Died That Night
Das Erste, was ich spĂŒre, ist Frieden.
Ein brutaler, reiner Frieden â jetzt, wo ich endgĂŒltig aufgehört habe zu atmen.
Meine Glieder treiben schwerelos, als hĂ€tte das Meer endlich beschlossen, mich nicht mehr zu ertrĂ€nken, sondern zu halten. Ich fĂŒhle es bis in die Fingerspitzen, diese Leichtigkeit, die ich nie gekannt habe.
Nie.
Nicht einmal in den wenigen Sekunden, in denen ich als Kind die Augen geschlossen und so getan habe, als wÀre die Welt nicht schon vor meiner Geburt gegen mich.
Mein ganzes Leben war eine einzige Last.
Verantwortung wie Ketten um meinen Hals. VorwĂŒrfe, die sich in meine Haut gebrannt haben. Strafen fĂŒr Dinge, die ich nie getan habe.
Nie Frieden. Nie Liebe. Nie eine Hand, die mich einfach nur gehalten hÀtte, ohne etwas zu fordern.
Und jetzt bin ich voll davon.
ĂberschĂŒttet.
ErtrÀnkt in etwas, das ich nicht verdiene.
Was zur Hölle ist das, das mich gerade erfĂŒllt?
Ich fĂŒhle mich geborgen. Losgelöst. Als hĂ€tte jemand endlich die FĂ€den durchtrennt, an denen ich mein ganzes Leben lang gehangen habe wie eine kaputte Marionette.
Ich lasse mich umarmen.
Von der Dunkelheit.
Von dieser seltsamen WÀrme, die plötzlich dort ist, wo eben noch nichts als eisiges Wasser gewesen ist.
Etwas hÀlt mich.
Oder jemand.
Ich weiĂ es nicht.
Ich kann meinen Körper nicht mehr spĂŒren. Nicht richtig. Alles ist weit weg. Verzerrt. Als wĂŒrde ich durch mehrere Meter schwarzes Wasser hindurch existieren.
Aber da ist Druck an meinem RĂŒcken.
Ein Arm vielleicht.
Etwas Festes um meine Taille.
WĂ€rme an meiner Wange.
Ich bilde es mir ein.
Ich muss es mir einbilden.
Tote Menschen werden nicht gehalten.
Oder vielleicht ist genau das der Tod.
Vielleicht fĂŒhlt er sich deshalb so friedlich an.
Wie Arme, die mich auffangen, nachdem ich ein Leben lang nur gefallen bin.
Erdend.
Tief.
Wie eine Liebe, die ich mir mein ganzes Leben lang herbeigesehnt habe und die jetzt gekommen ist, um mich endlich abzuholen.
Endlich.
Wir finden uns wieder, sie und ich.
Und der Schmerz â der verdammte Schmerz, der mir nie Luft zum Atmen gelassen hat â ist weg.
Die Erwartungen sind weg.
Die Sorge um eine Zukunft, die sowieso schon vor meiner Geburt in Blut und Verrat geschrieben war, ist weg.
Das verzweifelte Verlangen auszubrechen, mich gegen ein Schicksal zu wehren, das mich schon als Kind in StĂŒcke gerissen hat â alles weg.
In dieser Dunkelheit taucht plötzlich ein Gesicht auf.
Nicht wirklich.
Nur BruchstĂŒcke.
Ein Schatten.
Nasses Haar.
Ein Blick, der sich durch das Schwarz bohrt.
FĂŒr einen winzigen Moment glaube ich, zwei Augen zu erkennen.
Nicht gleich.
Eines heller als das andere.
Dann zerreiĂt das Bild wieder.
Wasser schiebt sich dazwischen.
Oder Erinnerung.
Oder irgendeine letzte, grausame Halluzination meines sterbenden Gehirns.
Ich versuche, genauer hinzusehen.
Kann es nicht.
Das Gesicht verschwindet.
ZurĂŒck bleibt nur dieses GefĂŒhl.
Dass jemand mich ansieht.
Nicht wie eine Tote.
Nicht wie eine Fremde.
Sondern als wĂ€re mein Verschwinden etwas, das ihn selbst mit in die Tiefe reiĂen wĂŒrde.
Unsinn.
Niemand sieht mich so an.
Niemand hat mich jemals so angesehen.
Die Scham kommt plötzlich, scharf wie ein Schnitt.
Sie brennt in mir, obwohl ich doch tot sein mĂŒsste.
Kann man hier noch etwas fĂŒhlen?
In dieser ewigen SchwÀrze?
Kann man noch Scham empfinden, wenn man stirbt?
Wenn man aufgibt?
Wenn niemand mehr da ist, der auf einen wartet â nicht einmal die Hölle?
Wann ist das aus meinem Leben geworden?
Wann genau haben ein paar MÀnner sich zusammengesetzt, ihre GlÀser gehoben und beschlossen, mich zu zerstören?
Wann wurde ich zur Spielfigur in einem Spiel, das ich nie spielen wollte?
Ich bin so verdammt mĂŒde.
So leer.
Ich will nicht mehr kÀmpfen.
Nicht mehr weinen.
Nicht mehr die Last einer Familie tragen, die mir nie etwas zurĂŒckgegeben hat auĂer Narben und LĂŒgen.
Ich will einfach nur âŠ
nichts mehr sein.
Dann verÀndert sich die Dunkelheit.
Etwas reiĂt an mir.
Hart.
Brutal.
Mein Körper wird plötzlich schwer.
Viel zu schwer.
Der Frieden bekommt Risse.
Druck auf meiner Brust.
Einmal.
Noch einmal.
Wieder.
Etwas zwingt meinen leblosen Körper zurĂŒck in eine Welt, die ich gerade erst verlassen habe.
Nein.
Ich will nicht.
Lasst mich.
Meine Brust wird zusammengedrĂŒckt.
Hart genug, dass irgendwo weit entfernt Schmerz aufflackert.
Dann WĂ€rme an meinen Lippen.
Ein Mund.
Atem.
Jemand presst Luft in mich hinein, die ich nicht haben will.
Mein Körper reagiert nicht.
Aber ich spĂŒre es.
Ganz schwach.
Wie durch eine Wand.
Finger an meinem Hals.
Dann an meiner Wange.
Eine Hand, die mein Gesicht umfasst.
Rau.
Zitternd.
Viel zu warm gegen meine eisige Haut.
Stimmen dringen zu mir.
BruchstĂŒcke.
Verzerrt vom Wasser in meinem Kopf.
â⊠zhela âŠâ
Mein Name?
Nein.
Vielleicht.
Wieder Druck auf meiner Brust.
Ein Körper ĂŒber meinem.
Atem an meinem Mund.
Dann eine Stimme.
Tief.
Gebrochen.
Ich kenne sie.
Irgendetwas in mir kennt sie.
Aber ich kann sie nicht greifen.
â⊠bei mir âŠâ
Das Rauschen verschluckt den Rest.
Ich will die Augen öffnen.
Sie gehorchen mir nicht.
Ich will sagen, dass er aufhören soll.
Dass ich endlich dort angekommen bin, wo nichts mehr wehtut.
Kein Laut verlÀsst mich.
Finger streichen ĂŒber meine Wange.
Nicht sanft.
Nicht wirklich.
Zu hektisch dafĂŒr.
Als hĂ€tte der Mensch, der mich berĂŒhrt, vergessen, wie man vorsichtig ist.
Als wĂŒrde er versuchen, sich mit bloĂer Gewalt davon zu ĂŒberzeugen, dass ich noch da bin.
âBitte âŠâ
Das Wort dringt klarer zu mir durch als alles andere.
Ich werde still.
Bitte?
Wer bittet mich?
Warum?
Wieder presst sich ein Mund auf meinen.
Wieder Atem.
Wieder dieser verzweifelte Versuch, mich mit fremder Luft zu fĂŒllen.
Etwas Warmes fÀllt auf meine Wange.
Ein Tropfen.
Regen?
Meerwasser?
Nein.
Zu warm.
Ich verstehe nicht.
Ich verstehe gar nichts mehr.
Bin ich gestorben?
Ich muss gestorben sein.
Weil das hier nicht mehr mein Körper ist.
Weil der Schmerz endlich aufgehört hat, mich zu zerreiĂen.
Weil ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht mehr fliehen will.
Weil ich hierbleiben könnte.
In dieser Dunkelheit.
In diesen Armen, von denen ich nicht weiĂ, wem sie gehören.
Bei dieser Stimme, die mein Name zu zerbrechen scheint.
Dann geschieht etwas Schreckliches.
Mein Körper entscheidet sich gegen mich.
Tief in meiner Brust zuckt etwas.
Ein Reflex.
Ein Krampf.
Der Frieden zerreiĂt.
Schmerz schieĂt mit brutaler Gewalt durch meine Lungen.
Mein Körper bÀumt sich auf.
Salzwasser brennt sich durch meine Kehle.
Ich will schreien, doch stattdessen kommt nur ein nasses, hÀssliches Keuchen.
Etwas dreht mich zur Seite.
Eine Hand hÀlt meinen Kopf.
Eine andere liegt zwischen meinen SchulterblÀttern.
Ich huste.
Oder mein Körper hustet.
Ich weià nicht mehr, wo ich aufhöre und der Schmerz beginnt.
Luft schneidet in meine Lungen.
Feuer.
Reines Feuer.
Nein.
Nein, nein, nein.
Ich will zurĂŒck.
ZurĂŒck in die Dunkelheit.
ZurĂŒck dorthin, wo nichts wehgetan hat.
Aber jemand hÀlt mich fest.
So fest, dass ich selbst durch die Bewusstlosigkeit hindurch spĂŒre, wie sehr diese Arme zittern.
Mein Kopf sinkt gegen etwas Hartes.
Eine Brust.
Ein Herz hÀmmert darunter.
Schnell.
Viel zu schnell.
Eine Stimme direkt an meinem Ohr.
So nah, dass die Worte durch meinen SchÀdel vibrieren.
Ich verstehe sie nicht.
Nur meinen Namen.
Immer wieder meinen Namen.
Als wÀre er ein Gebet.
Als wÀre er ein Fluch.
Als wÀre er das Einzige, was diesen Menschen noch davon abhÀlt, selbst auseinanderzubrechen.
Ich versuche, das Gesicht zu sehen.
Nur einmal.
Meine Lider öffnen sich vielleicht einen Spalt.
Vielleicht bilde ich es mir nur ein.
Licht.
Dunkelheit.
Nasses Haar.
Ein verschwommener Blick.
Etwas Helles.
Etwas Goldenes.
Dann nichts mehr.
Die SchwÀrze nimmt mich wieder.
Aber diesmal ist sie anders.
Nicht friedlich.
Nicht leer.
Da ist ein Arm um mich.
Eine Hand in meinem Haar.
Ein fremder Herzschlag dicht an meinem Ohr.
Und noch bevor ich endgĂŒltig versinke, erreicht mich ein letzter, kaum verstĂ€ndlicher Satz.
Gebrochen.
Heiser.
Voller etwas, das ich nicht benennen kann.
â⊠verlass mich nicht.â
Dann bin ich weg.
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Wir sind startklar, meine Lieben. đ€
Teil 2 der Not Yours-Reihe geht weiter â und wir steigen direkt wieder ein in das Leben von Anzhela und Enea.
Es wird dĂŒsterer, psychologisch tiefer, und die Intrigen werden mehr. MachtverhĂ€ltnisse, MissverstĂ€ndnisse und Strukturen zwingen sie dazu, sich immer wieder zu begegnen ⊠obwohl beide noch mit dem Schmerz des Verrats kĂ€mpfen.
Kleine Info fĂŒr alle neuen Leser đ€: Falls ihr direkt bei Teil 2 gelandet seid, lest bitte zuerst Not Yours â Teil 1. Die Geschichte setzt unmittelbar dort an und ist nicht unabhĂ€ngig lesbar â sonst fehlen euch wichtige ZusammenhĂ€nge rund um Anzhela und Enea.
Ich hoffe, ihr habt auf sie gewartet. đ€









Ohhhh..... Wunderbar đâŁïžâ€ïžâđ„
Und ja, ich habe gewartet.. đ
Ich freu mich sehr auf die Fortsetzung... đ«¶đ«
Oh wie schön, ich freue mich drauf, dass es weitergeht.đđ„°đ€