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Der Millionär von nebenan: Ein heimliches Versprechen

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Zusammenfassung

Die alleinerziehende Nora Bell hält ihren mürrischen neuen Nachbarn für einen abgebrannten Handwerker mit wunderschönen Händen. Doch in Wahrheit ist er Theo Ward – der Milliardär, der ihr marodes Wohnhaus über eine Briefkastenfirma aufgekauft hat. Als Nora die Mieter gegen ihn mobilisiert, steht Theo vor einer schweren Wahl: Soll er sich als ihr Feind zu erkennen geben oder ihr dabei helfen, das Gebäude zu retten, das er eigentlich abreißen lassen wollte? Sich in sie zu verlieben, war definitiv nicht Teil des Vertrags.

Genre:
Romance
Autor:
RavenVale
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
75
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

The Fixer Next Door

Das Tropfen war wie ein Metronom, das Nora Bells Geduld herunterzählte.


*Plink.* Pause. *Plink.*


Sie starrte wütend auf den Wasserhahn im Bad. Nicht der in der Küche – diesen kleinen Sieg hatte sie letzte Woche mit einem YouTube-Video und einem geliehenen Schraubenschlüssel errungen. Das hier war der Hahn im einzigen Badezimmer von Wohnung 3B, ein störrisches Stück Chrom, das beschlossen hatte, an einem Montag um 7:15 Uhr von einem langsamen Sickerstrom zu einem höhnischen Rinnsal überzugehen. Ein Wassertropfen schwoll an, hielt sich fest und fiel mit einem Geräusch auf das Porzellan, das in ihrem Schädel widerhallte.


„Perfekt“, zischte sie, schnappte sich ein abgewetztes Handtuch und stopfte es um den Sockel. Ein provisorischer Damm. Ihr ganzes Leben fühlte sich an wie eine Reihe von provisorischen Dämmen.


Vom Küchentisch her drang Leos Stimme herein, gedämpft durch einen Mund voll Müsli. „Mama? Singen die Rohre schon wieder?“


„Sie üben nur für ihr großes Vorsprechen, Schatz“, rief Nora zurück und gab dem Griff des Wasserhahns einen nutzlosen Ruck. Er war älter als die Heizkörper des Gebäudes und doppelt so unbeweglich. Sie brauchte einen Klempner. Sie brauchte einen Treuhandfonds. Sie brauchte einen Klon, der ihre Schicht um 9 Uhr im Corner Grind, das Elterngespräch um 15:30 Uhr und den Berg von Förderanträgen für den Gemeinschaftsgarten, die morgen fällig waren, erledigen konnte.


Ein scharfes Klopfen an der Wohnungstür ließ sie zusammenzucken.


Ihr Herz machte einen vertrauten, nervösen Stolperer. Unerwartetes Klopfen war nie gut. Nicht, wenn man die faktische Hausverwaltung für ein baufälliges Mietshaus war, dessen neuer Firmenvermieter gerade eine erschreckend vage E-Mail über eine „finanzielle Neubewertung“ geschickt hatte. Sie wischte ihre nassen Hände an ihrer Jeans ab, deren Denim an den Knien bereits ausgeblichen war, und spähte durch den Türspion.


Ein Mann füllte das Sichtfeld. Groß, gebaut, als würde er zum Spaß Baumstämme schleppen, mit einem Kiefer, der aus demselben unnachgiebigen Eichenholz wie das Treppengeländer geschnitzt hätte sein können. Er trug ein schlichtes graues T-Shirt und eine Arbeitshose, das dunkle Haar kunstvoll zerzaust. Ein ramponierter Metallwerkzeugkasten baumelte in seiner Hand. Er sah nicht zu ihrer Tür; er starrte sie grimmig an, als hätte sie persönlich seine Zeit verschwendet.


Sie kannte das Gesicht. Der neue Mieter in 4B. Er war vor zwei Wochen mit nur einer Sporttasche eingezogen und einer Stille, die lauter war als das Geschrei der meisten Leute. Sie hatte ihn nur flüchtig gesehen – ein breiter Rücken, der in seiner Wohnung verschwand, das tiefe Gemurmel einer Stimme hinter seiner Tür. Er sah aus wie ein Mann, der ein Getriebe reparieren oder eine Kneipenschlägerei anfangen konnte, mit demselben Desinteresse.


Nora löste die Kette und öffnete die Tür einen Spalt weit, den Fuß dagegen gestemmt. „Ja?“


Sein Blick traf sie, schnell und prüfend. „Sie sind die Verwalterin.“


Keine Frage. Ihr Titel war ein Witz. Die Maple Leaf Apartments zu verwalten bedeutete, dass sie die Mieterin war, die eine Mietgutschrift von fünfzig Dollar bekam, weil sie Mr. Hendersons entflogenen Wellensittich jagte, Mrs. Gable an ihre Tabletten erinnerte und Beschwerden über den klapprigen Aufzug entgegennahm, der seit der Clinton-Regierung nicht mehr funktionierte. „Ich kümmere mich um einiges. Was ist los?“


„Sie.“ Er deutete mit einem plumpen Finger zur Decke. „Ihr Wasserhahn. Er tropft seit sechs Uhr morgens in meine Küchenlampe. Klingt wie ein Folterinstrument.“ Seine Stimme war flach, mit einer gereizten Note, die in der Luft zwischen ihnen zu vibrieren schien.


Noras Schultern spannten sich an. „Ich habe einen Arbeitsauftrag eingereicht. Der Klempner des Gebäudes –“


„Ist auf einem zweiwöchigen Angelausflug. Ich habe angerufen.“ Er verlagerte den Werkzeugkasten. Die Bewegung war nur leicht, aber sie lenkte ihren Blick auf seine Hände – breit, fähig, mit einer Landkarte aus kleinen weißen Narben auf den Knöcheln und einem schwachen Schnitt nahe dem Daumen. Nicht die Hände eines Mannes, der seine Tage an einer Tastatur verbrachte. „Also. Ich repariere es.“


Sie blinzelte. „Sie werden es einfach… reparieren?“


„Das ist der Plan. Zehn Minuten. Es sei denn, Sie möchten lieber, dass ich bei diesem… Oakhaven-Laden anrufe.“ Er ließ den Namen im Raum stehen, wie einen beköderten Haken. „Eine formelle Beschwerde einreichen. Es zu Protokoll geben.“


Der Name – *Oakhaven Holdings* – jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Das war die zwielichtige Einheit aus der E-Mail. Das Letzte, was sie brauchte, war irgendetwas Formelles in ihrer Akte, besonders von diesem einschüchternden Nachbarn. Es könnte genau die Aufmerksamkeit auf sie ziehen, die sie sich nicht leisten konnte.


Sie musterte ihn erneut. Er strahlte Ungeduld und eine ruhige, lauernde Kompetenz aus. Und er bot eine Lösung an, bei der sie keinem Notdienst-Klempner ihr gesamtes Lebensmittelbudget bezahlen musste.


„Na gut“, sagte sie und trat zurück. „Aber wenn Sie ein Rohr knacken oder so etwas, zahlen Sie das neue.“


Er ignorierte die Drohung. Er ging einfach an ihr vorbei in die Wohnung und brachte einen Duft von sauberer Natronseife und, seltsamerweise, frischen Holzspänen mit sich. Seine Anwesenheit schien ihren kleinen Flur schrumpfen zu lassen. Leo steckte seinen Kopf aus der Küche, ein Ring aus Schokomilch umrahmte seinen Mund.


„Wer ist das?“, flüsterte Leo mit großen Augen.


„Mr. Theodore von oben. Er wird die singenden Rohre reparieren.“


Theo – wenn das sein Name war – war bereits im Badezimmer und kniete mit einer fließenden Anmut nieder, die seiner Größe widersprach. Er stocherte nicht herum. Er drehte die Zuleitung ab, wählte mit der Sicherheit eines Chirurgen, der ein Skalpell wählt, einen Rohrschlüssel aus seinem Kasten und machte sich an die Arbeit. Seine Bewegungen waren ökonomisch, präzise. Kein Herumfummeln, keine gemurmelten Flüche. Nur das leise, effiziente Geräusch von Metall auf Metall. In weniger als fünf Minuten war das Tropfen weg. Er testete den Wasserhahn – an, aus, an. Stille. Eine tiefe, befriedigende Stille.


Er stand auf und wischte sich die Hände an einem Lappen aus seiner Gesäßtasche ab. „Die Dichtung war zerfallen. Der Ventilsitz war zerfressen. Ich habe beides ausgetauscht.“


Nora starrte auf die ruhige Armatur, dann auf ihn. „Was bin ich Ihnen schuldig?“


Er packte bereits seine Werkzeuge ein, jedes glitt mit einem leisen Klicken in seine Schaumstoffaussparung. „Nichts. Sorgen Sie nur dafür, dass es hier oben ruhig bleibt.“ Er schloss den Deckel mit einem definitiven Schnappen und stand auf, sein Kopf berührte fast die niedrige Badezimmerdecke. Der Raum fühlte sich plötzlich stickig an.


„Theodore“, sagte er nach einer Sekunde Stille, die eine Spur zu lang war. „Theo.“


„Nora. Und das ist Leo.“ Sie nickte in Richtung der Tür, wo ihr Sohn jetzt mit Toast in der Hand stand.


Theo nickte Leo knapp zu, sein Ausdruck veränderte sich nicht. „Er isst dieses zuckerhaltige Müsli. Er wird gegen zehn Uhr einen ordentlichen Absturz haben.“


Bevor Nora eine Antwort auf diese ungefragte Ernährungsberatung finden konnte, war er schon in Bewegung. Sie folgte ihm zur Tür, ein verwirrendes Gemisch aus Erleichterung und Irritation wirbelte in ihrer Brust. Er war unhöflich, direkt und hatte gerade im Alleingang ihren Morgen gerettet.


„Theo“, rief sie, als er in den dunklen Flur trat. Er drehte sich um, eine dunkle Augenbraue fragend gehoben. „Danke. Wirklich.“


Er stieß ein unverbindliches Grunzen aus und wandte sich ab, seine Stiefel lautlos auf dem abgenutzten Läufer.


Nora schloss die Tür und presste für eine Sekunde ihre Stirn gegen das kühle Holz. „Tja“, sagte sie zu Leo, der nun sorgfältig die Schokolade von seinen Fingern leckte. „Das war unser Nachbar. Der Fixer.“


„Er ist groß“, stellte Leo beeindruckt fest.


„Er ist… etwas.“ Sie schüttelte den Kopf und drängte den Gedanken weg. Die Atempause durch den Wasserhahn löste sich bereits auf, verschlungen von dem größeren, brodelnden Grauen. Sie ging zu ihrem kleinen Schreibtisch, einer vollgestopften Insel am Fenster mit Blick auf den rußigen Backstein des Innenhofs, und weckte ihren Laptop. Die E-Mail stand immer noch da, unbarmherzig auf dem Bildschirm.


*Betreff: Bekanntmachung zur finanziellen Neubewertung – Maple Leaf Apartments*


*Liebe Bewohner,*


*Nach einer umfassenden Prüfung durch die neue Immobilienverwaltung, Oakhaven Holdings…*


Die Unternehmensprosa war ein dünner Schleier über der Drohung. Eine Mieterhöhung in neunzig Tagen. Nora rechnete im Kopf nach, eine düstere, vertraute Arithmetik. Schon die jetzige Summe war eine Gratwanderung. Ein deutlicher Sprung würde ihr mühsam austariertes Budget aus Gehaltsschecks, Trinkgeldern und Gebeten zertrümmern. Es würde Umziehen bedeuten. Leo aus seiner ersten Klasse reißen, von der Nachbarin weg, die seine Asthmamedikamente aufbewahrte, von der einzigen Stabilität, die sie sich je aufgebaut hatte.


Ein heißes, flaues Gefühl breitete sich in ihr aus. Nicht schon wieder. Sie hatte ihre Kindheit wie Kleingeld verbracht, weitergereicht zwischen den Gästezimmern der Freunde ihrer Mutter und der überfüllten Wohnung ihrer Tante, nie lange genug bleibend, um ein Bild an eine Wand zu kleben. Maple Leaf, mit seinen zugigen Fenstern und dem hartnäckigen Geruch von Mrs. Gables Backwaren, war ihr Zuhause. Es war das Konto, das sie ausgeglichen hatte, Stein für hartnäckigen Stein. Sie würde nicht zulassen, dass irgendeine gesichtslose GmbH in einem gläsernen Turm es auslöschte.


Ein gedämpftes Geräusch von der anderen Seite der Wand – die sie mit 4B teilte – ließ sie aufschauen. Diesmal keine Sanitäranlagen. Eine Stimme. Seine Stimme. Aber anders. Der mürrische, einsilbige Tonfall war verschwunden. Ersetzt durch etwas Kaltes, Poliertes und Scharfes wie Glasscherben.


Sie hörte es durch den dünnen Putz, eine abgehackte, professionelle Kadenz. „Die Kyoto-Prognosen sind nicht verhandelbar. Der Zeitplan für die Due Diligence ist bereits komprimiert. Wenn wir bis Freitag nicht abschließen können, ist das Risiko für das Pacific-Portfolio inakzeptabel. Die ‚Kundenerfahrung‘ im Vorstand interessiert mich nicht. Ich interessiere mich für die Zahlen. Fixen Sie das.“


Eine Pause. Sie konnte die Kälte seines Tons durch die Wand spüren.


„Und das Maple Leaf Asset? Stopp. Das Bewertungsmodell ist verzerrt. Das Land ist der Kernpunkt, nicht die Ziegel. Wir fahren nach einer vollständigen forensischen Prüfung fort. Die derzeitigen Mieter… sind eine operative Variable in der Gleichung. Mehr nicht.“


*Maple Leaf Asset.*


*Operative Variable.*


Die Worte trafen sie nicht nur; sie ließen die Luft in ihren Lungen gefrieren. *Das ist mein Zuhause. Das ist Leos Zuhause. Sie haben meinen Wasserhahn repariert.*


Langsam, als wäre ihr Kopf mit Stein beschwert, drehte Nora sich um und starrte auf die gemeinsame Wand, die verblasste Farbe und das Nagelloch von einem längst verschwundenen Bilderhaken.


Der Mann mit den Händen eines Chirurgen, der ihr Waschbecken repariert hatte.

Der Mann, der das Frühstück ihres Sohnes kritisiert hatte.

Der Mann, der gerade, mit dieser gletscherkalten Stimme, ihr ganzes Leben auf eine Zeile in einer Kalkulationstabelle reduziert hatte.


Theodore aus 4B war nicht nur ein mürrischer Handwerker.


Er war *sie*. Er war *Oakhaven*.


Und er war auf der anderen Seite der Wand und unterschrieb das Todesurteil für das einzige Zuhause, das sie sich je geschaffen hatte.

Kapitel
1. The Fixer Next Door
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