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Crossfire!

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Zusammenfassung

CROSSFIRE! Sein ganzes Leben lang wurde ihm gesagt, wer er sein muss. Matt hat irgendwann aufgehört zuzuhören. Er kehrt nach Chicago zurück, mit einem neuen Namen und einem Traum, den er längst verloren geglaubt hatte. Doch manche Dinge lassen sich nicht einfach hinter sich lassen. Eine Familie. Eine Vergangenheit. Und ein Leben, das plötzlich ganz anders aussieht, als er es geplant hatte. Ein Chicago-SWAT-Roman.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
27
Rating
5.0 (2 Bewertungen)
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1 - Die Galloways

Einige Wochen waren vergangen, und erstaunlicherweise hatte Matt es geschafft, Michael aus dem Weg zu gehen. Sein Bruder hatte noch mehrere Male versucht, den Schützen kennenzulernen, der den Einsatz in der Bank mit diesem einen präzisen Schuss beendet hatte. Matt wusste, dass Michael ihn aus reiner Anerkennung hatte kennenlernen wollen. Gerade das machte die Sache für ihn so schwierig.

Daniel hatte ihm dabei so gut geholfen, wie es unter den gegebenen Umständen möglich war. Wann immer Michael nach dem Schützen gefragt hatte, war Daniel ausgewichen, hatte auf die Einsatzstruktur verwiesen oder erklärt, der betreffende Officer sei nach dem Einsatz noch nicht bereit gewesen, darüber zu sprechen. Irgendwann hatte Michael seine Bemühungen aufgegeben.

Für Matt bedeutete das eine enorme Erleichterung. Zumindest vorerst war die Gefahr gebannt, dass sein Bruder ihm gegenüberstand und in seinem Gesicht plötzlich den kleinen Bruder wiedererkannte, den er seit Jahren für verloren gehalten hatte.

Im Dienst funktionierte alles erstaunlich gut. Matt und Daniel hielten sich an ihre Absprachen, blieben professionell und ließen sich vor dem Team nichts anmerken.

Was in dieser einen Nacht geschehen war, blieb ihr Geheimnis. Vorerst...

Ein paar Wochen gingen ins Land. Matt verrichtete seinen Streifendienst und nahm zweimal die Woche am Training des SWAT-Teams teil. Daniel sah er nur im Dienst, und so hatte er bald das Gefühl, dass diese eine Nacht tatsächlich eine einmalige Sache gewesen war. Um nicht ständig darüber nachgrübeln zu müssen, stürzte er sich in seine Arbeit und versuchte, so viel wie möglich von seinem älteren Partner Frank Sullivan zu lernen.

Kurz vor Weihnachten wurden die beiden zu einem Ladendiebstahl in die Mall gerufen. Eine völlig aufgelöste Kassiererin erwartete sie bereits und erklärte ihnen, dass ein Mann in einem roten Kostüm ihre Kasse gestohlen habe.

Matt und Sullivan sahen sich an.

„Rotes Kostüm? Können Sie es vielleicht etwas genauer beschreiben?“, fragte Matt, der bereits eine Vermutung hatte.

Die Frau sammelte sich kurz und begann zu erzählen. „Er war ziemlich dick und groß. Er hatte einen roten Mantel und eine rote Hose an. Und schwarze Stiefel! Und er hatte einen weißen Bart! Und dafür, dass er so fett war, konnte er ziemlich schnell rennen!“

Die beiden Cops tauschten vielsagende Blicke aus.

Matt räusperte sich. „Wir suchen also mitten in einem weihnachtlichen Einkaufszentrum nach Santa Claus?“

Matt und Sullivan verließen das Kaufhaus und folgten den Hinweisen der Kassiererin durch das Gedränge der Mall. Zwischen den Unmengen an Weihnachtseinkäufern waren mehrere Weihnachtsmänner unterwegs, die für Fotos mit den Kindern bereitstanden. „Das wird ja immer besser“, murmelte Sullivan. „Wir sollten vielleicht nach dem mit der Kasse suchen.“ Matt sah sich um. „Gute Idee. Woran erkennen wir den?“ Sullivan grinste. „An der Kasse?“ Matt musste lachen. „Ich wusste, dass du irgendwann noch ein brauchbarer Detective wirst.“

Sie kamen an einer kleinen Weihnachtsbühne vorbei, auf der ein Santa Claus auf einem großen roten Sessel saß. Vor ihm warteten bestimmt zwanzig Kinder. Ein Mädchen kletterte gerade auf seinen Schoß und erzählte ihm mit ernster Miene, welche Geschenke sie sich wünschte. Santa nickte aufmerksam, während eine Fotografin neben der Bühne die nächste Aufnahme machte. Matt blieb stehen. „Vielleicht der hier?“ Sullivan musterte den Weihnachtsmann. „Mitten in der Menschenmenge?“ „Roter Mantel, weißer Bart.“ Sullivan hob eine Augenbraue. „Und eine Kasse?“ „Die trägt er vielleicht unter dem Mantel.“ „Frag ihn“, meinte Sullivan.

Matt trat näher. „Entschuldigen Sie, Sir. Chicago Police. Wir suchen einen Mann in einem roten Kostüm.“ Der Weihnachtsmann hob überrascht den Blick. „Das trifft auf so ziemlich alle meiner Kollegen hier zu.“ Matt musste sich ein Lächeln verkneifen. „Unser Verdächtiger soll eine Kasse gestohlen haben.“ Santa sah kurz auf die Kinder vor sich und dann wieder zu Matt. „Dann bin ich vermutlich raus. Ich habe seit drei Stunden keine Kasse gesehen.“ „Sind Sie die ganze Zeit hier gewesen?“ „Bis auf meine zehn Minuten Pause.“ „Und wann war die?“ Santa deutete auf die Fotografin. „Vor ungefähr einer Stunde.“ Die Fotografin nickte sofort. „Er war die ganze Zeit hier. Ich habe jede Menge Fotos von ihm.“ Sullivan trat neben Matt und nickte. „Dann haben wir zumindest einen Santa weniger auf unserer Liste.“ Der Weihnachtsmann grinste. „Viel Erfolg bei der Suche. Und falls Sie den anderen finden, schicken Sie ihn bitte nicht hierher. Ich habe genug Konkurrenz.“ „Machen wir“, versprach Matt.

Kaum hatten sie die Bühne hinter sich gelassen, meldete sich das Funkgerät eines Sicherheitsmitarbeiters. „Officer, wir haben einen Verdächtigen! Roter Mantel, weißer Bart. Er ist gerade beim Food Court!“ Matt und Sullivan drehten sich gleichzeitig um. Am anderen Ende der Halle tauchte tatsächlich ein Santa Claus auf. Er bewegte sich erstaunlich schnell durch die Menge. „Da ist er!“, rief Matt. Sullivan setzte sich sofort in Bewegung. „Los!“ Matt folgte ihm. „Chicago Police! Bleiben Sie stehen!“

Der Weihnachtsmann sah über die Schulter. Für einen kurzen Moment wirkte es, als würde er überlegen, was er tun sollte. Dann beschleunigte er. „Oh, der ist es“, keuchte Sullivan. „Sieht ganz danach aus“, antwortete Matt. Santa bahnte sich seinen Weg zwischen den Menschen hindurch, hielt seinen roten Mantel mit einer Hand zusammen und schleppte mit der anderen seinen Sack hinter sich her. Sullivan folgte ihm dicht auf den Fersen, Matt direkt dahinter. „Stehen bleiben! Polizei!“, rief Sullivan.

Santa dachte gar nicht daran. Das war der Moment, in dem die Kinder die Verfolgung bemerkten. „Los, Santa!“, rief ein kleiner Junge begeistert. Ein anderes Kind zeigte auf Matt und Sullivan. „Die wollen ihn fangen!“ Weitere Stimmen mischten sich ein. „Schneller, Santa!“ – „Du bist schneller!“ – „Lauf, Santa, lauf!“

Innerhalb weniger Sekunden hatten die Kinder entschieden, dass hier offenbar ein Wettrennen stattfand. Matt warf Sullivan einen fassungslosen Blick zu. „Die halten das für ein Wettrennen.“ Sullivan keuchte und beschleunigte. „Dann sollten wir vielleicht gewinnen.“

Santa bog um eine Ecke und rannte an einem Süßwarenstand vorbei. Eine Verkäuferin sprang erschrocken zur Seite, als er an ihr vorbeischoss. Sein Sack rutschte von der Schulter, blieb aber an seinem Arm hängen. „Stehen bleiben!“, rief Sullivan erneut. Santa drehte den Kopf und rief etwas zurück, das im Lärm der Mall unterging. Matt sah Sullivan an. „Was hat er gesagt?“ „Keine Ahnung“, keuchte Sullivan. „Aber er klingt nicht begeistert.“

Santa erreichte eine Rolltreppe und sprang die ersten Stufen hinauf. Matt und Sullivan waren dicht hinter ihm. Zwei Kinder, die unten standen, begannen begeistert zu jubeln. „Santa nimmt die Abkürzung!“ – „Er gewinnt!“ Matt musste trotz der Situation lachen. Oben angekommen, rannte Santa nach rechts und verschwand zwischen mehreren großen Weihnachtsdekorationen. Matt duckte sich unter einem künstlichen Tannenzweig hindurch und sah gerade noch, wie der rote Mantel hinter einem Stand verschwand. „Da!“

Sullivan war bereits neben ihm. Sie liefen um den Stand herum und sahen den Weihnachtsmann erneut. Er hatte inzwischen den Sack abgesetzt und versuchte, sich durch eine Gruppe wartender Kunden zu schieben. „Chicago Police!“, rief Sullivan. Diesmal blieb Santa stehen und hob beide Hände. „Okay! Okay! Ich gebe auf!“ Sullivan trat zu ihm und packte ihn am Arm. „Sehr vernünftig.“ Santa atmete schwer. „Ich kann das erklären.“ „Das hoffe ich“, erwiderte Sullivan.

Matt kam hinzu. „Wo ist die Kasse?“ Der Mann blinzelte verwirrt. „Welche Kasse?“ „Ihre gestohlene Kasse“, erklärte Matt. „Ich habe keine Kasse gestohlen.“ Sullivan musterte ihn. „Du bist gerade vor zwei Polizeibeamten davongerannt.“ „Weil ihr hinter mir hergerannt seid!“ „Wir sind hinter dir hergerannt, weil du vor uns davongerannt bist.“ „Weil ihr mich verfolgt habt!“ Sullivan sah einen Moment lang zu Matt. „Das wird gerade kompliziert.“

Matt schüttelte den Kopf. „Wo warst du, bevor du losgerannt bist?“ „Beim Kaufhaus.“ „Und was hast du dort gemacht?“ Santa deutete auf seinen prall gefüllten Sack. „Einkäufe.“ Sullivan sah auf den Sack. „Darf ich?“ Santa seufzte. „Ich glaube, ich habe sowieso keine Wahl.“ Sullivan öffnete den Sack. Darin lagen Parfümflaschen, Schmuckschachteln, mehrere hochwertige Kopfhörer und eine ganze Reihe kleiner Elektronikartikel. Matt sah hinein und dann wieder den Weihnachtsmann an. „Du hast die Sachen gestohlen.“ Der Mann senkte den Kopf. „Ja.“ Sullivan nickte langsam. „Na immerhin.“

Matt musste sich ein Grinsen verkneifen. „Du bist also ein Dieb.“ „Ja.“ „Aber du hast die Kasse nicht gestohlen.“ „Nein.“ Sullivan sah zu Matt. „Dann haben wir gerade einen Weihnachtsmann wegen eines Diebstahls festgenommen, den er nicht begangen hat.“ „Er hat genug andere Sachen gestohlen“, stellte Matt fest. „Das stimmt allerdings.“

Der Mann sah zwischen den beiden hin und her. „Moment mal. Ihr seid wegen einer Kasse hinter mir her?“ „Ja“, bestätigte Matt. „Die habe ich nicht.“ „Das wissen wir inzwischen.“ Der Santa schüttelte ungläubig den Kopf. „Und dafür bin ich gerade durch die halbe Mall gerannt?“ Sullivan nickte. „So ungefähr.“ Der Mann ließ den Kopf hängen. „Das ist der schlechteste Tag meines Lebens.“

Matt wandte sich ab, damit der Mann sein Grinsen nicht sah, und griff nach seinem Funkgerät. „Zentrale, hier Collins. Wir haben einen Verdächtigen festgenommen. Allerdings handelt es sich nicht um den Täter des Kassendiebstahls. Der Mann hat mehrere Waren aus verschiedenen Geschäften gestohlen.“ Eine kurze Pause, dann kam die Antwort. „Verstanden. Habt ihr den anderen Verdächtigen?“ Matt sah zu Sullivan. „Nein. Der mit der Kasse ist noch flüchtig.“

Der Streifenwagen wurde angefordert, und die beiden gingen weiter. Nach kaum fünfzig Metern entdeckte Matt erneut einen Santa. Dieser stand vor einem großen Kaufhaus und hielt eine rote Spendendose in den Händen. Eine Glocke in seiner anderen Hand klingelte bei jeder Bewegung. Matt blieb stehen. „Bitte nicht.“ Sullivan folgte seinem Blick. „Warum?“ „Weil er auch einen Sack hat.“ Sullivan seufzte. „Das wird langsam zur persönlichen Beleidigung.“

Sie näherten sich dem Mann. Matt zeigte seinen Dienstausweis. „Sir, Chicago Police. Wir suchen einen Santa Claus, der eine Kasse gestohlen hat.“ Der Santa hob die Spendendose hoch. „Das hier ist keine Kasse. Das sind Spenden für die Kinderklinik.“ Matt warf Sullivan einen Blick zu. „Haben Sie heute eine Kasse gesehen?“ „Eine ganze Menge“, antwortete der Spendensammler. „Die meisten stehen allerdings hinter den Verkaufstresen.“ Sullivan seufzte. „Natürlich.“ Der Santa deutete mit der Glocke in Richtung Food Court. „Wenn Sie den Kerl suchen, sollten Sie vielleicht dort anfangen. Da laufen die meisten von uns herum.“ „Danke“, sagte Matt.

Wenig später stießen sie auf einen weiteren Weihnachtsmann. Dieser trug keinen Sack und stand hinter einem Stand mit Parfüm und Kosmetikartikeln. Sullivan blieb stehen. „Bitte sag mir, dass wir den ignorieren.“ Matt musterte den Mann. „Der passt zumindest nicht zur Beschreibung. Kein Sack.“ Der Verkäufer bemerkte die beiden Cops und winkte ihnen zu. „Kann ich Ihnen helfen?“ Sullivan deutete auf seine rote Kleidung. „Du bist Santa?“ Der Mann lachte. „Ich arbeite hier.“ „Als Santa?“ „Als Verkäufer. Santa ist heute nur besser fürs Geschäft.“

Matt konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Haben Sie einen Mann mit rotem Mantel und weißem Bart gesehen, der eine Kasse gestohlen hat?“ Der Verkäufer überlegte. „Hier laufen ungefähr zwanzig davon herum.“ „Das hilft uns sehr“, sagte Matt trocken. „Der mit der Kasse war vielleicht vor zehn Minuten hier.“ Sullivan wurde sofort aufmerksam. „Was hast du gerade gesagt?“ Der Verkäufer zeigte in Richtung des anderen Endes der Mall. „Ein Santa mit einem großen roten Sack. Er hat ziemlich hektisch ausgesehen.“ Matt und Sullivan sahen sich an. „Das könnte unser Mann sein“, sagte Matt.

Sie setzten sich erneut in Bewegung. Dieses Mal kamen sie jedoch nicht weit, bevor sie wieder einen roten Mantel entdeckten. Der Mann stand mitten im Gang und verteilte kleine Schokoladenweihnachtsmänner an Kinder. Matt blieb stehen. „Das kann nicht wahr sein.“ Sullivan blickte sich um. „Ich glaube, die Mall hasst uns.“

Sie traten näher. Matt zeigte seinen Dienstausweis. „Sir, Chicago Police. Wir suchen einen Santa Claus, der eine Kasse gestohlen hat.“ Der Mann reichte Matt wortlos einen Schokoladenweihnachtsmann. Matt sah auf die Süßigkeit und dann wieder zu dem Mann. „Danke.“ „Gern“, sagte der Santa.

Sullivan räusperte sich. „Haben Sie einen Kollegen gesehen, der mit einer Kasse unterwegs war?“ Der Mann schüttelte den Kopf. „Nein. Aber da hinten ist gerade einer mit einem großen Sack verschwunden.“ Matt sah in die angegebene Richtung. „Natürlich.“ Dann nahm er sein Funkgerät und bat die Zentrale um Verstärkung. „Hier sind einfach zu viele Weihnachtsmänner unterwegs!“

Sullivan klopfte ihm auf die Schulter. „Komm. Bevor wir noch anfangen, die Schokoladen-Santas zu verhaften.“ Matt steckte die Süßigkeit ein und folgte ihm. Hinter ihnen rief ein Kind: „Die Polizei jagt Santa!“ Ein anderes antwortete begeistert: „Ich weiß! Santa gewinnt!“

Matt hörte es und musste wieder lachen. „Das wird ein langer Nachmittag.“ Sullivan schnaubte. „Frohe Weihnachten.“ Matt schüttelte lachend den Kopf. Vor ihnen tauchte schon der nächste rote Mantel auf.

Die Suche zog sich weit länger hin, als Matt und Sullivan zunächst erwartet hatten. Trotz der zusätzlichen Streifen, die inzwischen zur Unterstützung eingetroffen waren, erwies sich die Mall als nahezu unüberschaubar. Immer wieder meldete sich ein Sicherheitsmitarbeiter mit einer neuen Sichtung, und jedes Mal musste zunächst geklärt werden, ob es sich tatsächlich um den gesuchten Mann handelte. Die Zahl der Weihnachtsmänner schien dabei mit jeder Stunde weiter zuzunehmen. Einige standen vor den Eingängen und sammelten Spenden, andere verteilten kleine Geschenke oder Süßigkeiten. In mehreren Geschäften hatten sich Verkäufer in rote Mäntel geworfen, um die Kunden in Weihnachtsstimmung zu bringen. Dazu kamen die professionellen Santas für die Kinder und eine ganze Reihe von Privatleuten, die offenbar beschlossen hatten, sich für die Weihnachtszeit ebenfalls einen Bart anzukleben. Matt begann irgendwann, automatisch jeden roten Mantel zu registrieren, sobald er ihn aus dem Augenwinkel sah.

Sullivan deutete plötzlich auf einen roten Mantel, der zwischen zwei Geschäften auftauchte. „Da ist wieder einer.“ Matt drehte sich zu ihm um. „Schon wieder?“ „Ich fürchte ja.“ Der Mann stand vor einem Elektronikgeschäft und hielt einen großen roten Sack über der Schulter. Matt und Sullivan gingen auf ihn zu. Der Santa bemerkte sie, hob beide Hände und sagte sofort: „Ich habe nichts gestohlen.“ Sullivan blieb stehen. „Das sagen inzwischen erstaunlich viele Weihnachtsmänner.“ „Ich habe sogar eine Genehmigung.“ Er zog einen Ausweis aus seiner Manteltasche und hielt ihn ihnen hin. Es stellte sich heraus, dass er tatsächlich für das Geschäft arbeitete und den Kunden kleine Werbegeschenke überreichte. Matt schüttelte den Kopf. „Wir suchen jemanden, der eine Kasse gestohlen hat.“ „Dann kann ich Ihnen leider nicht helfen.“ Sullivan nickte. „Haben Sie jemanden gesehen?“ Der Santa überlegte. „Einen Mann mit rotem Mantel?“ Matt seufzte. „Ja.“ „Weißer Bart?“ „Ja.“ „Großer Sack?“ „Ja.“ Der Mann zeigte in Richtung Food Court. „Dann habe ich bestimmt dreißig gesehen.“ Sullivan sah Matt an. „Ich glaube, wir brauchen eine neue Beschreibung.“ „Vielleicht Größe und Gewicht?“, schlug Matt vor. Sullivan verzog das Gesicht. „Dick, groß.“ Matt sah ihn an. „Hilft auch nicht.“ Der Verkäufer grinste. „Willkommen in der Weihnachtszeit.“

Sie setzten ihre Suche fort. Dabei stolperten sie tatsächlich über weitere Straftaten. Ein Santa, der vor einem Kaufhaus Spenden für eine angebliche Kinderhilfsorganisation sammelte, konnte keinen Nachweis für die Organisation vorlegen. Wenig später stellte sich heraus, dass seine Spendenbox zu einer Gruppe gehörte, die seit Jahren nicht mehr existierte. Noch am selben Nachmittag erwischten sie einen zweiten Mann, der mit einer gefälschten Spendendose unterwegs war. Insgesamt gingen ihnen fünf betrügerische Spendensammler ins Netz. „Wenn das so weitergeht“, sagte Sullivan, nachdem sie den fünften Mann an einen Streifenwagen übergeben hatten, „haben wir am Ende mehr Verhaftungen als Weihnachtsgeschenke in der Mall.“ Matt sah auf seine Uhr. „Und immer noch keine Kasse.“ „Ich weiß.“

Dazu kamen drei Taschendiebe, die offenbar darauf gesetzt hatten, dass die Menschenmassen ihnen perfekte Deckung boten. Einer davon hatte sich ausgerechnet als Weihnachtsmann verkleidet. Als Matt ihn bei der Durchsuchung auf die Verkleidung ansprach, antwortete der Mann trocken: „Ich dachte, das fällt weniger auf.“ Sullivan hatte ihn lange angesehen. „Du bist ein Taschendieb im Weihnachtsmannkostüm.“ „Ja.“ „Und du glaubst wirklich, dass das weniger auffällt?“ Der Mann zuckte mit den Schultern. Matt musste sich abwenden, um nicht laut zu lachen.

Gegen Abend hatte die Mall ihre ganz eigene Weihnachtsparade aus roten Mänteln, weißen Bärten und genervten Polizeibeamten erlebt. Der eigentliche Kassendieb blieb verschwunden. Mehrere Überwachungskameras waren ausgewertet worden, doch auf den Aufnahmen verlor sich seine Spur in dem Gewirr aus Menschen und Weihnachtsdekoration. Irgendwann musste die Suche abgebrochen werden. Die Fahndung würde weiterlaufen, doch für Matt und Sullivan war der Arbeitstag beendet. Als sie am Abend erschöpft im Revier ankamen, fühlte sich Matt, als hätte er einen Marathon hinter sich. Seine Füße schmerzten, seine Uniform war zerknittert, und selbst Sullivan wirkte ungewöhnlich müde. Sie gingen gemeinsam durch den Umkleideraum, während um sie herum die letzten Kollegen ihre Sachen packten.

Matt blieb vor seinem Spind stehen. Daran hing eine rote Weihnachtsmannmütze. Er betrachtete sie einige Sekunden lang schweigend. Sullivan blieb neben ihm stehen und grinste. „Die steht dir bestimmt.“ Matt nahm die Mütze ab und drehte sie in den Händen. „Ich habe keine Ahnung, wer das war.“ „Vielleicht dein Fanclub.“ Matt setzte die Mütze auf und betrachtete sich kurz in der kleinen Spiegeltür seines Spinds. Dann hob er die Stimme. „Hohoho, Frohe Weihnachten!“ Ein paar Köpfe drehten sich im Raum zu ihm um. Sullivan lachte. „Sehr überzeugend.“ „Danke. Ich übe seit heute Morgen.“

Matt schnappte sich sein Handtuch und seine Sachen für die Dusche. Die Mütze behielt er auf. „Du willst damit duschen?“, fragte Sullivan. Matt sah ihn an. „Natürlich.“ „Collins, ich glaube, du hast heute endgültig den Verstand verloren.“ „Nach diesem Tag? Gut möglich.“ Mit der roten Mütze auf dem Kopf und lediglich mit einem Handtuch bekleidet machte sich Matt auf den Weg zu den Duschen. Hinter ihm hörte er Sullivan noch lachen. „Hohoho!“, rief Matt über die Schulter. „Frohe Weihnachten, Sully!“ „Hau ab, Collins!“ Matt grinste und verschwand durch die Tür zu den Duschen.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

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Starker Dialog

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So ein Vater braucht kein Mensch. Der geborene Patriarch und alle kuschen. Schon als Matt zu spät kam, liest er ihm gehörig die Leviten. Da wäre ich schon raus gewesen. Doch Widerworte kennt John nicht. Das er für die Ablehnung verantwortlich ist, der Hammer und in dieser Art und Weise.

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