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Der Märchenmörder Episode 5

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Zusammenfassung

Ott geht ohne Rücksicht auf Verluste voran – wie ein Kompressor, der jedes Hindernis aus dem Weg räumt. Der Zerstörer hat viel zu lange gemordet. Ott kennt keine Schuldgefühle. Er hat nur die Gewissheit, dass die Zeit gekommen ist, dem endlich ein Ende zu setzen – und zwar sofort. Den Preis dafür zahlt er allerdings abseits der Außenwelt. Kein Mensch, nicht einmal das ihm nahestehende Hackerkind Floppy Disk, weiß genau, was er fühlt oder wie es in ihm aussieht. Also übernehmen andere das für ihn – und genau darin liegt das Gift, das sich zwischen ihre so starke Bindung schiebt.

Status:
In Arbeit
Kapitel:
8
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

„Es ist alles deine Schuld!“

Der Vorwurf kommt ohne Vorwarnung und ohne jede Form der Vorbereitung, und genau darin liegt seine Wucht. Er ist nicht als Teil eines Gesprächs formuliert, sondern als direkter Angriff. Etwas, das sich über Jahre angestaut hat und sich nun mit voller Härte entlädt, getragen von Zorn, Bitterkeit und tief sitzender Feindseligkeit.

Es ist das Echo einer langen gemeinsamen Vorgeschichte, die in diesem Moment nicht erklärt werden muss, um spürbar zu sein.

Frau Löw hat ihren Nachnamen nie geändert. Auch nach der Scheidung und ihrer erneuten Heirat behält sie den Namen von Ludwig Löw, was weniger mit Verbundenheit als vielmehr mit ihrem verbitterten, rachsüchtigen Charakter zusammenhängt.

Sie trägt diesen Namen als permanente Erinnerung an einen Konflikt, den sie niemals abgeschlossen hat und vermutlich auch niemals abschließen wird.

Sie hasst ihn mit einer Konsequenz, die weit über einen gewöhnlichen Trennungskonflikt hinausgeht.In ihrer Wahrnehmung trägt Ludwig Löw die Verantwortung für die gesamte Misere ihres gemeinsamen Lebens. Gleichzeitig nutzt sie jede Möglichkeit, ihn finanziell und persönlich maximal zu schwächen, ohne auch nur den geringsten Ansatz von Zurückhaltung zu zeigen.

Frau Löw ist die Verkörperung von Hass und Zorn. Sie erhält das Haus, das Kind und einen erheblichen Anteil seines Gehalts. Löw zieht in eine kleine Einzimmerwohnung in Düsseldorf.

Frau Löw lässt ihren neuen Ehemann, Herrn Tischler, in das ehemalige Einfamilienhaus von Löw in Ratingen einziehen.

Beide arbeiten im Ausländeramt in Düsseldorf als Staatsbeamte, wo sie ihr gemeinsames Leben mit einer strukturierten Kälte führen, die nicht nur ihren Alltag prägt, sondern auch die Art, wie sie über andere Menschen sprechen, denken und urteilen.

Frau Löw hat ihren Sohn über Jahre systematisch gegen seinen Vater beeinflusst, sodass der inzwischen neunzehnjährige junge Mann seinen Vater kaum noch erträgt. Jede Begegnung wird vermieden, selbst Telefongespräche lehnt er ab, weil in ihm ein Bild entstanden ist, das sich kaum noch korrigieren lässt.

Da er inzwischen erwachsen ist, hat Löw praktisch keinen unmittelbaren Einfluss mehr auf ihn, weil der junge Mann seine Entscheidungen selbst trifft, auch wenn diese Entscheidungen das Ergebnis jahrelanger emotionaler Manipulation sind, die sich nicht einfach rückgängig machen lässt.

Der Konferenzraum der Mordkommission wirkt spürbar kälter, seit Frau Löw und ihr Ehemann im Präsidium eingetroffen sind.

Sie sitzen dicht nebeneinander auf einer Seite des Konferenztisches, während auf der gegenüberliegenden Seite Hanka Marie sitzt, deren Haltung ruhig wirkt, obwohl sie längst spürt, dass dieses Gespräch weit außerhalb normaler Grenzen verlaufen wird.

Löw kann sich nicht setzen. Er steht an die Wand gelehnt und hat dadurch direkten Blick auf seine ehemalige Ehefrau und ihren neuen Ehemann.

Seine Haltung wirkt ungewöhnlich kontrolliert, doch die Spannung in seinem Körper ist deutlich sichtbar, weil allein ihre Anwesenheit genügt, um alte Konflikte sofort wieder an die Oberfläche zu bringen.

Ott ist noch nicht im Raum.

Unten am Empfang wird er aufgehalten, weil dort ein Paket auf ihn wartet, das direkt von Floppy Disk stammt. Darin befindet sich ein speziell entwickeltes Kommunikationsgerät, das Floppy selbst entwickelt hat.

Das kleine Gerät wirkt unscheinbar, kaum größer als ein Hautpickel, und wird hinter der Ohrmuschel befestigt, wo es praktisch unsichtbar bleibt.

Es enthält keinerlei Metall, kann weder geortet noch verfolgt oder gehackt werden und lässt sich ausschließlich von Floppy selbst aktivieren.

Es ist eines von vielen speziellen Geräten und Drohnen, die sein Hackerfreund Nox aus Frankfurt über das Darknet beschafft und aus Israel sowie Taiwan eingeschmuggelt hat.

Solche Geräte sind für Floppy nichts weiter als Spielzeug. Er modifiziert sie, erweitert sie und entwickelt sie so weit weiter, dass das ursprüngliche Original kaum noch wiederzuerkennen ist.

Vor Hanka auf dem Konferenztisch liegt das Tablet, über das ihre Stimme, die Einsatzdaten und die Verbindung zum System laufen.

Darüber koordiniert sie gleichzeitig die Ermittlungen, behält den operativen Überblick und versucht zusätzlich, eine Form der Vermittlung aufrechtzuerhalten, obwohl längst klar ist, dass Vermittlung bei Frau Löw nur begrenzte Wirkung entfaltet.

Ott hat zuvor unmissverständlich klargemacht, dass sich keine weitere Person im Raum befinden darf. Er erkennt früh, dass dieses Gespräch nicht rational verlaufen wird, sondern jederzeit aus dem Ruder geraten kann.

Er kennt kein Detail dessen, was zwischen Löw und seiner ehemaligen Frau geschehen ist. Doch ihm genügt bereits die Atmosphäre zwischen ihnen, um zu verstehen, dass ihre gemeinsame Anwesenheit im selben Raum einen Ausnahmezustand erzeugt.

Löw selbst beschreibt diesen Zustand immer nur mit einem einzigen Wort:

„Brennt.“

Und genau dieses Brennen liegt jetzt spürbar über dem gesamten Raum.

Ott versucht deshalb, Löw so weit wie möglich zu schonen, auch wenn ihm bewusst ist, dass genau das in dieser Situation kaum möglich sein wird.

Löws Schrei auf der Autobahn hallt noch immer in seinem Kopf nach und wirkt längst nicht mehr wie eine bloße Erinnerung, sondern wie etwas, das weiterlebt und sich nicht abschütteln lässt.

In seiner Karriere hat Ott bereits unterschiedlichste Menschen mit verschiedensten Schicksalen und Leiden begleitet. Deshalb lässt er sich normalerweise nicht von den Emotionen anderer beeinflussen.

Doch Löws Schrei ist etwas anderes: reine Angst, reine Verzweiflung, ein gewaltiger Zorn voller zerstörerischer Kraft.

Als Ott und Löw zum Präsidium zurückfahren, steuert Ott bewusst nicht schnell, sondern mit gleichmäßiger Geschwindigkeit, weil er die Fahrt nutzt, um seine Gedanken zu ordnen und die nächsten Schritte strategisch zusammenzuführen.

Er weiß, dass das, was jetzt folgt, präzise und endgültig sein muss.

Wie so oft brauchen Löw und Ott kaum Worte, um sich zu verstehen. Zwischen ihnen existiert inzwischen eine Form stiller Abstimmung, die keine langen Erklärungen benötigt.

Beide wissen genau, was getan werden muss.

Es gibt keine offenen Fragen mehr, sondern nur noch Umsetzung.

Der Märchenmörder ist Ott bereits mehrfach entkommen. Mehr als einmal versetzt er ihm einen Schlag unter die Gürtellinie und versucht, ihn als inkompetenten Ermittler erscheinen zu lassen.

Ott ist fest entschlossen, die Situation in den kommenden Stunden zu beenden, weil jede zusätzliche Minute, die der junge Löw in den Händen des Zerstörers verbringt, die Gefahr erhöht, dass etwas geschieht, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Die Lage ist inzwischen eindeutig.

Der Zerstörer will Löws Sohn gegen Floppy eintauschen.

Diese Logik ist zu offensichtlich, um falsch zu sein, und gleichzeitig zu einfach, um harmlos zu wirken, weil es dabei nie nur um einen Austausch geht, sondern um eine gezielte Schwächung von Otts Position.

Mit dieser Strategie versucht der Zerstörer gleichzeitig, Löw gegen Ott aufzubringen und ihn möglicherweise zu einem unkontrollierten Schritt zu treiben.

Er setzt darauf, dass Emotionen rationales Handeln verdrängen und Druck Menschen zu Fehlern zwingt.

Der Zerstörer rechnet mit Löws wildem Temperament und erwartet, dass er in seiner Verzweiflung irgendwann auf eine Weise handelt, wie er es unter normalen Umständen niemals tun würde.

Doch genau hier liegt sein Fehler.

Löw würde weder Ott noch Floppy jemals verraten, unabhängig davon, wie groß der Druck wird, selbst dann nicht, wenn ihn die Situation innerlich über seine Grenzen hinausbringt.

Gleichzeitig weiß der Zerstörer genau, dass Ott Floppy unter keinen Umständen ausliefern wird. Genau diese Konstellation nutzt er gezielt aus, um eine Form psychologischer Folter zu erzeugen.

Auch wenn diese Methode ursprünglich eher zu Herrn Faktotums Vorgehensweise passt, hält der Zerstörer inzwischen selbst zunehmend an dieser Lösung fest.

Für Ott steht längst fest, dass dieser Austausch niemals stattfinden wird.

Es bleibt nur eine einzige Alternative:

Den Zerstörer endgültig auszuschalten.

Die gesamte Grausamkeit dieses Spiels ist längst zu weit gegangen.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

4

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Starker Dialog

4

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2 vorherige Kommentare anzeigen…
author

Ja, nee für so einen gibt's keine Gnade, hat er ja auch nicht.

11 Tage
4
author

Grandioser Einstieg 🤩

8 Tage
3
author

Ah, es gibt kürzere Kapitel, das kommt mir sehr entgegen. Auch meiner Lesetagezahl. Sehr guter Einstieg, wirklich gut formuliert! 👍 ⭐️

7 Tage
1

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