Vorwort und Erläuterungen
Unsere Welt hat sich verändert. Die Evolution hat einen merkwürdigen Schritt eingeschlagen, und die Menschheit ist nicht mehr das, was sie einst war.
Rassismus existiert in seiner heutigen Form nicht mehr; vielmehr hat er sich auf die Genetik verlagert. Hautfarbe und Religion spielen keine Rolle mehr – was zählt, ist einzig und allein die Zuteilung in einzelne Kasten, die durch die DNA bestimmt wird.
An der Spitze der Hierarchie stehen die Alphas. Sie sind größer, stärker, schneller und intelligenter als der Durchschnitt. Auch ihre Lebensspanne ist mehr als viermal so lang wie die der normalen Bevölkerung. Die Alphas bekleiden alle wichtigen Ämter und Posten, sei es im Militär, in Schulen, Krankenhäusern oder Firmen. Die Welt ist nicht mehr in einzelne Länder aufgeteilt, sondern wird von einem Königsclan regiert. In diesem Zirkel mischen sich die ehemals verschiedenen Rassen und Religionen der Menschheit, sodass er nun aus den stärksten Alphas der Welt besteht.
Die breite Masse der Gesellschaft wird von den Betas (Männern) und den Deltas (Frauen) gestellt. Abgesehen von einer Besonderheit unterscheiden sie sich nicht vom klassischen Homo sapiens. Sie sind jedoch bedingungslos loyal gegenüber den Alphas und gehorchen jedem noch so kleinen oder unsinnigen Befehl.
Das Volk darf erst mit 21 Jahren arbeiten. Bis dahin hat Bildung oberste Priorität.
Den letzten und wesentlich kleineren Anteil der Bevölkerung stellen die Omegas und Epsilons. Sie sind die einzigen, mit denen sich Alphas fortpflanzen können. Da es jedoch immer weniger Omegas gibt, hat die Natur ein Schlupfloch geschaffen: Auch männliche Omegas – kurz Os genannt – sind nun dank der Evolution in der Lage, Kinder zu gebären. Wo es männliche Os gibt, sind Epsilons – oder auch Ees – ausschließlich weiblich. Allerdings sind Epsilons noch seltener als Os, und den Aufzeichnungen des königlichen Archivs zufolge wurde die letzte vor 98 Jahren geboren. Aufgrund dieser Seltenheit bilden sich regelrechte Zirkel – teilweise aus mehr als zehn Alphas – oder sogenannte Clans um den fruchtbaren Teil der Bevölkerung, der nach der Beanspruchung nur noch zum Kinderkriegen dient.
Omegas bekommen zweimal im Jahr ihre Hitze. Das ist eine Woche voller Qualen: Krämpfe, Ohnmachtsanfälle, Hitzewallungen und Panikattacken. In dieser Zeit sind sie fruchtbar und verspüren neben einem extrem gesteigerten Sexualtrieb einen starken Drang, sich zu verstecken und Nester zu bauen. Die Hitze klingt normalerweise nach sieben Tagen von allein ab. Tut sie das nicht, kann sie nur durch die Paarung und Markierung eines Alphas gebrochen werden – doch von diesem Moment an hat der Omega seine Freiheit verloren.
Bei Epsilons ist es schlimmer: Ihre Hitze kommt, wie die Periode der Deltas, monatlich. Dadurch lassen sie sich schwerer von normalen Frauen unterscheiden. Lediglich über die starken Paarungspheromone – die dem Duft von Waldbeeren gleichen – kann ein Alpha erkennen, dass es sich bei der vermeintlichen Delta in Wahrheit um eine Epsilon handelt.
Weder Os noch Ees sind sonderlich erpicht darauf, als Gebärmaschinen zu fungieren. Daher verstecken sich die meisten während der Hitzezyklen oder nehmen sogenannte Sub-Suppressor – kurz Suppress genannt. Dieses Medikament überdeckt die Pheromone und mildert die Krampfanfälle. Allerdings ist es extrem teuer, und auf dem Schwarzmarkt wird oft eine verbilligte, gepanschte Version verkauft, die mehr Schaden als Nutzen bringt.
In diese Welt wird Gwendolyn geboren – eine Epsilon. Ihre Mutter, selbst ein Omega, starb bei ihrer Geburt, sodass Gwen von ihrer Tante Clarissa aufgezogen wird. Diese liebt ihre Nichte sehr und schafft es seit Gwens erster Hitze im Alter von zwölf Jahren, sie vor der eigenen Familie und jedem Alpha der Region zu verstecken. Doch irgendwann endet auch die treueste Glückssträhne …