Prolog
Hallo liebe Lesende,
da ich nie zufrieden bin, habe ich alles von vorn zu überarbeiten begonnen... Außerdem habe ich die Kapitel umgestellt. Wenn ihr also schonmal mitgelesen habt, dann fangt bei dem Kapitel nach der dritten Prüfung wieder an, denn dort ändert sich die Reihenfolge. Es schadet aber vermutlich nicht, einfach von vorn zu beginnen 🙈 Für den Algorithmus und so.
An alle, die neu sind:
Ich freue mich, dass ihr meine Geschichte gefunden habt.
Ein paar Worte vorweg: “a Shift to darkness” ist in meinen Augen keine leichte Kost und nichts, was man mal eben so nebenbei wegsnackt. Ich habe viel Herzleid und Arbeit in diese Geschichte gesteckt, sie ist tiefgründig und voller versteckter Hinweise, die letztlich auf ein paar Twists und Geheimnisse hinauslaufen.
Ihr müsst Geduld mitbringen und Liebe fürs Detail. Zwar geht es hier um die Liebe zwischen zwei (oder mehreren) Personen, doch die Liebesgeschichte spielt nur eine Nebenrolle.
Das, was die Story letztlich ausmacht, ist viel mehr als das. Sie zeigt die Tragik von Verlust aus mehreren Perspektiven und führt hoffnungsvoll in die Zukunft.
Ich hoffe, ihr liebt meine Charaktere irgendwann genauso wie ich selbst.
Da ich es auf Inkitt mittlerweile immer häufiger lese, noch ein Hinweis: KI habe ich nur für Recherche genutzt und um herauszufinden, wie das, was ich geschrieben habe, bei meinem Gegenüber zumindest in erster Hinsicht ankommt. Die Story ist mein eigener Erguss, daran ist nichts von einer Maschine erdacht worden. Das Cover hab ich übrigens nicht selbst gebaut, in Designfragen bin ich gänzlich unbegabt. 😉
Viel Spaß beim Lesen
JG
Prolog
Einige Jahre zuvor
Sie kamen bei Einbruch der Dunkelheit.
Der Junge hatte sich mit einem Buch im Kerzenschein niedergelassen, obwohl ihn seine Mutter gerade zu Bett geschickt hatte. Doch das Gewitter vor dem Fenster hatte ihn nicht zur Ruhe kommen lassen und so hatte er sich stattdessen an den Tisch gesetzt, um weiterzulesen.
Eine trügerische Ruhe ging an diesem Abend vom Rauschen des Regens aus. Gelegentlich zerriss ein Blitz die Schwärze vor dem Fenster, doch weder das, noch das ferne Grollen des Donners konnten dem Jungen Angst einjagen.
Er war gerade bei einer besonders spannenden Stelle der Geschichte angelangt, als plötzlich Schreie aufwallten. Eilige Schritte auf dem Holzboden folgten, wurden stetig lauter, dann wieder leiser.
Der Junge klappte das Buch zu, schlich zur Tür und öffnete sie nur einen winzigen Spalt, um hinauszuspähen. Im Flur war niemand zu sehen. Seine Füße trugen ihn zur Küche, doch auch diese war verlassen.
„Mammah?“ Seine Stimme war leise, von aufkeimender Furcht zu einem zaghaften Flüstern gedrückt und doch schien sie an den Wänden der Küche ewig widerzuhallen. Nur ein Teekessel pfiff auf der Flamme des Herdes.
Die Tür zum Schlosshof schlug im Wind des Sturmes immer wieder gegen den hölzernen Rahmen. Jeder Hieb trug das ferne Geschrei der Stadtbewohner zu ihm herein. Seine Mutter ging abends oft zu den Ställen, um dort nach den Tieren zu sehen. Vielleicht war sie kurz hinausgegangen und hatte sie deshalb nur angelehnt.
Er tapste langsam auf den Ausgang zu, blickte sich immer wieder hektisch über die Schulter, als könnte er von hinten angefallen werden. Wovon, das wusste er selbst nicht so genau.
Der Niederschlag war so stark, dass sich auf dem Hof bereits unzählige Pfützen gebildet hatten, die sich wie dunkle Tümpel über die Kiesfläche zogen.
Sein Blick schweifte zum Toreingang, wo gewöhnlich zwei Wachen postiert waren. Doch heute waren sie nirgendwo zu entdecken. Er streckte den Kopf hinaus, betrat den knirschenden Kies, ohne darauf zu achten, dass er auf bloßen Füßen unterwegs war. Eine Gänsehaut zog sich wie eine zweite Haut über seine nackten Arme. Vielleicht sollte er zurückgehen, einen Mantel und Schuhe holen, um nach seiner Mutter zu sehen. Ja, das würde er so machen.
Er wandte sich gerade um, da tauchte in der Ferne ein riesiger haariger Leib auf. Wie ein Wolf sah er aus, so mächtig wie die Wesen in den Geschichten seiner Bücher. So groß wie ein Pferd. Oder sogar noch größer.
Sofort stürmte der Junge in die Küche und zu seinem Zimmer zurück. Er drängte sich unter die Kleidung im Schrank, knallte die Tür zu und wagte es nicht, auch nur einen Atemzug zu tun.
Das musste ein Traum sein. Ja, ganz sicher schlief er schon und träumte das alles nur. Nur warum war dann das Dröhnen seines Herzschlages so laut? Warum wachte er nicht einfach auf?
Er war sich sicher, dass gleich das Holz zerbersten und das Monster ihn holen würde. Und dann würde er erwachen.
Doch nichts dergleichen geschah. Der Wohnbereich blieb still, der Schrank geschlossen, seine Brust schmerzhaft eng. Niemand kam, um ihn zu holen. Auch nicht seine Mutter.
Eine Träne brannte an seiner Wange, dann tropfte sie auf das Holz. Er schniefte leise und kniff die Augen zusammen, als könnte das die Geräusche von draußen auf dem Hof ausblenden.
Er wusste nicht, wie lange er dort ausgeharrt hatte, bevor er die Tür schließlich wieder öffnete. Das Scharnier des Schrankes knarzte leise. Er hielt inne, harrte einen Moment aus, dann machte er vorsichtige Schritte zurück in den Flur.
So gut er konnte, schluckte er die Furcht herunter. Mutter wollte ein tapferes Kind. Kein angsterfülltes, das sich bei Gefahr versteifte wie die Sahne beim Aufschlagen.
Er ging nicht zurück in die Küche, wo vielleicht das Monster wartete. Nein, diesmal schlug er einen anderen Weg ein. Die Suche führte ihn die Treppen hinauf und in das Innere des Schlosses. Als Kind einer Bediensteten kannte er sich hier bestens aus, auch wenn es ihm eigentlich verboten war, herumzuschleichen wie ein kleiner Dieb.
Die Eingangshalle lag in geisterhafter Stille. Keine Bediensteten eilten herum. Nicht einmal die Schlosswachen standen an der Eingangstür.
Wo war nur seine Mutter? Sie würde Bescheid wissen, was zu tun war.
„Hallo?“, hauchte er in die Finsternis hinein. Ein weiterer Blitz erhellte die Halle und ließ ihn zusammenzucken. „Ma... Mammah?“
Das einzige Geräusch, das er zur Antwort erhielt, war ein fernes Wimmern auf der oberen Etage. War sie das? Klang seine Mutter so, wenn sie sich fürchtete? Sie war nie ängstlich, niemals, nur streng und fordernd. Um einen ordentlichen Mann aus ihm zu machen.
Mit klopfendem Herzen stieg er die Treppe hinauf. Dort ging es zu den Gemächern des Herrschaftspaares. Warum sollte seine Mutter dort sein? Ihre Aufgaben lagen in der Küche und bei den Viechern.
Noch während er die Stufen hinaufeilte, krachte die Eingangstür auf. Er wirbelte herum, hockte sich auf die Treppenstufen und spähte zwischen den Stäben hindurch. Zwei schwarze, haarige Kreaturen preschten in die Eingangshalle, blickten einander an, dann stoben sie auseinander und in unterschiedliche Richtungen davon.
Die Da’hems. Nach all den Jahren waren sie doch noch gekommen, um die Menschen zu unterwerfen.
Panik trieb den Jungen die letzten Treppenstufen hinauf. Das Holz knarzte unter seinen Schritten, doch er konnte sich darum jetzt keine Sorgen machen. Er folgte dem Wimmern einen endlos scheinenden Gang entlang, der ihn direkt zum Schlafzimmer der Herrschaften führte.
Er dachte nicht darüber nach, wollte nur endlich jemanden finden, der ihm half. Mit klammen Händen riss er die Tür zu dem Raum auf und huschte hinein.
Der Anblick, der sich ihm dort bot, ließ ihn auf der Stelle gefrieren. Ein ungewöhnlich großer Mann riss den Kopf zu ihm herum und musterte ihn mit hasserfüllten Augen.
In seiner ausgestreckten Faust hielt er den König am Kragen. Wie ein Spielzeug wirkte er in seiner Pranke. Daneben saß die Königin auf dem Bett, zitterte und wimmerte, während ein Fellmonster sie in Schach hielt.
„Verschwinde von hier, Menschenkind!“, dröhnte der Riese, dann wandte er sich wieder dem König zu, ohne dem Jungen noch länger Beachtung zu schenken. „Ich wiederhole die Frage, König von Crudelis.“ Er drückte den König mit dem Rücken gegen die Wand, sodass dieser den Boden unter den Füßen verlor. „Wo ist meine Frau?“
„Wovon sprecht Ihr?“ Der König hustete, vom Griff des Mannes der Luftnot nahe.
„Wir beherbergen keine Da'hems“, stieß die Königin hervor und wurde dafür harsch von dem Monster neben ihr angeknurrt.
„Töte sie“, befahl der riesige Mann, woraufhin der Wolf mit dem Maul zuschnappte. Der Junge riss die Hände vor die Augen, unterdrückte den Schrei in seiner Kehle.
Die Königin kreischte auf, der König brüllte ein „Nein!“ hervor, dann erfüllte Stille den Raum.
Der Junge wollte fort von hier. Endlich aufwachen, um all dem zu entkommen. Doch stattdessen presste er sich fester gegen die Tür, unfähig, sich umzudrehen und den Weg zurückzulaufen, den er gekommen war.
Nur langsam hob er die Lider. Sein Herz pochte so stark, dass es ihm aus der Brust zu springen drohte. Als sein Blick klarer wurde, erkannte er, dass die Königin nicht tot war. Der Wolf fletschte stattdessen die Zähne direkt vor ihrem Gesicht.
„Wo habt Ihr meine Frau hingebracht?“, wiederholte der Mann mit einem Ruck am Kragen des Königs. „Wo ist sie?“
„Nicht hier!“ Die Augen des Königs zuckten zu seiner Gemahlin. Er schluckte mehrmals, bevor er erneut sein Gegenüber ansah. „Wir haben Faelan nie bedroht oder auch nur betreten, Oberster der Wandler. Verschont unsere Stadt.“
„Dafür ist es zu spät!“, grollte der Mann. „Eure Soldaten haben sie geholt!“
„Darüber weiß ich nichts!“
Der Wolf öffnete das Maul, stieß ein Geräusch hervor, das aus den Tiefen seines Brustkorbs zu kommen schien. Als seine Schnauze sich gegen die Wange der Königin presste, durchzuckte den König ein heftiges Beben. „Hört auf!“ Er hob abwehrend die Hände. „Sie haben sie f... fortgeschafft! In die Zitadelle möglicherweise.“
„Das ist Tage von hier entfernt!“, knurrte der Oberste.
„Su... sucht sie dort. Die Magier... sie...“ Die Stimme des Königs brach bei seinen letzten Worten.
Zorn schien den Riesen nun zu erfassen. Seine Schultern zuckten, die Fingerknöchel wurden weiß, so fest griff er zu. Er brüllte auf. So laut, dass das Glas der Vitrine klirrte. Noch nie hatte der Junge ein solch grässliches Geräusch gehört. Seine Hände schnellten zu seinen Ohren, wodurch sein Kopf gegen die Tür stieß.
Im nächsten Augenblick stand dort kein Mann mehr, die Arme und Beine waren langen Gliedmaßen mit scharfen Krallen gewichen, der Kopf eine scheußliche Schnauze mit spitzen Zähnen geworden. Er hatte sich in ein Monster verwandelt, ähnlich den anderen Bestien, die der Junge schon gesehen hatte. Nur war seine Gestalt noch um einiges größer.
Endlich spürte der Junge seine Beine wieder, schob sich an der Tür entlang, um sie so leise wie möglich zu öffnen. Keine Sekunde nahm er dabei die aufgerissenen Augen von dem Wesen, das sich vor dem König aufgebaut hatte.
Gerade als er durch die Tür schlüpfte, stürzte sich der Wolf auf den König. Kleidung riss entzwei und angsterfüllte Schreie folgten dem Jungen den Flur entlang. Er konnte nicht hinsehen. Konnte nur rennen. Fort, fort, fort. Ließ den Lärm hinter sich zurück, der bald darauf von Stille verschluckt wurde.
„Mammah!“ Er schluchzte und rief weiter nach der einen Person, die ihn beschützen konnte. Sein Sichtfeld verschwamm, Tränen liefen ihm über das Gesicht. Er konnte sie nicht länger zurückhalten und rannte, so schnell ihn seine Beine tragen konnten. „Ma! Ma! Ma!“
Auf der Treppe stürzte er, polterte ein paar Stufen hinab und hievte sich ächzend wieder auf die zitternden Beine.
Als er unten um eine Ecke bog, prallte er gegen nasses Fell. Er wankte rückwärts, stolperte über seine eigenen Füße und knallte mit dem Kopf auf den Fliesenboden.
Als sich seine Umgebung langsam in Schwarz auflöste, wünschte er sich nur noch, das Grauen möge endlich enden.
Doch aus diesem Albtraum wachte er nicht auf.








