Prolog
Die wichtigste Uhr in Sonnys Leben hatte vor Jahren aufgehört zu ticken – und trotzdem bestimmte sie jeden einzelnen ihrer Tage.
Der Sekundenzeiger stand still.
Für jeden anderen war es nur eine kaputte Armbanduhr. Ein altes Stück Metall mit einem zerkratzten Glas und einem abgenutzten Lederband, das längst ersetzt werden sollte.
Für Sonny war sie unbezahlbar.
Fast jeden Morgen nahm sie die Uhr vorsichtig in die Hand, strich mit dem Daumen über die kleinen Kratzer im Glas und lächelte.
Nicht, weil sie traurig war.
Sondern weil sie sich erinnerte.
An laute Sonntage mit zu viel Kaffee und zu viel Kuchen.
An schlechte Witze, über die sie eigentlich nicht lachen wollte und es am Ende trotzdem tat.
An einen Mann, der immer behauptete, alles besser zu wissen – und erstaunlich oft recht hatte.
Ein Mann, der ihr beigebracht hatte, ehrlich zu sein. Direkt zu sein. Den Mut zu haben, ihren eigenen Weg zu gehen.
Ein Mann, dessen Sturheit sie geerbt hatte.
Und dessen Herz sie jeden Tag in sich trug.
Viele Menschen hatten ihr gesagt, sie solle die Uhr reparieren lassen.
Sie hatte immer nur den Kopf geschüttelt.
„Warum trägst du eine Uhr, die keine Zeit mehr anzeigt?“
Ihre Antwort war seit Jahren dieselbe.
„Weil sie mich an die Zeit erinnert, die ich hatte.“
Danach legte sie die Uhr um ihr Handgelenk, atmete tief ein und trat hinaus in die warme Morgenluft ihres kleinen Dorfes in Thailand.
Dorthin, wo sie ein neues Zuhause gefunden hatte.
Weit weg von dem Leben, das sie einmal kannte.
Und doch näher bei dem Menschen, den sie verloren hatte, als sie jemals gedacht hätte.
Denn manche Menschen verlassen diese Welt.
Aber alles, was sie uns beigebracht haben, bleibt.
Und manchmal beginnt ein neues Kapitel genau dort, wo die Zeit stehen geblieben ist.








