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Kingdom of Dark wolves

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Zusammenfassung

Seit Jahrhunderten erzählt man sich Geschichten über Wesen, die im Schatten der Wälder leben. Geschichten über Wölfe die sich bei Vollmond verwandeln, über Rudel die ihre eigenen Gesetze haben und über ein Königreich, das kein Mensch jemals betreten sollte. Für die Menschen sind es nichts weiter, als alte Legenden Märchen, die man Kindern erzählt, damit sie nachts nicht allein durch den Wald laufen. Doch Legenden entstehen nicht ohne Grund. Tief verborgen vor der menschlichen Welt existiert tatsächlich ein Königreich, dessen Grenzen von uralten Wäldern und dunklen Bergen geschützt werden. Ein Reich, in dem Macht nicht durch Worte, sondern durch Blut bestimmt wird. In dem jeder Wolf seinen Platz kennt und ein einziger Fehler den Tod bedeuten kann. An der Spitze dieser Welt steht ein König, dessen Name selbst unter den stärksten Alphas nur mit Vorsicht ausgesprochen wird. Er ist grausam, unberechenbar und seit Jahren dafür bekannt, niemandem zu vertrauen. Für sein Volk ist er der mächtigste Wolf, den dieses Königreich je gesehen hat. Für seine Feinde ist er ein Monster, das niemals hätte geboren werden dürfen. Doch dann führt das Schicksal eine junge Frau in seine Welt, die von alldem nichts weiß. Sie kennt weder die Regeln dieses Königreichs noch die Wahrheit über ihre eigene Herkunft. Sie weiß nur, dass sie seit ihrer Ankunft das Gefühl nicht loswird, beobachtet zu werden.

Genre:
Fantasy
Autor:
blackshadow
Status:
vor 3 Tagen
Kapitel:
4
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Textausschnitt


Ravena hörte das Geld, bevor sie es sah.


Das leise Klirren der Münzen, gefolgt von dem dumpfen Geräusch eines schweren Beutels, der auf dem alten Holztisch abgestellt wurde, ließ etwas in ihr erstarren. Sie kannte dieses Geräusch nicht, und doch würde sie es vermutlich für den Rest ihres Lebens wiedererkennen. Denn genau in diesem Augenblick begriff sie, was ihre Eltern tatsächlich getan hatten.


Sie hatten sie verkauft.


Nicht aus einer Laune heraus. Nicht, um ihr Angst einzujagen. Nicht, weil sie wütend auf sie waren.


Verkauft.


Ihre Finger krallten sich fester in den Stoff ihres Kleides, während sie zwischen den Männern stand, die sie mit Blicken musterten, als wäre sie ein Gegenstand, dessen Zustand überprüft werden musste, bevor man ihn endgültig in fremde Hände gab. Ihre Mutter stand nur wenige Schritte entfernt, doch sie brachte es nicht einmal über sich, ihre Tochter anzusehen. Ihr Vater hingegen schien mit nichts anderem beschäftigt zu sein als mit dem Beutel vor sich.


Er öffnete ihn und begann die Münzen zu zählen.


Eine nach der anderen.


Als wäre Ravena nichts weiter, als die Ware, für die er gerade bezahlt wurde.


„Es ist alles, was wir vereinbart haben."


Die tiefe Stimme des Fremden ließ Ravenas Magen verkrampfen.


Sie hob langsam den Kopf.


Und zum ersten Mal sah sie den Mann, dem ihre Eltern sie gerade übergeben hatten.


Xhaevryn Vhaerion.


Noch bevor sie seinen Namen kannte, wusste Ravena, dass von ihm eine Gefahr ausging, die sie nicht verstand.


Er war groß.


Nicht einfach nur groß, sondern von einer beeindruckenden Statur, die ihn zwischen den anderen Männern sofort hervorstechen ließ. Breite Schultern zeichneten sich unter seiner dunklen Kleidung ab, während sich unter dem schwarzen Leder die kräftigen Linien eines Körpers abzeichneten, der nicht durch bloßes Training entstanden sein konnte.


In seiner Haltung lag etwas Raubtierhaftes. Jede seiner Bewegungen wirkte kontrolliert, kraftvoll und vollkommen selbstverständlich, als würde sein Körper genau wissen, wie viel Gewalt er ausüben konnte, ohne sie jemals zeigen zu müssen.


Über seinen Schultern lag ein schwerer schwarzer Umhang, dessen Stoff bei jeder kleinsten Bewegung leise hinter ihm nachgab. Darunter trug er eine dunkle Rüstung, die eng an seinem Körper lag und mit filigranen goldenen Verzierungen versehen war. Die geschwungenen Muster zogen sich über seine Schultern, seine Brust und die einzelnen Teile des Leders, als würden sie eine alte Geschichte erzählen, deren Bedeutung Ravena nicht kannte.


Er sah nicht aus wie jemand, der sich vor anderen verbeugen musste.


Er sah aus wie jemand, vor dem sich andere verbeugten.


Sein schwarzes Haar fiel ihm ungeordnet über die Stirn. Zwischen den dunklen Strähnen lagen einzelne auffallend helle Haare, die beinahe silbern wirkten und sich deutlich von seinem ansonsten tiefschwarzen Haar abhoben. Einige Strähnen hingen ihm über die Stirn und berührten beinahe seine Augen, doch er schien sich nicht darum zu kümmern.


Nichts an ihm wirkte zurechtgemacht oder darauf ausgelegt, anderen zu gefallen. Selbst seine Unordnung besaß etwas Bedrohlich Selbstsicheres.


Dann sah Ravena sein Gesicht genauer.


Scharfe, markante Gesichtszüge. Ein kräftiger Kiefer, hohe Wangenknochen und dunkle, gerade Augenbrauen, die seinem Blick zusätzliche Härte verliehen. Seine Lippen waren voll, doch sie lagen vollkommen regungslos aufeinander. Kein Lächeln. Keine freundliche Geste. Nicht einmal ein Anzeichen dafür, dass ihn ihre Anwesenheit wirklich interessierte.


Bis seine Augen auf ihre trafen.


Ravena vergaß für einen Moment zu atmen.


Kristallblau.


Nicht das warme Blau eines Sommerhimmels und auch nicht das sanfte Blau eines klaren Sees.


Seine Augen waren kalt.


Unnatürlich kalt.


Sie erinnerten Ravena an Eiskristalle, die unter dem Licht des Mondes glitzerten. In ihren Tiefen schimmerten feine silbrige Nuancen, die seine Iris beinahe durchsichtig erscheinen ließen. Je nachdem, wie das Licht auf sein Gesicht fiel, wirkten sie wie gefrorenes Wasser und im nächsten Augenblick wie scharfkantige Splitter aus Eis.


Doch es war nicht die ungewöhnliche Farbe, die Ravena die Kehle zuschnürte.


Es war die Art, wie er sie ansah.


Sein Blick glitt langsam über ihr Gesicht, blieb für einen Moment auf ihren Augen liegen und wanderte anschließend über ihre Gestalt. Nicht gierig. Nicht interessiert.


Prüfend.


Als würde er bereits versuchen herauszufinden, ob das, was seine Leute ihm gebracht hatten, tatsächlich dem entsprach, was ihm versprochen worden war.


Ravena fühlte sich mit jedem Herzschlag kleiner.


Sie wollte seinem Blick ausweichen, doch irgendetwas in ihr weigerte sich, als Erste nachzugeben.


Also sah sie ihn ebenfalls an.


Sekunden verstrichen.


Xhaevryn bewegte sich nicht.


Doch tief in seiner Brust schien etwas kaum hörbar zu vibrieren.


Ein leises, kaum wahrnehmbares Knurren.


Ravenas Nackenhaare stellten sich auf.


Ihr Vater räusperte sich und schob den Geldbeutel näher zu sich.


„Sie wird keine Probleme machen."


Ravena riss den Blick von Xhaevryn los und starrte ihren Vater an.


Er sagte es mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass ihr beinahe schlecht wurde.


Keine Probleme.


Als hätte er gerade über ein Tier gesprochen.


Als wäre sie niemals seine Tochter gewesen.


„Dann ist die Übergabe abgeschlossen."


Xhaevryns Stimme war ruhig.


Viel zu ruhig.


Ravena spürte, wie sich ihre Finger zu Fäusten schlossen.


Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen.


Sie wusste nicht, wohin sie gebracht werden sollte. Sie wusste nicht, was dieser Mann von ihr wollte. Sie wusste nur eines.


Sie durfte nicht mit ihm gehen.


Ihr Blick wanderte unauffällig zur Tür.


Nur für einen Augenblick.


Doch Xhaevryn bemerkte es.


Natürlich bemerkte er es.


Seine kristallblauen Augen folgten ihrem Blick und zum ersten Mal veränderte sich etwas in seinem Gesicht.


Nur eine winzige Bewegung seines Kiefers verriet, dass er ihren Blick zur Tür bemerkt hatte.


Ravena wusste nicht, woher sie plötzlich den Mut nahm. Vielleicht lag es daran, dass ihr endlich bewusst geworden war, dass sie tatsächlich keine andere Wahl hatte.


Vielleicht war es der Anblick ihrer Mutter, die noch immer reglos dastand und nicht einmal den Mut aufbrachte, ihrer eigenen Tochter in die Augen zu sehen. Oder es war die Gewissheit, dass sie diesen Raum niemals freiwillig verlassen würde, wenn sie nicht genau in diesem Augenblick etwas unternahm.


Ihr Herz raste.


Das Blut rauschte so laut in ihren Ohren, dass sie für einen Moment kaum noch etwas anderes wahrnahm. Ihre Finger zitterten, während sie den Stoff ihres Kleides fester umklammerte. Sie zwang sich ruhig zu bleiben, obwohl jeder Instinkt in ihr schrie, dass sie weglaufen sollte. Ihr Blick glitt ein letztes Mal zu ihrem Vater.


Er hatte den schweren Beutel inzwischen an sich genommen und ließ ihn in seiner Hand wiegen, als müsste er sich davon überzeugen, dass der Handel tatsächlich stattgefunden hatte. Ein zufriedener Ausdruck lag auf seinem Gesicht, während er die Münzen betrachtete die er für seine eigene Tochter bekommen hatte.


Ravena spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog.


Er sah nicht einmal mehr aus wie ihr Vater.


Nicht in diesem Moment.


Er sah aus wie ein Mann, der gerade etwas verkauft hatte, das ihm nichts mehr bedeutete.


Und vielleicht hatte sie ihm tatsächlich nie etwas bedeutet.


Sie schluckte die aufsteigenden Tränen hinunter, bis der Schmerz in ihrer Kehle kaum noch auszuhalten war. Sie würde vor ihnen nicht weinen. Nicht vor ihm. Nicht vor ihrer Mutter. Und ganz bestimmt nicht vor diesem fremden Mann, dessen eisblaue Augen noch immer auf ihr ruhten, als könnte er jeden Gedanken lesen, den sie verzweifelt zu verbergen versuchte.


Dann handelte sie.



Ravena riss ihren Blick von ihrem Vater los und ließ ihn ein letztes Mal durch den Raum wandern. Die Tür war von zwei Männern versperrt, die inzwischen deutlich aufmerksamer geworden waren. Dort würde sie niemals vorbeikommen, ohne dass man sie sofort zu fassen bekam.


Ihr Blick glitt weiter durch den Raum, bis er an einem hohen Fenster an der gegenüberliegenden Wand hängen blieb. Schwere, dunkle Vorhänge umrahmten den alten Holzrahmen, und hinter dem Glas lag nichts als die undurchdringliche Schwärze der Nacht.


Dahinter musste der Wald liegen.


Vielleicht war das ihre einzige Chance.


Ihr Herz schlug bis zum Hals, während sie versuchte ihre aufsteigende Panik niederzukämpfen. Sie wusste nicht, wie weit der Boden unterhalb des Fensters entfernt war, wusste nicht, ob sie den Sprung unverletzt überstehen würde, und eigentlich wollte sie es auch gar nicht wissen. Alles, was sie wusste, war, dass sie nicht hierbleiben konnte.


Nicht bei ihren Eltern.


Nicht bei diesen Männern.


Und ganz bestimmt nicht bei Xhaevryn Vhaerion.


Sie setzte sich langsam in Bewegung und versuchte dabei, so unauffällig wie möglich zu wirken. Ein Schritt zur Seite, dann noch einer. Ihre Finger zitterten, weshalb sie sie unauffällig in den Stoff ihres Kleides krallte.


Niemand hielt sie auf.


Noch nicht.


Ihr Vater war noch immer mit dem Beutel beschäftigt, den er für sie bekommen hatte, während ihre Mutter mit gesenktem Kopf dastand. Die Männer an der Tür schienen ebenfalls nicht damit zu rechnen, dass Ravena noch einen weiteren Fluchtversuch wagen würde.


Nur Xhaevryn bewegte sich nicht.


Er stand dort, vollkommen ruhig, und beobachtete sie.


Ravena spürte seinen Blick auf sich, obwohl sie ihn nicht ansah. Diese kristallblauen Augen schienen jeden ihrer Schritte zu verfolgen, als würde er längst wissen, was in ihrem Kopf vorging. Sie zwang sich trotzdem weiterzugehen.


Noch wenige Meter.


Das Fenster kam näher.


Ravena konnte bereits die feinen Schnitzereien im alten Holzrahmen erkennen. Ihre Hoffnung wuchs mit jedem Schritt, obwohl ein Teil von ihr wusste, dass sie sich vielleicht gerade in eine noch größere Gefahr brachte.


Sie erreichte das Fenster.


Ihre Hand schloss sich um den Griff.


Sie zog.


Nichts.


Das Fenster bewegte sich keinen Millimeter.


Ravena zog erneut daran, diesmal mit aller Kraft.


„Komm schon ..."


Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.


Hinter ihr bewegte sich jemand.


Sie hörte Schritte.


Ihr Atem stockte.


Sie durfte keine Zeit verlieren.


Mit beiden Händen packte sie den Griff und riss daran, bis ihre Finger schmerzten. Der alte Verschluss hielt stand.


Verriegelt.


Natürlich war es verriegelt.


Ravena schloss für einen Moment die Augen. Tränen brannten dahinter, doch sie zwang sie zurück. Sie hatte keine Zeit Angst zu haben.


Dann sah sie zur Scheibe.


Dahinter war die Nacht.


Und vielleicht ihre Freiheit.


Sie trat einen Schritt zurück.


Dann noch einen.


Ihr Herz raste, während sie den Abstand zwischen sich und dem Fenster abschätzte.


„Ravena."


Xhaevryns Stimme ließ ihren Körper erstarren.


Sie drehte sich nicht um.


Sie wusste auch so, dass er sie beobachtete.


„Bleib stehen."


Seine Stimme war ruhig, beinahe gefährlich ruhig.


Ravena schloss die Augen.


Nein.


Sie würde nicht stehen bleiben.


Nicht dieses Mal.


Sie nahm Anlauf.


Hinter ihr erklangen plötzlich schnelle Schritte, doch Ravena war bereits zu nah am Fenster, um noch zurückzuweichen.


Sie sprang.


Ihr Körper prallte mit voller Wucht gegen die geschlossene Fensterscheibe.


Ein ohrenbetäubendes Krachen zerriss die Stille.


Das Glas zerbarst unter ihrem Aufprall und schoss in unzähligen Splittern auseinander. Ravena schrie auf, als mehrere scharfe Stücke ihre Arme trafen und sich in ihre Haut bohrten. Ein brennender Schmerz zog sich über ihre Schulter und ihre Seite, während die Wucht des Aufpralls sie durch die zerbrochene Fensteröffnung schleuderte.


Für einen kurzen Augenblick war nichts.


Keine Stimmen.


Kein Raum.


Nur die eisige Nachtluft, die ihr entgegenpeitschte.


Dann stürzte sie.








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