen.

Wenn ich ohne den Menschen ins Lager zurückkehrte, würden alle fragen, wo sie war. Wenn sie herausfanden, dass mein Haustier weggelaufen war, stünde ich als Depp da.

„Nein. Niemand wird mich demütigen“, grollte ich. Ich straffte mich und folgte den Spuren von der Lichtung in den Wald hinein.

Ich würde dieses ungehorsame Haustier finden. Und wenn ich sie erst einmal hatte, würde ich ihr zeigen, wo ihr Platz ist.