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Mein, kleine Bäckerin 🎂 EINE MAFIA-LIEBESGESCHICHTE

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Zusammenfassung

Massimo D'Angelo glaubt nicht an die Liebe. Mit 26 Jahren ist er der gefürchtetste Name der russischen Unterwelt – kalt, skrupellos und unantastbar. Als ältester Sohn des gefallenen D'Angelo-Imperiums trägt er die Last des Todes seines Vaters auf seinen Schultern und die Schuld in seinem Herzen – eine Schuld, die er allein seiner Mutter Emilia zuschreibt. Für ihn sind alle Frauen gleich. Manipulativ. Schwach. Keines Vertrauens würdig. Bis sie auftaucht. Celeste Rossi ist alles, was Massimo nicht ist – sanft, gütig und von der Dunkelheit unberührt. Mit drei Jahren verlassen und von einer bescheidenen Bäckerin namens Viviana großgezogen, weiß sie nichts von der grausamen Welt außerhalb ihres kleinen, mehlbestäubten Lebens. Als sie durch eine falsche Abzweigung in Massimos Territorium gerät, sieht er sie über einen Überwachungsbildschirm – nervös, verloren, eine Lieferbox umklammernd – und zum ersten Mal seit Jahren lächelt er. Sie kennt seinen Namen nicht. Sie kennt seine Welt nicht. Und Massimo will, dass es auch so bleibt. Er nähert sich ihr nicht als Mafia-Boss, sondern als Fremder – als ein Mann, der einfach nur von jemandem Reinem gesehen werden will. Jemand Echtem. Doch Schatten bleiben nicht für immer verborgen. Als Celestes Freundin Massimo erkennt und vor Angst zittert, zerbricht die Illusion. Celeste stellt alles infrage – auch den Mann, dem sie gerade begann zu vertrauen. Und im Hintergrund lauert Sophie – eine Frau, die von Massimo besessen ist und fest davon überzeugt ist, dass sie ihn verdient. Sie wird alles tun, um das sanftmütige Mädchen, das seine Aufmerksamkeit stiehlt, zu zerstören. Was Celeste noch nicht weiß: Sophie hütet ein Geheimnis – eines, das sie beide durch Blut miteinander verbindet.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
16
Rating
5.0 (3 Bewertungen)
Altersfreigabe
18+

The Lost Sparrow đź–¤

Der Moskauer Morgen war grausam.

Eine blasse Wintersonne kämpfte sich mühsam durch die dichten grauen Wolken, die tief über der Stadt hingen. Schnee fiel in leisen Flocken und überzog die Straßen und Dächer mit einer dünnen weißen Schicht. Der Wind schnitt scharf und kalt durch die Luft und biss jeden, der töricht genug war, ohne warme Kleidung nach draußen zu gehen.

Doch im Inneren des gewaltigen schwarzen Gebäudes, das wie ein Monolith inmitten des Geschäftsviertels stand, war die Kälte eine ganz andere.

Der Hauptsitz von D’Angelo Shipping ragte dreißig Stockwerke in den Himmel. Die Architektur war scharfkantig, modern und einschüchternd – alles aus schwarzem Glas und Stahl. Keine Wärme. Keine Sanftheit. Das Gebäude war gebaut, um ein Statement zu setzen, und dieses Statement lautete Macht.

Im Inneren glänzte die Lobby mit Böden aus schwarzem Marmor, die spiegelblank poliert waren. Die Decken waren unglaublich hoch, und das gedimmte Licht tauchte alles in Schatten. Männer in teuren Anzügen gingen zielstrebig ihres Weges; ihre Schritte hallten in der Stille wider. Niemand lächelte. Niemand blieb stehen. Das war kein Ort für Smalltalk oder Nettigkeiten.

Das war das Königreich von Massimo D’Angelo.

Und ganz oben in diesem kalten Imperium, in einem Eckbüro mit raumhohen Fenstern, saß der König höchstpersönlich hinter seinem Schreibtisch.

Massimo D’Angelo war kein Mann, der zur Gemütlichkeit einlud.

Mit sechsundzwanzig Jahren trat er auf wie jemand, der bereits mehrere Leben gelebt hatte – allesamt brutal. Sein dunkles Haar war aus dem Gesicht gestrichen, keine Strähne saß falsch. Sein Kiefer war kantig, seine Wangenknochen wirkten wie aus Marmor gemeißelt, und seine grauen Augen besaßen eine solche Kälte, dass die Leute vergaßen, wie man spricht.

Er trug einen perfekt maßgeschneiderten schwarzen Anzug, dessen Stoff eng an seinen breiten Schultern und seinem athletischen Körper anlag. Eine silberne Uhr glänzte an seinem Handgelenk – schlicht, aber mehr wert als das Jahresgehalt der meisten Menschen. Alles an ihm schrie nach Kontrolle.

Er saß hinter einem wuchtigen Schreibtisch aus Mahagoni, vor ihm ausgebreitete Unterlagen. Seine Finger bewegten sich methodisch: Er unterzeichnete Dokumente, blätterte Seiten um und prüfte Zahlen. Sein Ausdruck änderte sich nie. Nicht ein Hauch von Emotion zeigte sich in seinem Gesicht.

Das Büro um ihn herum war genauso kalt wie der Mann selbst. Dunkles Holz, schwarze Ledermöbel, kaum Dekoration. Das einzige Licht kam vom grauen Himmel draußen und einer einzelnen Lampe auf seinem Schreibtisch. Keine Familienfotos. Keine persönlichen Dinge. Nur Macht und Stille.

Es klopfte an der TĂĽr.

„Herein“, sagte Massimo, ohne aufzusehen.

Ein junger Angestellter trat ein und presste eine Akte an seine Brust. Seine Hände zitterten leicht, und trotz der Kälte hatte sich ein dünner Schweißfilm auf seiner Stirn gebildet.

„Sir, der Bericht, den Sie angefordert haben“, sagte er, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Massimo streckte die Hand aus, ohne seinen Blick zu heben. Der Angestellte eilte vor, legte die Akte in seine Handfläche und wich hastig zurück, als könnte er sich verbrennen, wenn er zu nah stehen blieb.

Massimo öffnete die Akte und überflog den Inhalt. Sein Kiefer spannte sich kaum merklich an.

„Was ist das?“, fragte er mit leiser, ruhiger Stimme.

Der Angestellte schluckte. „Die Quartalszahlen, Sir. Wie gewünscht.“

„Ich habe um korrekte Zahlen gebeten.“ Massimo blickte endlich auf, und die Temperatur im Raum schien zu sinken. „Das hier enthält Fehler. Drei an der Zahl.“

Das Gesicht des Angestellten wurde blass. „I-ich bitte um Entschuldigung, Sir. Ich werde sie sofort korrigieren –“

„Das werden Sie“, unterbrach ihn Massimo. Sein Ton war weich, beinahe sanft, aber die darin mitschwingende Drohung war unverkennbar. „Und wenn ich noch einen Fehler finde, haben Sie keinen Schreibtisch mehr, an dem Sie ihn korrigieren können. Verstanden?“

Der Angestellte nickte hastig, schnappte sich die Akte und rannte praktisch aus dem Raum.

Die TĂĽr fiel hinter ihm ins Schloss.

Aus der Ecke nahe dem Fenster löste ein leises Lachen die Stille.

Rocco Genro lehnte gegen die Scheibe, die Arme über seiner breiten Brust verschränkt, und beobachtete die Szene mit einem amüsierten Grinsen.

„Weißt du, eines Tages verursachst du bei jemandem noch einen Herzinfarkt“, sagte er.

Massimo reagierte nicht. Er wandte sich einfach wieder den restlichen Papieren auf seinem Schreibtisch zu.

Rocco schüttelte den Kopf, stieß sich vom Fenster ab und trat näher. Er war groß und muskulös, mit hellerem braunen Haar und einer lässigen Selbstsicherheit, die einen scharfen Kontrast zu Massimos Düsterkeit bildete. Sein Gesicht war gut aussehend, trug aber die schwachen Narben eines Mannes, der Gewalt gesehen und überlebt hatte.

Sie waren zusammen aufgewachsen – zwei Jungen, groß geworden in Blut und Schatten. Rocco war der einzige Mensch auf der Welt, der ohne Angst mit Massimo sprechen konnte.

„Du musst mal lockerer werden“, sagte Rocco und ließ sich in einen der Ledersessel vor dem Schreibtisch fallen. „Du machst dem Personal Angst. Schon wieder.“

„Gut“, antwortete Massimo trocken. „Angst macht sie effizient.“

Rocco schnaubte. „Oder sie kündigen deswegen.“

„Dann waren sie schwach.“

Rocco wollte gerade antworten, doch bevor er konnte, klingelte Massimos Telefon.

Massimo warf einen Blick auf das Display. Eine unbekannte Nummer, aber er erkannte das Muster. Er nahm ab und drĂĽckte das Telefon an sein Ohr.

„Sprich.“

Eine Stimme knackte in der Leitung – leise, nervös, sprach schnelles Russisch über eine verspätete Lieferung irgendwo in der Nähe der Docks. Etwas von schlechtem Wetter und Grenzproblemen.

Massimo hörte schweigend zu, sein Gesichtsausdruck blieb unverändert.

Als die Stimme endlich verstummte, ergriff Massimo das Wort. Sein Tonfall war eiskalt.

„Das Wetter interessiert mich nicht. Die Grenzen interessieren mich nicht. Mich interessieren Ergebnisse. Du hast achtundvierzig Stunden. Wenn die Lieferung nicht ankommt, bist du es auch nicht mehr.“

Er legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.

Rocco hob eine Augenbraue. „Ärger?“

„Nichts, womit ich nicht fertigwerde.“

Massimo legte das Telefon beiseite und kehrte zu seiner Arbeit zurĂĽck, womit er die Welt erneut aussperrte.

DrauĂźen fiel weiter der Schnee.

╭── ⋅ ⋅ ── ✩ ── ⋅ ⋅ ──╮

CELESTE ROSSI

╰── ⋅ ⋅ ── ✩ ── ⋅ ⋅ ──╯

Auf der anderen Seite von Moskau nahm ein ganz anderer Morgen seinen Lauf.

Zuerst war da die Wärme.

Über einer kleinen Bäckerei, die in einer ruhigen Straßenecke versteckt lag, erstrahlte ein kleines Apartment in goldenem Licht. Der Duft von frischem Brot und Zimt zog durch die dünnen Dielen und hüllte alles in Geborgenheit.

Celeste Rossi regte sich unter ihrer Bettdecke.

Ihr Zimmer war klein, aber gemütlich – zusammengewürfelte Möbel, Stapel alter Bücher in einem Holzregal, getrocknete Blumen in einer gesprungenen Vase am Fenster. Die Vorhänge waren dünn und ließen weiches Morgenlicht herein, das alles in honigfarbene Töne tauchte.

Auf ihrem Bett saß ein abgenutzter Plüschhase, dessen Fell verblasst war und dessen ein Ohr leicht eingerissen war. Sie hatte ihn seit ihrer Kindheit – seit einer Zeit, an die sie sich kaum noch erinnern konnte.

Celeste streckte sich langsam und schlug die Augen auf. Sie blinzelte zur Decke und lauschte den vertrauten Geräuschen von unten: das Klappern von Backblechen, das Summen eines alten Ofens und eine Stimme, die ein noch älteres Lied summte.

Sie lächelte.

Sie schlug die Decke zurück, setzte sich auf und fuhr sich mit der Hand durch ihr zerzaustes braunes Haar. Ihr Gesicht war weich, ihre Züge sanft – eine Art von Gesicht, bei dem Fremde den Drang verspürten, sie beschützen zu wollen. Ihre braunen Augen waren warm und gütig, ohne jede Spur von Schärfe oder Misstrauen.

Sie zog sich hastig einfache Kleidung an – einen abgetragenen Pullover, einen alten Rock, dicke Socken gegen die Kälte. Sie band sich die Haare locker zusammen und streifte ihre Schürze über, die noch vom Vortag mit Mehl bestäubt war.

Sie tapste die Holztreppe hinunter, die unter ihren Schritten knarrte.

Die Bäckerei war ihr liebster Ort auf der Welt.

Es war klein und rustikal, mit unverputzten Ziegelwänden und Holzregalen voller goldenem Gebäck. Mehl bedeckte jede Oberfläche wie Schnee. Die Theke war vollgestellt mit Gläsern voller Zucker und Honig, und die Auslage leuchtete mit frischen Brötchen und Kuchen.

Hinter der Theke stand Viviana Rossi.

Sie war eine Frau, geprägt von jahrzehntelanger harter Arbeit und stiller Liebe. Ihr rundes Gesicht war von feinen Fältchen durchzogen, ihr silbergraues Haar zu einem unordentlichen Knoten hochgesteckt. Mehl klebte an ihrer Wange, und ihre Hände – stark und fähig – kneteten den Teig mit geübter Leichtigkeit.

Sie blickte auf, als Celeste eintrat, und lächelte.

„Endlich wach, kleiner Vogel?“

Celeste lachte, ging durch den Raum und drückte einen Kuss auf Vivianas mehlbestäubte Wange.

„Ich war müde“, sagte sie.

„Du bist immer müde.“ Viviana wischte sich die Hände an der Schürze ab und deutete auf einen Korb mit warmen Brötchen. „Iss. Du bist zu dünn.“

Celeste nahm gehorsam ein Brötchen und biss hinein. Die Wärme schmolz auf ihrer Zunge.

„Perfekt“, murmelte sie.

Viviana winkte abweisend ab, aber ihre Augen funkelten vor Stolz.

Eine Weile arbeiteten sie in vertrauter Stille zusammen – Celeste half, das Gebäck in der Auslage zu arrangieren, Viviana bereitete den Teig für die Nachmittagsschicht vor. Das Radio spielte leise in der Ecke, ein altes russisches Volkslied knisterte aus den Lautsprechern.

Dann sagte Viviana:

„Ich brauche dich heute für eine Lieferung.“

Celeste hielt inne, ihre Hände erstarrten mitten in der Bewegung. „Eine Lieferung?“

Viviana nickte und griff nach einem kleinen Zettel auf der Theke. „Eine Kuchenbestellung. Für ein Geschäft in der Nähe. Die Adresse steht hier.“

Celeste nahm den Zettel und kniff die Augen zusammen, um die Handschrift zu entziffern. Ihr Magen zog sich zusammen.

Sie verließ die Bäckerei nur selten. Die Straßen von Moskau waren laut und überfordernd – zu viele Menschen, zu viel Lärm, zu viel von all dem, was sie nicht verstand.

Hier, in diesem kleinen, warmen Raum, war sie sicher. Da draußen war sie nur ein verlorenes Mädchen.

Viviana bemerkte ihr Zögern und wurde sanfter.

„Du musst die Welt sehen, kleiner Vogel“, sagte sie sanft und legte ihre Hände an Celestes Gesicht. „Sie ist nicht so gruselig, wie du denkst.“

Celeste zwang sich zu einem Lächeln. „Okay.“

Sie verpackte den Kuchen sorgfältig in einer stabilen Schachtel und band eine Schleife darum. Dann zog sie ihren alten Mantel an – der an zwei Stellen geflickt war – und schlang sich einen Schal um den Hals.

Viviana drückte ihr ein paar Münzen in die Hand. „Für den Bus. Und pass auf dich auf.“

Celeste nickte und drĂĽckte die Kuchenschachtel fest an ihre Brust.

„Ich bin bald wieder da.“

Viviana sah ihr nach. In ihren alten Augen mischten sich Stolz und Sorge.

Die StraĂźen von Moskau verschlangen Celeste regelrecht.

Sie stieg eine Haltestelle zu früh aus, ohne es zu merken, und plötzlich hatte sie sich verlaufen.

Die Gebäude hier waren höher, dunkler und einschüchternder. Die Menschen liefen schneller, waren schicker gekleidet und sahen durch sie hindurch, als würde sie gar nicht existieren. Teure Autos säumten die Straßen. Männer in langen Mänteln sprachen mit kaltem Ausdruck in ihre Handys.

Celeste umklammerte die Kuchenschachtel fester.

Sie prüfte erneut den Zettel mit der Adresse und kniff die Augen zusammen, um Vivianas unleserliche Handschrift zu entziffern. Die Zahlen verschwammen. Sie sah auf und betrachtete die Gebäude um sich herum.

Eines fiel ihr besonders auf.

Ein riesiger schwarzer Turm mit scharfen Glaskanten. Die Hausnummer am Eingang schien mit der auf ihrem Zettel übereinzustimmen – oder zumindest sah sie ähnlich aus.

Sie zögerte.

Das sah nicht nach einem Ort aus, an dem Kuchen bestellt wurden.

Aber sie war nun einmal hier, und die Kälte biss durch ihren dünnen Mantel. Sie wollte die Lieferung einfach nur hinter sich bringen und nach Hause.

Sie drĂĽckte gegen die GlastĂĽren und trat ein.

Die Lobby traf sie wie eine Welle.

Schwarze Marmorböden erstreckten sich endlos; sie waren so poliert, dass sie ihr eigenes Spiegelbild darin sehen konnte. Die Decken ragten hoch über ihr auf, und das gedimmte Licht tauchte alles in Schatten. An der hinteren Wand prangte ein massives Logo – D’Angelo Shipping.

Celeste erstarrte.

Das war falsch. Das war verdammt falsch.

Bevor sie sich umdrehen konnte, tauchten zwei Männer vor ihr auf.

Sie waren groß und breit, trugen schwarze Anzüge und hatten Ohrhörer in den Ohren. Ihre Gesichter waren hart und ausdruckslos.

„Wer bist du?“, fragte einer von ihnen. „Hast du einen Termin?“

Celeste blieb die Stimme im Hals stecken.

„Ich – ich habe eine Lieferung“, stammelte sie und hielt die Kuchenschachtel wie einen Schutzschild vor sich. „Das ist die Adresse, glaube ich – vielleicht habe ich mich geirrt –“

Die Wachen tauschten einen Blick aus.

Einer von ihnen sprach leise und gedämpft in seinen Ohrhörer.

Celeste spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde. Jeder, der vorbeiging, starrte sie an – ein kleines, mehlbestäubtes Mädchen in einem geflickten Mantel, das in dieser Welt aus Glas und Macht völlig fehl am Platz war.

Sie wollte sich einfach nur in Luft auflösen.

„Bitte warten Sie hier“, sagte die Wache.

Sie blieb wie angewurzelt stehen, ihr Herz hämmerte, und sie wünschte, sie hätte die Bäckerei niemals verlassen.

Oben im Sicherheitsraum lehnte sich Rocco Genro in seinem Stuhl zurĂĽck und lachte.

Der Bildschirm vor ihm zeigte die Lobby – und in deren Mitte stand das seltsamste Geschöpf, das er je gesehen hatte.

Ein Mädchen. Jung, nervös, sie umklammerte eine Kuchenschachtel, als hinge ihr Leben davon ab. Mehl klebte an ihrer Schürze. Strähnen ihres Haares hatten sich aus dem Schal gelöst. Ihre großen Augen huschten umher wie die eines verängstigten Tieres auf der Suche nach einem Ausgang.

Rocco zoomte näher heran und schüttelte grinsend den Kopf.

„Nun, das ist ja goldig.“

Er nahm sein Handy und rief Massimo an.

„Das solltest du dir ansehen, Boss.“

Massimos Stimme klang flach. „Ich bin beschäftigt.“

Rocco grinste. „Glaub mir.“

Er legte auf und ging mit dem Laptop unter dem Arm zu Massimos BĂĽro.

Als er ankam, saĂź Massimo noch immer hinter seinem Schreibtisch und prĂĽfte Unterlagen. Er sah nicht auf.

Rocco öffnete den Laptop und drehte den Bildschirm zu ihm herum.

„Da ist ein verirrtes Mädchen reingelaufen. Soll ich sie entfernen lassen?“

Massimo warf einen desinteressierten Blick auf den Bildschirm.

Dann hielt er inne.

Seine Augen blieben an dem Bild haften.

Sie stand in der Lobby und drückte die Schachtel gegen ihre Brust. Ihre Lippen waren nervös zusammengepresst. Ihre braunen Augen wirkten weit und unsicher. Eine Haarsträhne war ihr ins Gesicht gefallen, und während er zusah, hob sie die Hand und strich sie hinter das Ohr.

In Massimos Brust regte sich etwas.

Es war ein ungewohntes Gefühl – fast unangenehm. Wie Eis, das nach Jahren der Erstarrung aufbricht.

Und dann, ohne Vorwarnung, lächelte er.

Es war nur ein kleines Lächeln. Kaum eine Krümmung seiner Lippen. Aber es war echt.

Rocco starrte ihn an.

In all den Jahren, die er Massimo kannte – durch Blut, Krieg und Verlust –, hatte er diesen Ausdruck noch nie auf seinem Gesicht gesehen.

„Was zur Hölle war das denn?“, fragte Rocco, seine Stimme halb schockiert, halb amüsiert.

Massimos Gesicht wurde augenblicklich wieder kalt. Er räusperte sich.

„Sag dem Sicherheitsdienst, sie sollen ihr mitteilen, dass sie an der falschen Adresse ist“, sagte er mit kontrollierter Stimme.

Rocco bewegte sich nicht. Er starrte immer noch.

Massimos Kiefer mahlte. „Und stell sicher, dass sie ihr Ziel erreicht. Sicher.“

Rocco hob eine Augenbraue. „Du willst, dass wir irgendein Kuchenmädchen durch die Stadt eskortieren?“

„Habe ich gestottert?“

Rocco hob abwehrend die Hände, doch sein Grinsen war nicht zu verbergen.

„Wie du willst, Boss.“

Er verlieĂź den Raum und schloss die TĂĽr hinter sich.

Massimo saĂź in der Stille.

Sein Blick schweifte zurĂĽck zum Laptop-Bildschirm.

Sie war immer noch da – klein und zart und völlig fehl am Platz in seiner kalten Welt.

Er beobachtete sie einen langen Moment.

Dann schloss er den Laptop und wandte sich ab.

Doch ihr Bild hatte sich in sein Gedächtnis eingebrannt.

Unten in der Lobby war Celeste kurz davor zu weinen.

Die Wachen hatten sie warten lassen, und jede Sekunde fĂĽhlte sich wie eine Stunde an. Sie spĂĽrte, wie die Leute sie anstarrten und verurteilten, sich fragend, warum jemand wie sie an einem solchen Ort herumstand.

Dann kam eine der Wachen auf sie zu.

„Miss, das hier ist der Hauptsitz von D’Angelo Shipping. Sie sind an der falschen Adresse.“

Celestes Gesicht lief rot an. „Es tut mir so leid – das wollte ich nicht – die Nummern sahen so gleich aus –“

Die Wache hob die Hand, um sie zu unterbrechen.

„Schon gut. Wir helfen Ihnen, den richtigen Ort zu finden.“

Celeste blinzelte verwirrt. Sie hatte mit Grobheit gerechnet. Kälte. Vielleicht sogar damit, rausgeworfen zu werden.

Nicht mit Freundlichkeit.

„Kommen Sie mit“, sagte die Wache und deutete zur Tür.

Sie folgte ihm nach drauĂźen, die Kuchenschachtel immer noch umklammert.

Ein schwarzes Auto wartete am StraĂźenrand. Ein Fahrer stand daneben und hielt die TĂĽr auf.

„Wir bringen Sie zu Ihrer Lieferadresse“, sagte er.

Celeste zögerte. Das kam ihr merkwürdig vor. Warum sollten sie ihr helfen?

Aber die Kälte drang bereits durch ihren Mantel, und sie war zu nervös, um zu widersprechen.

Sie stieg in das Auto.

Das Innere war warm und unglaublich luxuriös – weiche Ledersitze, getönte Scheiben, ein feiner Duft nach etwas Teurem.

Sie nannte dem Fahrer die richtige Adresse, und das Auto glitt sanft in den Verkehr.

Celeste saĂź schweigend da und starrte aus dem Fenster.

Das alles ergab keinen Sinn.

Wer waren diese Leute? Warum kümmerten sie sich um ein verlaufenes Mädchen mit einem Kuchen?

Sie schĂĽttelte den Kopf und beschloss, nicht weiter darĂĽber nachzudenken.

Der Wagen setzte sie vor einem kleinen Bürogebäude ab – die richtige Adresse. Sie bedankte sich beim Fahrer und stieg aus. Sie sah zu, wie das schwarze Auto in der Straße verschwand.

Sie stand einen Moment da, während Schneeflocken in ihrem Haar schmolzen.

Dann ging sie hinein und lieferte den Kuchen ab.

Der Rückweg zur Bäckerei war ruhig. Der Schnee hatte die Stadt in ein sanftes Licht getaucht, Geräusche gedämpft und die harten Kanten mit Weiß überdeckt.

Celeste dachte über die seltsame Begegnung nach – das kalte, schwarze Gebäude, die Wachen, die unerwartete Freundlichkeit.

Sie verstand es nicht.

Doch als sie die Tür zur Bäckerei aufstieß und der vertraute Duft von Brot und Zucker sie empfing, hatte sie es bereits fast vergessen.

Viviana blickte hinter dem Tresen hervor.

„Wie war es, kleiner Vogel?“

Celeste lächelte und wickelte den Schal ab. „Ich habe mich ein wenig verlaufen. Aber alles war gut.“

Viviana lachte und reichte ihr ein warmes Brötchen.

Celeste biss hinein und lieĂź die SĂĽĂźe auf ihrer Zunge schmelzen.

Sie war zu Hause.

Sie war in Sicherheit.

Und sie hatte keine Ahnung, dass irgendwo in der Stadt, in einem dunklen BĂĽro voller Stille, ein Mann hinaus in den Schnee starrte.

Ein Mann, der seit Jahren nicht mehr gelächelt hatte.

Ein Mann, der heute gelächelt hatte – wegen ihr.

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Gutes Schreiben

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Ăśberzeugende Handlung

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Toller Charakter

4

Toller Charakter

Starker Dialog

4

Starker Dialog

author

Great start to a romance. Cant wait to see what happens next !

ein Monat

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