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Somnio

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Zusammenfassung

In Oneida gibt es nur eine Wahrheit: Die Somnio Traumwandler sind der Feind. Rekrutin Lyenne hat gelernt, sie zu fürchten. Sie hat gelernt, Befehle zu befolgen. Und sie hat gelernt, dass Zweifel tödlich sein können. Sie erhält den Auftrag einen Rebellen aufzuspüren und zu töten, doch ausgerechnet der Schatten, die gefürchtete rechte Hand des Generals, wird sie begleiten. Gemeinsam mit Thome, ihrem einzigen Freund und Vertrauten, macht sich Lyenne auf den Weg. Doch je weiter sie sich von Oneida entfernen, desto mehr beginnt die Wahrheit zu bröckeln. Wer ist der Rebell wirklich? Warum kennt der Schatten so viele Geheimnisse? Und was verbirgt Oneida vor seinen eigenen Soldaten? Während die Grenzen der Realität verschwimmen, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn wenn Lyenne die Wahrheit zu spät erkennt, könnte sie nicht nur ihr eigenes Leben verlieren.

Genre:
Fantasy
Autor:
JW Kukler
Status:
vor 41 Minuten
Kapitel:
16
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Ein Rascheln an der Eingangstür, dann Stille. Auf einen Schlag bin ich hellwach. Jemand ist in meinem Zimmer, ich bin mir ganz sicher. Adrenalin durchflutet mich. Ganz langsam strecke ich meine Hand und versuche das stumpfe Brotmesser, das ich vor Monaten aus der Speisehalle mitgehen lassen habe, unter meiner Matratze zu greifen. Niemand kommt oder geht bei Nacht, dafür sorgt General Alarik jeden Abend, wenn er uns in die Zimmer einschließt. Außer die Wächter selbst sind involviert, wie in der einen Nacht letztes Jahr. Ich schaudere. Deshalb auch das Messer unter meiner Matratze.

Die Schritte stoppen, und ich höre leises Atmen. Ich recke mich noch einen Zentimeter, dann schließen sich meine Finger um das kühle Metall des Messers. Ich öffne meine Augen einen Spalt breit. Mein kleines Zimmer kommt in Sicht. Rechts neben dem Bett ein Nachttisch. Auf der gegenüberliegenden Seite meine kleine Kommode, mit der Rekruten-Uniform in rot, fein säuberlich zusammengelegt. Ich kann den Eindringling spüren. Seine Präsenz ist so stark, fast so als würde ich ihn sehen.

Ein Kratzen - ich versuche meinen Kopf zu drehen, ohne preis zu geben, dass ich wach bin. Dann sehe ich ihn - einen verschwommenen Schatten, neben der Eingangstür. Er bewegt sich auf mein Bett zu. Meine Gedanken überschlagen sich. Ungefähr 1.75m, muskulös. Definitiv ein Mann.

Als sich eine Hand über meinen Mund legt bin ich bereit - blitzschnell ziehe ich beide Knie an meinen Körper, drehe mich in die entgegengesetzte Richtung und schlage mit meinem Ellenbogen zu. Ein befriedigendes Knacken ertönt, gefolgt von einem gedämpften Stöhnen. Volltreffer. Blut tropft auf meine Wange. Anstatt mich loszulassen, verfestigt der Angreifer jedoch seinen Griff, packt mich an den Haaren und zieht mich vom Bett. Mist - ich hole erneut aus, diesmal mit der anderen Hand und steche mit dem Messer durch die Luft in der Hoffnung einen Treffer zu landen. Eine schwere Hand packt mein Handgelenk.

“Stopp”, röchelt der Angreifer. Seine Stimme ist tief und heisser. Aus den Augenwinkeln sehe ich die dunkle Kapuze, die er sich über das Gesicht gezogen hat. Ich schlage mit den Beinen um mich, und versuche mich an die Grundlagen meines Trainings zu erinnern. Ruhig bleiben und Kraft hinter jeden Schlag packen. Mein Fuß trifft seine Schulter mit voller Wucht, und ich nutze den Moment, in dem sich sein Griff lockert, um meine Hand mit dem Messer zu befreien. Eine Faust kracht auf meine linke Wange. Schmerz durchflutet meinen Kiefer und ich sehe Sterne.

Der Eindringling versucht vergeblich mein Handgelenk erneut zu packen und gleichzeitig meinen Hieben auszuweichen. Mein Messer streift seinen Unterarm. Ist ist nicht sehr scharf, aber hinterlässt trotzdem rot.

“Lyenne”. Ich halte inne. Der Angreifer kennt meinen Namen, meinen Vornamen. Er scheint zu spüren, dass ich zögere, lässt mich los und hebt seine Arme.

Erst jetzt erhasche einen richtigen Blick auf ihn, während ich schnell außer Reichweite krieche. Neben der Kommode springe ich auf die Beine. Der Mann ist mittelgroß und muskulös. Er trägt schwarze Kleidung. Definitiv nicht vom Stützpunkt. Alle Rekruten, die Wächter und Soldaten tragen rot in unterschiedlichen Abstufungen.

Der Fremde wischt seine Kapuze vom Gesicht. Seine Umrisse flackern im Dunkeln, ich kneife die Augen zusammen, und versuche mehr zu erkennen. Aber alles was ich sehe ist sein stechender Blick.

“Ein Schritt und mein Messer landet in deiner Brust”, zische ich. Vielleicht etwas übertrieben, in Anbetracht dessen, dass ich ein Brotmesser in der Hand halte. Aber es funktioniert, zumindest für eine Sekunde. Der Unbekannte weicht einen Schritt zurück, dann hechtet er nach vorne, trifft mich in der Brust und wirft mich zu Boden. Alle Luft verlässt meine Lunge als ich auf dem harten Stein aufkomme, der Eindringling über mir. Er schließt seine Beine um meine Brust und verlagert sein ganzes Gewicht auf meine Lunge. Ich versuche zu schreien aber kein Laut entkommt mir. Schwarze Punkte tanzen vor meinen Augen, der Unbekannte flackert in und außer Fokus. Meine Beine schlagen wie wild um sich, während ich gleichzeitig versuche einen weiteren Treffer mit dem Messer zu landen. Innerlich verfluche ich Oneida, und General Alarik, der keine Waffen für den eigenen Gebrauch erlaubt.

Eine Hand schließt sich um mein Handgelenk, dann wird sie schmerzhaft nach oben gebogen und das Messer fällt klirrend auf den Boden.

“Es-“, es scheint als will der Unbekannte etwas sagen aber Nebel zieht in meine Sicht, Blut rauscht in meinen Ohren. Ich rechne meine Chancen aus. Mein Zimmer ist das letzte auf dem Gang. Alle Rekruten sind in ihre Zimmer eingeschlossen. Auch wenn mich jemand hören würde, könnten sie nichts tun. Die meisten würden wahrscheinlich liebend gerne zusehen. Meine einzige Hoffnung sind die Wächter, die nachts ihre Runden drehen - oder Thome. Mir wird schlecht und ich fange an zu zittern. Ein Röcheln entweicht mir.

Der Unbekannte tastet sich über meinen Oberschenkel. Und plötzlich bin mir meiner kurzen Hose und dem lockeren Leinenshirt, das ich nachts trage, nur zu bewusst. Ich fühle wie die Wärme seiner Hand durch den dünnen Stoff meiner Hose dringt. Ein Finger fährt in meine linke Hosentasche. Ich schließe die Augen und stelle mir vor wie Thome durch die Tür gestolpert kommt, aber er kann wohl nicht immer für mich da sein. Der Unbekannte auf mir verlagert sein Gewicht und ich fühle mich so hilflos. Die schwarzen Punkte vor meinen Augen werden größer und ich spüre wie ich langsam in Ohnmacht drifte.

“Rekrut Royce”, ein Hämmern an der Tür, dann “zurücktreten”. Ich höre wie die Tür aufgeschlagen wird. Polternde Schritte. Das Gewicht auf meiner Brust lässt nach und plötzlich kann ich wieder atmen. Röchelnd nehme ich tiefe Atemzüge. Meine Sicht verfestigt sich und zwei Beine, in roten Hosen und festen Kampfstiefeln treten in mein Sichtfeld.

Ich höre Kampfgeräusche aus Richtung der Tür. Der Eindringling versucht zu fliehen. Irgendwas muss ich tun - ich versuche mich aufzurichten. Meine linke Gesichtshälfte pocht vor Schmerz. Dann sehe ich zwei Gestalten, die eng umschlungen im Kampf auf mich zustolpern… oder eher fallen. Bevor ich reagieren kann trifft mich ein Kampfstiefel direkt ins Gesicht. Alles wird schwarz.

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