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Seelensplitter - Der Weg der Assassinen

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Zusammenfassung

Eine blinde Assassinin, die den Raum in Perfektion beherrscht. Ein eiskalter Halbdämon, der in den Schatten tötet. Und eine zersplitterte Seele, die das Gefüge der Zeit bedroht. Myradielle ist eine der tödlichsten Klingen der Diebes-Gilde – und sie ist nicht ganz sie selbst. Als eines von drei Seelenfragmenten einer Elfe trägt sie eine feurige, unkontrollierbare Gottheit in sich. Als ein Agent der Abtrünnigen Magier beginnt, sie aus der Zeitlinie tilgen zu wollen, muss die Einzelgängerin widerwillig mit ihren grundverschiedenen Schwestern zusammenarbeiten: Einer muskulösen Schildträgerin als Abrissbirne und einer fröhlichen Priesterin, die das Gedächtnis eines Goldfisches, aber die Macht eines Schattendämons besitzt. Doch das größte Problem ist Sylian. Der arrogante, unnahbare Halbdämon und Meister-Assassine weigert sich standhaft, Gefühle für sein „Vögelchen“ zuzulassen. Aus tödlichen Rivalen werden unfreiwillige Verbündete in einem rasanten Katz-und-Maus-Spiel quer durch Ylviria. Während sie gemeinsam explodierende Flugapparate überleben und die Zeit retten müssen, bröckelt Sylians eiskalte Fassade gewaltig. Denn zwischen spitzen Dolchen und noch spitzeren Beleidigungen müssen beide feststellen: Der gefährlichste Kampf ist nicht der gegen die Zeit... sondern der gegen das eigene Herz.

Genre:
Fantasy
Autor:
Myradielle
Status:
vor 14 Stunden
Kapitel:
7
Rating
5.0 (1 Bewertung)
Altersfreigabe
16+

Prolog

Der Fluss zog sich wie ein silbernes Band durch das grüne Land.

Sein Wasser war klar und schnell, rann über runde Steine und brach sich im warmen Licht der Nachmittagssonne in tausend kleine Funken. Über dem Ufer neigten sich alte Bäume, deren breite Kronen das Sonnenlicht in goldene Flecken zerteilten. Zwischen ihren Wurzeln wuchsen kleine weiße und violette Blüten, deren feiner Duft sich mit dem Geruch von feuchter Erde, frischem Wasser und warmem Sommergras vermischte.

Es war ein Ort, an dem selbst die Zeit langsamer zu werden schien. Ein Ort, an dem niemand an Krieg dachte. Niemand an Politik. Niemand an die Intrigen, die in den großen Städten der Hochelfen hinter goldenen Türen und seidenen Vorhängen gesponnen wurden.

Hier gab es nur Licht. Und Frieden.

Am Ufer hatte eine kleine Reisegesellschaft Halt gemacht. Die glänzenden Wagen standen etwas abseits zwischen den Bäumen. Das Wappen der Familie war in das dunkle Holz geschnitzt: filigran, elegant und unverkennbar das Zeichen eines alten Hauses. Diener kümmerten sich um die Pferde, während mehrere bewaffnete Hochelfen in einiger Entfernung Stellung bezogen hatten.

Sie trugen hochwertige Rüstungen, deren Metall im Sonnenlicht schimmerte. Ihre Bewegungen waren ruhig, kontrolliert und beinahe lautlos. Jeder von ihnen war ein erfahrener Kämpfer.

Sie wirkten nicht wie Soldaten auf einem Feldzug. Sie wirkten wie eine Mauer. Eine lebende Mauer zwischen ihren Schutzbefohlenen und jeder Gefahr, die aus der Wildnis hätte kommen können. Die Familie Eathelvel, die sie begleiteten, musste sich um nichts sorgen. Sie gehörte zu den alten Häusern des Hochadels.

Lord Voranis Eathelvel stand nahe am Wasser. Großgewachsen, elegant und von jener natürlichen Haltung, die nur jemand besitzen konnte, der es sein gesamtes Leben lang gewohnt war, dass andere auf ihn hörten. Seine Kleidung war kostbar, aber nicht aufdringlich. Feine Stickereien zogen sich über den Stoff seines Mantels, an seinen Händen glänzten schmale Ringe.

Und dennoch war in diesem Moment nichts von einem mächtigen Adligen in seinem Gesicht zu erkennen. Nur Glück. Er lächelte. Nicht wegen des Flusses. Nicht wegen des schönen Wetters. Nicht wegen des Reichtums, der ihm ein Leben voller Sicherheit ermöglichte. Sein Blick galt Lady Elyria.

Sie saß etwas oberhalb des Ufers auf einer weichen Decke. Ihr langes Haar bewegte sich leicht im warmen Wind, während sie mit einem kleinen Bündel aus Kräutern und Blumen hantierte. Doch selbst während sie beschäftigt war, glitt ihr Blick immer wieder zu ihrer Tochter.

Kyrielle. Das Kind war kaum alt genug, um zu verstehen, wie groß und mächtig die Welt außerhalb dieses kleinen Stücks Paradies war. Sie interessierte sich auch nicht dafür. Kyrielle kniete direkt am Flussufer und hielt ihre kleinen Hände über das Wasser. Ihre feuerroten Haare leuchteten regelrecht in der Sonne. Dazwischen zogen sich mehrere schneeweiße Strähnen durch das Haar, auffällig und wunderschön zugleich.

„Nicht zu nah ans Wasser, Kyrielle“, sagte Elyria sanft.

„Ich bin vorsichtig!“ Die Antwort kam sofort. Viel zu schnell.

Elyria lächelte. „Das sagst du jedes Mal.“ Kyrielle drehte sich um und grinste breit. Dann wandte sie sich wieder dem Fluss zu.

Voranis beobachtete die beiden. Sein Blick blieb an Elyria hängen. Für einen langen Augenblick sagte er nichts. Er sah sie einfach nur an. Die Frau, die er liebte. Die Mutter seiner Tochter. Sein Zuhause.

Es war ein stiller, beinahe intimer Blick. Einer, den niemand bemerkte, mit Ausnahme eines der Leibwächter, der kurz zur Seite sah, als würde er bewusst so tun, er hätte nichts gesehen. Voranis lächelte leicht. Elyria bemerkte es trotzdem.

Sie hob den Blick. „Was?“

„Nichts.“

„Du siehst mich an.“

„Darf ich das nicht?“

Elyria schüttelte lächelnd den Kopf. „Du bist unmöglich.“

„Und trotzdem hast du mich geheiratet.“

„Das war vermutlich mein größter Fehler.“

Voranis hob eine Braue. „Dann sollten wir die Reise vielleicht abbrechen und ich bringe dich zurück.“

„Nein.“ Elyria lächelte. „So schlimm ist es dann doch nicht.“

Ein leises Lachen entwich Voranis. Für einen Moment war er einfach nur ein Ehemann. Kein Adliger. Kein Mann mit Verantwortung. Keine Figur von Bedeutung. Nur ein Ehemann, der seine Frau ansah und wusste, dass er alles besaß, was er jemals hatte besitzen wollen.

Dann kam ein aufgeregter Ruf vom Fluss. „Mama!“ Elyria drehte sich sofort um. Kyrielle stand bis zu den Knöcheln im flachen Wasser. In ihren kleinen Händen hielt sie etwas. „Komm her, Liebling.“

Das Kind stapfte aus dem Wasser und lief zu ihr. Dabei hielt sie beide Hände fest geschlossen, als hätte sie gerade den größten Schatz der Welt gefunden. Als sie bei ihrer Mutter angekommen war, öffnete sie vorsichtig die Finger. Ein kleiner Stein lag darin. Er war nicht besonders groß. Nicht größer als eine Haselnuss. Doch auf seiner Oberfläche schimmerten winzige silberne und goldene Lichtpunkte. Die Sonne traf ihn immer wieder anders, sodass er aussah, als würde etwas tief in seinem Inneren glitzern.

Kyrielles Augen wurden groß. „Schau!“

Elyria nahm den Stein vorsichtig entgegen. „Zeig mal her.“ Sie drehte ihn zwischen den Fingern. „Der ist wunderschön.“

Kyrielle nickte eifrig. „Ich hab ihn gefunden.“

„Das sehe ich.“ Elyria strich ihrer Tochter eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht. „Dann müssen wir gut auf deinen Schatz aufpassen.“

„Darf ich ihn behalten?“

„Natürlich.“ Kyrielle strahlte.

„Wirklich?“

„Wirklich.“

Elyria gab ihr den Stein zurück und legte anschließend beide Hände sanft an die Wangen ihrer Tochter. „Aber du bleibst aus dem tiefen Wasser heraus.“

Kyrielle verzog das Gesicht. „Das ist langweilig.“

„Das ist die Regel.“

„Aber Papa sagt immer, ich bin mutig.“

Voranis, der ihre Worte gehört hatte, verschränkte die Arme. „Ich habe auch nie behauptet, dass Mut bedeutet, kopfüber in einen Fluss zu springen.“

Kyrielle sah zu ihm. „Wieso nicht?“

Voranis musste lachen. „Weil deine Mutter mich sonst umbringt.“

Elyria warf ihm einen gespielt empörten Blick zu. „Ich würde dich nicht umbringen.“

Voranis grinste. „Nein?“

„Nein.“ Eine kurze Pause. „Ich würde nur dafür sorgen, dass du sehr lange bereust, dass du mir widersprochen hast.“

„Das klingt noch schlimmer.“

Kyrielle begann zu lachen. Elyria stimmte ein. Und schließlich auch Voranis. Das Lachen der drei mischte sich mit dem Rauschen des Flusses.

Die Leibwachen beobachteten die Szene aus einiger Entfernung. Einer von ihnen lächelte kaum merklich. Der andere überprüfte bereits wieder die Baumgrenze. Keiner bemerkte etwas Ungewöhnliches. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Tag anders sein könnte als jeder andere Sommertag. Keiner wusste, dass manche Erinnerungen erst dann kostbar wurden, wenn man sie verloren hatte. Und keiner wusste, dass manchmal genau die schönsten Augenblicke eines Lebens zu den grausamsten Erinnerungen werden konnten.

Voranis trat schließlich zu seiner Familie. Kyrielle lief ihm entgegen und hielt ihren kleinen Stein hoch. „Papa! Schau!“

Voranis ging in die Knie. „Was hast du da?“

„Einen Schatz.“ Er betrachtete den Stein mit gespieltem Ernst. „Das ist tatsächlich ein sehr beeindruckender Schatz.“

Kyrielle strahlte. „Ich hab ihn gefunden.“

„Dann musst du ihn gut verstecken.“

Sie dachte kurz nach. „Warum?“

Voranis sah zu Elyria. Dann wieder zu seiner Tochter. „Weil Schätze manchmal Dinge verändern.“

Elyria hob leicht die Augenbrauen. „Voranis.“

Er lächelte. „Nur ein Scherz.“

Kyrielle schloss den Stein fest in ihre Faust. Dann kuschelte sie sich an ihren Vater. Voranis legte einen Arm um sie. Mit der anderen Hand griff er nach Elyrias Hand und küsste sanft ihre Handknöchel. Ihre Finger verschränkten sich.

Drei Elfen. Eine Familie. Umgeben von Licht. Von Natur. Von Sicherheit.

In diesem vollkommenen Augenblick schien die Welt tatsächlich genau so zu sein, wie sie sein sollte. Golden. Still. Unzerbrechlich.

Eine Illusion.

Voranis riss die Augen auf. Er war nicht am Wasser. Er atmete nicht den Duft von Sommergras. Die Luft schmeckte nach Moder, kaltem Stein und Verwesung. Er befand sich tief unter der Erde, gefangen in einem dunklen, verborgenen Gewölbe, einen Kerker, den er selbst gebaut hat, tief unter den glanzvollen, alabasterweißen Straßen der Elfenstadt Celestina. Sein Labor.

Für einen einzigen, furchtbaren Moment war sein Geist vollkommen klar. Die Realität brach über ihn herein, gnadenlos und erdrückend. Er blinzelte, und heiße Tränen bahnten sich ihren Weg durch den Schmutz auf seinen eingefallenen Wangen. Er weinte. Seine Schultern bebten, als ein gebrochenes, elendes Schluchzen aus seiner Kehle brach. Der Schmerz über seinen Verlust riss seine Brust auf, ließ ihn nach Luft schnappen wie einen Ertrinkenden. Er spürte alles. Jede Sekunde der Schuld. Jede Facette seiner bodenlosen Trauer.

Doch der Schmerz war zu groß. Zu gewaltig für einen Verstand, der ohnehin nur noch aus zersplitterten Scherben bestand. Er brach. Erneut und endgültig.

Das Weinen verstummte schlagartig. Aus der Dunkelheit schälte sich ein Geräusch. Ein leises, vielstimmiges Zischen, das aus den nassen Wänden selbst zu sickern schien. Es kroch in seine Ohren, wickelte sich wie eiskalte Seide um seine Gedanken. Flüsternde Stimmen.

„Wir holen Elyria zurück…“, raunte das Dunkel.

„Ja… wir brechen einfach Kyrielle.“

„Wir haben eine Basis für die Wiedergeburt.“

„Sie wird geformt… genau so, wie wir sie brauchen.“

Voranis lauschte. Die Kälte in seinen Augen kehrte zurück und erstickte den letzten Funken Klarheit. Als er den Blick hob, war das feuchte Schimmern seiner Tränen einem unnatürlichen, fiebrigen Glühen gewichen. Der Wahnsinn hieß ihn wieder willkommen und legte sich wie ein betäubender, tröstlicher Mantel um seinen Verstand.

Moral war ein Konzept für jene, die noch etwas zu verlieren hatten. Für jene, die in der Sonne standen. Voranis hatte all das längst hinter sich gelassen. Er würde seine Frau zurückholen. Egal, welchen Preis er dafür zahlen musste. Egal, wen er dafür brechen musste.

Ein leises, irres Lachen entwich seinen Lippen und verschmolz mit dem Flüstern in den Schatten unter Celestina.

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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Starker Dialog

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