Kapitel 1 – ToyBoy
Der Club lag in einem unauffälligen Industriegebiet im Osten von Los Angeles, hinter einer stahlverstärkten Tür ohne Schild, nur eine kleine Gravur im Metall – The Body-Shop – ließ erahnen, was sich dahinter verbarg. Wer den Code kannte und die schwere Tür durchschritt, betrat eine Welt, die den Regeln der Außenwelt nicht mehr folgte. Ein großer, fensterloser Raum erstreckte sich hinter einem Vorhang aus schwerem schwarzem Samt, beleuchtet von indirekten Lichtstreifen, die warmes Bernsteinlicht über die Wände warfen. Bequeme Ledersessel standen in einem weiten Halbkreis aufgestellt, einige davon mit niedrigen Tischen davor, auf denen Getränke in dicken Gläsern standen. An den Wänden hingen Gerätschaften: Peitschen, Paddel, Seile, Ketten – ordentlich aufgereiht wie Instrumente in einer Werkstatt. In der Mitte des Raumes dominierte ein massiver Flaschenzug von der Decke, die Stahlseile glänzten im gedimmten Licht, die Rollen frisch geölt.
An diesem Flaschenzug hing ein Mann.
Er war siebenundzwanzig, schlank und muskulös zugleich, mit dem athletischen Körper eines Mannes, der ihn wie eine Waffe trainierte – ein MMA-Kämpfer, das war jedem im Raum sofort klar. Lange, kastanienbraune Haare fielen ihm ungebändigt über die Schultern, während markante, doch weiche Gesichtszüge und sein gesenkter Blick einen eigentümlichen Kontrast zu seiner körperlichen Präsenz bildeten. Seine Tätowierungen verrieten viel über ihn: Ein dichtes schwarz-graues Tattoo-Sleeve mit floralen und ornamentalen Motiven bedeckte seinen rechten Arm und reichte über die Schulter, während auf seinem linken Unterarm, in geschwungener Schrift, das Wort ToyBoy stand. Er trug nichts außer einer dunklen Jeans, die tief auf den Hüften saß und die V-förmigen Linien seines Unterbauchs betonte. Seine Hände waren über dem Kopf gefesselt, die Handgelenke in gepolsterte Ledermanschetten eingeschlossen, die mit Karabinern an den Stahlseilen des Flaschenzugs befestigt waren. Die Seile hatten ihn nach oben gezogen, so dass sein Körper gestreckt war, die Arme voll durchgestreckt, die Rippen leicht sichtbar unter der Haut – aber so justiert, dass er noch auf den Füßen stand, die Sohlen flach auf dem kühlen Betonboden. Seine Augen waren mit einem schwarzen Seidentuch verbunden, das fest um seinen Kopf gebunden war. Seine kastanienbraunen Haare fielen ihm sanft auf die Schultern, leicht verschwitzt an den Schläfen.
Um ihn herum saßen zwanzig Gäste. Doms und Dominas, einige in Begleitung ihrer eigenen Subs, die auf dem Boden neben ihren Sesseln knieten oder an deren Füßen lehnten. Die Kleidung der Anwesenden war eine Mischung aus Leder, Latex und dunklem Stoff – eine Domina in einem engen roten Korsett saß im vorderen Sessel, ihr Sub, eine junge Frau mit Halsband, kauerte neben ihr. Ein großer, bärtiger Dom lehnte sich zurück, ein Glas Whiskey in der Hand, sein Blick auf ToyBoy gerichtet. Die Stimmung war ruhig, konzentriert, wie bei einer Eröffnung, bei der jeder wusste, dass die Nacht noch lang werden würde. Erotische Musik drückte aus versteckten Lautsprechern, ein langsamer, schwerer Bassrhythmus, der sich wie ein Herzschlag durch den Raum zog.
Master Payne trat aus dem Schatten.
Er war ein Mann Mitte fünfzig, breit wie ein Schrank, die Muskeln unter dem schwarzen Lederoutfit – einer eng anliegenden Lederweste über nacktem Oberkörper, Lederhose, schweren Stiefeln – bewegten sich wie Maschinenteile unter Öl. Sein Kopf war kahl rasiert, der Kiefer kantig, ein grauer Ziegenbart umrahmte schmale Lippen. Seine Hände waren groß, die Knöchel behaart, die Fingerkuppen vernarbt. Er war im Club bekannt, und sein Ruf eilte ihm voraus: Master Payne schlug nicht, um zu spielen. Er schlug, um Spuren zu hinterlassen.
Er ging langsam um ToyBoy herum, die Stiefel auf dem Beton, jeder Schritt ein metallisches Klicken. Die dünne Gerte in seiner rechten Hand – ein einfacher, schwarzer Stock, nicht dicker als ein Bleistift – schlug leise gegen seinen eigenen Oberschenkel. Er blieb hinter ToyBoy stehen, betrachtete den gestreckten Rücken, die Linie der Wirbelsäule, die sich unter der Haut abzeichnete.
„Meine Freunde“, sagte er, seine Stimme tief und rau, wie Kies unter Stiefeln. „Heute Abend haben wir ToyBoy. Wer von euch kennt ihn nicht?“ Ein leises Murmeln ging durch die Reihen. Master Payne ließ die Gerte über ToyBoys Schulter gleiten, langsam, die Spitze über das Tattoo auf der rechten Schulter fahrend. ToyBoys Kopf drehte sich leicht, folgte der Berührung, sein Kinn hob sich. „Er steht euch zur Verfügung. Einzelne oder mehrere – wie immer ihr es wollt. Macht euch keine Gedanken um Zurückhaltung. Er braucht es nicht.“
ToyBoys Brust hob und senkte sich, ein tiefes Ausatmen durch leicht geöffnete Lippen. Seine Finger zuckten in den Manschetten, die Knöchel weiß.
Master Payne trat einen Schritt zurück. Die Gerte hob sich.
Der erste Schlag traf die rechte Schulter – ein kurzes, scharfes Geräusch, wie ein Ast, der bricht. ToyBoys Körper spannte sich an, die Muskeln unter der Haut verhärteten sich für einen Herzschlag, dann entspannten sie sich wieder. Ein leises Zischen durch die Zähne. Die Spur der Gerte erschien als dünne rosa Linie auf der Haut.
„Gut“, sagte Master Payne, mehr zu sich selbst als zu den Gästen. Er ging weiter, um den Körper herum, die Stiefel auf dem Boden. Der zweite Schlag traf den linken Latissimus, etwas härter, die Gerte biss in die Haut und federte zurück. ToyBoy schwankte minimal, das Gewicht verlagerte sich auf den rechten Fuß, dann zurück. Sein Atem ging schneller, die Rippen dehnten sich unter der Haut.
Ein Dom in der zweiten Reihe, ein jüngerer Mann mit kurzem blonden Haar und einem schwarzen Polohemd, lehnte sich vor. „Darf ich?“
Master Payne nickte, trat einen Schritt zur Seite und hielt ihm die Gerte hin. „Bedien dich.“
Der blonde Dom stand auf, nahm die Gerte und trat an ToyBoy heran. Er roch nach Zedernholz und Schweiß. Er ließ die Gerte über ToyBoys Bauch gleiten, über die Linien der Muskeln, die sich bei der Berührung zusammenzogen. ToyBoys Lippen öffneten sich, ein kaum hörbares Geräusch, halb Stöhnen, halb Seufzer. Der blonde Dom hob die Gerte und schlug gegen die rechte Flanke – ein flacher, präziser Schlag. ToyBoys Kopf warf sich zur Seite, die Haare peitschten über die Schultern. Die rosa Linie erschien sofort, parallel zu einer älteren, verblassten Spur.
„Schön“, sagte die Domina im roten Korsett, ihr Glas hebend. Ihr Sub neben ihr starrte auf ToyBoy, die Augen groß, die Hände auf den Knien zu Fäusten geballt.
Master Payne nahm die Gerte zurück. „Heute dürft ihr mit ihm fast alles machen, was ihr wollt“, wiederholte er, und seine Stimme schnitt durch den Bass der Musik wie eine Klinge. „Nur drei Einschränkungen hat er erbeten, kein Spitting, Scat oder Bloodplay. Sonst seit ihr frei und dürft euch nach Belieben austoben!“
ToyBoy stand still, die Arme über dem Kopf, die Hände in den Manschetten, der Körper gestreckt und wartend. Sein Atem ging gleichmäßig, kontrolliert – die Disziplin eines Kämpfers, der gelernt hatte, Schmerz zu kanalisieren. Aber die Gänsehaut auf seinen Unterarmen, das leichte Zittern in seinen Oberschenkeln, die Art, wie sein Kopf sich drehte, um Geräusche zu orten – all das verriet, was unter der Oberfläche brodelte.
Master Payne hob die Gerte erneut, und der dritte Schlag traf die Rückseite der Oberschenkel, direkt unter dem Saum der Jeans. ToyBoy stieß die Luft aus den Lungen, ein scharfes, offenes Geräusch, und seine Knie beugten sich für den Bruchteil einer Sekunde, bevor er sich wieder aufrichtete. Die Musik drückte weiter, der Bass pulsierend, und die zwanzig Paar Augen im Raum blieben auf den Mann am Flaschenzug gerichtet, wartend, hungrig.
Die Domina im roten Korsett erhob sich aus ihrem Ledersessel, und das Knarren des Polsters schnitt durch den schweren Bass, der aus den versteckten Lautsprechern pulsierte. Ihre Absätze klickten auf dem Betonboden – ein gleichmäßiges, metallisches Ticken, das näher kam, Schritt für Schritt, bis es direkt hinter ToyBoy stand. Sie roch nach Zedernholz und etwas Süßem, vielleicht Vanille, eine Note, die sich unter dem Leder und Schweiß der Raumluft behauptete. Die weiche Lederpeitsche in ihrer rechten Hand war kein Instrument für Schmerz, sondern für etwas Subtileres – neun geschmeidige Zungen aus schwarzem Rindsleder, die sich wie Wasser über die Haut legen konnten, wenn die Hand dahinter es wollte. Die erste Berührung war kaum mehr als ein Streicheln. Die Lederzungen flossen über ToyBoys Brust, von der linken Schulter abwärts über den angespannten Brustmuskel bis zur Mitte des Brustbeins, wo sich eine dünne Schicht Schweiß gesammelt hatte. ToyBoys Brustkorb hob sich einen halben Atemzug tiefer. Die Domina lehnte sich vor, bis ihre Lippen fast sein Ohr berührten, und der Atem, der aus ihrem Mund kam, war warm und trug den Geruch von Rotwein.
„Schrei für mich“, sagte sie, und das Wort war keine Bitte. „Lass es raus!“ Die Peitsche schwang zurück und traf mit einem harten, vollen Schlag auf seine rechte Brusthälfte. Kein Schmerz – eher ein Klatschen, das durch den Muskel vibrierte wie ein Bassschlag. ToyBoys Bauchmuskeln kontrahierten sich kurz, entspannten wieder. Die Domina schlug erneut zu, diesmal von der anderen Seite, und das Leder verteilte sich über seine linke Brust, die Zungen teilweise über das Ärmeltätowierung auf seinem rechten Arm streifend. Ein dritter Schlag, fester, traf direkt auf das Sternum, und ToyBoy stieß einen Laut aus, der zwischen einem Seufzer und einem Stöhnen lag – ein Geräusch, das er sofort schluckte, als wäre es ihm entwischt. „Hör auf, es zurückzuhalten“, zischte sie, diesmal lauter, sodass die Gäste in der ersten Reihe es hören konnten. Der große bärtige Dom mit dem Whiskeyglas lehnte sich vor, der Eiswürfel klirrte gegen den Rand. „Ich will hören, was ich mit dir mache.“
Ein vierter Schlag, diesmal mit mehr Schwung, die Lederzungen flogen auseinander und trafen ToyBoys Bauch, von den unteren Rippen bis knapp über den Jeansbund. Sein Körper bog sich leicht nach hinten, die Arme spannten sich in den Manschetten, die Stahlkabel knackten. Die Domina ließ die Peitsche sinken und strich mit den Fingerspitzen über die roten Spuren, die das Leder auf seiner Haut hinterlassen hatte – zarte, fächerförmige Abdrücke, die unter der Bernsteinbeleuchtung glänzten. ToyBoy drehte den Kopf leicht, die Seidenbinde rutschte einen Millimeter. Die Domina hatte gerade wieder die Peitsche angehoben, als aus der zweiten Reihe eine Stimme kam.
„Warum nicht ein Messer?“
Der blonde Dom im schwarzen Polohemd hatte sich zurückgelehnt und betrachtete ToyBoy nachdenklich. Sein Blick wanderte über den gestreckten Körper, blieb an den roten Spuren auf Brust und Bauch hängen. „Nur ein kleiner Schnitt“, fügte er hinzu. „Nichts Ernstes. Ein bisschen Blut würde das Ganze interessanter machen.“
Payne wandte den Kopf.
„Nein.“
Es war nur ein Wort, aber es genügte. Der blonde Dom hob beschwichtigend eine Hand.
„War nur ein Vorschlag.“
„Und ein schlechter.“ Payne trat einen Schritt näher an ToyBoy heran. „Er hat seine Grenzen genannt. Kein Spitting. Kein Scat. Kein Bloodplay.“ Er ließ den Blick durch den Raum wandern. „Das gilt für jeden hier. Auch für dich.“
Der blonde Dom nickte und hob sein Glas wieder auf. „Verstanden.“
Payne wandte sich erneut ToyBoy zu. Die Domina war inzwischen zurückgetreten und ließ die Peitsche locker an ihrer Seite hängen. „Noch irgendwelche Vorschläge, bevor wir weitermachen?“, fragte Payne in den Raum. Niemand antwortete.
„Gut.“
Er legte die Gerte gegen seinen Oberschenkel und betrachtete ToyBoy einen Moment. Dann hob er das Kinn.
„Du hast deine Grenzen gesetzt. Und die bleiben bestehen.“
ToyBoy neigte den Kopf kaum merklich. Eine kleine Bewegung, aber Payne sah sie.
„Master Payne?“
Payne wandte sich ihm zu.
„Ja, ToyBoy?“
„Darf ich bitte etwas sagen?“
Seine Stimme war leise und respektvoll. Er hielt den Kopf gesenkt, soweit es die Fesselung zuließ.
„Du darfst.“
ToyBoy atmete langsam ein.
„Der Mann, der gerade gesprochen hat …“ Er machte eine kurze Pause. „Ich möchte Euch bitten, ihn hinauszuschicken, Master Payne.“
Payne sah zu dem blonden Dom.
„Warum?“
ToyBoy konnte seinen Blick nicht sehen. Die schwarze Seidenbinde lag weiterhin fest über seinen Augen. Seine Finger bewegten sich unruhig in den Manschetten.
„Ich weiß nicht, wer er ist“, sagte er ruhig. „Aber er hat vorgeschlagen, mich zu schneiden, obwohl meine Grenzen bekannt sind.“
Der blonde Dom richtete sich in seinem Sessel auf.
„Ich habe doch gesagt, dass es nur ein Vorschlag war.“
ToyBoy wandte den Kopf in Richtung der Stimme.
„Ich weiß, Sir.“
Dann senkte er den Kopf wieder in Paynes Richtung.
„Aber ich vertraue ihm nicht, Master Payne.“
Für einen Moment sagte niemand etwas. Nur der Bass der Musik war zu hören.
„Ich möchte Euch deshalb bitten, dass er den Raum verlässt.“
Payne sah den Mann lange an. Dann ließ er den Blick durch den Raum wandern. Einer nach dem anderen begegnete ihm. Die Domina im roten Korsett erwiderte seinen Blick und nickte kaum merklich. Der große bärtige Dom stellte sein Glas auf den Tisch ab und lehnte sich zurück. Auch die übrigen Gäste blieben ruhig; keiner widersprach.
Payne wandte sich wieder dem blonden Dom zu.
„Du hast ihn gehört.“
„Master Payne, das war wirklich nur—“
„Raus.“
Der blonde Dom sah ihn noch einen Moment an. Dann stand er auf, stellte sein Glas ab und ging zur Tür. Sie öffnete sich mit einem schweren metallischen Geräusch und fiel hinter ihm wieder ins Schloss.
Payne wartete, bis das Geräusch verklungen war.
„Besser?“
ToyBoy nickte.
„Ja, Master Payne. Danke.“
Payne ließ noch einen Moment verstreichen. Dann wandte er sich an die übrigen Gäste.
„Gut. Wir machen weiter.“
Ein leises Raunen ging durch den Raum, mehrere Gäste rückten wieder in ihren Sesseln zurecht. Die Domina nahm ihre Peitsche erneut in die Hand. Payne trat vor ToyBoy und griff nach der Kette des Flaschenzugs und begann, sie gleichmäßig nach unten zu ziehen. Über ToyBoy setzte sich die Mechanik langsam in Bewegung. Das Stahlseil spannte sich, die gepolsterten Manschetten zogen sich nach oben. ToyBoy richtete sich auf, bis seine Fersen den Boden verließen. Payne zog weiter, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Noch ein Stück. Jetzt berührten nur noch die Zehenspitzen den Beton. Payne ließ die Kette los.
ToyBoy blieb in dieser Position. Seine Arme waren vollständig über den Kopf gestreckt, die Schultern angespannt. Für einige Sekunden bewegte er sich kaum. Er versuchte, die Spannung aus den Armen zu nehmen, doch das Gewicht seines Körpers hing an den Manschetten. Der Bass der Musik lief weiter. ToyBoy verlagerte das Gewicht von einem Fuß auf den anderen, so weit es überhaupt möglich war. Seine Zehen suchten Halt auf dem glatten Beton. Die Schultern begannen unter der Belastung zu zittern.
Payne nahm die Gerte. Er ging langsam um ToyBoy herum. Der erste Schlag kam ohne Vorwarnung. Die Gerte traf über den Rücken und hinterließ ein scharfes Geräusch, das sich für einen Moment deutlich aus dem Bass der Musik abhob. ToyBoy zuckte, hielt die Position jedoch. Payne ging weiter. Ein zweiter Schlag. Dann trat einer der anderen Doms näher. Er hielt einen kleinen Elektroschocker in der Hand und legte ihn nur kurz gegen ToyBoys Seite. Ein leises Summen war zu hören. ToyBoy spannte den gesamten Körper an, fing die Bewegung jedoch wieder ab und blieb hängen. Payne umrundete ToyBoy erneut. Die Gerte sauste wieder durch die Luft und traf diesmal seine Seite. ToyBoy presste die Lippen aufeinander.
Es folgte kein Wort. Payne beobachtete ihn. Die Sekunden zogen sich. ToyBoys Atmung wurde schwerer. Sein Brustkorb hob und senkte sich schneller, während die Schultern unter der dauernden Belastung zitterten. Schweiß sammelte sich an seinem Haaransatz und lief über die Schläfe. Einzelne Strähnen seines langen Haares klebten inzwischen an seinem Hals. Ein weiterer Dom trat hinzu. Er hob die flache Hand und schlug ToyBoy damit gezielt in den Solarplexus. Die Wirkung war sofort sichtbar. ToyBoys Körper krümmte sich reflexartig nach vorn, soweit es die Fesselung zuließ. Für einen Moment blieb ihm die Luft weg. Seine Beine zitterten, die Zehenspitzen suchten verzweifelt nach Halt, während er versuchte, seinen Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen. Der Dom trat zurück.
ToyBoy richtete sich langsam wieder auf. Er atmete stoßweise, zwang sich jedoch, die Position zu halten. Payne sagte nichts, sondern beobachtete ihn genau. ToyBoys Zähne waren fest aufeinandergepresst. Die Muskeln an seinem Kiefer zeichneten sich deutlich ab. Ein feines Zittern lief über seinen Unterkiefer und wurde stärker, je länger er die Position hielt. Payne blieb stehen. Die Gerte sank ein Stück. Der große bärtige Dom stellte sein Glas ab und betrachtete ToyBoy aufmerksam.
„Der ist bald am Ende“, sagte er leise.
Payne antwortete nicht. ToyBoy kämpfte weiter. Seine Arme zitterten inzwischen sichtbar. Der Schweiß lief ihm über Rücken und Brust, und jeder Atemzug kam schwerer als der vorherige. Payne wartete noch einen Moment. Dann trat er näher an den Flaschenzug heran. ToyBoy kämpfte immer noch gegen die Schmerzen an, ließ nur ein leises Keuchen ertönen. Payne betrachtete seine verkrampften Hände in den Manschetten, die zitternden Arme und den bebenden Kiefer.
„Willst du, dass ich es beende?“
ToyBoy reagierte zunächst nicht. Dann senkte sich sein Kopf ein Stück. Ein zittriges Nicken.
Payne hob die Gerte.
„Gut.“
Er holte aus und ließ sie ein letztes Mal auf ToyBoys Bauch schnellen. Der Schlag traf hart. Ein scharfer Schmerzensschrei brach aus ToyBoy heraus. Sein Körper spannte sich unter dem Schmerz an, die Beine zuckten, und für einen Moment hing er völlig reglos in den Fesseln. Dann rang er keuchend nach Luft und zwang sich, die Spannung aus seinem Körper wieder unter Kontrolle zu bringen.
Payne ließ die Gerte sinken.
„Dann befreie dich selbst.“
ToyBoy hob den Kopf. Für einen Moment geschah gar nichts. Dann begann er, seinen Körper vorsichtig nach oben zu strecken. Die gepolsterten Manschetten lagen fest um seine Handgelenke und waren über kurze Verbindungsgurte mit einem gemeinsamen Karabiner verbunden, der wiederum am Ende des Flaschenzugs hing. Seine Arme waren vollständig über den Kopf gestreckt. Um an den Verschluss zu gelangen, musste er den Körper so weit wie möglich nach oben bringen.
Seine Füße blieben auf den Zehenspitzen. Er konnte sich nur wenige Zentimeter höher drücken, doch das genügte nicht. Die Schultern brannten, die Arme zitterten bereits von der Belastung, und jeder Versuch, die Hände weiter nach oben zu bekommen, ließ die Muskeln in seinem Rücken verkrampfen. Er senkte die Fersen wieder ein Stück, holte tief Luft und versuchte es erneut.
Diesmal streckte er sich so weit, wie sein Körper es zuließ. Seine Zehen krallten sich in den Beton, während er die Schultern nach oben zog. Die Finger tasteten blind über die Verbindung zwischen den Manschetten und dem Stahlseil. Zuerst fanden sie nur das glatte Metall des Karabiners, dann dessen kleinen Verschluss.
ToyBoy hielt inne. Schon diese Bewegung kostete ihn Kraft. Seine Finger zitterten so stark, dass er den Verschluss zunächst nicht richtig zu fassen bekam. Er tastete noch einmal darüber, fand den kleinen Bügel und legte die Finger darum.
Er musste eine Hand etwas lösen, während die andere den Karabiner festhielt. Die Verbindung spannte sich sofort wieder, und sein Körper wurde ein Stück nach oben gezogen. Ein scharfer Schmerz fuhr durch seine Schultern. ToyBoy biss die Zähne zusammen und versuchte, die Position zu halten.
Mit der Fingerspitze fand er schließlich den Mechanismus.
Er drückte.
Nichts.
Sein Arm begann zu zittern. Für einen Moment drohten ihm die Kräfte zu versagen, doch er blieb auf den Zehenspitzen und setzte erneut an. Diesmal bewegte sich der Verschluss ein Stück. Ein leises metallisches Klicken war zu hören.
ToyBoy hielt den Atem an.
Dann drückte er noch einmal mit aller Kraft.
Der Karabiner sprang auf.
Die Spannung der Verbindung verschwand augenblicklich. ToyBoy verlor das Gleichgewicht und sank aus der gestreckten Position zurück. Seine Füße fanden wieder den Boden, diesmal mit der ganzen Sohle. Er schwankte, fing sich und blieb keuchend stehen.
Die Manschetten waren noch immer geschlossen. Doch sie hingen jetzt nur noch an den kurzen Verbindungsgurten herab; der Zug des Flaschenzugs war verschwunden.
ToyBoy stand da, zitternd, keuchend und völlig erschöpft.
Für einen Moment blieb es still. Dann stieß der große bärtige Dom einen anerkennenden Laut aus und schlug einmal kräftig mit der flachen Hand auf die Armlehne seines Sessels.
„Verdammt.“
Die Domina im roten Korsett hatte ihre Peitsche längst sinken lassen. Ihr Blick glitt über ToyBoy, blieb an seinem verschwitzten Körper und den zitternden Muskeln hängen. Ein anerkennendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Das war heiß“, sagte sie leise.
Auch von den anderen Gästen kamen vereinzelte Reaktionen. Einer pfiff kurz durch die Zähne, ein anderer nickte anerkennend. Payne selbst blieb zunächst still. Sein Blick ruhte auf ToyBoy, auf den zitternden Armen, den angespannten Schultern und dem Brustkorb, der sich noch immer heftig hob und senkte. Dann trat er näher und legte ToyBoy eine Hand auf die Schulter.
„Gut gemacht.“
ToyBoy bewegte sich kaum. Er stand einfach da und rang nach Atem. Payne sah zu den anderen.
„Das war ein Kraftakt.“
Der große bärtige Dom nickte. „Allerdings.“
Payne wandte sich wieder ToyBoy zu. Für einen Moment lag etwas Anerkennung in seinem Blick, das über die bloße Beurteilung der Szene hinausging.
Dann nickte er einmal.
„Sehr gut.“
Payne blieb noch einen Moment neben ihm stehen. Dann löste er mit geübten Handgriffen die Verbindung vollständig und nahm ToyBoy vorsichtig die gepolsterten Manschetten ab. Er ließ sich dabei Zeit, prüfte kurz die Handgelenke und strich mit den Fingern über die geröteten Stellen.
„Alles in Ordnung?“
ToyBoy nickte erschöpft.
Payne reichte ihm ein Handtuch und eine Flasche Wasser. „Langsam.“
ToyBoy nahm beides. Seine Hände zitterten noch immer ein wenig, als er die Flasche ansetzte. Payne blieb bei ihm, bis er einige Schlucke getrunken hatte. Dann legte er ihm das Handtuch über die Schultern und ließ ihm einen Moment Zeit, wieder richtig zu Atem zu kommen.
Die Anspannung wich nur langsam aus seinem Körper. Seine Schultern sanken, der Atem wurde ruhiger, und schließlich hob er den Kopf wieder.
Payne betrachtete ihn kurz und nickte zufrieden. „Gut.“
ToyBoy sagte nichts. Er stand noch immer mit gesenktem Kopf da, das Handtuch um die Schultern gelegt, während um ihn herum das gedämpfte Stimmengewirr des Clubs wieder zunahm. Die Gäste begannen leise miteinander zu reden. Payne nahm ToyBoy die leere Flasche ab.
„Der Abend ist noch lang“, sagte er ruhig.
ToyBoy hob den Kopf. Payne lächelte kaum merklich. „Sehr lang.“
Nachdem ToyBoy zur Bestätigung genickt hatte, wandte er sich ab und ging zurück zu den anderen Gästen, während der junge Mann noch einen Augenblick stehen blieb und die letzten Nachwirkungen der Anstrengung aus seinem Körper verschwinden ließ.
Später in der Nacht war der Raum ruhiger geworden. Die Musik lief leiser, Gläser standen auf den Tischen, und nach und nach verabschiedeten sich die Gäste. Payne stand an der Tür und verabschiedete jeden Einzelnen mit einem kurzen Nicken oder einigen wenigen Worten.
Auch Corinne, die Domina im roten Korsett, blieb noch einmal bei ToyBoy stehen.
„Bis bald“, sagte sie.
ToyBoy erwiderte nur ein kleines Nicken.
Der große bärtige Dom hob zum Abschied noch einmal die Hand. „Gute Nacht, mein Junge.“
Dann fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Schließlich war nur noch Payne mit ToyBoy im Raum. Payne schloss die Tür ab und wandte sich um.
Er lächelte freundlich und anerkennend. „Du hast heute eine gute Show geliefert. War alles in Ordnung für dich?“
Die Frage galt dem Mann, der nun erschöpft in einem der Sessel saß. Die Haltung, die er während der Session eingenommen hatte, war längst aus seinem Körper gewichen. Er hatte die Augen geschlossen, atmete tief durch und ließ den Abend langsam hinter sich. Auch der Name ToyBoy gehörte für diesen Moment wieder in den Hintergrund.
„Chris?“
Müde hob er eine Hand und zeigte Payne den Daumen nach oben. Dann öffnete er die Augen und sah zu ihm auf.
„Alles in Ordnung so weit. Danke, dass ihr den seltsamen Typen am Anfang rausgeworfen habt.“
Payne stellte sich hinter ihn und begann, Chris vorsichtig den Nacken zu massieren. Chris verzog das Gesicht und ließ ein unterdrücktes Stöhnen hören. Payne hielt sofort inne.
„Was ist?“
Er hob Chris’ lange Haare an und sah auf dessen Schultern. Dort zeichneten sich mehrere rote Striemen ab, an einigen Stellen war die Haut leicht aufgeplatzt.
„Oh, das tut mir leid. Ich habe das nicht gesehen.“
Sofort ging Payne zu seinem Schrank und holte eine kleine Dose Salbe heraus.
„Lass mich das verarzten.“
Chris band sich die Haare zusammen und neigte den Kopf nach vorn, um Payne Platz zu bieten. Payne trat wieder hinter ihn und begann vorsichtig, die verletzten Stellen zu versorgen.








