Kapitel 1 : Das Rudel des Volkes
Bram.
Es ist früh am Morgen und ich kann natürlich nicht schlafen. Schuld daran ist der Lärm, der das Dach unseres Rudelhauses eingenommen hat.
Gladys, meine einzige Schwester, heiratet diesen elenden Vampirjäger. Ich kann nicht glauben, dass mein Vater sofort zugestimmt hat, dass sie ihn heiratet. Ich weiß sicher, dass meine Mutter niemals einer solchen Verlobung zugestimmt hätte, wenn sie noch am Leben wäre. Trotzdem freue mich für die Hochzeitszeremonie meiner Schwester.
Ich freue mich wirklich für sie, für ihr Liebesleben und für alles, was ihr hilft, nachts gut zu schlafen.
Mein Name ist Bram und ich bin ein Omega im Rudel des Volkes. Ich lebe ein unsichtbares Leben, in dem ich für niemanden wirklich existiere. Jeden Tag lebe ich mit Bedauern und einem schmerzenden Herzen, wenn ich die Enttäuschung im Gesicht meines Vaters, Alpha Richard, sehe.
Dass mein Wolf sich nicht zu einem Alpha entwickelt hat, lässt jeden daran zweifeln, ob ich wirklich der Sohn meines Vaters bin. Ich bin die größte Enttäuschung, die man sich vorstellen kann. Ich bin bereits 17 Jahre alt und werde zu keinen Treffen oder Versammlungen des Rudels eingeladen.
Manchmal wache ich auf und mache mir mein eigenes Frühstück. Dann gehe ich alleine laufen, komme nach Hause und schlafe. Manchmal gehe ich jagen, und so läuft jeder Tag ab. Meinen Vater sehe ich nur, wenn andere Alphas ein zentrales Treffen abhalten und mit ihren Gefährten und Kindern zu Besuch sind. Natürlich muss ich dort erscheinen, um mein beschämendes Gesicht zu zeigen.
Ich muss sagen, ich habe bisher ein sehr friedliches Leben geführt.
„Komm her, Bram“, fordert mich Gladys auf. Ein müder Stirnrunzeln liegt auf ihrer Stirn. „Deine Sachen sind fertig. Zieh sie an, damit ich sehen kann, ob sie passen.“ Sie wirft mir die Kleidung zu, die sie in den Händen hält.
Ich fange sie sofort auf, da ich sie nicht verärgern will. Ich sollte dankbar sein, dass sie überhaupt an mich gedacht hat. „Danke.“
Ich sah schon immer gut in Weiß aus, dachte ich bei mir, als ich in den Spiegel blickte. „Mmh, ich glaube, die Hose ist zu eng“, sagte ich ihr ehrlich, da sie heute rücksichtsvoll wirkt und es ihre Hochzeitsfeier ist.
„Ich finde, sie passt perfekt“, antwortete sie und sah mich mit einem triumphierenden Blick an.
„Warum hast du mich dann bitten lassen, sie anzuprobieren, wenn du sie eh nicht ändern willst?“
„Ich verstehe das nicht. Sehe ich für dich aus wie ein Schneider? Und was soll diese dumme Einstellung?“, fuhr sie mich an und verschränkte die Arme vor der Brust. „Falls deine Augen nicht richtig funktionieren: Das ist handverarbeitetes Leder. Es ist aus Hirschhaut und aus Deutschland importiert. Pass auf, in zwei Tagen ist der glücklichste Tag meines Lebens und ich will nicht, dass du wie ein Vollidiot auf meiner Hochzeit auftauchst. Wer weiß? Vielleicht kommt dort dein Gefährte hin, also sieh gefälligst gut darin aus. Die Stylisten kommen um 8 Uhr morgens“, sagte sie müde und verließ das Zimmer.
Und so einfach ging sie. Das war eines der vernünftigsten Gespräche, die wir in diesem Haus je wie zwei normale Wesen geführt haben. Um ehrlich zu sein, ist es ganz allein meine Schuld. Vielleicht werde ich in meinem nächsten Leben ja ein Alpha, jemand, auf den man nicht herabsieht und der die Erwartungen seiner eigenen Familie erfüllen kann.
***In der Hochzeitsnacht***
Wie immer fühle ich mich unsichtbar. Jeder um mich herum hat irgendetwas am Laufen und ich stehe hier nur da wie ein Stück Scheiße in meinem angeblichen Hirschleder, das aus Deutschland importiert sein soll.
Tsk, ich will hier wirklich nicht sein.
Alle in meinem Alter, die von anderen Rudeln gekommen sind, amüsieren sich prächtig. Sogar Cein, mein Freund aus Kindertagen. Er ist jetzt ein Alpha. Ich kann nicht glauben, dass er nicht einmal in meine Richtung sieht; er macht sich nicht einmal die Mühe, zu winken oder Hallo zu sagen.
In diesem Land wurde ich dazu erzogen, alles zu akzeptieren. Wir halten uns kaum an Regeln, weshalb man uns das „Rudel des Volkes“ nennt.
Aber aus irgendeinem Grund ist es eine große Sache, ein Omega zu sein. Ich verstehe das nicht, denn ich kann genauso gut funktionieren wie andere Wölfe. Auch wenn ich nicht so stark bin wie Alphas, Betas, Deltas, Gammas oder reine Hybride. Ich weiß auch, dass es selten ist, einen männlichen Omega in meinem Rudel zu haben, denn in den Archiven, die ich gelesen habe, wurde der letzte männliche Omega vor einhundertfünfzig Jahren geboren.
Seitdem wurde keiner mehr geboren. Nun ja, außer mir. Deshalb kamen zu meiner Volljährigkeit Leute aus Timber und Calibre aus dem ganzen Zentralgebiet zu Besuch. Anführer aller Übernatürlichen weltweit kamen, um den Segen der Mondgöttin zu bezeugen, als wäre ich in einem neu eröffneten Museum.
Jetzt bin ich plötzlich eine Plage, der jeder aus dem Weg gehen will.
Ich stürzte den Rest des Alkohols aus meinem silbernen Becher hinunter und knallte ihn frustriert auf den Tisch vor mir. Die Luft roch nach toten Seelen, was mich daran erinnerte, dass Vampire hier sind und wie sehr ich es hasse, ein Übernatürlicher zu sein. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich dafür entscheiden, ein Mensch zu sein. Ich kann nicht einmal verstehen, warum meine Schwester in diese Person verliebt ist …
Moment, warum habe ich das Gefühl, dass mich jemand beobachtet? Ich drehte mich um, um die Person anzusehen, und es war der Sohn von Alpha Kenneth. Ich fing an mich zu fragen, ob ich etwas an der rechten Wange habe. Ich rieb über meine Wange, aber ich fühlte nichts auf meiner Haut.
Warum starrt er so intensiv? Ist er in Gedanken versunken oder sieht er mich an, weil ich in diesem Outfit so fehl am Platz wirke? Ich spüre keine Gefährtenverbindung zu ihm, was bedeutet, dass er nicht mein schicksalhafter Gefährte ist und daher offensichtlich niemand Wichtiges. Ihr Rudel lebt im Südosten und ist für seinen Reichtum und seine Macht bekannt. Ihr Rudel besitzt, kauft und verkauft buchstäblich alles. Für mich ist das alles, wofür sie existieren.
„Entschuldigung, ein Getränk für Sie, Omega Bram“, sagte das unbekannte Dienstmädchen und stellte ein Glas vor mich hin. Ich hatte sie noch nie im Rudel gesehen, aber da es so viele neue Gesichter gab, dachte ich mir nichts dabei. „Oh, danke, aber ich habe nicht um ein Getränk gebeten“, sagte ich und schob es zurück zu ihr.
„Alpha Gladys hat mich gebeten, Ihnen ein Glas zu bringen“, sagte sie mit einem höflichen Lächeln auf den Lippen.
„Oh, ich verstehe, danke.“
„Gern geschehen, Omega.“
Ich glaube jetzt, dass dieses Dienstmädchen neu in unserem Rudelhaus eingestellt wurde, denn niemand sonst hat sich die Mühe gemacht, mich zu bedienen. Trotzdem lächle ich, weil jemand nett zu mir ist. Ich schätze, heute ist ein guter Tag. Und meine Schwester hat jetzt schon zwei Tage in Folge an mich gedacht.
Ich werde wahrscheinlich von diesem Glas einen Schwips bekommen und danach direkt in mein Zimmer gehen. Schließlich wird niemand merken, ob ich weg bin oder nicht.
Ich kippte alles hinunter und nach wenigen Sekunden reagierte mein Körper auf eine Art und Weise, von der ich absolut keine Ahnung hatte. Zuerst wurde mir plötzlich wahnsinnig heiß. Mein Herz zog sich zusammen und ich konnte nur noch durch den Mund atmen. Dann fing mein Bauchnabel an sich zusammenzuziehen und mein Arsch fühlte sich an, als säße ich auf einem brennenden Ofen.
Was ist nur mit mir los?
Ich konnte spüren, wie mein Schwanz sekündlich härter zuckte, und Schweiß perlte auf meiner Stirn. Leise Stöhnlaute drangen aus meinen Lippen, während ich anfing, auf dem Stuhl zu reiben.
Ich glaube, ich brauche keine Erklärung für das, was ich gerade fühle … Ich bin verdammt noch mal geil! Ich habe noch nie jemanden gepaart oder mit jemandem geschlafen. Obwohl ich mich selbst befriedige, indem ich an die heißesten Alphas im Rudel denke, oder an den Fahrer meines Vaters, der ein Beta ist und anscheinend eine Gefährtin hat, die ein Alpha ist, also kann ich nur aus der Ferne für ihn schwärmen.
Was fühle ich da? Warum so plötzlich?
Meine Gedanken werden so benebelt, während ich mich nur noch danach sehne, berührt zu werden.
Was passiert mit mir?
Mein Herzschlag beschleunigte sich noch mehr, als eine Stimme an meinem rechten Ohr erklang.
„Wie fühlst du dich?“, fragte er spöttisch. „Brauchst du meine Hilfe?“ Er biss in mein Ohrläppchen.
Meine linke Hand krallte sich in mein Hemd, als sich ein stechender Schmerz durch meinen ganzen Körper ausbreitete. Ich gab ihm keine Antwort, sondern genoss einfach das süße Gefühl seiner Berührung.
Was denke ich da nur? Ich sprang von meinem Sitz auf und drehte mich um, um den Mann zu fixieren, der keinen Respekt vor einer großen Versammlung hat. Ich konnte kaum gerade stehen, da meine Beine mit jedem Moment schwächer wurden.
„Ich meine es nicht böse“, sagte er und steckte die Hände in die Taschen, völlig unbeeindruckt von allem, was um ihn herum geschah. „Mein Name ist Knight, Alpha Knight und …“
„Ich weiß, wer du bist“, erwiderte ich fiebrig, ohne dass er seinen Satz beenden konnte.
„Großartig, ich bin froh, dass du es weißt. Soll ich dir helfen?“, fragte er und musterte jeden Winkel meines Gesichts.
„Mir fehlt nichts.“
„Aber für mich siehst du nicht okay aus“, sagte er und machte einen Schritt auf mich zu.
„Ich bin in Ordnung, lass mich in Ruhe!“, antwortete ich und zog an meinem Hemd, um meine Beule zu verdecken. Ich muss hier sofort raus, das Gefühl wird immer stärker. Aber dann konnte ich nicht mehr stehen bleiben, als die nächste Welle mich mit voller Wucht traf. Ich sackte gegen den Tisch neben mir, was alle Aufmerksamkeit auf mich zog, als Gläser und Teller zu Boden fielen. Die zwei Betas in der Nähe reagierten sofort und fuhren ihre Krallen aus, da sie Gefahr witterten.
„Lasst mich das regeln“, sagte Alpha Knight streng und hielt alle Wachen davon ab, sich mir zu nähern. Ich konnte hören, wie seine Stimme versuchte, jeden davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung sei. Dass ich nur betrunken sei und das Gleichgewicht verloren hätte.
„Sie müssen sich keine Sorgen machen, Alpha Knight. Ich lasse die Wachen ihn auf sein Zimmer bringen. Ich schätze, Bram hat zu viel getrunken“, ich konnte den Hohn in der Stimme meines Vaters hören und wusste, dass meine Aktion heute Abend mein Leben kosten könnte.
Mein Herz begann schneller zu schlagen, als würde es mir gleich aus der Brust springen. Ich muss so verdammt dringend kommen, ich muss … Ich werde sterben, wenn ich es nicht tue.
„Ich bestehe darauf, Alpha. Bitte lassen Sie mich das erledigen“, beharrte Alpha Knight.
„Ich glaube, mein Sohn meint es nicht böse“, fügte Alpha Kenneth, Alpha Knights Vater, bestimmt hinzu und widersprach meinem Vater.
„Na schön, dann geh schon, Alpha“, stimmte mein Vater zu. „Wachen, zeigt Alpha Knight den Weg zu Brams Quartier.“
Wieder kam Alpha Knight mir zu nahe und flüsterte in mein Ohr: „Lass uns dich entspannen, dann erzähle ich dir eine Geschichte“, sagte er, hob mich im Brautstil hoch und trug mich hinaus.
Ich konnte das Murmeln der Leute hören und ihre Blicke auf mir spüren.
![[GL] NO HAY CURA PARA EL AMOR](https://cdn-gcs.inkitt.com/vertical_storycovers/ipad_a315bb5c2e52aa56fd716d78bbcab7ed.jpg)







