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Gefangen im Sturm

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Zusammenfassung

Sie floh vor einem Mann, der sie wegsperrte. Sie fand den einen, der für den Rest der Welt lieber tot wäre. Die 22-jährige Brianna entkommt einer Psychiatrie und ihrem mörderischen Ex-Freund aus reichem Hause. Der 45-jährige Eli hat seit drei Jahren keinen anderen Menschen mehr berührt – aus eigener Entscheidung, aus Buße, aus Scham. Ein Hurrikan schließt sie gemeinsam in seiner abgelegenen Berghütte ein. Ein Bett. Kein Entkommen. Und jemand Gefährliches jagt sie noch immer. Er ist zu alt. Sie ist zu zerbrochen. Doch der Sturm da draußen ist nichts im Vergleich zu dem, was sich zwischen ihnen zusammenbraut. Gefangen im Sturm – wo Überleben und Sünde aufeinanderprallen.

Genre:
Romance
Autor:
JT_Pines
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
29
Rating
5.0 (2 Bewertungen)
Altersfreigabe
18+

Chapter 1

Brianna

Die Scheibenwischer kamen nicht mehr hinterher. Der Regen peitschte so heftig gegen das Dach, dass sie es bis in die Zähne spürte. Fünf Stunden oder sechs? Sie hatte aufgehört zu zählen, als die Tabletten nachließen und das Zittern anfing. Es war diese Art von Zittern, bei dem sie das Lenkrad so fest umklammerte, dass ihre Knöchel weiß hervortraten. Sie wusste nicht mehr, ob sie vor Kälte zitterte, vor Angst oder vor beidem.

Wenn sie anhielt, würde sie nachdenken. Und wenn sie nachdachte, würde sie sich an die verschlossene Tür erinnern, an die Spritze und an den Blick des Mannes, der versprochen hatte, sie zu lieben – den Blick, als er wusste, dass sie die Wahrheit kannte.

Sie war noch nie so weit im Norden gewesen. Eigentlich hatte sie Georgia bis heute Nacht noch nie verlassen. Das GPS hatte vor einer Stunde den Geist aufgegeben, und die Straßenschilder sagten ihr gar nichts mehr. Black Mountain, Old Fort – Städte, von denen sie noch nie gehört hatte und für die sie sich jetzt auch nicht interessieren konnte. Sie brauchte nur genug Benzin. Sie musste nur den Regen überstehen, bevor ihre Reifen den Dienst versagten.

Ihr Telefon vibrierte. Sie wusste, dass sie nicht draufschauen sollte, aber sie tat es doch. Nur ein flüchtiger Blick, nur eine Sekunde, um den Namen auf dem Display zu sehen. Der Name, vor dem sie geflohen war.

Als sie wieder auf die Straße blickte, waren die rechten Reifen bereits auf dem Schotter. Der Seitenstreifen kam bedrohlich nah, schwarzer Matsch und hohes Gras zogen an ihr vorbei. Sie riss das Lenkrad nach links, viel zu heftig und zu schnell. Das Heck brach aus. Das Wasser riss die Reifen mit sich, und plötzlich fuhr sie nicht mehr das Auto – das Auto hatte seinen eigenen Willen und wollte sie von der Straße haben.

Sie drehte sich. Eine komplette Drehung, die Welt verschwamm in Grau und Grün. Dann fiel der Seitenstreifen ab, und der Wagen landete in etwas Weichem. Der Graben. Tief genug, um die Räder zu verschlucken. Tief genug, um sie hier festzuhalten.

Einen Moment lang wusste sie nicht, wo sie war. Das Lenkrad hatte ihre Stirn geküsst, nicht hart, aber hart genug. Sie tastete an ihre Schläfe und hatte Blut an den Fingerspitzen. Ein dünner Streifen, warm und schon wieder am Versiegen. Sie starrte darauf, spürte das dumpfe Pochen hinter ihren Augen und dachte nur: Beweg dich. Jetzt.

Sie drückte gegen die Tür. Sie gab nur widerwillig nach, der Matsch saugte sich am Metall fest. Sie trat hinaus in den Dreck – schwarze Erde, völlig aufgeweicht und hungrig. Ihre Stiefel sanken bis zu den Knöcheln ein. Sie wollte sich befreien, aber der linke Stiefel blieb stecken. Er steckte fest, ihr Fuß jedoch nicht. Sie riss verzweifelt daran, und der rechte Stiefel blieb ebenfalls im Schlamm. Sie stand da in nassen Socken, ihr zweihundert Dollar teures Leder vom Berg verschluckt, und wollte einfach nur weinen.

„Wollt ihr mich verarschen?“, ihre Stimme überschlug sich und war im Regen viel zu laut. „Wollt ihr mich fucking verarschen?“

Das Auto bewegte sich.

Nicht schnell. Ein langsames, mahlendes Rutschen in die Dunkelheit hinter dem Straßenrand. Sie stolperte zurück, während der Matsch unter ihren Füßen schmatzte, und sah zu, wie sich der Wagen neigte. Keine Klippe – nicht ganz – aber steil genug. Sie würde es nie wieder hochschaffen. Nie wieder an ihre Tasche kommen, ihr Wasser, das bisschen Bargeld im Handschuhfach. Alles, was ihr auf der Welt geblieben war, rutschte einfach weg.

„Nein. Nein, nein, nein...“ Sie streckte die Hand aus, als könnte sie es aufhalten, als würden ihre Hände irgendetwas bewirken. „Komm schon. Bitte. Ich brauche –“

Das Auto ächzte, sackte ab und erreichte den Grund. Ein dumpfes, weit entferntes Geräusch. Es war vorbei.

„Fuck!“, schrie sie in den Regen, als hätte das Wort eine Bedeutung, als könnte es irgendetwas ändern.

„Mein Telefon! Meine Tasche! Mein...“, sie bekam keine Luft mehr. Sie konnte nichts sehen. „Alles. Alles, was ich hatte. Alles...“

Sie sank im Schlamm auf die Knie, es war ihr egal, sie spürte die Kälte nicht mehr. „Nein. Nein, nein, nein, das passiert nicht... Das passiert fucking nicht.“

Sie schlug auf den Boden. Ihre Handflächen klatschten in die nasse Erde, und sie stieß einen Laut aus, der kein Schrei und kein Schluchzen war – es war einfach der gebrochene Klang aus einer gebrochenen Seele.

„Ich kann nicht. Ich kann das nicht. Ich kann...“

Sie blieb dort sitzen, zitternd, blutend, barfuß im Matsch. Dem Regen war es egal. Dem Berg war es egal. Sie hatte nichts mehr. Sie war nichts mehr. Nur ein durchnässtes Mädchen mit einer Kopfwunde, allein auf einer Straße, die nirgendwohin führte.

„Okay“, sagte sie zu niemandem, zu den Bäumen, zu dem Himmel, der nicht aufhörte zu weinen. „Okay. Denk nach, Brianna. Überleg dir einfach was.“

Aber sie konnte nicht. Sie konnte nicht denken. Sie konnte nur zittern, vor Schmerz, und sie wollte sich einfach in den Matsch legen und den Regen über sich ergehen lassen.

Das tat sie nicht.

Sie wischte sich über die Stirn – Blut und Regen, sie konnte es nicht unterscheiden – und fing an zu laufen. Ein Fuß vor den anderen. Die Kälte kroch vom Boden in sie hoch. Sie sah nicht zurück dorthin, wo das Auto verschwunden war. Sie sah nicht auf die Straße hinter sich, wo sein Name immer noch auf ihrem Telefon leuchtete. Vielleicht war es besser, dass sie es verloren hatte. Vielleicht konnte er sie jetzt nicht mehr finden.

„Okay“, murmelte sie. „Okay, du schaffst das. Alles gut. Einfach weitergehen. Ein Schritt. Noch einer. Das ist alles.“

Ihre Zähne klapperten. Sie biss fest die Zähne zusammen. „Denk nicht an das Auto. Denk nicht an...“ Sie konnte seinen Namen nicht aussprechen. „Denk an gar nichts. Einfach laufen. Irgendjemanden finden. Irgendwen.“

Der Asphalt war aufgebrochen, voller Schlaglöcher, und wand sich durch Bäume, die eng beieinanderstanden. Keine Autos. Kein Licht. Nur sie, der Regen und die Dunkelheit.

„Irgendwer muss doch hier oben wohnen“, sagte sie zu den Bäumen. „Irgendwer muss doch so bescheuert sein, an diesem gottverlassenen...“

Sie rutschte aus, fing sich aber wieder und ging weiter. „Schon gut. Schon gut. Ich mache das alleine. Ich gehe einfach... ich laufe, bis ich irgendwo ankomme. Ich brauche niemanden. Ich brauche...“

Sie brauchte jemanden.

Sie brauchte trockene Kleidung, eine Decke und jemanden, der ihr sagte, dass sie nicht verrückt war, dass sie nicht starb.

Sie lief, bis ihre Füße taub waren, bis sie die Kälte nicht mehr spürte, bis sie anfing, Gestalten in den Bäumen zu sehen: Augen, Hände, ihn. Sie schüttelte den Kopf. Konzentrier dich auf die Straße. Ein Schritt. Noch einer.

Die Schatten bewegten sich. Sie wusste, dass sie das nicht taten, aber sie taten es doch. Vielleicht waren die Medikamente noch in ihrem Körper. Oder vielleicht waren sie es nicht, und das war jetzt einfach sie – bei jedem Geräusch zusammenzucken und in jedem Ast eine Gefahr sehen. Sie hatten ihr gesagt, sie sei paranoid. Wahnhaft. Dass sie ihrem eigenen Verstand nicht trauen könne. Gegen Ende hatte sie ihnen geglaubt.

Sie schüttelte den Kopf noch kräftiger. Konzentrier dich. Die Straße. Weitergehen.

Dann sah sie es.

Einen hölzernen Pfosten, fast grau verwittert und leicht schief. Ein handgemaltes Schild, im schwachen Licht ihres sterbenden Handys kaum zu erkennen:

MOUNTAIN VIEW WETTERSTATION 3 MEILEN

Darunter stand kleiner: KEIN ÖFFENTLICHER ZUGANG

Sie lachte. Es klang gebrochen. „Kein öffentlicher Zugang. Großartig. Perfekt.“

Aber es war etwas. Drei Meilen bis zu einem Gebäude. Bis zu einem Dach. Bis zu jemandem, der vielleicht ein funktionierendes Telefon hatte, eine Decke, oder einfach nur vier Wände, an denen sie für fünf fucking Minuten stehen bleiben konnte.

Sie bog auf den Feldweg ab.

Er war noch schlimmer als die asphaltierte Straße, zerfurcht und überschwemmt. Ihre Füße rutschten auf dem losen Gestein weg. Sie fiel zweimal. Stand zweimal wieder auf. Sie ließ die Augen auf dem Boden, auf ihren Füßen, auf dem nächsten Schritt.

Dann lichteten sich die Bäume.

Zwischen den Ästen sah sie es: ein einzelnes Fenster, das gelb in der Dunkelheit leuchtete. Warm. Lebendig. Jemand war da oben.

Ein Donnerschlag hallte so nah, dass sie ihn in der Brust spürte. Der Himmel öffnete seine Schleusen noch heftiger, als wollte er sie ertränken, bevor sie es schaffte.

Sie rannte.

Der Matsch hielt ihre Füße fest, zog sie hinunter, aber sie kämpfte sich hoch und rannte weiter. Das Licht war jetzt näher, nah genug, um die Umrisse einer Hütte zwischen den Bäumen zu erkennen. Klein. Stabil. Ein Verandalicht brannte gegen den Sturm an, als hätte es nur auf sie gewartet.

Dann erreichte sie die Brücke.

Sie erhob sich aus der Finsternis mit ihren hölzernen Planken, ohne Geländer, und spannte sich über etwas, das sie nicht sehen, aber hören konnte. Reißendes Wasser. Ein Bach, durch den Regen zu einem reißenden Strom geworden. Sie wurde nicht langsamer. Ihre nassen Socken rutschten auf den Brettern, aber sie blieb in Bewegung, die Arme ausgestreckt, um das Gleichgewicht zu halten. Sie sah nicht nach unten, dachte nicht daran, wie hoch es war, wie alt die Konstruktion wirkte oder wie das ganze Ding unter ihrem Gewicht bebte.

Sie schaffte es auf die andere Seite und blieb nicht stehen. Schaute nicht zurück.

Ein Donnerschlag direkt über ihr ließ den Regen noch stärker werden. Sie konnte nichts sehen. Bekam keine Luft. Sie rannte einfach auf den gelben Schein zu, die Arme pumpten, die Lunge brannte, die Schnittwunde an ihrer Stirn brannte unter Schweiß und Regen.

„Okay“, keuchte sie und wurde langsamer – erst Joggen, dann Gehen. Ihre Lungen standen in Flammen. Ihre Füße waren mehr als taub – nur noch Fleisch, das auf den nassen Boden klatschte. „Okay, du blödes...“ Ihr fiel kein Wort ein, das schlimm genug war. „Du blöder Berg. Du blödes...“

Sie rutschte auf losem Schotter aus, hielt sich an einem Setzling fest und ging weiter. „Ich bin hier. Ich bin direkt hier. Und ich...“, sie hustete und spuckte Regenwasser aus, „...ich bleibe nicht stehen. Hörst du? Ich bleibe nicht stehen.“

Das Licht war jetzt näher. Sie konnte die Umrisse eines Gebäudes sehen, klein und fest gegen den Sturm. Eine Veranda. Ein Dach. Jemand musste drinnen sein. Jemand mit einem Telefon, einer Waffe oder einfach nur einer Tür, die man abschließen konnte.

„Bitte“, flüsterte sie. Dann lauter, weil es scheißegal war, weil Stolz etwas für Leute war, die nicht barfuß und blutend in einem Hurrikan standen. „Bitte sei zu Hause. Bitte sei...“

Sie erreichte die Schotterauffahrt. Härter, als sie gedacht hatte. Näher, als ihr klar gewesen war. Die Hütte war direkt da, genau vor ihr, das Verandalicht leuchtete gelb durch den Regen.

Ein paar Schritte noch. Nur ein paar.

Ihre Beine gaben nach. Nicht, weil sie ausrutschte oder stolperte. Einfach so. Wegen allem. Ihr Körper gab auf – stundenlanges Adrenalin, Entzug, Kälte und Angst forderten schließlich ihren Tribut.

Sie spürte, wie sie fiel, spürte, wie der Schotter ihr entgegenkam, und dann spürte sie gar nichts mehr.

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Toller Charakter

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wow seems interesting

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