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König & Gefährten

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Zusammenfassung

Der König, und die andere Welt.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
4
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Snow

Die Rücklichter vor uns flackern durch die Dunkelheit wie sterbende Geister. Ich presse meine Lider fester zusammen, als Holdens Stimme in meinem Schädel kratzt, scharf genug, um meine Wölfin wach zu halten, obwohl ich sie lieber ruhig hätte.

Wir sind seit einer Ewigkeiten unterwegs, und nicht nur seine Geduld reißt langsam.

„Du fährst, als hättest du den Führerschein erst seit gestern“, zischt Holden. „Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Leichenwagens ist höher.“

„Du wolltest, dass ich fahre“, sagt Maddox, und ich höre, wie seine Finger über das Lederlenkrad gleiten. „Jetzt hör endlich auf du meckern.“

„Ich konnte ja nicht damit rechnen, das du direkt am Steuer einschläfst.“

„Ich schlafe nicht ein. Ich fahre nur… vorsichtig.“

Ich bleibe mit geschlossenen Augen auf der viel zu winzigen Rückbank liegen und lasse ihnen den Raum. Es ist jedes Mal das gleiche Theater – sie zerreißen sich und stehen Sekunden später wieder Seite an Seite, als hätten sie sich nie die Kehlen aufgerissen.

Sie wurden als Kinder zusammengeworfen – und irgendetwas hat entschieden, dass sie sich hassen dürfen, aber nie voneinander loskommen.

Ist das schon immer so gewesen?

Dieser ständige Wechsel zwischen Hass und Freundschaft, als ob sie nicht wüssten, wie sie miteinander umgehen sollen?

„Vorsichtig“ wiederholt Holdens Seufzend könnte die Fenster zum Bersten bringen. „Wir müssen noch heute nacht ankommen, Maddox, nicht nächste Woche.“

„Kannst du nicht einmal nicht dramatisch sein?“

„Coleman ich schwäre dir, ich stehe so kurz davor, Snow zu wecken damit sie fährt.“

„Sie hat keinen Führerschein“ erinnert Maddox und ich höre wie er grinst, weil er vermutlich sehen kann das Holden es mal wieder – wie auch die letzten Stunden vergessen hat.

Meine Lider zittern leicht, aber ich halte sie geschlossen. Ich sehe sie vor mir, ohne hinzusehen – Holden mit hochgezogenen Schultern auf dem Beifahrersitz, Maddox massig und viel zu selbstzufrieden hinterm Steuer von Holdens blauem Mustang. Zwischen ihnen knistert es wie ein Kabel, das jeden Moment durchbrennen könnte.

Ein Piepen unterbricht ihre Diskussion. Holden greift nach seinem Handy, und ich höre ein unterdrückten seufzer.

„Ist das Zoey?“, fragt Maddox.

„Hast du nicht eine eigene Gefährtin um die du dich kümmern musst?“

Ein kurzes, spitzes Lachen von Maddox. „Bist du echt noch eifersüchtig? Werd erwachsen Parker.“

Ich muss mein Gesicht entspannen, um nicht zu grinsen. Holden ist ein Alpha in jeder Hinsicht – außer wenn es um Zoey geht. Dann wird er zu einem eifersüchtigen Teenager mit einer ordentlichen Portion Paranoia. Es wäre fast süß, wenn Holden Parker nicht auch noch ein Alpha wäre, der bei Zoey aussieht, als würde er jeden beißen, der zu lange in ihre Richtung atmet.

„Was sagt sie?“, bohrt Maddox weiter.

„Das ich ein Arsch bin“ gibt Holden zurück im selben moment piept sein Handy erneut „und Laurel lässt ausrichten das du auch einer bist.“

„Sie sind also zusammen.“

„Vermutlich mit allen anderen“ murmelt Holden „Wieso haben wir nicht einfach erzählt das wir spontan Campen fahren?“

„Kannst du es ihnen verübeln?“ fragt Maddox, und ich kann mir vorstellen wie er Holden einen gerade zu entschuldigenden Blick zuwirkt. „Wir hätten es ihnen direkt sagen sollen dann –“

„Dann was?“, unterbricht Holden. „Laurel und Zoey sind beides Menschen. Wir können froh sein, dass sie nicht schon daran zerbrochen sind, was wir sind. Meinst du nicht wir hätten den Bogen etwas überspannt, wenn wir ihnen auch noch erzählt hätten, dass es eine geheime Welt gibt, in der unser König lebt?“

„Lauren und ich sind noch nicht lange zusammen“, murmelt Maddox. „Aber du hattest bei Zoey über zehn Jahre zeit es zu erwähnen.“

Holdens Seufzen drückt aus, was ich bereits weiß – dass er es einfach vergessen hat. Wie so viele im laufe der Geschichte.

„Was glaubst du warum wir eingeladen wurden?“, fragt Maddox gerade als das schweigen schwerer wird und seine Finger nervös auf dem Lenkrad trommeln. „So ganz ohne... Erklärung.“

Holden zögert. „Dad meinte, dass er damals mit Samuel wegen der Krönung von König Doran Eamon.“

„Dein Vater war dort? Warum –“

„Weil er der Alpha unseres Rudels war“, fällt Holden ihm ins wort. „Und Anscheinend werden bei solchen Verstantlgungen immer der der Alpha und sein Beta eingeladen. So läuft das halt.“

Ich höre, wie Maddox tief Luft holt. „Und wieso bin ich dann dabei? Ich bin nicht mal in der Führung.“

„Du warst in der NFL“, sagt Holden mit einer Spur Ironie. „Vielleicht mag der König ja Sport.“

„Und Snow? Sie ist nicht mal ein Teil unseres Rudels.“

„Snow ist ein Model. ‚America‘s Sweetheart‘. Vielleicht sammelt der König Prominente.“

Ich muss meine Munkwinkel in Position zwingen, um nicht zu grinsen. Die Vorstellung, dass der König Doran irgendein fanatischer Promi-Jäger ist, ist zu absurd, um nicht lustig zu sein. Aber es ist typisch für Holden, alles auf seine eigene, selbstbezogene Art zu interpretieren.

„Das ist verrückt“, murmelt Maddox. „Wie soll das überhaupt funktionieren?“

Holden seufzt. „Was meinst du denn genau Coleman? Die Liste ist ziemlich lang.“

„Eine andere Welt“ betont Maddox, „wie soll das möglich sein?“

„Es ist nicht wirklich eine andere Welt. Es ist... hier. Nur anders. Versteckter.“

„Hat Grayson dir erzählt wie es dort ist?“

„Nicht wirklich. Er meinte es ist eben … anders. Die Regeln, die Hierarchie. Alles.“

Maddox lacht schrill – die art lachen bei der ich direkt erkenne, dass es erzwungen ist. „Findest du das nicht ein bisschen abgefahren? Ich meine, wir sind auf dem weg zu einem Portal. Das ist wie in diesen Filmen.“

„Es ist kein Portal“, korrigiert Holden. „Es ist ein Gate. Ein Übergang. Und es ist nicht wie in Filmen. Es ist real.“

„Trotzdem“, Maddox wird hartnäckig. „Hast du mal darüber nachgedacht, dass es eine Falle ist?“

Das Schweigen danach ist so dick, dass es einen erdrücken will. Meine Kehle zieht sich zusammen.

„Könnt ihr endlich die Klappe halten?“, platze ich heraus, ohne meine Augen zu öffnen. „Einige von uns versuchen zu schlafen.“

Der Wagen macht einen Satz, als Maddox erschrickt. Das ganze Auto ruckelt schlagartig über den Sandweg neben dem Asphalt.

„Scheiße!“, flucht Holden. „Pass auf mein Auto auf!“

„Snow!“, ruft Maddox. „Du bist wach? Seit wann?“

„Ich habe nicht geschlafen“ erwiedere ich öffne meine Augen langsam und blinzle in die Dunkelheit. „Dafür müsstet ihr es ja mal schaffen euch nicht zu streiten.“

Holden schaut über seinen Sitz zu mir, sein schwarzes Haar sieht noch dunkler aus als sonst. „Also was sagst du, wieso sind Maddox und du auch eingeladen worden?“

„Ich habe keine Ahnung“, sage ich und strecke mich. Meine Muskeln sind steif von der langen Fahrt. „Aber ich muss sagen, seine Theorien mit dem Groupie-König find ich gut. Das sagst du ihm am besten wenn wir ihn begrüßen.“

Maddox wirft mir einen schnellen Blick zu, bevor er seine Augen wieder auf die Straße richtet. „Es tut mir leid. Wir dachten, du schläfst.“

„Nächstes mal vielleicht.“ Ich reibe mir die Augen. „Sind wir bald da?“

Holden wirft einen Blick auf die Anzeige seines Boardcomputers und grinst. „Genau jetzt.“

Ich blicke aus dem Fenster. Um uns herum nichts als Dunkelheit und vereinzelte Bäume, die von den Scheinwerfer von Holdens blauen Mustang beleuchtet werden.

Ansonsten Keine Lichter, keine Häuser, keine Anzeichen von Zivilisation.

Holden steigt aus, gefolgt von Maddox. Ich bleibe sitzen, beobachte, wie sie vor den Wagen treten und in die Dunkelheit starren.

Nach einigen Minuten, als mir klar wird das sie nicht einfach wieder einsteigen werden, steige auch ich aus, die kühle Nachtluft schlägt mir ins Gesicht.

„Da ist es“, sage ich und schaue wie die beiden in das ein Loch, ein Tunnel vielleicht, in einer Felswand aber ohne Licht am Ende. Stattdessen nur Schwärze, tief und undurchdringlich. „Können wir dann weiter?“

„Gleich“, sagt Holden. „Schau es dir doch mal an.“

Maddox tritt näher, hebt vorsichtig einen Finger in die richtung des Lochs. „Da sollen wir durchfahren? Einfach so?“

„Ja natürlich“, erklärt Holden aber ich höre das auch er angespannt ist. „Dad meinte, dass es so aussehen würde. Es ist ein Übergang. Ein Gate. Man fühlt es.“

Maddox geht noch einen Schritt näher. „Und wir können mit dem Auto da durch?“

Holden nickt aber ich seine Augenbrauen ziehen sich minimal zusammen.

Grayson hat zwar viel erzähtl, aber es selbst zu sehen scheint sogar den selbstischeren Holden Parker zu verunsichern.

Ich trete neben sie, starre in die undurchdringliche Schwärze. Die Luft vibriert gegen meine Haut, als würde etwas Unsichtbares direkt vor uns atmen – langsam, schwer, zu nah. Meine Wölfin wird still.

„Da!“, ruft Maddox plötzlich und deutet auf einen Punkt in der Luft vor dem Loch. „Seht ihr das?“

Ich folge seinem Blick und sehe es – einen kleinen Gecko, der regungslos in der Luft zu schweben scheint, als würde er auf einer unsichtbaren Barriere sitzen.

„Er sitzt auf dem Felsen“, sage ich. „Den Felsen den wir nicht sehen.“

Holden und Maddox stehen da, und starren auf den kleinen Gecko, der für sich in seinem gewohnten Habitat sitzt, und langsam anfängt zu bewegen, als wäre er genervt von uns.

„Wollt ihr nicht langsam los?“, frage ich schließlich. „Desto schneller wir dort sind, können wir auch wieder nach Hause. Und ihr müsst Zoey und Lauerl ja noch einiges erklären oder?“

Holden und Maddox tauschen Blicke aus, dann nickt Holden. „Du hast recht. Wir sollten weiter.“

Wir gehen zurück zum Auto, aber keiner lässt das Gate zu lange aus dem Augen. Holden versucht so neutral wie möglich zu wirken. Maddox dagegen zeigt seine Gefühle offen, jeder fremde könnte jetzt sehen das er skeptisch ist.

Der Motor wird gestartet, und langsam lässt Maddox das Auto richtung des undurchdringliche Schwärze des Tunnels fahren.

Hinter uns liegt die Welt, die wir kennen. Vor uns wartet die, in die ich nicht zurückwollte.

Der König hat gerufen.

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