Blackridge Academy Band 1 Verbotene Nähe (Leseprobe) von Enya.R.B. bei Inkitt
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Blackridge Academy Band 1 Verbotene Nähe (Leseprobe)

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Zusammenfassung

Avenya Ravencourt, Erbin einer der mächtigsten Familien Englands, wird gegen ihren Willen an die berüchtigte Blackridge Academy geschickt. Offiziell soll sie dort lernen, Macht zu kontrollieren und eines Tages das Ravencourt-Imperium zu führen. In Wahrheit ist die Academy jedoch ein Ort, an dem Machtspiele, Manipulation und psychologische Kriegsführung den Alltag bestimmen. Schon bei ihrer Ankunft wird klar, dass Avenya nicht einfach eine neue Studentin ist. Ihr Name allein macht sie zu einem politischen Störfaktor. Zwischen ihrer Familie, den Ravencourts, und der Familie Blackridge existiert eine alte Feindschaft, über deren Ursprung niemand spricht und über die Avenya selbst nie aufgeklärt wurde. Kurz nach Semesterbeginn gerät sie ins Zentrum der Aufmerksamkeit der vier Blackridge-Brüder: Aric, der kontrollierte Stratege; Darien, impulsiv und provokativ; Keith, der einzige Bruder, der offen versucht, sie zu schützen; und Marek, manipulativ und gefährlich in seinen psychologischen Spielen. Zunächst betrachten sie Avenya als Risiko, das kontrolliert werden muss. Doch gleichzeitig entsteht zwischen ihnen eine explosive Dynamik aus Anziehung, Machtkampf und Misstrauen.

Genre:
Romance
Autor:
Enya.R.B.
Status:
In Arbeit
Kapitel:
6
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Eins Avenya

Die Blackridge Academy. Schon der Name klingt wie ein Urteil, gefällt im Halbdunkel eines Gerichtssaals. Ein Ort, an den man nicht geht, weil man will, sondern weil jemand entschieden hat, dass man dort geformt werden muss. Mein ältester Bruder nennt es Vorbereitung. Ausbildung. Zukunft. Ich nenne es Exil. Nathaniel schickt mich hierher, damit ich lerne, wie man herrscht. Wie man das Ravencourt Imperium führt, als wäre Macht ein Handwerk, das man wie Klavierspielen oder Fechten erlernen kann. Kian wollte nie, dass ich diesen Ort betrete. Und Liam? Liam ist es egal. Es war ihm schon immer egal, was ich will. Solange alles funktioniert, solange die Fassade hält, ist er zufrieden. Viel Glück mit mir, Nathaniel. Mein rebellisches Wesen wird dir noch schlaflose Nächte bereiten. Noch ist die Academy Meilen entfernt, doch ihre Schatten werfen sich bereits voraus, mitten hinein in den luxuriösen, fast schon erdrückenden Kokon der tiefschwarzen Limousine. Das Summen des Zwölfzylindermotors ist kaum wahrnehmbar, ein tiefes, beruhigendes Grollen im Hintergrund, das in krassem Widerspruch zu dem Chaos in meinem Inneren steht. Ich sitze tief in den butterweichen, anthrazitfarbenen Ledersitzen vergraben, die Knie eng aneinandergepresst, während draußen die neblige englische Landschaft vorbeirast. Meine Finger liegen auf dem kühlen Kristallglas eines Champagnerkelchs, den ich nur zur Dekoration halte, mir ist ohnehin flau im Magen. Es ist mein allererstes Mal auf der Blackridge Academy. Bisher war ich die behütete, weggesperrte Erbin, doch ab heute soll ich mich der Welt präsentieren. Und dieses Wissen schnürt mir die Kehle zu. Das sanfte Schaukeln des Wagens fühlt sich an wie die Fahrt zur eigenen Hinrichtung. Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, betrachte stattdessen meine Brüder, die mir schweigend gegenübersitzen. Drei unbarmherzige Säulen der Macht. Nathaniel, der älteste von uns, sitzt aufrecht, die Beine elegant überschlagen. Sein silberblondes Haar ist wie immer makellos nach hinten gestrichen, keine Strähne wagt es, aus der Reihe zu tanzen. Seine stahlblauen Augen, die einen unheimlichen, kalten Hauch von Grau in sich tragen, sind starr auf ein Tablet gerichtet. Er strahlt eine unnahbare, fast königliche Autorität aus. Ein Mann, der keine Fehler duldet, weder bei sich noch bei mir. Daneben sitzt Kian, der zweitälteste. Er bildet den perfekten Gegenpol zu Nathaniels unterkühlter Eleganz. Sein hellblondes Haar wird von tiefschwarzen Strähnen durchzogen, die ihm etwas Wildes, Ungezähmtes verleihen. Seine saphirblauen Augen wandern unruhig zum Fenster und dann wieder zu mir. Unter dem feinen Stoff seines maßgeschneiderten Hemdes kann ich die Umrisse seiner Tätowierungen erahnen. Er ist der Einzige, dessen Blick eine Spur von echter Sorge in sich trägt. Und schließlich Liam, der drittälteste. Er sitzt vollkommen regungslos da. Sein silberblondes Haar fällt ihm leicht in die Stirn, und seine grauen Augen, so ausdruckslos wie Nebel über dem Moor fixieren mich mit einer berechnenden Kälte. Er liest in meinen Nuancen wie in einem offenen Buch, doch es berührt ihn nicht. Der Wagen verlangsamt seine Fahrt, biegt durch ein massives, schmiedeeisernes Tor ab, und der Kies knirscht laut unter den Reifen. Die Limousine kommt schließlich direkt vor dem Hauptgebäude zum Stehen. Lautlos, schwer, wie ein Raubtier, das sich niederlegt. Der Fahrer steigt aus, umrundet das Fahrzeug und öffnet die hintere Tür. Meine Brüder steigen zuerst aus. Nathaniel, aufrecht, kühl, souverän. Ein König ohne Krone. Liam, kontrolliert, emotionslos, der Blick immer berechnend. Kian, gefährlich ruhig. Die Studenten und Studentinnen, die sich auf dem Vorplatz aufhalten, erstarren förmlich, als hätten sie vergessen, wie man atmet. Eine Limousine mit dem Ravencourt Wappen vor dem Hauptgebäude der Blackridge Academy ist kein alltäglicher Anblick. Und dann wir: drei der mächtigsten Männer Englands und ich. Die Ravencourts. Kian dreht sich um und reicht mir die Hand, um mir aus dem Wagen zu helfen. Seine Berührung ist warm. Echt. „Alles gut, Enya“, murmelt er so leise, dass nur ich es höre. Ich steige aus. Augen überall. Die meisten Blicke kleben an Kian. Natürlich. Er war schon immer der Magnet. Das gefährliche Lächeln, die Tattoos, die Aura von jemandem, der nie bleibt. Frauen sind für ihn flüchtige Kapitel, eine Nacht, maximal zwei. Ich frage mich manchmal, ob er überhaupt weiß, wie Einsamkeit sich anfühlt, oder ob er sie einfach ignoriert. Nathaniel setzt sich in Bewegung. Wir folgen ihm geschlossen, und die schwere, viktorianische Portaltür fällt hinter uns ins Schloss. Das Gebäude verschluckt uns regelrecht. Von außen ein viktorianisches Schloss, ehrwürdig und einschüchternd, offenbart das Innere eine ganz andere, düstere Welt: schwarzer Marmor, dunkle Holzvertäfelungen und endlose, lange Korridore, die sich wie steinerne Adern durch das Gebäude ziehen. Die Decken sind so hoch, als wollte man den Menschen hier ständig daran erinnern, wie klein und unbedeutend er ist. Da es mein erstes Mal an diesem Ort ist, schnürt mir die schiere Größe die Luft ab. Die Gänge winden sich in unvorhersehbaren Winkeln, biegen ab in die Dunkelheit, und hinter jeder Ecke scheint ein neues Geheimnis zu lauern. Ein Gefühl von Orientierungslosigkeit und Beklemmung kriecht in mir hoch. Unwillkürlich verringere ich den Abstand zu Kian. Ich bleibe dicht bei ihm, suche die vertraute Wärme seiner Schulter, während meine Stiefel leise auf dem kalten Marmor klacken. Seine bloße Präsenz gibt mir den Halt, den diese endlosen, labyrinthischen Flure mir rauben wollen. Im Eingangsbereich hängt das monumentale Wappen der Academy. Zwei ineinander verschlungene goldene Buchstaben BA, umrahmt von einem dichten Kranz aus scharfen Dornen. Bildung durch Schmerz, flüstert es mir zu. Erkenntnis durch Unterwerfung. Wir biegen in einen letzten, besonders dunklen Gang ein und bleiben schließlich vor einer massiven Holztür stehen. Dunkel. Schwer. Daneben ein Schild aus Messing: Alaric Blackridge – Leiter der Blackridge Academy. Nathaniel klopft. „Herein.“ Die Stimme von drinnen ist kalt. Präzise. Wie ein Skalpell. Kian öffnet die Tür und wir treten ein. Alaric Blackridge hebt den Blick von seinen Unterlagen. Seine Augen sind scharf, berechnend. Ein Mann, der Macht nicht ausübt, sondern verwaltet. „Ah. Die Familie Ravencourt. Ich habe bereits auf euch gewartet.“ Natürlich hat er das. Er deutet auf die Stühle vor seinem Schreibtisch. „Setzt euch.“ Es gibt genau zwei. Kian schließt die Tür mit einem leisen Klicken. Liam und ich setzen uns, während Nathaniel und Kian demonstrativ hinter mir stehen bleiben. Schutz oder Kontrolle? Manchmal weiß ich nicht, wo der Unterschied liegt. „Wenn ich gewusst hätte, dass die ganze Familie hier aufkreuzt“, fährt Alaric fort, „hätte ich selbstverständlich für ausreichende Sitzplätze gesorgt.“ Sarkasmus tropft aus jedem Wort. Nathaniel legt seine Hände auf meine Schultern. Besitzergreifend. Beschützend. Beides zugleich. „Kein Problem, Mr. Blackridge“, sagt er mit einem gefährlich höflichen Lächeln. „Wir saßen auf der Fahrt hierher mehr als genug.“ Die Herausforderung liegt offen zwischen ihnen. Ich schaue hin und her. Spannung. Etwas Ungesagtes. Etwas Altes. Kian tritt einen Schritt vor und bricht das Schweigen: „Wir sind nicht hier, um unsere Vergangenheit wieder aufzuwärmen.“ Vergangenheit? Ich hebe fragend eine Augenbraue, doch niemand erklärt mir etwas. Natürlich nicht. Geheimnisse sind die eigentliche Währung unserer Familie. Blackridge wendet sich mir zu. Sein Blick bleibt einen Moment zu lang an mir hängen, wandert prüfend über mein Gesicht. „Also das ist Avenya Ravencourt.“ Ein Lächeln, dünn wie Glas, erscheint auf seinen Lippen. „Man hat mir viel von der Schönheit der Ravencourt Erbin erzählt.“ Ich erwidere das Lächeln. Höflich. Makellos. Eine perfekte Lüge. „Danke, Sir. Ich fühle mich geehrt.“ Tue ich nicht. Er nickt zufrieden. Benehmen: bestanden. Kians Blick hingegen ist dunkel. Warnend. „Kommen wir zu den Formalitäten.“ Blackridge zieht Unterlagen aus seiner Schublade. „Es gibt einiges zu unterschreiben.“ Während meine Brüder sich über die Verträge beugen und leise debattieren, stehe ich lautlos auf. Ich brauche Abstand. Luft. Das Büro ist weitläufig, fast schon museal. Dunkle Holzvertäfelungen, Bücherregale bis zur Decke, gefüllt mit alten Folianten und frisch gebundenen Akten. Ein schwerer Kronleuchter aus geschwärztem Eisen hängt über uns wie eine Drohung. Vier Kerzenleuchter brennen auf dem Schreibtisch und werfen tanzende Schatten auf das schwarze Parkett, das spiegelglatt poliert ist. In einer Ecke steht ein ausgetretener, schwarzer Ledersessel. An den Wänden hängen Porträts früherer Academyleiter, allesamt Männer mit kalten, unbarmherzigen Augen. Unter ihnen der Gründer: Vladimir Blackridge. Der Raum riecht intensiv nach schwerem Holz, altem Leder und kaltem Zigarrenrauch. Macht hat immer denselben Geruch. Ich trete an die Fenster. Sie sind hoch, gotisch und von feinen Mustern durchzogen. Von hier aus sieht man das gesamte, weitläufige Gelände der Academy. Alles. Jeder Weg. Jede Bewegung. Nichts bleibt hier unbeobachtet. Als wir das Büro schließlich wieder verlassen, fühlt es sich an, als hätte mich jemand vermessen, gewogen und für geeignet befunden. Wir treten wieder hinaus in den kühlen Wind und gehen schweigend über den Campus in Richtung des Südflügels. Das Mädchenwohnheim. Vor der doppelten, schweren Eingangstür bleibt Nathaniel abrupt stehen und dreht sich zu mir um. „Mach uns keine Schande, Avenya“, sagt er hart, und seine stahlblauen Augen fixieren mich unnachgiebig. „Du bist hier, um zu lernen, wie man herrscht. Nicht, um zu tun, was du willst.“ Ich verdrehe die Augen. „Ich habe es verstanden. Mehrmals.“ Eine weitere Lüge. Sein Blick wird augenblicklich eiskalt. „In diesem Ton redest du nicht mit mir. Ich habe alles getan, um dir ein gutes Leben zu ermöglichen. Nach dem Tod unseres Vaters.“ Gestorben. Ich zucke nicht. Nicht einmal innerlich. Weil wir beide wissen, dass es eine Lüge ist. Unsere Eltern wurden ermordet. Aber die Wahrheit ist in unserer Welt etwas, das man nur benutzt, wenn es gerade passt. Kian geht dazwischen, schiebt sich leicht vor mich. „Beruhige dich, Nath“, sagt er ruhig, aber bestimmt. „Was hast du erwartet? Gib ihr wenigstens etwas Freiraum. Oder willst du, dass sie das Gleiche tut wie ich damals?“ Nathaniel seufzt schwer, der Kiefer angespannt. „Sie darf sich ein paar Freunde suchen.“ Ein paar. Wie gnädig. Sein Blick bohrt sich noch einmal tief in meinen. „Hast du das verstanden?“ Ich nicke nur stumm. Wir betreten das Gebäude. Der Südflügel empfängt uns mit ebenso hohen Decken, schwarzen Marmorböden und schweren Samtvorhängen, die das Tageslicht aussperren. Doch der Geruch ist anders als im Hauptgebäude: Eine Mischung aus Vanille, teurem Parfüm und alten Büchern liegt in der Luft. Zwei geschwungene, prachtvolle Treppen führen nach oben, und ein riesiger Diamantkronleuchter taucht alles in kaltes, glitzerndes Licht. „Zweite Etage“, murmle ich, während ich auf meinen Schlüssel blicke. „Natürlich.“ Zimmer 217. Meine Tür. Dunkles Mahagoni. Die Initialen AR sind frisch in das Holz eingraviert. Ich drücke die Klinke nach unten und trete ein. Mein Zimmer ist perfekt. Zu perfekt. Schon beim Eintreten schlägt mir der Duft von frischen Himbeeren und dunkler Schokolade entgegen, meine absoluten Lieblingsgerüche. Die Wände sind in einem tiefen lila Ton gehalten, kombiniert mit grün-silbernen, schweren Stoffen an den Fenstern. Das angrenzende Badezimmer funkelt in schwarzen Fliesen. Ich trete auf den dazugehörigen Balkon und blicke hinab auf den perfekt gepflegten Garten, der nahtlos in den dichten, dunklen Wald übergeht. Eine Falle, denke ich bei mir. Schön verpackt, aber dennoch ein Käfig. Nathaniel beginnt sofort, mir die Regeln zu diktieren. Ausgangssperre ab einundzwanzig Uhr. Der Nordflügel ist absolut tabu. Keine männlichen Besucher. Keine Ausnahmen. „Also wie daheim“, sage ich trocken und drehe mich zu ihnen um. „Nur ohne uns“, murmelt Kian leise. Als sie sich schließlich zum Gehen wenden, trete ich vor und umarme Kian. Ich halte ihn länger fest, als ich es sonst tun würde. Zu lange. Ich klammere mich für einen Herzschlag an die einzige Konstante in meinem Leben. Dann lösen sie sich von mir, die Tür fällt ins Schloss, und die Stille bricht über mich herein. Nun bin ich allein. Ich beginne auszupacken. Mechanisch. Leise. Jedes Kleidungsstück findet seinen Platz im makellosen Schrank. Später, als die Nacht hereingebrochen ist und das silberne Mondlicht durch die gotischen Fensterbalken auf mein Bett fällt, liege ich wach. Morgen beginnt es. Blackridge schläft nie, das spüre ich. Ich schließe die Augen im Dunkeln. Und lächle. Denn sie alle haben vergessen, wer ich wirklich bin. Und ich habe nie gelernt, mich zu fügen.

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