Auf in den Kinderhort!
Es sind bald zehn Jahre vergangen, seit Melanie und Tricolor geheiratet haben. Beide sind unterdessen 30 Jahre alt und haben zwei Kinder. Tristan wird fünf Jahre alt und muss bald im Kindergarten angemeldet werden. Er ist kein einfacher Junge, er stellt manchmal alles auf den Kopf. Seine auffällige, rote Frisur verrät, dass er ein Lausbub sein muss. Im Moment kann sich Melanie nicht nur um ihren Sohn kümmern, weil sie mit ihrem zweiten Kind, Inga, viel zu tun hat. Inga wird bald drei Jahre alt und muss beschäftigt werden. Tricolor, der Vater der beiden Kinder, arbeitet tagsüber als Lehrer Grinwood in einer Primarschule.
Eines Morgens, als alle gemeinsam frühstücken, fängt der kleine Tristan laut an zu lachen und fragt schelmisch: «Mama, hast du mich im Kindergarten angemeldet, oder darf ich heute Papa zur Schule begleiten? Mir ist es daheim langweilig.» Doch Tristan wird enttäuscht. Da Melanie noch keinen geeigneten Kindergarten gefunden hat, hat sie ihn telefonisch für einen Tag im Kinderhort angemeldet. Zum Schulbesuch meint der Vater: «Kommt überhaupt nicht in Frage, du bist viel zu klein dafür. Ausserdem darf ich nicht gestört werden, ich muss mehr als 20 Kinder unterrichten.» Die Mutter verspricht ihrem Sohn aber, dass er sich heute nicht langweilen werde, da er zu Frau Pink in den Hort gehen dürfe. Tristan wehrt sich, weil er sich nicht mehr so klein vorkommt und nicht wie ein Baby behandelt werden will. Melanie gibt aber nicht nach und bringt ihren Sohn dorthin, auch wenn er den ganzen Weg trotzt. «Na endlich sind wir angekommen, das war ein viel zu langer Fussmarsch», jammert Tristan genervt. Melanie verspricht ihrem Sohn, dass es ihm hier gefallen werde. «Wo ist überhaupt meine Schwester? Solltest du nicht auf sie aufpassen?», fragt Tristan neugierig. Seine Mutter sagt ihm, dass Oma unterdessen auf Inga aufpasst. Natürlich wird der Junge eifersüchtig und bekommt vor Wut einen roten Kopf. Er ist enttäuscht, dass er nicht auch bei seiner Oma sein darf. Tristan trotzt weiter, er setzt sich auf den Boden und geht nicht weiter. «Tristan, du stehst jetzt sofort auf, sonst kommen wir zu spät», schimpft Melanie. Doch der Kleine hört nicht auf seine Mutter. Schliesslich beruhigt sie ihn und verspricht ihm, dass er am Samstag zu Oma gehen dürfe.
Als die beiden im Hort ankommen, steht Frau Pink schon im Eingang. Melanie bittet um Entschuldigung für die Verspätung, dann schaut sie zu ihrem Sohn und sagt: «Tristan, hör mir mal zu, du wirst ein braver Junge sein, versprich mir das. Ich komme dich um 15 Uhr wieder abholen.» Sie gibt ihrem Kleinen einen Kuss auf die Stirn. «Ja, Mama, ich verspreche es», erwidert Tristan. Die Hortleiterin nimmt ihn an der Hand und stellt ihn den andern Kindern vor. «Ruhe, setzt euch auf die Stühle und bildet einen Kreis. Wir haben ein neues Kind. Sein Name ist Tristan Grinwood, er wird im August fünf Jahre alt und wird heute einen Tag mit uns verbringen. Die Kinder schauen ihn neugierig an, doch sie brechen nicht in Begeisterung aus. Tristan ist der Jüngste hier, weil dieser Ort ein Schulhort für Sieben- und Achtjährige ist. Frau Pink begleitet ihren Sprössling an einen freien Tisch, der zu seiner Grösse passt. Auf dem Tisch liegen Farbstifte und Zeichnungspapier, damit sich der Kleine beschäftigen kann. «Frau Pink, weshalb haben alle andern ein Schreibheft und ich nicht?», fragt Tristan scheu. Sie erklärt ihm, dass die andern Kinder ihre Aufgaben erledigen, damit sie bessere Noten bekommen. «Wenn ich noch nicht schreiben lernen darf, kann ich dafür Aircrash spielen?», fragt Tristan überlaut, so dass es im Zimmer hallt. Die Kinder halten sich die Ohren zu. «Ja, Tristan, du darfst Aircrash spielen, solange du die andern nicht ablenkst oder nervst.» Der kleine Schlingel grinst Frau Pink mit seinen blauen Augen schelmisch an. Sie traut ihm nicht so recht und gibt dem älteren Wolfgang die Aufgabe, zwischendurch ein Auge auf Tristan zu werfen. Dann verlässt sie die Kinder, da sie an eine Sitzung gehen muss.








